Neulich beim SNEAKen: Kubo and the Two Strings 2D (dt. Untertitel: Der tapfere Samurai, Travis Knight, USA 2016)

Quelle: denofgeek.com

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Magie. Pure Magie. Das neueste und bisher beste Werk aus der Stop-Motion-Schmiede Laika (mit Sitz in Portland) hat mich regelrecht verzaubert. Abwechselnd blickte ich einfach nur mit großen Augen auf die unfassbar schönen Bilder, die sich über den Weg der Augen in mein Herz stahlen, lachte herzlich über die Dialoge oder fühlte Kubos Schmerz des Verlustes, und staunte über die detailverliebte Animation: Zusätzlich zur Stop-Motion-Technik wurde 3D-Druck (hauptsächlich zum Erzeugen von mehr Gesichtsausdrücken) und CGI eingesetzt. (Im Abspann sieht man übrigens im Zeitraffer, wie die bisher größte Stop-Motion-Puppe hergestellt wurde – wow!)

Da ich mich noch gestern Nacht beim Reinlesen in einige Kritiken geärgert habe, dass der Plot hier z. Tl. falsch wiedergegeben wird, muss ich wohl doch ein paar Worte zur Handlung verlieren: Der Film beginnt mit der Flucht von Kubos Mutter über das stürmische Meer, um ihr Baby Kubo zu retten. Wovor, weiß man als Zuschauer an dieser Stelle noch nicht. Stück für Stück lernen wir die Hintergründe kennen, denn Kubo (inzwischen ein selbstbewusster, aber auch melancholischer Junge) erzählt fast jeden Tag im Dorf die Geschichte seines Vaters, Samurai Hanzo, und zwar mit Hilfe seiner Shamisen (ein japanisches dreisaitiges Lauteninstrument), durch deren Töne er aus Origami-Blättern Figuren erschaffen kann, die seine Geschichte äußerst lebendig darstellen. Allerdings: Er erzählt die Geschichte nie zu Ende…

Seine Mutter, die nur stundenweise klar bei Sinnen ist, schärft ihm ein, dass er immer vor Sonnenuntergang zu Hause sein muss, sonst würde ihn der Mond-König (Moon King, Kubos Großvater) oder seine Tanten (the Sisters) finden. Natürlich hält Kubo das eines Abends nicht ein… Ich will nicht zu viel verraten, deswegen sei an dieser Stelle nur noch so viel gesagt: Kubo muss ohne seine Mutter fliehen – seine einzige Rettung ist es, die Rüstung, den Helm und das Schwert seines Vaters zu finden. Und so begibt er sich auf die Suche danach, mit der Hilfe von Monkey und Beetle. Es geht hier nicht darum, wie in ein paar Kritiken gelesen, dass Kubo den Tod seines Vaters rächen soll; die Rüstung ist die einzige Möglichkeit, wie er sich gegen den Moon King und die Sisters wehren kann. Die magischen Kräfte, die Kubo innewohnen, nämlich die Fähigkeit, aus Blättern (nicht nur aus Papier) Dinge zu erschaffen, helfen dabei, diese Reise zu bestehen. Doch muss Kubo auch schwere Verluste erleiden… Ach, es ist schade, dass ich noch nicht vom Ende erzählen darf/will. Der Film läuft ja erst Ende Oktober bei uns an – da möchte ich wirklich nicht zu viel preisgeben.

Kubo and the Two Strings ist irgendwie melancholisch, aber auch hoffnungsvoll. Es geht um die Liebe zwischen Eltern und Kind, um Verlust, um Erinnerung, um das Erzählen von Geschichten. Und Travis Knight (übrigens Präsident und CEO von Laika) schafft es, diese Geschichte so mit Witz und Herz und wunderschönen Bildern zu füllen, dass sein Film für mich jetzt schon der beste Animationsfilm des Jahres und einer der besten Filme des Jahres überhaupt ist. Laut IMDb hat der Film noch nicht sein Budget von ca. 60 Mio Dollar eingespielt, ich hoffe, das wird sich noch ändern! Ich werde ihn mir auf jeden Fall ein weiteres Mal – und dann in 3D, das ich bei Stop-Motion durchaus schätze – ansehen. Schaut ihn euch im Kino an (ab 27. Oktober) – und lasst euch von der Magie des Films verzaubern!

10 von 10 Punkten! ❤

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7 Antworten zu Neulich beim SNEAKen: Kubo and the Two Strings 2D (dt. Untertitel: Der tapfere Samurai, Travis Knight, USA 2016)

  1. hurzfilm schreibt:

    Emotional hat er mich nur mittelmäßig angesprochen, deswegen würde er bei mir 2,5 Punkte kriegen.

    Das schlechte Einspielergebnis kann auch damit zu tun haben, dass der Film von verschiedenen Seiten wegen „Whitewashing“, „Yellowvoicing“, „Color Blindness“, „Cultural Appropriation“ und (hier weitere SJW-Bullshit-Begriffe nach Wahl einfügen) angegriffen wurde.

    Ein Beispiel:
    http://deadline.com/2016/08/kubo-and-two-strings-protest-white-actors-japanese-characters-manaa-1201807914/

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, ich hab auch schon Kritiken gesehen, die das bemängelt haben. So ein Schmarrn! Am besten sollten sie dann wahrscheinlich noch mit japanischem Akzent Englisch sprechen? Der Film wurde auf Englisch gedreht, ist eigentlich also eine Art Synchronisation eines japanischen Stoffes… Ich finde, bei im Deutschen synchronisierten Filmen, sollten nun auch immer Synchronsprecher gefunden werden, die dieselbe Herkunft haben wie der Schauspieler im Original… Man kann’s echt übertreiben.

    • pimalrquadrat schreibt:

      Zeigt halt, dass dieser ganze PC-Mist letztlich nur zu einem führt: Weniger von allem, da jeder Furz einen potentiellen Angriff auf irgendwenn darstellen könnte. Ein Grund mehr, diesen ideologieverblendeten Kram abzulehnen.

  2. bullion schreibt:

    Klingt famos. Wusste ich noch gar nichts davon. Jetzt erstmal Trailer schauen… 🙂

  3. Stepnwolf schreibt:

    Ob Samurai Hanzo wohl ein Hatori Hanzo Schwert verwendete? 😉

  4. pimalrquadrat schreibt:

    Freut mich, dass er dir gefallen hat! 🙂
    Ich hab mich ab dem ersten Trailer verliebt und bin gespannt wie Flitzebogen auf Ende Oktober! 😀

    PS: Ich beneide dich darum, dass du ihn schon gesehen hast. Will auch! 😥

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