The Path (Season 1): Kurzkritik

Quelle: hulu.com

Quelle: hulu.com

Wow, hat mich diese Hulu-Serie (z. Zt. exklusiv bei Amazon Prime) in ihren Bann gezogen – (fast) so sehr, wie Cal (Hugh Dancy) es mit seinem Charisma immer wieder schafft, Leute vom Meyerismus zu überzeugen.

Eine Serie über eine Sekte könnte vor Klischees nur so strotzen: Vom Geld-aus-der-Tasche-Ziehen über erzwungenen Sex bis hin zu Waffenvernarrtheit, um nur ein paar zu nennen. Ja, „normale‟Anwärter auf eine Stufe auf der Leiter zum Licht sollten auch etwas spenden, aber tatsächlich geht es den Meyeristen – so sieht es zumindest nach der 1. Staffel aus – nicht um das Anhäufen von Geld. Oder doch? Ja, es gibt Sex, aber im gegenseitigen Einvernehmen, wie in der „normalen‟ Gesellschaft (von ihnen I.S. genannt: ignorant systemites). Gewalt lehnen sie ab.

Eins aber hat diese (fiktive!) Bewegung (u. a., es gibt schon noch mehr Parallelen, aber ich will auch nicht zu viel verraten) mit vielen Sekten gemein: Zweifel ist unerwünscht – und so weiß Eddie (Aaron Paul) nicht recht, was er tun soll, als er nach seinem Aufenthalt in Peru, der spirituellen „Quelle‟ der Meyeristen, mit Zweifeln an seinem Glauben an das Licht und die Leiter zurückkehrt. Er liebt seine Frau Sarah (Michelle Monaghan), die ihn als jungen, verzweifelten und wütenden Mann zum Meyerismus gebracht hatte, und seine Kinder, will diese also nicht verlieren…

Cal ist der Anführer der meyeristischen Siedlung, in der die Serie spielt. Er ist eine äußerst komplexe Figur – charismatisch und mit prinzipiell good intentions, aber mit einer dunklen Seite, die er trotz der „Nähe zum Licht‟ nicht immer unterdrücken kann. Hugh Dancy ist unfassbar gut in dieser Rolle – egal, ob er gerade eine inspirierende Rede hält, sein sexuelles Begehren kaum im Zaum halten kann, oder seine dunkle Seite ans Licht tritt (pun intended), was ihn wiederum in tiefste Verzweiflung stürzt, ich konnte mich nicht satt sehen an ihm. UNBELIEVABLE!!! Ich hätte es kaum für möglich gehalten, dass Dancy seine Leistung in Hannibal noch übertrifft – aber ich finde, er tut es hier. I’m completely and utterly in his thrall!

Was das „Fiese‟ an dieser Serie ist: Sie macht es dir nicht leicht, dich eindeutig auf die Seite der Non-Believer zu schlagen. Hey, klar, wir sind aufgeklärt und gegen fundamentalistische Religion aller Arten, also natürlich ist das mit dem Licht alles Quatsch und die Leute sind da eigentlich in dieser Gemeinschaft letztlich Gefangene von zum Teil drogeninduzierten Illusionen und Visionen. Hm, aber dann passieren da so ein paar Dinge, die a) zeigen, dass hier wirklich Menschen geholfen wird, und b) leichte Zweifel auftreten lassen, ob da nicht irgendwie doch was dran ist an der Geschichte mit dem Licht… Ich finde das sehr geschickt von den Schreibern, denn so bleibt alles etwas ambivalent, man weiß nicht schon vorher, wie alles enden wird oder wer die Wahrheit für sich beanspruchen kann.

Auf mein bisher Geschriebenes zurückblickend, stelle ich fest, dass es bei dieser Serie also hauptsächlich das exzellente Drehbuch und die fantastische Besetzung sind, die den Reiz für mich ausmachen. Anders als etwa bei True Detective (Season 1) oder Peaky Blinders, hatte ich nicht so viele Momente, in denen ich voll Ehrfurcht das Zusammenspiel von Kamera und Musik bewundert habe. Das ist relativ unspektakulär bei dieser Serie (ist nicht als negative Kritik gemeint). Ich war vielmehr gebannt von den Beziehungen und Beziehungsproblemen, von der Vielschichtigkeit des Cal (und durchaus auch anderer Figuren), von der sexuellen Energie, die vielfach zu spüren war, von der insgesamt ambivalenten Annäherung an eine Sekte (We’re not a cult – we’re a movement!). (Und wenn man sich am Ende der Staffel das obige Foto nochmal ansieht, bekommt es eine sehr interessante Bedeutung!) EDIT 15.5.17: Hulu hat offenbar automatisch das Bild oben durch das aktuelle Bild für die 2. Staffel ersetzt. Interessant… und ein bisschen creepy…

Ich vergebe ja selten Punkte für Serien(staffeln) – diese hier verdient aber locker 9 von 10 Punkten, schon allein, weil es mir ein dringendes Bedürfnis war, sofort nach Beendigung der letzten Folge meine Begeisterung mit euch zu teilen! 🙂 Absolut sehenswert!!!

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15 Antworten zu The Path (Season 1): Kurzkritik

  1. Filmschrott schreibt:

    Ich bin damit leider überhaupt nicht warm geworden und hab das nach 3 oder 4 Folgen abgebrochen. Irgendwie hat mich jede Folge zu Tode gelangweilt, aber mich dann mit dem Clifhanger am Ende doch noch zurückgekriegt. Aber irgendwann hab ich dann einfach aufgegeben. Ist schade, denn die Thematik fand ich auch durchaus interessant.

    • singendelehrerin schreibt:

      Hm, kann ich gar nicht so recht verstehen, dass dich das so gelangweilt hat… Aber Cals schwierige Vergangenheit kommt, glaub ich, erst in der 4. Folge an Licht – vielleicht bist du ja doch schon nach der 3. ausgestiegen? Aber letztlich ist das halt auch wieder Geschmacksache, es gibt ja auch Blogger, deren Meinung ich sehr schätze und die der 1. Staffel von „True Detective“ nicht viel abgewinnen konnten, während das für mich Fernsehen in Perfektion war.

      • Filmschrott schreibt:

        True Detective fand ich auch fantastisch. Man kann da ja halt auch nicht viel dran machen. Manchmal hat man einfach so Sachen, die wirklich gut sind, aber einen einfach nicht packen. Ich habe auch mittlerweile aufgehört, mich dann da durch zu quälen, in der Hoffnung, dass es doch noch was wird. Dafür fehlt mir einfach die Zeit. Ich habe zum Beispiel damals bei Boardwalk Empire 2 komplette Staffeln durchgezogen und fand es extrem einschläfernd. Heute ziehe ich den Stecker da einfach viel früher.

  2. bullion schreibt:

    Klingt sehr gut. Da wir zurzeit eh nach einer neuen Serie suchen (bzw. uns nicht festlegen können) rückt sie in den Bereich des Möglichen… 🙂

  3. hurzfilm schreibt:

    Besonders gut gefallen mir an „The Path“ die Anspielungen auf ökofundamentalistische Bewegungen – Gründungsdatum 1974, negative Umdeutung des Begriffs „future“… 😉

  4. Herba schreibt:

    Ich mag ja Michelle Monaghan gar nicht und bin auch kein großer Fan von Aaron Paul, aber hier hat Aaron mich total überzeugt und zusammen mit dem großartig aufspielenden Hugh Dancy dafür gesorgt, daß ich drangeblieben bin.
    Am Ende macht für mich neben den Schauspielern vermutlich wirklich die Ambivalenz zum Movement den Reiz dieser ersten Staffel aus und ich werde die Serie sicher erst einmal weiterverfolgen.

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