Nachgedacht: Von Soulmates – und Freundschaft

Erst durch das Schreiben über Marc Blucas und meine Gefühlausbrüche, die ich durch seine Worte und sein Auftreten hatte, ist mir klar geworden, dass er ein Stück weit wie ein Soulmate (ich ziehe das englische Wort hier dem deutschen „Seelenverwandten‟ vor) für mich scheint. Das klingt sehr realitätsfern, fangirl-style. Aber ich erwarte ja nun nicht, dass er ebenso empfindet und wir eine wunderbare Freundschaft bis an unser Lebensende führen werden. Auch wenn ich eine kleine Träumerin bin, bleibe ich auf dem Teppich, zumal ich in meinem Leben schon mehrfach erlebt habe, dass mir „echte Menschen‟ im Zweifelsfall weitaus wichtiger sind als irgendwelche Celebrities, egal wie toll ich diese auch finde. Davon möchte ich heute erzählen.

Wie ich auf ein (potentielles) Treffen mit James Marsters verzichtete:

Es begab sich im Jahre 2003, als Buffy noch immer im Fernsehen lief und Spike für mich der „hottest (singing) vampire EVER‟ war, dass ich erfuhr, dass James Marsters in einer Band singt und mit dieser (Ghost of the Robot) unter anderem auf Tour nach Frankfurt kam. Da ich – wie so oft – erst recht spät über diese Info gestolpert bin, gab es keine Tickets mehr. Zumindest offiziell. In meiner Not meldete ich mich bei Ebay an und, siehe da, für „nur‟ 100 EUR (Originalpreis: 18 EUR 😳 ) ersteigerte ich ein Ticket! Bahnfahrt gebucht, Unterkunft bei einer Freundin meiner Schwester geklärt, los ging’s! Die Zeit in Zug vertrieb ich mir unter anderem mit Lesen des Buches The Corrections von Jonathan Franzen. Angekommen in Frankfurt , suchte ich als erstes die Location (ein kleiner Club), in der das Konzert stattfinden sollte und lief dann hin und her durch die Fußgängerzone, in der Hoffnung, dass James sich vielleicht auch ein bisschen die Stadt anschauen würde. Nein, ich bin ihm nicht begegnet…

Als es dann gegen Abend ging, suchte ich den Club wieder auf und reihte mich in die vor den Türen wartenden Fans ein. Es war SEHR offensichtlich, dass die meisten Leute, die da standen, Buffy-Fans waren. Zum Teil hatten sie Fan-Shirts an, zum Teil war es einfach so erkennbar. Mir fiel eine großgewachsene Frau etwas näher am Eingang auf: Sie hatte etwas zum Lesen mitgebracht, um die Wartezeit zu verkürzen. Ihr ahnt es schon: Es war The Corrections, und zwar ebenfalls auf Englisch. Das fand ich ja schon mal äußerst interessant. Nachdem wir eingelassen wurden, fand ich per Zufall direkt hinter dieser Frau einen Platz auf der Tanzfläche, wenige Meter von der Bühne entfernt. Da konnte ich nicht mehr anders und sprach sie auf The Corrections an. Es entspann sich eine überaus anregende Unterhaltung mit S. über das Buch, Buffy, ihr Faible für Giles und ihr Treffen mit Anthony Stewart Head auf der Fedcon, und vieles mehr. Wir haben uns auf Anhieb einfach großartig verstanden.

Dann wurde unsere Unterhaltung durch den Beginn des Konzerts unterbrochen. Für die nächsten ca. eineinhalb Stunden richtete sich unsere Aufmerksamkeit auf James, der großes Charisma auf der Bühne ausstrahlte. Ich war so stolz, dass ich ein Foto schießen konnte, auf dem er direkt in meine Kamera sah!

James_Ghost of the Robot

Die Musik war aber nicht so meins, vor allem glich ein Lied irgendwie dem anderen, da konnte James, der eine ganze Ecke älter war als der Rest der Band, auch nicht allzu viel mit seiner tollen Stimme rausreißen. Als das Konzert zu Ende war, sagte mir S., dass sie nun recht rasch zum Bahnhof müsse, damit sie noch einen Zug nach Hause (Mannheim) erwische. Das widersprach meinem ursprünglichen Plan, noch etwas in dem Club abzuhängen, für den Fall, dass James und die Jungs von der Band sich noch etwas unters Volk mischen würden. Ich hatte für James eine Art Gedicht und einen kleinen Brief geschrieben, den ich ihm gerne noch übergeben hätte. Andererseits wollte ich so gerne noch mehr Zeit mit S. verbringen… Und so entschied ich mich für S. und gegen James. An einem Tisch saß die Managerin der Band (oder ähnliches) und verkaufte CDs – ich ging zu ihr und bat sie, James meinen Brief zu übergeben. Dann verließ ich mit S. den Club und begleitete sie zum Bahnhof, wo wir dann noch E-Mail-Adressen austauschten. Ich war glücklich – und ein bisschen melancholisch, und zwar nicht, weil ich James Marsters gesehen hatte, sondern weil ich diese tolle Frau kennengelernt hatte, mit der ich so viele gemeinsame Interessen hatte! Ich habe zwar damals nicht explizit an diesen Begriff gedacht, aber kann mir diese starken Gefühle, die ich für S. empfand, nur damit erklären, dass sie für mich wie ein Soulmate war. Die Kombination aus Buffy-Fan UND Fan von zeitgenössischer amerikanischer Literatur in einer Person hatte ich nicht in meinem Leben. Die starke Anziehungskraft dieses „Soulmate-Bandes‟ hat sich auch noch einmal gezeigt, als ich sie später in Mannheim besuchte – und auf der Heimfahrt geweint habe.

Leider ist trotz allem der Kontakt irgendwann eingeschlafen – sie heiratete und zog um, mein Mann zog aus und ich zog nach München… Sehr schade. Vielleicht sollte ich die alte E-Mail-Adresse nochmal raussuchen und versuchen, wieder Kontakt aufzunehmen.

Luftinstrumente-Spieler aller Welt vereinigt euch!

Meine erste Ring*Con – meine erste Fan-Convention ever – war geprägt von vielen Eindrücken. Leichte Nervosität bei den ersten Foto-Shootings, Begeisterung bei den Panels, Überwinden der eigentlich in meinem Charakter inbegriffenen Schüchternheit beim Stellen von Fragen in den Panels (und außerhalb), erste Begegnung mit der Deutschen Tolkiengesellschaft, ungläubiges Staunen über die detailgetreuen Kostüme der Fans, das Gefühl unter like-minded individuals zu sein…. Ich war hooked! Wie hatte ich nur vorher ohne solche Cons mein Fansein leben können?

Aber ein Ereignis am Rande der offiziellen Veranstaltungen hat noch mehr Bedeutung für mein Leben bekommen. Party-Time am Abend. Die Singende Lehrerin konnte endlich mal wieder die tanzende Lehrerin sein. In der Bar des Hotels wurde Musik nach meinem Geschmack gespielt, ich gab alles auf der Tanzfläche, Luftgitarren-/schlagzeug-/keyboard-/saxophon-Soli inklusive. Und plötzlich war ich nicht mehr allein so verrückt: zwei Männer standen mir in nichts nach, spielten ebenso hemmungslos auf ihren Luftinstrumenten. Ohne Worte tanzten wir uns immer mehr an – schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß auf der Tanzfläche gehabt. Irgendwann war der Abend aber vorüber und wir nickten uns nochmal zum Abschied zu. Auch als ich die beiden am nächsten Tag nach der Closing Ceremony noch einmal mit einer Gruppe von Freunden rumstehen sah und mich zu ihnen gesellte, kam es zu keinem Austausch von Namen oder gar Kontaktinformationen. Wir haben zwar kurz miteinander geredet, das war es aber dann.

Ein bisschen traurig war ich schon, denn besonders der eine der beiden hatte mir richtig gut gefallen (das war schon nach der Trennung von meinem Mann). Was tun? Bleibt nur Abwarten bis zur nächsten Ring*Con… Denkste! Wenige Wochen später lieh mir eine neue Freundin aus München, die damals bei Ring*Con und Fedcon Helferin war, die DVD zur vorangegangenen Ringcon aus – und was sehe ich da? Einer der zwei Männer stand mit seiner Frau mit auf der Bühne bei Craig Parker und Mark Ferguson! Hey ❗ Also habe ich im Ringcon-Forum gefragt, ob irgendjemand diese zwei kennt, die da auf der Bühne waren. So bekam ich den Hinweis, dass die Frau unter dem Namen N. im Forum des OSTFC (Original Star Trek Fan Club) aktiv war. Nun fand ich es natürlich etwas seltsam, die Ehefrau von einem Mann anzuschreiben, den ich gerne kennenlernen würde. Da es mir aber ja tatsächlich darum ging, mit beiden Jungs Kontakt aufzunehmen, habe ich das trotzdem gemacht. Das Ehepaar war – wie sich dann herausstellte – tatsächlich inzwischen getrennt, N. hat mir aber trotzdem die E-Mail-Adresse ihres Mannes A. gegeben. Der wiederum leitete mich relativ schnell an D. weiter, den anderen Luftgitarrenspieler. Seitdem bin ich mit D., der mit seinem Mann B. ganz bürgerlich in einem Reihenhaus in Neuss wohnt, und der Berlinerin N., der Ex-Frau von A., befreundet. Wir haben einige Ringcons und Fedcons zusammen erlebt – jedes Treffen ist von gegenseitigen Neckereien (ich als „Bayerin‟ – eigentlich ja Fränkin – darf immer viel Spott über mich ergehen lassen), sehr viel Wärme und typischen Gesprächen unter Fans geprägt.

Ich bin sehr glücklich, dass ich damals die Initiative ergriffen habe – und so hat mir mein Fan-Sein auch hier Freundschaften verschafft, die in diesem Fall auch noch andauern, auch wenn wir uns nicht so häufig sehen und ich die letzten zwei Fedcons „geschwänzt‟ habe. Ohne N. hätte ich wohl 2011 auch nicht mitgekriegt, dass Sänger/innen für Herr der Ringe-Live to Projection in München gesucht wurden. Ohne sie hätte ich diese unglaubliche Erfahrung, durch mein Singen tatsächlich ein Stück weit ein aktiver Teil des filmischen Mittelerde zu werden, nicht gemacht!

Und wie sieht es mit Soulmates im Internet aus?

Gut! 🙂 Über meinen Blog habe ich schon neue Freundschaften im Real Life geschlossen. Schauwerte und ich sind ja vor eineinhalb Jahren (so kurz ist das erst her) ins kalte Wasser gesprungen und haben – ohne vorheriges Face-to-face-Treffen – in London gemeinsam ein Hotelzimmer gebucht, um uns gemeinsam James McAvoy und Mark Strong auf der Bühne anzusehen. Hätte auch total daneben gehen können (Ruhrpott meets Bayern) – aber wir haben uns prima verstanden und es sollte nicht bei diesem einen Treffen bleiben. Auch zwei weitere Anhängerinnen des englischen Theaters (butmadnorth und KirstenSE) habe ich schon getroffen – der Gesprächsstoff ist uns noch nie ausgegangen…

Und dann gibt es da noch diejenigen, die ich bisher nur virtuell kenne, denen ich mich aber dennoch schon so verbunden fühlte, dass mir der Austausch über die Blogs nicht genügte und ich den ersten Schritt tat und eine Mail verfasste. Durch meine früheren Erlebnisse habe ich mir einfach vorgenommen, den Menschen, die ich mag, es auch zu sagen. Und ich meine nun nicht insbesondere im Hinblick auf potentielle „Liebschaften‟, sondern gerade auch im Hinblick auf Freundschaften, Menschen, denen sich man auf eine besondere Art und Weise verbunden fühlt – Soulmates in ganz verschiedener Hinsicht.

An das Konzept des EINEN Soulmates, der alle Bereiche perfekt abdeckt und also die EINE WAHRE Liebe ist, glaube ich nicht (mehr). Ich dagegen erfreue mich daran, dass es viele Soulmates da draußen für mich gibt, die mein Leben auf verschiedene Art und Weise bereichern. Und da muss auch nicht alles passen: Ich weiß z. B., dass einer meiner (gefühlten) Soulmates hier in der Blogosphäre anscheinend raucht (weiß ich nur aus dritter Hand, geht eigentlich gar nicht bei mir), und dass ein anderer gerne Roxette laut hört, während ich da den Sender wechseln würde… 😉

Zuletzt möchte ich noch betonen, dass es natürlich noch viel mehr Geschichten zum Thema Freundschaft gibt, und dass, wer hier nicht erwähnt wird, nicht automatisch nicht zu meinen „Auserwählten‟ gehört. Es ging mir hier eher darum zu zeigen, wie das Fan-Sein bei mir zu Freundschaften geführt hat, neben denen die angebeteten Stars dann letztlich doch an Wichtigkeit verlieren. Und selbst wenn ich für einen kurzen Moment das Gefühl habe, jemand wie Marc Blucas ist eine Art Soulmate für mich, grämt es mich nicht, wenn er das nicht auch so sieht. Schwerer wiegt der Verlust eines Soulmates – oder die verpasste Chance auf den Gewinn eines Soulmates im richtigen Leben.

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6 Antworten zu Nachgedacht: Von Soulmates – und Freundschaft

  1. pimalrquadrat schreibt:

    Ein sehr persönlicher Beitrag, und einer, der mir sehr gefällt! Du hast recht, manchmal muss man ins kalte Wasser springen, auch wenn man hinterher möglicherweise als begossener Pudel dasteht. Aber es lohnt sich!
    Gerade als Fan hat man ja auch schon einmal eine gewisse Grundlage für einen ersten Austausch und die lästige Suche nach einem ersten Thema entfällt. Und ja, solche realen Erlebnisse sind dann unterm Strich noch einmal mehr wert als Stars und Sternchen, sosehr die auch tolle Persönlichkeiten sein mögen. Aber die bleiben eben weit weg…

    Das ist auch etwas, was mir an der Bloggerei so gut gefällt: Der Kontakt zu ganz vielen Menschen, sowohl in den Kommentaren als auch per Mail (auch wenn ich manchmal viel zu lange brauche, um zu antworten. ^^), und wenn ich zurückdenke, gehen die teilweise auch schon an die zwei Jahre. Und das möchte ich mittlerweile auch nicht mehr missen, denn diese Gespräche waren und sind eine Bereicherung im Alltag. 🙂

    PS: Roxette ist toll, du hörst das nur nicht laut genug. 😛 😉

  2. bullion schreibt:

    Ein schöner Eintrag, der auch ganz gut erklärt warum du nicht „nur“ (klingt immer abwertend, ist aber gar nicht so gemeint) ein Fangirl bist, sondern eben so viel mehr – das zeigt sich in jedem Artikel deines Blogs und in diesem umso mehr. Vielleicht ein Fan-Fangirl? 🙂

    Ich glaube gerne, dass sich durch diese gemeinsamen Interessen Freundschaften ergeben können. Und klasse, dass sich dies bei dir schon in Real-Life-Bekanntschaften wandeln konnte. Ich habe bisher zwei Blogger/Podcaster getroffen und das war auch immer ein tolles Erlebnis.

    Mach weiter so, mit deiner Definition von Soulmates kann ich mich gut anfreunden! 🙂

  3. Aktion Morgenluft schreibt:

    Ich möchte mich den beiden anschließen und es erinnert mich daran, sowas in letzter Zeit nicht mehr erlebt zu haben und vielleicht auch wieder etwas mutiger zu werden.

  4. schauwerte schreibt:

    Let’s meet again! 🙂

  5. Zeilenende schreibt:

    Ich verdanke dem Internet meine besten Freunde. Und es hat in manchen Fällen jahrelang gedauert, bis ich sie zum ersten Mal persönlich getroffen habe. Bei manchen Freundschaften ist der Kontakt sogar nur sporadisch, aber dennoch sehr eng.

    Ich bin zwar phasenweise sehr mitteilungsbedürftig, brauche aber so wie der Waschbär im ersten Kommentar auch immer ewig und muss erstmal merken, dass ich
    1) was zu erzählen habe
    2) es erzählt bekomme und vor allen Dingen mir
    3) einfällt, dass ich es erzählen sollte.

    Ja, sowas gibt es. Und wenn man sich traut, Leute einfach auch mal privat anzuquatschen, kann das ganz wundervoll sein. Etwas, das mir zugegebenermaßen bis heute schwer fällt. Manchmal braucht man eine kleine Erinnerung, es doch zu versuchen … Oder mal wieder zu schreiben. 😉 Danke. 🙂

  6. An schreibt:

    Oh, ein toller Beitrag! Deine Definition von Soulmate entspricht auch meiner. Und drei meiner fünf engen Freunden sind auch erst durch das gemeinsame Fan-Sein zu solchen geworden, das ist schon schön. Und generell, ich finde es immer toll, wenn ich Leute dadurch kennen lerne, dass sie ähnliche Interessen haben.

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