Neulich beim SNEAKen: Jason Bourne (Paul Greengrass, USA 2016) – Kurzkritik

Quelle: jasonbourne-film.de

Eigentlich ist dieser Film für mich nicht bewertbar – der flächendeckende Einsatz der Wackelkamera hat das Seherlebnis so für mich beeinträchtigt, dass ich gegen Ende kaum noch auf die Leinwand sehen konnte. Sie mag ja mal als Stilmittel mal zwischendurch ganz nett sein, so passte sie im Grunde genommen hervorragend zu den Szenen bei den bürgerkriegsähnlichen Krawallen in Athen, aber muss sie wirklich konsequent und durchgehend eingesetzt werden? Nur damit auch der letzte Kinogänger für alle Zeiten weiß: Bourne-Filme = Wackelkamera? Ich weiß, das war eines der Markenzeichen der ersten Filme aus dieser Reihe (, die ich übrigens mochte!), aber wie einfallslos, das einfach zu perpetuieren…

Überhaupt: Was bringt der Film an Neuem? Warum ist es wichtig, nach der Bourne Legacy mit Jeremy Renner, nochmal einen „echten‟ Bourne hinterherzuschieben? Na gut, es gibt EINE neue Erkenntnis für Jason Bourne, was seine Vergangenheit anbelangt. Und – wow, wie aktuell – es geht um die Bewahrung von Privatsphäre in Zeiten von Facebook und Google (und NSA). Ein geplantes Attentat soll dann auch noch einem Iraker in die Schuhe geschoben werden, na prima, da haben wir also auch DAS Thema irgendwie mit dabei. Dazu die Straßenschlachten in Griechenland – ein Rundumschlag, fehlte nur noch der Brexit… Nein, inhaltlich hat der Film meine Neugier nicht gerade auf Trab gehalten – zu viel gewollt, zu wenig Tiefe geliefert.

Das geschah dann doch am ehesten noch durch Matt Damon in der Rolle des Jason Bourne. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie überzeugend dieser Schauspieler, der eigentlich nicht unbedingt dem typischen Actionhelden entspricht, diese physisch enorm anspruchvolle Rolle so perfekt ausfüllt – weil er eben nebenbei auch noch Gefühle glaubhaft rüberbringt. Ja, ich sehe ihm gerne dabei zu, wenn er Gegner mit einem Schlag umhaut oder auf dem Motorrad Treppenstufen rauf- und runterfährt. WENN es nicht so verdammt anstrengend wäre, dass auch keine einzige Einstellung mal mehr als zwei Sekunden auf einer Sache, einem Gesichtsausdruck, einem Computerbildschirm ruht…

Völlig für die Katz war für mich Alicia Vikander in der Rolle der CIA-Agentin Heather Lee. Ich schätze diese junge, schwedische Schauspielerin ja ungemein, besonders für ihre Rollen in Ex Machina und The Man from U.N.C.L.E. (The Danish Girl muss ich demnächst endlich nachholen), aber hier bleibt sie für mich völlig farblos. Vincent Cassel ist im Auftrag von Tommy Lee Jones unterwegs, um das Problem Jason Bourne ein für allemal aus der Welt zu schaffen – und darf auch keinerlei charakterlichen Facetten zeigen.

Was man jetzt nicht unbedingt den Filmemachern ankreiden kann, ist die Tatsache, dass die letzte Verfolgungsjagd durch Las Vegas, bei mir Assoziationen zum Attentat in Nizza weckte: Vincent Cassel pflügt mit einem gepanzerten SWAT-Fahrzeug einfach so durch die Autos, die vor ihm fahren oder stehen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hatte ein ganz mulmiges Gefühl dabei. Auch wenn man Greengrass nicht vorwerfen kann, dass er unsensibel mit dem Thema umgegangen ist, weil der Film ja vorher gedreht und geschnitten worden war, war das trotzdem so ein Moment, wo ich mir dachte: Und wie werden hier die „Kollateralschäden‟ thematisiert? Gar nicht! Man sieht nur, wie es die Autos förmlich zerfetzt – Menschen sieht man keine. Um die geht es auch gar nicht, nur um das Duell zwischen dem „bösen Killer im Auftrag des CIA-Chefs‟ und dem „guten ehemaligen Killer‟ (beide auf Rache aus). Die Unschuldigen, die dabei auf der Strecke bleiben, interessieren nicht. Nein, da hatte ich irgendwie keinen Spaß mehr an der Action, die im Grunde genommen schon atemberaubend war.

Das Ende ist so offen, dass einem weiteren Sequel nichts im Wege steht. Yippie.

Ich habe im Kino mit „Mittel‟ abgestimmt, nachdem ich aber den Film über Nacht noch einmal nachwirken ließ, gebe ich doch nur „unterhälftige‟ 4 von 10 Punkten.

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15 Gedanken zu “Neulich beim SNEAKen: Jason Bourne (Paul Greengrass, USA 2016) – Kurzkritik

  1. Hab jetzt mal nix gelesen nur die Wertung. Wirklich so schlecht? Woran liegts? Unnötige Fortsetzung Teil 1000? Hingeschluderter Müll die zweiundvierzigtausendste?
    Will den eigentlich im Kino gucken. Aber jetzt muss ich mir das wohl noch mal überlegen.

      1. Hab beide Berichte mal durchgelesen. Klingt ja gar nicht gut. Ich glaube, ich habe dieses Jahr kein Glück mehr mit meiner Filmauswahl. Die letzten 3 Kinobesuche waren auch schon desaströs. Da reiht sich der dann wohl ein. Falls ich mir das antue.

          1. Nicht verzagen. Jeder Trend kommt irgendwann zu einem Ende. Das gilt somit auch für die derzeitige Art Hollywoods, Filme zu machen. Es ist IMHO nur eine Frage der Zeit, bis es eine Gegenbewegung gibt, sowas gab es in den 1970er Jahren unter dem Namen „New Hollywood“ ja schon mal.

  2. Ich habe wenig bis keine Probleme mit Wackelcam, aber an dem Film wirklich null Interesse. Das ding ist durch. Den mit Renner mochte ich zwar noch gern, allerdings über weite Strecken eher als Trashfilm. Superagent braucht Gegenmittel gegen seine Verdummung? Herrlich! Die vorherigen wurde in meinen Augen jedoch schon kontinuierlich schlechter und konstruierter.

  3. Mh… den Film wollte ich ja eigentlich schauen – eigentlich nur wegen Alicia Vikander und weil ich noch die Hoffnung hatte, dass es ganz unterhaltsam sein würde, auch wenn mir die vorherigen Filme (bis auf den ersten, dafür aber besonders der zweite…) nicht so toll gefallen haben.

    Aber jetzt? Zu viel Wackelkamera stört mich nämlich auch sehr schnell, dann ist Alicia Vikanders Rolle ja wohl auch nicht so toll und auch die ganzen anderen Punkte die du aufgezählt hast – ich denke, ich werde meine Zeit eher für einen anderen Film aufwenden.^^

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