Star Trek Beyond 3D Dolby Atmos (Justin Lin, USA 2016) – Kurzkritik

Quelle: star-trek-film.de

So schlecht kann ein Film kaum sein, wenn er es schafft, mich für zwei Stunden vergessen zu lassen, dass evtl. draußen vor der Türe irgendwo in München bis zu drei Attentäter/Amokläufer/Mörder (Stand zu Beginn der Vorstellung) noch frei herumlaufen. (Gesehen am 22..7.2016 um 20:15) Eskapismus-Faktor: 100 Prozent.

Schon die ersten Aufnahmen der Enterprise haben mich meine Augen weit aufreißen lassen – als dann die Enterprise die Sternenbasis Yorktown erreicht, blieb mir zusätzlich der Mund vor ungläubigem Staunen offen stehen. Die Special Effects produzieren (zumindest bei mir) richtige Wow-Effekte, die ganze Optik des Films ist wirklich atemberaubend. Ich kam mir ein bisschen vor wie ein Kind, das zum ersten Mal Raumschiffe und Raumstationen auf einer großen Leinwand sieht! Ich hoffe doch sehr, dass der Film nächstes Wochenende auch noch im Cinema München läuft, denn das muss ich mir unbedingt ein zweites Mal ansehen.

Simon Pegg verkörpert diesmal ja nicht nur in famoser Weise Scotty, er hat auch, zusammen mit Doug Jung, das Drehbuch verfasst. Ich finde, mit Erfolg. Zwar haben auch diese beiden es nicht ganz geschafft, einen Gegenspieler/Bösewicht zu erschaffen, der wirklich interessant ist – der charismatische, so häufig imposante Idris Elba ist eigentlich weitgehend verschenkt, vielleicht abgesehen vom finalen Endkampf. Ansonsten aber hat der Film für mich die besten Zutaten für ein Star Trek-Abenteuer: Zusammentreffen mit anderen Lebensformen (mal als Freund, mal als Feind), eine Enterprise in Nöten, das Auseinanderreißen des Teams, worauf alles darangesetzt wird, dieses wieder zusammenzuführen (one for all, all for one), existentielle Bedrohung, Zwischenmenschliches – und eine gute Portion Witz.

Gleichzeitig war der Film für mich auch etwas melancholisch. Leonard Nimoy als Ambassador Spock konnte ja nun nicht mehr von der Partie sein. Wie das im Film verarbeitet wurde, ging mir doch nahe. Und dann hat es mir immer wieder einen Stich gegeben, wenn Anton Yelchin als Chekov in Aktion war – und er hatte diesmal doch eine größere Rolle, ist zeitweilig der einzige Partner, den Kirk hat, als die Crew voneinander getrennt wird. Gerade habe ich gelesen – und da kommen mir doch noch einmal die Tränen – , dass Abrams die Rolle des Chekov im nächsten Film nicht neu besetzen will:

I would say there’s no replacing him. There’s no recasting. I can’t possibly imagine that, and I think Anton deserves better.

So Abrams im Toronto Sun. Eine wunderbare Entscheidung, die zeigt, wie sehr Anton und seine Arbeit geschätzt wurde! Als dann beim Abspann nach „In Loving Memory of Leonard Nimoy‟ noch die Widmung „For Anton‟ folgte, und danach das Lied „Sledgehammer‟ von Rihanna lief, wurden meine Augen doch etwas feucht. Das war vielleicht die größte Überraschung, dass mich Rihannas Lied so packte.

(YouTube-Kanal von Paramount Pictures)

Überhaupt hat mir die Musik sehr gut gefallen, sowohl der Score von Michael Giacchino, als auch der Einsatz von zwei Liedern, die man nun nicht gerade im Star Trek Universum erwarten würde. Auch wenn es mir in den Fingern juckt, werde ich nicht verraten, welche Songs das sind, denn das sind einfach großartige Szenen, die so richtig Spaß machen, gerade wenn man darauf nicht gefasst ist.

Bis auf den erneut etwas schwachen Gegenspieler (auch von Benedict Cumberbatchs Khan in Star Trek Into Darkness war ich nicht restlos begeistert) – trotz eines so starken Schauspielers dahinter! – habe ich eigentlich nichts auszusetzen. Was mich außerdem gefreut hat, ist die Tatsache, dass die Schreiber Sulu (John Cho) eine Familie gegeben haben: bestehend aus einem Mann (ebenso asiatischer Herkunft, gespielt vom Drehbuchautor Doug Jung) und einer Tochter. Dass Sulus Mann ebenfalls Asiate ist, war Chos Wunsch, denn durch einen schwulen Freund, mit dem er aufgewachsen ist, gelangte er zu der Erkenntnis:

„I always felt it was harder being gay and Asian than any other combination. I thought the cultural stigma was the thickest on the Asian boys I knew,“ Cho said. „It would be appropriate that in the future it would look very much like what we tend to see in heterosexual families. It’s kind of inside baseball, but that was important to me.“

Dies wird überhaupt nicht groß thematisiert, es ist halt einfach so. Genau so – matter-of-factly  – wünsche ich mir, dass mit dem Thema Homosexualität in Blockbuster-Filmen umgegangen wird!

Ich habe den Film einfach genossen, auch durch das für meine Augen sehr gut gemachte 3D und den fantastischen Sound in Dolby Atmos. Nach Erstsichtung erhält der Film von mir 9 von 10 Punkten!

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11 Antworten zu Star Trek Beyond 3D Dolby Atmos (Justin Lin, USA 2016) – Kurzkritik

  1. bullion schreibt:

    Wohl die bisher positivste Kritik, die ich zu dem Film gelesen habe. Aber bevor ich mich ihm zuwende, sollte ich erst einmal „Star Trek Into Darkness“ nachholen…

    • singendelehrerin schreibt:

      Tja, irgendwie hat mich der Film einfach abgeholt. Mein jüngerer Bruder würde nur 6,5 geben…

      Man muss den zweiten Teil übrigens nicht unbedingt vorher gesehen haben – es gibt kaum Anknüpfungspunkte. Ich sage das vor allem auch, weil ich finde, dass man diesen Film im Kino und am besten auch in 3D sehen sollte. Ich schwärme ja nicht oft von 3D, aber hier war ich begeistert!

  2. mwj schreibt:

    So hier meine „Langkritik“: http://www.kino.vieraugen.com/kino/star-trek-beyond/

    Der Song zum Film ist nicht schlecht, nur hätte man einfach eine Sängerin wählen sollen die nicht so nöhlt, was heutzutage schwer ist.

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke für den Link! Auch wenn ich zu zwei Punkten mehr komme, haben wir den Film ja ganz ähnlich wahrgenommen, gerade auch, was den verschenkten Idris Elba anbelangt.

      • mwj schreibt:

        Ja, wirklich schade. Allein was Idris Elba in seiner eher kleinen Rolle als Heimdall in den meiner Ansicht nach durchwachsenen Thor-Filmen rüberbringt ist wesentlich eindrucksvoller.

  3. Zeilenende schreibt:

    Ich habe mir schon das Sezierbesteck bereitgelegt und werde mir „Beyond“ wohl im August geben, um irgendetwas zu feiern. Deine Kritik stimmt mich nicht unbedingt fröhlich, aber ich habe auch die letzten beiden Filme schon in Grund und Boden verdammt. (Genau genommen fand ich alles nach First Contact im besten Falle seltsam.)
    Worauf ich mich nun aber freuen kann: Chekov mit großen Momenten. Anton Yelchins Tod hat mich nämlich doppelt getroffen: Neben der Modernisierung von Scotty fand ich einzig den „neuen Chekov“ rundherum überzeugend und den interessantesten Charakter der Crew.

    • singendelehrerin schreibt:

      First Contact ist sicher mein Lieblings-Star-Trek-Film!

      Hatte mir schon gedacht, dass dich Yelchins Tod getroffen haben muss, hattest ja schon mal gesagt, dass er dein Liebling von der „neuen“ Crew ist.

      Bin gespannt auf dein Urteil! 🙂

  4. Nummer Neun schreibt:

    Ich wollte den Film ja wirklich wenigstens etwas schlecht finden – aber ich habe aufgegeben. Der war einfach gut und hat Spaß gemacht. Die Raumstation war klasse. Wenn man was bemängeln will, ist es tatsächlich wieder der Gegner. Erst Cumberbatch, jetzt Elba – eigentlich klasse Schauspieler, die aber jeweils etwas verschenkt wirken.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, da sind wir uns sehr einig – sowohl was die Beurteilung des Films insgesamt anbelangt, als auch was Elba (und Cumberbatch im Vorgänger) betrifft. 🙂

      Ich werde ihn mir vielleicht diese Woche noch ein zweites Mal ansehen. Hast du ihn im Original (im Cinema?) angesehen?

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