Blogparade: Antiheld – die „echten‟ Protagonisten

Miss Booleana hat noch während meiner „Regierungszeit als Blogparaden-Königin‟ (bzw. meiner noch bis zum 15.7. laufenden Blogparade „Marry me!‟) zu einer äußerst interessanten Blogparade aufgerufen. Ich lasse Miss B. selbst erklären:

Was macht den Antiheld aus? Er ist meiner Meinung nach ‚echter‘ und menschlicher. Daher der Beititel der Blogparade: ‚echter‘ Protagonist. Denn Antihelden sind nicht frei von Fehlern. Sie haben Ängste, Schwächen, eher Einzelgänger oder sind nicht hübsch. Im Gegensatz zu so manchem Saubermann, der mit seinem Zahnpasta-Lächeln den Tag rettet und dem scheinbar alles gelingt. In den Antihelden können wir uns aber besser hineinversetzen, denn wir sind alle nicht fehlerfrei. Und das ist es, was den Antiheld meist dann doch irgendwie liebenswert macht. Oder dafür sorgt, dass wir umso mehr mit ihm oder ihr mitfiebern. Selbst wenn der Antiheld so ‚anti‘ ist, dass wir ihn oder sie nicht mal besonders mögen.

Für mich verschwimmt hier ein bisschen die Grenze zum Bösewicht, denn manch einen, den ich auf meiner Villain-Liste hatte, gehört auch – oder vielleicht sogar eher – auf diese hier, wie z. B. Frank Underwood (House of Cards) oder Bruce Robertson (Filth). Denn sie sind ja jeweils die Protagonisten – und nicht etwa die Gegenspieler des Protagonisten (im Gegensatz zum Joker in The Dark Knight oder zu Hannibal Lecter in Das Schweigen der Lämmer) Das Spannende ist: Ich weiß im Moment des Schreibens dieser Einleitung noch nicht, ob ich mich dafür entscheide, die beiden noch einmal hier zu nennen, oder ob ich es schaffe, 10 andere Antihelden zu finden. Lassen wir uns also alle überraschen! 😉

(Achtung: Spoiler können vorhanden sein)

Die Nummerierung drückt keine Wertung aus:

1. Thomas Shelby (Cillian Murphy in Peaky Blinders)

Ich wiederhole mich: Cillian Murphy ist als Gangsterboss Tommy Shelby einfach elektrisierend. Seinem rauen Flüstern und dem durchdringenden Blick kann man sich kaum entziehen. Irgendwie ist er für den Zuschauer der Gute, auch wenn er krumme Geschäfte dreht und recht „unzimperlich‟ mit Gegnern umgeht.

2. Jerry (Ryan Reynolds in The Voices)

Ich schwankte zwischen Ryan Reynolds Rollen in Deadpool und The Voices, habe mich aber für letzteres entschieden, einfach weil der Film von Marjan Satrapi weitaus weniger bekannt ist. Jerry wirkt auf den ersten Blick wie ein Durchschnittstyp. Wenn da nur nicht die Tatsache wäre, dass er mit seinen Haustieren und abgetrennten Köpfen spricht (und diese ihm antworten)… Seit dieser Rolle traue ich Ryan R. alles zu, denn er spielt die Facetten dieses schwer psychisch gestörten Mannes absolut überzeugend!

3. Jessica Jones (Krysten Ritter in Jessica Jones)

Jessica Jones hat Superkräfte. Eine „saubere‟ Superheldin ist sie trotzdem nicht: sie säuft, geht nicht gerade nett mit ihren Mitmenschen um und glaubt nicht recht an sich (und ihre Kräfte), seit sie für Kilgrave getötet hat. Gerade diese menschlichen Schwächen machen sie zu einer richtig interessanten Superhelden-Persönlichkeit.

4. Claire Underwood (Robin Wright in House of Cards, basierend auf Season 1+2)

Der männliche Protagonist hat schon seine Ehre auf meiner Best-Villain-Liste bekommen, also bekommt hier seine Ehefrau ihren verdienten Platz. Für die Karriere (ihre und die ihres Mannes) geht sie über Leichen (nicht ganz so wörtlich wie Frank) – und doch blitzt da manchmal etwas durch, das sie wieder sympathisch macht und wodurch sie eben keine reine Bösewichtin ist, dafür aber durchaus zu den Antihelden passt.

5. Jesse Pinkman (Aaron Paul in Breaking Bad)

Klar, Walter White ist vielleicht der offensichtlichere Kandidat, aber er ist für mich ab dem Zeitpunkt, als er Jesses Freundin sterben lässt, eigentlich ein echter Bösewicht. Jesse dagegen ist der Antiheld, wie er im Buche steht: Schlechte Angewohnheiten (Drogen), schlechte Entscheidungen, aber im Grunde genommen ein gutes Herz. Ich liebe Jesse! ❤

6. Familie Gallagher und Freunde der Gallaghers (Shameless US)

Hier kann ich mich nicht auf einen Charakter festlegen – das sind durch die Bank Antihelden: Jeder trifft mal richtig blöde Entscheidungen, es wird gesoffen, gestohlen, der Vater hat Sex mit der Freundin des Sohnes, eine Mutter wird Leihmutter für ihre Tochter (mit „natürlicher‟ Befruchtung durch den Ehemann der Tochter – AAAAAAAHHHHH, allein die Vorstellung!!!), usw. usf. Und doch kann man nicht anders als sie zu lieben.

7. (Fast) Alle Hauptfiguren der kolonialen Flotte (Battlestar Galactica)

Ein Grund, warum ich diese Serie so liebe: Fast jeder Charakter macht irgendwann etwas, das ich grenzwertig bis hin zu verabscheuungswürdig finde. Und doch fieberte und litt ich mit ihnen mit.

8. Spike (James Marsters in Buffy – the Vampire Slayer)

Ach, diese Figur ist doch für fast jede Blogparade gut! 🙂 Anfangs als Gegenspieler, als Villain, eingesetzt, entwickelt er sich später zum Antihelden: Will Buffy beeindrucken, hilft also auch immer wieder „den Guten‟ und kann doch nicht so ganz aus seiner Vampirhaut. Das geht hin bis zur versuchten Vergewaltigung Buffys. Und doch liebt man ihn. Mit Haut und Haar. Und zwar vielleicht fast mehr BEVOR er seine Seele bekommt als danach…

9. Alan Shore & Denny Crane (James Spader & William Shatner in Boston Legal)

Sympathisch sind keine der beiden, auf die Idee, einen von beiden bei meiner „Marry Me!‟-Blogparade zu nennen, ist noch keiner gekommen. Denny ist ein Narziss par excellence, (schusswaffen)geil, sexistisch – um nur ein paar seiner reizendsten Charakterzüge zu nennen. Alan ist auch sehr SEHR von sich überzeugt, auch was seine Wirkung auf das andere Geschlecht anbelangt, und wendet mitunter recht zweifelhafte Methoden an. Und doch ist man immer wieder hingerissen von Alans Plädoyers (, die mich z. Tl. zu Tränen gerührt haben,) und weiß, dass letztlich auch Denny das Herz am rechten Fleck hat. Diese Charaktere sind großartig geschrieben und gespielt.

10. Dr. Gregory House (Hugh Laurie in House M. D.)

Klar, er ist der geniale Mediziner, der am Ende (fast) immer das Leben der Erkrankten rettet, aber er ist die meiste Zeit auch ein richtiges Arschloch – gegenüber den Patienten, seinen Kollegen, seinem besten Freund. Genau deswegen habe ich die Serie so gerne geschaut.

Tja, am Anfang habe ich mir etwas schwer getan, aber jetzt fallen mir noch viele weitere ein (ich gebe zu, auch mit etwas Hilfe, z. B. von tvtropes.org). Und dass mir niemand meckert, es wären zu wenig Frauen dabei: bei 6. und 7. sind ausdrücklich auch die Frauen gemeint. 😉

Und, wer hätte eurer Meinung nach dazugehört, wer müsste rausfliegen?

Wenn ihr auch noch mitmachen wollt, könnt ihr das noch bis zum 23. Juli tun – nicht vergessen, euren Beitrag bei Miss Booleana (und gerne auch bei mir) zu verlinken und auch auf ihren Ursprungsartikel in eurem Beitrag zu verweisen!

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13 Antworten zu Blogparade: Antiheld – die „echten‟ Protagonisten

  1. friedlvongrimm schreibt:

    Amen zu 7.! Ich muss gestehen, dass Alan Shore eher auf meiner Marry-Me-Liste landen würde, als dass ich ihn als Antiheld sehen würde. *lach*

  2. Wortman schreibt:

    Dr. House – der Arzt, dem Frauen vertrauen *lol*

  3. bullion schreibt:

    Und noch eine Blogparade (neben deiner Marry Me), die ich zurzeit verpasse. Aber spannend all eure Antworten zu lesen. Spike war bei dir zu erwarten… 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, ein bisschen vorhersehbar bin ich in der Beziehung schon. 😉

      Da ich nicht rumkomme mit den Kommentaren, an dieser Stelle noch meinen Glückwunsch und Respekt (bei DIESER Hitze!) zum gelaufenen Halbmarathon! 🙂

  4. Stepnwolf schreibt:

    Alle Charaktere aus „Shameless“ passt wirklich gut. Ich schreib ja auch gerade an meiner Liste und hab mich dann doch für einen bestimmten entschieden.

  5. hurzfilm schreibt:

    Du hast Malcolm Merlyn vergessen! 😉

    (undwegduck…)

  6. Miss Booleana schreibt:

    Vielen Dank für deine Teilnahme!

    Fand ich sehr toll, dass du Peaky Blinders nennst – die Serie ist für mich voller Charaktere mit Antihelden-Gen. 🙂 Claire Underwood ist aber auch eine sehr sehr gute Wahl.
    Rein für die Statistik sind die Familie Gallagher und die ganzen Charaktere aus Battlestar Galactica eher schwierig … mal schauen wie ich das mache.

    Ansonsten habe ich mir gar nicht soviele Gedanken darüber gemacht, dass de Grenzen zum Bösewicht oder zum Held verschwimmen. Schon nach den ersten zwei, drei Beiträgen habe ich gelernt, dass das alles sehr subjektiv ist. Da waren ausgesprochen viele Charaktere dabei, die ich eher als klassische Heldentypen einordnen würde. So gehen die Meinungen auseinander …

    Und „während meiner ‚Regierungszeit als Blogparaden-Königin'“ … oh je, das wird noch ganz schön schwierig Blogparaden zu starten, wenn man nicht den Titel Königin der Blogparaden bekommen hat.

    • singendelehrerin schreibt:

      „oh je, das wird noch ganz schön schwierig Blogparaden zu starten, wenn man nicht den Titel Königin der Blogparaden bekommen hat.“ – Du weißt schon, dass ich nur scherze, ja?! 😉

      Ja, ich weiß schon, ich mache die Auswertung immer etwas schwierig… 😉 Nimm doch stellvertretend jeweils eine Frau: Fiona und Starbuck! 🙂

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