Neulich beim SNEAKen: Captain Fantastic (dt. Untertitel: Einmal Wildnis und zurück; Matt Ross, USA 2016)

Quelle: teaser-trailer.com

So liebe ich meinen Sneak-Film: die Punktzahl auf IMDb (8,1) basiert auf ganzen 464 Stimmen! Wir gehörten also zu den Auserwählten, die den Film sehen durften, weit bevor er ins reguläre Kino kommt. Bisher ist er nur auf Filmfestspielen gelaufen (u. a. in Cannes oder gerade fast zeitgleich auf dem Filmfest München), und hat dort auch drei Preise abgeräumt: Cannes: Un Certain Regard – Directing (Matt Ross), Palm Springs International Film Festival: Directors to Watch (Matt Ross), Seattle International Film Festival: Best Film. Ab 8. Juli läuft der Film in den USA an, bei uns erst am 18. August.

Ich gebe zu: Allein die Tatsache, dass der Film zum Teil in der Wildnis des pazifischen Nordwesten Amerikas spielt und die entsprechenden Szenen auch in Washington State gedreht wurde, ließ mich positiv voreingenommen an den Film rangehen. Ich liebe diese Gegend, schließlich habe ich als Studentin über zwei Monate in dieser Region verbracht, als ich im Mount Rainier National Park gejobbt habe. Und in gut eineinhalb Monaten geht es auch wieder in diese Region (und etwas weiter südlich, nach Oregon).

So konnte ich ein Stück weit die Faszination eines Lebens in der Wildnis, fernab von allen digitalen Errungenschaften, nachempfinden. Ben (Viggo Mortensen) zieht nämlich seine sechs Kinder, mit den Fantasienamen Bodevan, Kielyr, Vespyr, Rellian, Zaja und Nai dort so auf, dass sie zum einen tauglich für das Überleben in der Wildnis sind, aber gleichzeitig intellektuell durch Bücher so geschult sind, dass sie Kinder oder Jugendliche im selben Alter, die auf herkömmliche Weise an der Schule unterrichtet werden, mit ihrem Wissen locker in die Tasche stecken können. Jeden Tag gibt es Läufe durch den Wald, anstrengendes Training mit Liegestützen & Co, Klettertouren, aber auch abendliches Lesen und Tests über das Gelesene und gemeinsames Musizieren am Lagefeuer. Tiere werden selbst erlegt, geduscht wird unter einem Wasserfall. Außerdem wird auch den kleinsten unter den Kids die Wahrheit zugemutet, es gibt keine Beschönigungen, kein „Um-den-heißen-Brei-Herumreden‟ (herrlich die Szene, als Ben „sexual intercourse‟ erklärt). Das gilt auch, als Ben seinen Kindern mitteilt, dass deren Mutter, die wegen klinischer Depressionen in der Klinik war, sich umgebracht hat.

Bens Schwiegervater verbietet Ben, zum Begräbnis in New Mexico zu kommen – doch dieser entscheidet sich dafür, sich trotz der Aussicht, dass der Schwiegervater (Frank Langella) ihn festnehmen lassen will, mit den Kindern im eigenen Bus auf den Weg zu machen. Auch weil seine Frau – Buddhistin – sich in ihrem Testament eine Feuerbestattung gewünscht hat, ihre Eltern sie aber christlich begraben lassen wollnen. Wie gestaltet sich das Zusammentreffen mit der „normalen Gesellschaft‟?

Diese Rolle ist wie Viggo Mortensen auf den Leib geschneidert, wie schon in The Road verkörpert er den Vater, der nur das Beste für sein Kind, hier seine Kinder, will, in einer Art fürsorglicher Strenge. Als er merkt, dass seine Art der Erziehung jedoch seine Kinder auch in Gefahr bringt, bricht ihm das Herz (und das des Zuschauers mit ihm)… Die Rollen der Kinder sind wundervoll besetzt, der ein oder andere mag George MacKay, der den ältesten Sohn spielt, aus Pride kennen. Der Blick auf seine IMDb-Liste zeigt, dass er für seine jungen Jahre (24) schon recht vielbeschäftigt ist (30 credits!). Zu Recht! Aber auch alle anderen Jungschauspieler sind absolut überzeugend, gerade auch die zwei ganz kleinen. Absolutely adorable!

Das Ende des Films mag manch einer als etwas zu idealisiert ansehen, aber da hatte der Film schon mein Herz für Außenseiter und Gegen-den-Strom-Schwimmer erobert, auch wenn ich persönlich mir so ein Leben in der Wildnis, z. B. ohne Bloggerei 😮 , nicht vorstellen könnte.

Sehr sehenswert! ❤ 8 von 10 Punkten!

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3 Antworten zu Neulich beim SNEAKen: Captain Fantastic (dt. Untertitel: Einmal Wildnis und zurück; Matt Ross, USA 2016)

  1. scoresandsongs schreibt:

    Ich hab den Film gestern gesehen und ich LIEBE DIESEN FILM!!! (So emotional äußere ich mich selten!) Nach dem fantastischen „Hunt For The Wilderpeople“ der zweite Film den ich innerhalb von zwei Wochen sehe der mehr oder weniger „im Wald“ spielt. Ich habe bei „Captain Fantastic“ so oft geflutete Augen gehabt wie schon lange nicht mehr. Ein Nachzügler, der es noch in meine TOP10 des vergangenen Kinojahres schafft, wahrscheinlich sogar in die TOP3. Das Ende ist tatsächlich streitbar, aber ich bin froh dass das Ende so ist wie es ist, da es „in character“ mit dem Rest des Films und besonders dieser Familie ist.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ha, wusste ich doch, dass das ein Film für dich sein würde! 🙂 Ach, manchmal bedaure ich es schon sehr, dass wir solche Seh-Erlebnisse schon seit Jahren nicht mehr zusammen haben.

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