Suits (Season 5)

Quelle: ibtimes.co.uk

Louis Litt zu Jessica Pearson: „I never knew you read The Lord of the Rings!‟
Jessica: „I’ve read it four times – since it’s all about power.‟
Louis: „I always though it was about friendship.‟
(aus dem Gedächtnis zitiert)

Diese kurze Szene, die für mich LotR-Fan natürlich doppelt schön war, fasst perfekt zusammen, worum es in Suits geht: Freundschaft. Hier als Überbegriff, der Familie, Liebe und Loyalität miteinbezieht. Das war von Anbeginn der Serie so – und hat in der 5. Staffel ihren Höhepunkt gefunden. Nicht umsonst sind sechs Folgen aus eben dieser Staffel unter den sieben höchstbewerteteten Episoden aus Suits auf IMDb.

Ich habe in drei Tagen die ganze Staffel (16 Folgen) durchgeguckt (und nebenher korrigiert, habe auch plangemäß heute die Erstkorrektur abgeschlossen, und Sport getrieben, und mehr; ), und fühlte mich nach Ende der letzten Folge emotional komplett durchgewalkt. Traurig und glücklich zugleich, weil einfach so viele Gefühle hier ans Tageslicht gekommen sind. Ja, ich gebe zu, ich mag es, wenn Männer, die bisher ihre Gefühle kaum nach außen dringen ließen, diese vielleicht noch nicht mal sich selbst gegenüber eingestanden, plötzlich bzw. nach einem längeren Prozess, dann auch mal Schwäche zeigen: Panik, Verzweiflung, Wut, Trauer. Das rührt mich ganz tief im Innersten an – auch wenn es ja „nur eine Serie‟ ist, in der Schauspieler so tun als ob. Aber das ist es ja, was auch schon die Griechen der Antike durch die Tragödien beim Publikum erreichen wollten, von daher stehe ich dazu. (Es würde sich mir auch nicht ganz der Sinn erschließen, warum ich mir fiktive Geschichten anschauen soll, wenn nicht, um emotional mitzugehen.)

Was macht nun diese Staffel so herausragend? Ich versuche, das zunächst ohne Spoiler zu beschreiben, denn viele haben die 5. Staffel noch nicht gesehen, manche haben noch nicht mal angefangen, die Serie zu gucken. Zeit wird’s! 😉

Es wird persönlich, noch persönlicher als in den Staffeln davor: Wie geht man mit dem Verlust eines geliebten Menschen um – auch wenn er immer noch in Sichtweite ist? Wie belastend kann ein Geheimnis sein – und wieviel kann es auch anrichten, das Geheimnis mit jemandem zu teilen, einen geliebten Menschen dadurch zum Mitwisser – und somit auch zum Mittäter zu machen? Was bin ich bereit zu opfern, um andere Menschen zu schützen? Wie steht es um die eigene Verantwortung für mein Handeln?

Das A und O dieser Serie sind die Beziehungen zwischen den Charakteren. Und die sind einfach so gut von den Schreibern durchdacht und von den Schauspielern dargestellt, dass wirklich jede Beziehung einzigartig ist. Nach dem Sehen dieser Staffel stehe ich auch wieder voll und ganz dazu, dass ich gleich zwei „Paare, die keine sind‟ aus dieser Serie in meine Blogparade zur Best Chemistry aufgenommen hatte (Harvey&Mike + Harvey&Donna). Eigentlich könnte man aber fast alle möglichen Kombinationen noch dazu aufnehmen, allen voraus: Harvey&Louis und Louis&Donna. Sie liebten und sie schlugen sich. Es kommt zu herzzerreißenden und (teilweise wörtlich zu nehmenden) niederschmetternden Auseinandersetzungen – und versöhnlichen Szenen, die das Herz für den Moment wieder heil machen. Wie in einer Familie – man mag sich manchmal hassen, aber im Grunde genommen liebt man sich und würde alles füreinander tun, wenn’s hart auf hart kommt. Sarah Rafferty sagt im Interview im Special Feature (Family affairs: Behind the scenes of Suits): „It’s about loyalty.‟

Und deswegen passt auch die Erwähnung von Herr der Ringe (eine von zahllosen Anspielungen auf Popkultur, auch wenn diese gefühlsmäßig in dieser Staffel etwas seltener waren), denn Loyalität ist auch da eins der Kernthemen, gerade wenn man an Samwise Gamgee denkt, der ja quasi die Verkörperung von Loyaliät par excellence ist. Diese Loyalität wird in Suits immer wieder auf eine harte Probe gestellt, so auch in der 5. Staffel. Wir lernen dazu auch noch die Schwester von Louis kennen, um die Dinge zwischen Louis und Harvey erneut zu verkomplizieren. Fans von Angel und Person of Interest dürfte dieser Gastauftritt freuen! 🙂

In der 5. Staffel wird viel in die Vergangenheit von Harvey und Mike geschaut: Sowohl in Rückblicken, als auch dadurch, dass Nebencharaktere aus früheren Staffeln wieder „ausgegraben‟ werden. Dies geschieht aber in einer absolut nachzuvollziehenden Art und Weise, wird nicht zum bloßen Gimmick, sondern zeigt, dass die Macher der Serie sehr genau wissen, was bisher passiert ist und wie unsere Vergangenheit auch immer unsere Gegenwart beeinflusst.

Und jetzt komme ich um leichte SPOILER (zur 4. und 5. Season) nicht mehr herum: Bitte ab hier nur auf eigene Gefahr weiterlesen.

SPOILER-BEGINN

Die vierte Staffel endete ja mit einer Gefühlsachterbahn: Da sagt Harvey zu Donna: „You know I love you.‟ (So schöööön → Tränen in meinen Augen!) Dann tut er später so, als hätte er das nur gesagt, damit Donna sich besser fühlt, mit der Konsequenz, dass Donna ihm sagt, dass sie ihn als Sekretärin verlässt.(So traurig → Tränen in meinen Augen!)

Und wo geht sie hin? Zu Louis Litt! Ausgerechnet! Louis ist begeistert, aber auch skeptisch: Ob sie ihn nicht so schnell wieder verlassen würde und zurück zu Harvey gehen würde wie einst Mike Ross? Harvey wirft das Ganze mehr aus der Bahn als er erwartet – er wird von Panikattacken gequält. So sehr, dass er sich tatsächlich in psychologische Behandlung begibt. Ich gebe zu, ich habe es irgendwie „genossen‟, Harvey verletzlich zu sehen – Männer, die immer nur so vor Selbstvertrauen strotzen und den Anschein machen, dass ihnen nichts etwas anhaben kann, finde ich auf die Dauer langweilig.

Mike und Rachel indes bereiten sich auf die Hochzeit vor. Doch schwebt ja permanent wie ein Damoklesschwert die Möglichkeit über der Beziehung, dass Mike irgendwann als Betrüger (er praktiziert als Anwalt, obwohl er nie auch nur eine Uni, an der man Jura studiert, von innen gesehen hat) enttarnt wird, was auch Auswirkungen auf die Karriere von Rachel haben könnte. Was tun? Mike trifft eine Entscheidung – zu spät! Schon einmal war er fest genommen worden, doch diesmal sieht die Sache ernst aus, und die Staatsanwältin Gibbs (Leslie Hope) spielt mit allen Tricks, um Mike hinter Schloss und Riegel zu bekommen.

Louis ist mal wieder das Fähnchen im Winde, er ist ja immer hin- und hergerissen zwischen seinen eigenen Ambitionen (und dem Gefühl, das ihn antreibt, nämlich, dass er nie mit dem zufrieden ist, was er hat, auch weil er einfach nicht genug Vertrauen in sich selbst hat) und der dann doch irgendwo tief vergrabenen Loyalität – zur Firma, zu Donna, zu Mike und ja, auch zu Harvey. Louis Litt ist wohl einer der ambivalentesten (gibt es eine Steigerung von „ambivalent‟?) Charaktere, die ich kenne. Ständig wechseln sich die Emotionen beim Zuschauer ab: Mal möchtest du ihm eine reinhauen, mal empfindest du Mitleid mit ihm, manchmal schwillt dir vor Stolz die Brust. Großartig!

Die einzige Plotentwicklung, die ich nicht so mochte, war die kurzfristige Rückkehr von Daniel Hartman. Der könnte ein Kandidat für meine Kill them off!-Liste sein.

Dafür gab es so viele ans Herz gehende Momente: Harvey und Mike, als Mike eine Panikattacke von Harvey mitkriegt, Harvey schlägt Louis und wirft ihn anschließend durch den Glastisch, Harvey entscheidet sich dafür, sich zu stellen, damit Mike nicht ins Gefängnis muss, Harvey provoziert Mike so lange (um ihm zu zeigen, dass er im Gefängnis nicht überleben würde), bis der auf ihn einschlägt, Louis entlässt Donna, damit diese Harvey dabei helfen kann, Mike vor dem Gefängnis zu bewahren, usw. usf.

SPOILER-ENDE

Diese drei Tage vergingen wie im Rausch. Am liebsten würde ich sofort wieder bei Staffel 1 anfangen, aber da diese Serie einen der höchsten Suchtfaktoren hat, muss ich mir eine Pause davon gönnen.

Die Serie hat sich zu einer meiner absoluten Lieblingsserien entwickelt – ich kann sie wirklich jedem ans ❤ legen!!! Ich vergebe ja selten Punkte für Serien, weil die Qualität einzelner Folgen oft so unterschiedlich ist, hier aber vergebe ich 10 von 10 Punkten!

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11 Antworten zu Suits (Season 5)

  1. mwj schreibt:

    Ich hab mal zwei, drei Folgen gesehen, in denen Michelle Fairley (Lady Catelyn Stark aus „Game Of Thrones“) mitgespielt hat. Aber die Serie wirklich ernsthaft mal von vorne anzusehen? Dazu öden mich diese für US-Serien leider typischen Hochglanzgesichter zu sehr an.

    • singendelehrerin schreibt:

      Lass dich vom Hochglanz nicht blenden (WAS für ein Wortspiel! 😉 ) – die Serie hat wirklich mehr zu bieten!

      • Zeilenende schreibt:

        Definitiv. Der Hochglanz ist Fassade und oft genug bewusst als Fassade inszeniert, damit ALLES in der Serie „Fassade“ schreit. Wobei Louis nun nicht wirklich ein Hochglanzgesicht hat. Außer für eine Bulldogge. 😉

  2. Zeilenende schreibt:

    Ich habe deine allgemeinen Bemerkungen gelesen, denen ich zustimmen kann, heftig nickend. Habe jetzt ein Schleudertrauma und Suits-Schmacht. Gut, dass ich noch Da Vincis Demons hier liegen habe.
    Was mir an dem Bild aufgefallen ist: Hat Mike wieder eine neue Frisur bekommen nach der haarigen Katastrophe in Staffel 3?

    Und, am Rande: Man kann fiktionale Stoffe auch gucken, um Einblicke in die Menschheit zu erlangen. Bevorzugterweise in ihre Abscheulichkeit. Um sich in seiner Abscheu bestätigt zu fühlen. 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Yep, Mike hat eine neue Frisur (wird sogar von Harvey, glaub ich, kommentiert). Ich weiß nicht so recht, ob sie mir gefällt… Seine Stirn wirkt schon sehr hoch auf diese Weise… Übrigens: Rat mal, wer von den beiden Hauptcharakteren auf meine Marry Me-Liste käme und wen ich lieber fürs Bett hätte. Charaktere, wohlgemerkt, nicht Schauspieler! 😉

      • Zeilenende schreibt:

        Mike … Mike ist Heiratsmaterial paar excellence. Integer, so ehrlich wie möglich, darauf bedacht, dass es denjenigen gut geht, die er liebt. Während Harvey anstrengend ist, wenn man mit ihm nicht nur Bett, sondern auch Tisch teilt. Richtig geraten? 😉

  3. bullion schreibt:

    Das sind starke Worte. Meine letzte Serie innerhalb von drei Tagen habe ich wohl im Studium gesehen… 😉 Rückt immer weiter vor auf der Liste. Das hast du schon einmal geschafft… 🙂

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