This Is Living: Trafalgar Studio 2, 27.05.2016 – Review und Fan-Moment

This is living#1

Review:

(Den ersten Teil (in kursiv) habe ich in der Pause vor Ort in mein Random Crap-Notizbuch geschrieben. Der zweite Teil wurde in der Underground und im Hotelbett direkt nach der Aufführung geschrieben.)

Das Studio 2 in den Trafalgar Studios ist winzig: drei Sitzreihen auf drei Seiten der Bühne (insgesamt 100 Plätze). Ich sitze in Reihe A, direkt an der Ecke der Bühne vorne links (von der Bühne aus gesehen). Die Bühne besteht aus einem festen Rahmen, innen liegt eine Plastikplane mit Wasser darauf, sodass die beiden Schauspieler – insbesondere Tamla Kari, die Alice spielt – ständig nass sind. Man könnte meinen, dass dafür der Theatersaal vielleicht ein bisschen angewärmt würde. Das Gegenteil ist der Fall: es ist chilly, was gar nicht zum chillen einlädt – es ist mir ein Rätsel, wie sich die Zuschauer in der Pause ein Eis genehmigen können… Ich würde erfrieren!

Worum es geht, ist etwas schwierig zu entschlüsseln, da ständig zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und hergesprungen wird (dargestellt durch unterschiedliche Beleuchtung). Am besten lasse ich den Autor Liam Borrett selbst zu Wort kommen (Auszug aus dem Programmheft):

Alice and Michael have been together six years. In this time they have married and given birth to a child. Life without the other seems unthinkable, and the event that happens directly before the start of the play will shatter the world that they have created. […]

[T]his is not just a play about a man saying goodbye to his [dead] wife. It is a play about a mother saying goodbye to her child. Every conversation had in the present by these two characters is informed by a third, that we never see. Their daughter Lily.

Hinzufügen möchte ich noch, dass dieses Stück aus einem 7-Minuten-Stück von Borrett weiterentwickelt wurde.

Ich muss sagen, so richtig gepackt hat mich dieser „Pas de Deux‟ im Moment der Performance nicht, wobei ich nicht so genau sagen kann, warum, denn ich fand schon, dass die beiden jungen Schauspieler (Tamla Kari und Michael Socha) sehr gut gespielt haben – oft mussten sie in nur einer Sekunde (Lichtwechsel) in eine völlig andere Stimmung wechseln. Ich merke aber gerade, dass das Stück eine starke Nachwirkung hat, man gerät tatsächlich etwas ins Grübeln:

Wie würde ich mit dem – allzu frühen – Tod eines geliebten Menschen umgehen? Wer weiß – ich würde vielleicht einen Brief an den Verstorbenen schreiben, um Abschied zu nehmen. Aber nun geht es ja in dem Stück nicht nur um das Abschiednehmen des Überlebenden von der Toten, sondern auch der Toten wird die Möglichkeit gegeben, sich von Mann und Tochter zu verabschieden. Im Nachhinein rührt mich das fast noch mehr an, als während des Stücks. Glaubt man nicht an ein Leben nach dem Tod, wird den Toten ja diese Möglichkeit verwehrt. Da möchte ich dann doch wieder so fest wie früher an eine Art Himmel glauben, von dem aus die Verstorbenen über die Lebenden wachen.

Eine der für mich berührendsten Szenen war dann auch die, als Michael mit seiner Mutter „spricht‟ (Mutter und Vater sind schon früh gestorben), er sie darum bittet, Alice gut bei ihnen (im Himmel) aufzunehmen und ihr zu zeigen, wie dort sozusagen „der Hase läuft‟ (meine Worte). Was für ein tröstlicher Gedanke, der das Abschiednehmen auch irgendwie leichter macht – und welch Fürsorge und Liebe aus Michaels Worten (unter Tränen) sprach.

Ein weiterer toller Moment (in der „Rückblende‟): Alice sagt Michael nach einer Fehlgeburt, dass sie nicht weiß, ob sie noch die Frau sein kann, die Michael seinen tief verankerten Kinderwunsch (er antwortete am Abend des ersten Kennenlernens auf Alice‘ Frage, was er werden möchte: „I wanna be a dad.‟) erfüllt. Darauf zählt er drei Gründe auf, warum er sie mag, wovon einer ist, dass sie ihre Sätze selten zu Ende spricht, weil sie so voller Ideen ist, dass das so aus ihr raussprudeln muss. Das waren einfach so unkonventionelle Dinge, die Michael da genannt hat – das fand ich sehr anrührend.

Quelle: middlepegreview.com; Production Image Courtesy Alex Harvey Brown

Alice wurde vom Tamla Kari mit sehr viel Energie und Schmerz dargestellt. Ich fand sie richtig, richtig gut – aber vielleicht konnte ich trotzdem nicht so mitfühlen, weil ich mir die ganze Zeit um die Gesundheit der Schauspielerin Sorgen gemacht habe: Sie war 1 1/2 Stunden nass, legte sich immer wieder ins Wasser – und das war KALT! (Ich habe es nach Ende des Stücks getestet.) Ich glaube schon, dass mich das innerlich hat frösteln lassen – für Empathie ist aber Herzenswärme nötig…

Quelle: middlepegreview.com Production Image Courtesy Alex Harvey Brown

Was ich nicht verschweigen sollte: trotz der traurigen Prämisse, wurden auch sehr lustige Szenen aus dem Leben der beiden gezeigt, z. B. das erste Kennenlernen (Michael sehr awkward) oder das Tanzen im Club (ich hoffe, der Michael, der sich da so ungelenk und unrhythmisch bewegte, war der Charakter, nicht der Schauspieler 😉 ). Außerdem bleibt noch zu sagen, dass beide mit einem für mich zum Teil schwer verständlichen Akzent gesprochen haben. Und leider kenne ich mich immer noch nicht gut genug aus, um mit Sicherheit sagen zu können, was für ein Dialekt das war. Ich tippe ein wenig auf eher lower class (die „t‟s am Ende wurden oft weggelassen, z. B. wurde aus „What?‟ – „Wha‘?‟), aber kann mich da auch furchtbar blamieren…

Quelle: everything-theatre.co.uk

All in all, ein nachdenklich stimmendes Kammerspiel mit zwei talentierten und engagierten Jungschauspielern, das zunächst etwas unterkühlt wirkt, dann aber doch viel (Nach-)Wirkung zeigt. Dazu ein besonders intimes Erlebnis durch den kleinen Saal, die Schauspieler zum Greifen nahe – wie eine Privatvorführung.

Der Fan-Moment:

 

This is living#3a

Nach dem Stück ging es natürlich zur Stage Door, an der schon ein paar Leute standen, die aber anscheinend eher die Truppe von Jesse Eisenberg, der zeitgleich im Studio 1 sein eigenes Stück The Spoils (u.a. mit Kunal Nayyar) aufführte, erwartet haben. Nun, ein asiatisches Mädel fragte mich, ob ich weiß, ob alle Künstler, also auch Michael, da herauskommen würden. Ich meinte, dass ich schon davon ausginge und ein weiterer Wartender (ein schon etwas älterer Herr) bestätigte das ebenfalls. Lange mussten wir aber ohnehin nicht warten, da kam Michael schon aus der Tür, in kurzen Hosen und mit Zigarette im Mund. (Bäh!) Er lief gleich mit lautem Ausruf eines Namens zu zwei Freunden (einem Mann und einer Frau). Die Asiatin wollte schon hinterher laufen, hat dann aber gesehen, dass ich auch „respektvollen Warteabstand‟ eingenommen hatte, und kam dann auch zu mir. Michael fragte u. a. seine Freunde, ob sie denn auch geweint hätten… 😉 Dann habe ich versucht, nicht weiter zu lauschen…

Nach ein paar Minuten trat er dann seine Zigarette aus (immerhin ein feiner Zug 😉 ) und sagte offensichtlich (seine Worte habe ich nicht gehört) seinen Freunden Bescheid, dass er sich doch mal kurz um die Fans kümmern muss. Dann kam er zu uns und war sehr nett und aufgeschlossen. Ich fragte ihn, ob er mir mein Cover von Being Human signieren könnte, was er gerne tat. Man kann es nicht so ganz erkennen (ich brauche einen besseren Stift), aber er hat auch noch einen Smiley dazugemalt. Ich hab ihm dann noch gesagt, dass er „brilliant‟ war (ob da bei der Wortwahl eine Rolle gespielt haben könnte, dass ich auf dem Flug Cabin Pressure gehört hatte? Arthurs Lieblingswort ist nämlich eben dieses), und in etwa „You must be freezing there on stage in the water! I thought it might be warm but is wasn’t!‟ Er: „YEAH, it’s cold!!!‟ Ich: „How do you manage not to get sick?!?‟ Er (in beruhigendem Tonfall): „Oh, I’m fine!‟

Dann lasse ich ihn weiterziehen (gnädig wie ich bin 😉 ) – es sind nämlich inzwischen doch noch ein paar weitere Fans da, u.a. aus Kanada (für den Typen hat er mehrere Sachen für gefühlt alle Fans in Kanada unterschrieben) und aus Frankreich. Der Akzent des Franzosen hat ihm besonders gut gefallen und hat dann den einen französischen Satz, den er konnte (ich glaube, es war ein Schimpfwort oder so), „aufgesagt‟. Der französische Fan hat ihn dann gefragt, ob er den auch in die Kamera sagen würde – was er auch getan hat. Sehr zugänglich. Nachdem dann die anderen Fans ihn auch um ein Foto gebeten hatten, packte ich meine Kamera (die Lumix) aus und fragte: „Now that everyone’s been taking pictures, may I also have one?‟ da hat er sofort zugestimmt, seinen Arm um mich gelegt und hat noch anerkennend auf meine Kamera hingewiesen, so nach dem Motto, schaut mal, sie hat eine richtige Kamera dabei. Was ich sehr nett fand, war, dass seine Freundin (nicht girlfriend – s.o.), gleich angeboten hat, das Foto zu machen. 🙂 Ich mache allerdings mal wieder ein ganz schreckliches Gesicht (WIRKLICH, schauwerte kann das bestätigen), aber hier zeige ich mich ja sowieso nicht in ganzer Schönheit… 😉

This is living#2

Ich glaube, er hat sich wirklich über das Interesse gefreut, denn als ich ihn nochmal mit den Worten „You’re very kind‟ und „Good luck! I guess it’s hard to compete against the other show [The Spoils, s.o.]‟ verabschiedete, meinte er, schon fast bedauernd, dass er selbst auch gerne dieses Stück sehen würde. Das war für mich ein bisschen so gemeint, dass er es verstehen kann, wenn es mehr Leute da hin zieht, als zu seinem Stück. Er hat sich dann nochmal bei den Fans bedankt und zog dann mit seinen zwei Freunden los.

Nun hätte ich ja noch ein bisschen länger warten können und noch die größeren Stars Jesse Eisenberg und Co „abgreifen‟ können, aber mich hatte diese Begegnung schon so mit Freude erfüllt, dass ich lieber – ganz beschwingt – zurück ins Hotel gefahren bin. Ich muss auch sagen, dass ich es irgendwie cooler finde, an einer Stage Door zu stehen, weil man das Stück gesehen hat und nicht, weil man zufällig eh gerade mal da ist. Dazu nochmal mehr in meinem Beitrag zu The Threepenny Opera, denn dort haben wir einen Deutschen getroffen, der sich auch einfach mal so an die Stage Door stellt, um Autogramme und Fotos zu bekommen – ohne das Stück gesehen zu haben.

Noch kurz für diejenigen, denen der Name Michael Socha nichts sagt: Ich kannte ihn auch nur durch die Serie Being Human (UK), in der er einen Werwolf spielt. Manchen ist er auch durch This is England bekannt oder auch durch seine Auftritte in den Serien Once Upon a Time und Once Upon a Time in Wonderland. Tamla Kari hat auch in zwei Being Human-Folgen mitgespielt (Series 4), außerdem u.a. in der Serie The Musketeers und in The Inbetweeners Movie (auf „Deutsch‟: Sex on the Beach :rolleyes:). Leider habe ich mich zu sehr auf Michael konzentriert, so habe ich sie verpasst. Sie hat mir auch sehr gut gefallen, weil sie so natürlich wirkte und auch nicht gertenschlank war – und „trotzdem‟ , bzw. gerade deswegen, sehr attraktiv.

Ein sehr schöner erster Theaterabend! 🙂

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9 Antworten zu This Is Living: Trafalgar Studio 2, 27.05.2016 – Review und Fan-Moment

  1. Zeilenende schreibt:

    Ich kann mit Theater ja gar nicht so viel anfangen (hab ich das schon einmal erwähnt?) aber deinen Beitrag habe ich, als ich ihn überfliegen wollte, dann doch gründlich gelesen, weil es mal wieder so war, dass du deine Begeisterung in deinem Text wunderbar Ausdruck verleihst. Das macht unheimlich viel Spaß zu lesen. 🙂

  2. pimalrquadrat schreibt:

    Wow, das klingt nach einem sehr sympathischen Kerl und Abend! 🙂
    Abgesehen von den Temperaturen, aber da sind die Briten eh abgehärtet, ich sag nur: Stonehenge, ich mit Jacke und blauen Knöcheln, die im T-Shirt. XD

  3. An schreibt:

    Das klingt toll! ^.^ Und dein Bericht ist auch sehr angenehm geschrieben. 🙂

  4. friedlvongrimm schreibt:

    Bitte bitte schau dir „This Is England“ an. Daher kenne ich den Herren nämlich.

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