Captain America: Civil War 3D/Dolby Atmos (Anthony & Joe Russo, USA 2016) – Kurzkritik

Zur Info: „Kurzkritik‟ bedeutet bei mir immer, dass ich kein Summary zum Plot liefere (lang kann die Kritik u. U. trotzdem werden, wie ihr gleich merken werdet). Ich glaube, diejenigen, die hier lesen, sind diesbzgl. genügend durch andere Medien informiert – zumindest wenn es um solche Blockbuster geht. Trotzdem komme ich nicht ganz um SPOILER herum, da ich z. B. die für mich emotional stärksten Szenen erwähnen möchte. Diese werde ich jedoch vorher jeweils als solche kennzeichnen und in Schriftfarbe hellgelb setzen. So könnt ihr entscheiden, ob ihr den Spoiler überspringt oder doch lest.

Quelle: denofgeek.com

Nachdem DC Comics mit Batman vs Superman das erste Duell der Superhelden des Jahres 2016 vorgelegt hatte, folgt nun die Marvel-Variante, die gleich ein paar mehr Superhelden gegeneinander antreten lässt. Wer da alles dabei sein sollte, wusste ich mal wieder nicht, weil ich weder die Comics lese noch mich im Vorfeld der Comic-Verfilmungen mit der Suche nach Vorinformationen selbst spoilere. Alles, das ich wusste, war das, was man im Trailer sehen konnte. Und das sah schon ganz vielversprechend aus: Captain America vs Iron Man – aus Freunden werden Feinde?! So etwas ist ja immer potentiell konfliktreich und spannend. Ob Marvel den besseren Film über solch einen Konflikt unter denjenigen, die eigentlich auf derselben Seite kämpfen sollten, machen würde als es DC Comics in meinen Augen gelungen war?

Ich finde: Ja! Allerdings entfaltet der Film seine wahre Stärke erst so richtig ab etwas der Mitte des Films, dem Midpoint-Kampf zwischen den Superhelden, die sich um Captain America scharen, und denen, die Tony Stark aufgetrieben hat. Vorher war ich noch etwas unschlüssig, die viele Action und verschiedene Verfolgungsjagden hatten mich etwas ermüdet – und für einen Marvel-Film fehlte mir ein wenig der Witz. Trotzdem gab es auch vorher schon starke Szenen, z. B. nach dem Ende der ersten Verfolgungsjagd von Captain America & Co: SPOILER Der Bösewicht wird zwar von Scarlet Witch zerstört, aber dabei gibt es eine Menge menschlichen „Kollateralschaden‟, was Wanda sichtlich zusetzt – und dazu führt, dass die Avengers von den Medien und von der Politik in Frage gestellt werden.

Danach schlägt die UN vor, dass die Avengers einen Vertrag unterzeichnen, dass sie sich der UN unterordnen und nur handeln, wenn es durch die UN sanktioniert ist. Warum Steve, im Gegensatz zu Tony und Natasha, den Vertrag nicht unterzeichnet, hat verschiedene Gründe, die ich aber nicht thematisieren möchte. Dies führt auf jeden Fall schon mal zu einer Entfremdung zwischen Tony + Natasha und Steve, die dann noch dadurch verstärkt wird, dass der „Wintersoldier‟ wieder ins Spiel kommt (ich glaube, das ist allgemein bekannt und kein Spoiler). Dies gipfelt in dem schon erwähnten Kampf, für den noch einige neue Figuren auf beiden Seiten rekrutiert werden, die nun endlich etwas Witz in die Sache bringen – trotz der an sich ja recht dramatischen Situation des „Civil War of Superheroes‟. Wer das ist, möchte ich nun nicht explizit verraten, aber so viel darf gesagt werden: Von dem einen gibt es meines Wissens erst eine einzige filmische Inkarnation, der andere ist die x-te Reinkarnation (Reboot is coming!). Dieser Kampf wartet mit ein paar sehr kreativen Ideen auf und macht einfach Spaß, allein das Ende des Kampfes zeigt dann wieder, welche katastrophalen Folgen dieser Civil War haben kann.

Auch wenn dann zwischenzeitlich die Wogen wieder etwas geglättet werden, kommt es am Ende noch einmal zu einem Kampf, an dem dann nichts mehr witzig ist. Dieser Kampf tut weh, insbesondere das Ende: SPOILER Nachdem Steve alias Captain America Tony alias Iron Man besiegt hat, sagt Tony zu Steve (in etwa): „Your shield actually belongs to me, as it was my father who made it for you‟. Daraufhin wirft ihm Steve sein Schild zu Füßen und geht. Ich war zutiefst erschüttert, die Tränen sind mir in die Augen geschossen. Was für ein Symbol für das Zerbrechen des freundschaftlichen Bandes zwischen Steve und Tony!

Ich hätte es mutig gefunden, genau nach diesem Bild den Film zu beenden, aber mit so einem Paukenschlag, der Fans vermutlich am Boden zerstört zurückgelassen hätte, einen Marvel-Film zu schließen, das trauen sich die Macher offensichtlich nicht. Und so stimmt das endgültige Ende dann schon wieder versöhnlichere Töne an, was ich tatsächlich etwas bedauerlich finde.

Da für mich oft auch schon die Erwähnung von Schauspielernamen Spoiler sind, weil ich auch vorher selten die Besetzung auf IMDb im Detail lese, werde ich nichts zum eigentlichen Bösewicht in diesem Film schreiben, außer dass mal wieder ein deutscher Schauspieler diesen spielen darf. Und das tut er gut! Außerdem gibt es auch ein Wiedersehen mit einem Schauspieler, den ich schon live auf der Bühne gesehen habe.

Noch etwas zu Bild und Ton. Wie in meinem I’m hooked-Beitrag schon erwähnt, ist mir das Dolby Atmos bei diesem Film nicht besonders aufgefallen; ob ich mich mehr im Geschehen mittendrin gefühlt habe als sonst, war schwer einzuschätzen. Das 3D ist immer dann gut, wenn die Bilder eher ruhig sind. Am Anfang des Filmes gibt es eine tolle Kamerafahrt – da fand ich das 3D wirklich sehr gut gelungen. Allerdings finde ich 3D bei hektisch gefilmten Kampfszenen immer ätzend. Da habe ich einfach kein klares Bild vor Augen. Das war besonders in der ersten Hälfte des Filmes richtiggehend unangenehm, später wurde es besser (oder ich hatte mich daran gewöhnt). Würde den Film gerne nochmal in 2D ansehen, mal schauen, ob sich noch eine Möglichkeit ergibt.

Was mir an diesem Film richtig gut gefällt, sind die Themen, die darin angesprochen werden: Verlust, Schuld, Rachsucht, Loyalität, Verrat, Freundschaft, „the needs of the many vs the needs of the few‟, „with great power comes great responsibility‟. Diese Themen wirken nach dem Film noch ordentlich nach, und so schätze ich heute den Film noch positiver ein als direkt nach der Sichtung.

8 von 10 Punkten!


20 Gedanken zu “Captain America: Civil War 3D/Dolby Atmos (Anthony & Joe Russo, USA 2016) – Kurzkritik

        1. Es soll auch gar nicht ganz unsichtbar sein – ein BISSCHEN Selbstdisziplin sollten die Leser schon haben und selber wissen, ob sie sich jetzt darum bemühen wollen, etwas zu lesen, das sie nicht lesen wollen… Schließlich kommen die Spoiler ja nicht gleich am Anfang.

          1. — ein BISSCHEN Selbstdisziplin sollten die Leser schon haben und —

            Ganz die Lehrerin. 😉 (undwegduck)

  1. — Was mir an diesem Film richtig gut gefällt, sind die Themen, die darin angesprochen werden: Verlust, Schuld, Rachsucht, Loyalität, Verrat, Freundschaft, „the needs of the many vs the needs of the few‟, „with great power comes great responsibility‟. —

    Ist der ganze Plot darüber hinaus nicht auch eine riesige Metapher auf das Verhältnis der USA zu den UN? Dass ausgerechnet Captain _America_ auf der UN-kritischen Seite steht, wäre dann auch kein Zufall… 😉

    1. Ja, sicher kann man da politisch auch eine ganze Menge rausziehen. Allerdings steht Captain America in dem Film auch nicht auf Seite der USA – er ist kein Uncle Sam, denn er will sich von keiner übergeordneten Macht abhängig machen. Die USA arbeitet ja im Film durchaus mit den UN zusammen.

    1. Ich hab ihn noch gar nicht gesehen und weiss auch nicht, wann ich ihn anschaue. Meine Begeisterung für Blockbuster wird immer geringer… 😉

      1. Mein auch, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Bei den Comicverfilmungen dieses Jahr freue ich mich eher auf „X-Men: Apocalypse“ und „Doctor Strange“.

    2. Pfff, also, meine Meinung hat dich eh nicht interessiert, oder wie? 😛

      Du spoilerst ja ganz schön in deiner Kritik, den Plottwist bzgl. dem Wintersoldier z. B. (bitte HIER nicht wiederholen/diskutieren). 😮 Das ist wohl der Grund, warum ich keine Kritiken vor der Sichtung eines Filmes lese, von dem ich weiß, dass ich ihn auf jeden Fall ansehen werde…

      Naja, immerhin fandest du ihn besser als den zweiten „Avengers“-Film – was ich tatsächlich auch so empfinde.

  2. Der Witz ging mir ab so ziemlich der Mitte des Films mächtig auf den Zeiger. Als nämlich eine ganz bestimmte Figur eingeführt wurde. Der „Mid-Showdown“ war dann der Gipfel des ganzen, was ich ziemlich schade und ermüdend fand. Das hat dem Film wieder zuviel an Ernst geraubt, was ich speziell in der ersten Hälfte großartig fand. Das Ende war dann… joa. Gefühlt mal wieder ohne Konsequenzen und einen kleinen Seitenhieb auf „Batman v. Superman“ war auch drin. Alles in allem hätte ich ihn mir strenger gewünscht. Da waren die Russo-Brüder doch erstaunlich zurückhaltend.

    1. Tja, so unterschiedlich kann man das empfinden. Ich mag es schon an den Marvel-Filmen, dass die Dialoge häufig einen gewissen Witz haben. Von daher gefiel mir eben dieser Mid-Showdown. Trotzdem hätte ich mir ein „strengeres“ Ende gewünscht.

      1. Der Punkt ist nur leider, dass der Witz dann so überdehnt wurde, dass es nicht mehr witzig war. Der typische Humor ist cool, aber hier wurde sich zu sehr darum bemüht. Und gepasst hat es mMn überhaupt gar nicht. Zumindest nicht in diesem extremen Ausmaß.

  3. Als großer Marvel-Fan muss ich sagen, dass mir auch der altbekannte Humor etwas gefehlt hat. Ab dem 2. Drittel war er zwar ansatzweise wieder dabei, aber alles in allem war der Film sehr ernst. Ich finde eine Schwäche des Films ist wieder die doppelte Handlung. Die Ursprungsfrage, wie viel die Avengers dürfen ist nach dem Auftauchen des Winter Soldiers und Baron Zemo sehr in den Hintergrund geraten, was ich schade finde. Aber ansonsten hat mich der Film wieder einmal begeistert!

  4. Und der deutsche Bösewicht ist nichtmal Nazi oder Pseudonazi (Hydra), das fand ich auch angenehm. Spidey bringt viel Witz mit rein, ohne wäre es sehr mau in dieser Hinsicht.

    @Comics: Die kann man ruhig lesen, da hier seit jeher nur Motive, Situationen und Ideen rausgenommen werden.

    1. — Und der deutsche Bösewicht ist nichtmal Nazi oder Pseudonazi —

      Wus? Nicht mal auf die Deutschen in Hollywoodfilmen ist heute noch Verlass!

    2. Schon interessant, wie unterschiedlich der Humor in dem Film gesehen wird – ich fand ihn auch klasse, Schlopsi dagegen nervig.

      @Comics: Ich hatte einfach noch nie ein Faible fürs Lesen von Comics, ich habe sogar nur einen einzigen Asterix-Band gelesen. Ich will beim Lesen Wörter. 😉

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