Freitagsfrage #15b: Könnt ihr den Künstler von der Kunst trennen?

Miss Booleana war ja so freundlich, meine Freitagsfrage #15 in ihrem Blogophilie-Beitrag zum Monat März zu erwähnen (danke! 🙂 ) – und hat dabei in den Raum geworfen, dass auch die umgekehrte Fragestellung interessant wäre. Finde ich auch! 🙂

Es geht also heute um die Frage, ob ihr euch noch für Schauspieler, Regisseure, Autoren etc. begeistern könnt, wenn ihr der Meinung seid, dass sie (gefühlt?) nur (noch) Mist fabrizieren.

Ich bleibe mal bei Schauspielern, und da gibt es für mich zwei Kategorien:

  1. Die „Why – please: why?“-Kategorie

Ich denke da z. B. an Robert De Niro, dessen Mitwirkung in der infantilen Komödie Dirty Grandpa mich wirklich nahezu menschlich enttäuscht hat, oder an Liam Neeson, dessen Name in den Opening Credits bei der Sneak Preview bei mir den Ausruf „Oh nein!“ hervorruft. Die Enttäuschung über die Filmauswahl der beiden sitzt so tief, dass ich mir schon gar nichts mehr erwarte, wenn ich höre, dass sie in einem Film mitspielen. Gleichzeitig frage ich mich immer, warum mir De Niro und Neeson das antun – schließlich schätzte ich beide einmal sehr. „Der neue Film mit…“ war eigentlich lange Zeit etwas, das mich durchaus ins Kino lockte. Also fühle ich mich fast etwas persönlich von ihnen betrogen. Ähnlich geht es mir mit Nicolas Cage und Keanu Reeves. Neuestes Beispiel übrigens ist – und das war eine recht schnelle Abkühlung nach der Begeisterung, die er bei mir durch Inglourious Basterds erzeugt hatte – Christoph Waltz. Seine Figur in Big Eyes fand ich so fürchterlich überzogen, dass ich schon mit riesiger Skepsis in Spectre gegangen bin – zurecht, muss ich leider sagen. Ich zitiere mich mal selbst, denn ich finde, da wird schon deutlich, wie enttäuscht ich von der Performance in Big Eyes war:

Es schmerzt mich ja, das zu sagen, aber Christoph Waltz nervt UNGLAUBLICH in diesem Film von Tim Burton. Overacting bis zum Exzess – sicher so gewollt, aber für mich absolut unpassend in diesem Film, der ja, im Gegensatz zu vielen „fantastischen‟ Filmen von Burton, eine wahre Geschichte erzählt. Anfangs konnte ich noch über Waltz als Con-Artist, der die Gemälde (Kinder mit sehr großen Augen) seiner Frau Margaret Keane (Amy Adams) als die seinen ausgibt, lachen, aber das schlug sehr schnell in Genervtsein um. So sehr ich Waltz in den Tarantino-Filmen mochte – nach diesem Film will ich ihn mal in einer ganz NORMALEN Rolle sehen. Nun, wird nicht ganz klappen, denn als Bösewicht im nächsten Bond darf er bestimmt auch wieder ordentlich über die Stränge schlagen. Seufz.

2. Die „Kristen is Bella“-Kategorie

Hier tummeln sich dann eher Kandidatinnen und Kandidaten, die sich durch eine einzige, oft ikonische Rolle – und meist eine der ersten Rollen, in der ich die Person gesehen habe – einen Platz auf meiner imaginären „Most-to-be-avoided“-Liste erspielt haben. Wie der Name der Kategorie schon sagt, gehört Kristen Stewart mit ihrer Darstellung der grässlich langweiligen Bella quasi federführend dazu, auch wenn sie mir z. B. in Still Alice ganz gut gefallen hat. Doch so richtig kann ich mich nicht für sie erwärmen. Robert Pattinson dagegen hat es spätestens mit seiner Darstellung des mentally challenged Rey in The Rover geschafft, dass ich ihn als ernsthaften und guten Schauspieler wahrnehme und ihn nicht nur mit dem glitzernden und trotzdem glanzlosen Edward verbinde.

Gemein ist allen diesen Beispielen (mit Ausnahme eben von Pattinson), dass ich relativ bis sehr skeptisch an Produktionen herangehe, bei denen sie mitspielen. Es ist also nicht unbedingt so, dass ich die Künstler als Person dadurch direkt ablehne, aber Kristen Stewart ist mir tatsächlich potentiell eher unsympathisch, was sicher unfair ist, und bei anderen ist zumindest das Interesse deutlich reduziert. Man bedenke, dass ich Nic Cage (Lieblingsfilm: Face/Off) und – noch mehr – Keanu Reeves (Lieblingsfilme: Speed und Matrix, Teil 1) einmal richtig, richtig toll fand – sowohl was ihre Schauspielkünste, als auch ihr Aussehen anbelangte. 😉

Bei welchem Künstler geht es euch so, dass ihr euch durch seine Kunst nicht mehr angesprochen fühlt? Wie geht ihr damit um? Und welche Künstler haben es aufgrund EINER bestimmten Performance (o.ä.) besonders schwer, von euch ernst genommen / respektiert / gemocht zu werden? Oder gebt ihr jedem Schauspieler (z. B.) bei jedem neuen Film eine neue Chance und könnt etwaige frühere Eindrücke ausblenden?

Ich bin gespannt auf eure Antworten! 🙂

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11 Antworten zu Freitagsfrage #15b: Könnt ihr den Künstler von der Kunst trennen?

  1. Zeilenende schreibt:

    Da hast du ja schon wieder ein Thema aufgegriffen, das an mir nagt und ich es nicht ohne Kommentar stehen lassen kann. Die Sache ist ja vertrackt. Sage ich, ich schaue keine Filme mit X, weil ich seine Kunst nicht mag, billige ich X nicht zu, sich weiterzuentwickeln. Fair ist das nicht und vom Typ her ein eher engstirniges Argument. Und doch kann ich es verstehen. Ich schicke deshalb Leute vor, die weniger vorurteilsbeladen sind als ich: Lohnt es sich? Nein. X hat eine tragende Rolle und spielt so wie immer. Oder ja: X tritt nur in einer Szene auf, das kannst du verkraften.
    Ich gebe zu, ich gucke keine Filme mit Tom Cruise mehr, weil mir schlecht wird, wenn ich das Grinsen sehe. Tom Cruise und ich, das ist Hass auf den ersten Blick seit „A few good men“. Minority Report, M:I, Top Gun … Ich habe es aufgegeben. So kommt es, dass ich als Kubrick- und Schnitzler-Fan bis heute „Eyes wide shut“ nicht gesehen habe. Da gibt es die doppelte Dosis, Kidman – Filme gucke ich zwar, aber begeistert bin ich von ihr auch nicht. Und mit meinem unglaublichen Hass auf Uwe Boll will ich gar nicht erst anfangen.
    Man sollte … Aber da mir im Unterschied zur Trennung von Person und Werk keine tragbare Alternative einfällt, bei der ich nicht zwei Stunden wutschnaubend vor der Flimmerkiste sitze, muss ich mich zu meiner Schande dem Ressentiment hingeben.

    • singendelehrerin schreibt:

      Interessant, dass du Nicole Kidman ansprichst. Ich liebte sie ja in „Moulin Rouge!“, der zu meinen Lieblingsfilmen zählt. Und doch, seitdem ich sie das letzte Mal in „The Railway Man“ gesehen habe und ich sie dort richtiggehend schlecht fand – unfähig, mit ihren durch „Schönheits“-OPs oder Botox eingefrorenen Gesichtszügen irgendwelche Emotionen auszudrücken -, habe ich NULL Interesse mehr daran, sie in einem anderen Film oder gar im Theater (sie spielte äußerst erfolgreich im Londoner West End, gewann den Evening Standard Award) zu sehen. Schade! Und ja: Offensichtlich unfair, da sie für das Theaterstück „Photograph 51“ wirklich in höchsten Tönen gelobt wurde. Aber irgendetwas ist zerbrochen bei mir. Es ist jetzt sicher nicht so, dass ich einen Film mit ihr 100%-ig meiden würde (kommt auf den Rest des Cast an), aber ich habe nun eine sehr große Grundskepsis…

      • Zeilenende schreibt:

        Man sollte immer über seinen Schatten springen, aber den ganzen Tag Schatten zu überspringen ist auch anstrengend. Vorurteile sind ja nicht gänzlich funktionslos. Aber Botox ist ein gutes Stichwort zum Thema Vorurteil. Frauenrollen mit Frauen 40+ zu besetzen, ohne dass sie wie Zombies aussehen, wird in Hollywood offenbar immer schwieriger. Skeptisch zu sein, wenn ein Botox-Face gecastet wird, ist durchaus legitim. Diese gespannten Gesichter haben auch für mich keine Ausstrahlung mehr und sind ein gutes Beispiel für das legitime Meiden eines Filmes.

  2. hurzfilm schreibt:

    Ich kann irgendwie keine echte Abneigung gegen einen Menschen wegen etwas letztlich so belanglosem wie einem Spielfilm entwickeln, jedenfalls nicht wegen mangelnder Qualität.

    Es gibt allerdings einige Künstler, die ich mehr oder weniger nervtötend finde. Dazu gehört inzwischen leider auch Woody Allen. Er hätte nach Match Point in den Ruhestand gehen sollen.

  3. Frau Margarete schreibt:

    Ich hatte übrigens zu der ursprünglichen Freitagsfrage, ob man die Kunst vom Künstler trennen kann, einen total langen Kommentar getippt, der dann nicht gesendet werden konnte und im Nirvana des Internets verschwand 😦 (Jaja, das kann ja jeder sagen, war aber wirklich so. Die Quintessenz war: Ich kann das nicht immer. Roman Polanski zB stehe ich mit einer derartigen Abneigung gegenüber, dass ich mich bisher erfolgreiche weigere, seine Filme zu sehen)

    Nun zu dieser Frage. Wieder sehr interessant. Christoph Waltz, naja, der war gut in Inglorious Basterds und eigentlich hat er mich dann schon in Django genervt, weil er nix anderes kann scheinbar. In Spectre wieder genau das gleiche. Vielleicht liegt es aber auch an seiner furchtbaren Stimme, die ich echt nicht gerne höre. Der ist für mich also mittlerweile tatsächlich eher ein Grund, einen Film zu meiden, auch wenn mich der Film interessieren würde.

    Und Schauspieler, die ich immer mit einer Rolle verbinde, das sind bei mir Seriendarsteller (Neil Patrick Harris, aber auch Benedict Cumberbatch, da ich ihn v.a. aus Sherlock kenne) oder eben jemand wie Daniel Radcliffe. Der ist zwar echt nicht schlecht und macht ja wirklich viele Filme und Theaterstücke, aber für mich ist er noch immer Harry Potter 😦 Er ist mir auch nicht unsympathisch, aber mir fiel es zB schwer ihn als Vater in „Die Frau in Schwarz“ ernst zu nehmen.
    Komisch, bei Emma Watson gehts mir zum Beispiel nicht so. Vielleicht, weil ich ihr politisches/gesellschaftliches Treiben eher verfolge und sie dadurch als „Emma Watson“ und nicht als „Hermine“ wahrnehme.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ach, ist ja schade, dass dein Kommentar beim letzten Mal nicht durchgekommen ist!

      Benedict Cumberbatch habe ich ja tatsächlich VOR „Sherlock“ in „Frankenstein“ gesehen, weswegen ich ihn nie nur mit Sherlock verbunden habe. Er ist immer BC für mich.

      Mit Daniel Radcliffe ging es mir bei „The Woman in Black“ ähnlich – den Vater konnte ich ihm auch nicht abnehmen. Gestern habe ich den Trailer zu einem wirklich angefahrenen Film „Swiss Army Man“ mit ihm als eine Art Zombie gesehen – er versucht schon wirklich, nicht mehr als Harry gesehen zu werden.

      • hurzfilm schreibt:

        Kein Zombie, Leiche!

        Ich finde das ja doch etwas übertrieben – vom Kinderstar mit kurzem Zwischenstop bei Erwachsenenrollen gleich zum Post-Mortem-Darsteller…. 😉

        Der Film könnte aber wirklich interessant sein. Und Mary Elizabeth Winstead spielt auch wieder mit!

        • singendelehrerin schreibt:

          Ja, Leiche ist wohl korrekter… (mir ist eben noch nicht ganz klar, ob er nur in der Vorstellung des anderen Charakter noch „lebt“, oder ob er eben eine „lebende Leiche“ (für mich wäre das dann „eine Art von Zombie“) ist. Sieht auf jeden Fall sehr skurril aus! 😀

  4. Miss Booleana schreibt:

    Danke für die Erwähnung 🙂 Und freut mich sehr, dass du die Frage auch noch aufgegriffen hast. Robert DeNiro ist ein exzellentes Beispiel, weil sich glaube ich jeder fragt, was aus ihm geworden ist und warum er sich dazu herablässt Klamauk wie Dirty Grandpa zu machen. Vermutlich denkt er sich einfach „weil ichs kann“.
    Ein Beispiel, was ich besteuern möchte ist M. Night Shyamalan. Dessen „Mädchen aus dem Wasser“ war ein ziemlicher Reinfall, The Happening ist auch bei den meisten durchgefallen und beide haben mich nicht so begeistert wie The Sixth Sense, aber trotzdem kann ich ihn nicht so verschmähen wie viele andere. Ich sehe da Intention und Visionen. Kann ich dem menschen was abgewinnen, dann fällt es mir deutlich leichter Ausfälle in seinem Werk zu akzeptieren. Das fällt mir leichter als bei deiner Freitagsfrage aus der anderen Richtung.

    • singendelehrerin schreibt:

      An M. Night Shyamalan habe ich auch gedacht! Dem habe ich auch viel länger die Treue gehalten, als so mancher Kritiker oder „Fan“. Ich mochte sogar „Lady in the Water“. *duck* Leider, leider ist aber „The Last Airbender“ wohl einer der schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe. Trotzdem habe auch ich Shyamalan nicht abgeschrieben – schön, dass es dir ähnlich geht!

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