Batman v Superman: Dawn of Justice (Zack Snyder, USA 2016): Kurzkritik

Quelle: theguardian.com

(enthält leichte Spoiler)

„They have a cave troll!“ – Ich hörte förmlich den Widerhall von Boromirs Worten, als gegen Ende des Films ein eigens von Lex Luthor erschaffenes Monster „geboren“ wurde. Zurück nach Mittelerde damit! Nur eins der Dinge, die ich nicht an diesem Film mochte.

Doch zuerst ein paar Dinge, die mir gefallen haben:

  • Der Beginn des Films: Die Verknüpfung zwischen Man of Steel und BvS ist hervorragend gelungen. Einer meiner Hauptkritikpunkte an Man of Steel war ja die schier endlose Materialschlacht zwischen Superman und General Zod – ohne Rücksicht auf Verluste. Da wurde quasi eine ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt, die Opfer wurden nicht gezeigt. Das holt Snyder nun nach, und man sieht Bruce Wayne hilflos der Zerstörung zusehen. Da gab es auch Anklänge an 9/11 für mich – für mich die beste, emotional mitreißendste Sequenz des Films, und eine perfekte Erklärung, warum Batman nicht so besonders gut auf Superman zu sprechen ist.
  • Jesse Eisenberg als Lex Luthor: Hier werden sich wahrscheinlich die Gemüter spalten, aber ich fand Eisenbergs Luthor herrlich irre. Gleichwohl, über seine Beweggründe erfährt man im Grunde genommen nichts. Also, schlecht geschrieben, aber gut gespielt.
  • Wonder Woman (Gal Gadot): Auch wenn sie recht holzhammermäßig eingeführt wird, fand ich sie irgendwie cool. Aber ich bin ja eh für mehr weibliche Heldinnen! Also her damit! Ihr Auftauchen führt auch zu einem der witzigsten Wortwechsel zwischen Superman und Batman.
  • Ben Affleck als Batman: Vielleicht die größte Überraschung für mich, dass ich Affleck den Batman abgekauft habe. Als ich gehört hatte, dass er der neue Batman wird, hatte ich die Augen verdreht (nach dem Mega-Flop als Daredevil), jetzt war ich doch ganz zufrieden, auch wenn sein Batman völlig ohne Witz und Charme angelegt ist. In den Tenor des Films hat das gepasst.
  • Diane Lane als Martha Kent: Nur wenig zu sehen und doch waren ihre Auftritte mit das Beste, was der Film schauspielerisch zu bieten hat. Einfach toll, diese Frau!
  • Jeremy Irons als Alfred: Ich mochte diese etwas lockerere Variante des Alfred. Allerdings passte sein „Master Wayne“ nicht so gut wie wenn das Michael Caine sagte. Vielleicht hätte man ihn das „Master“ einfach weglassen sollen…
  • Die Szene, nachdem Superman ein Mädchen aus einem brennenden Haus rettet und sich dann alle Hände der Umstehenden nach ihm recken. Einfach sehr schön symbolträchtig in Szene gesetzt:

Quelle: kino.de

Was ich nicht mochte:

  • Die Musik: Bis auf eine Szene, in der wohl absichtlich völlig übertriebene Musik zu den Schritten Lex Luthors gespielt wurde, was recht witzig war, fand ich den Score von Hans Zimmer und Junkie XL grauenhaft. Laut, übertrieben, holzhammermäßig. Dabei mochte ich Junkie XLs Score zu Mad Max: Fury Road sehr, sehr gerne. Der war auch bombastisch und laut, keine Frage, hat aber auch richtig gut zum Pacing des Films, zu dieser einzigen Verfolgungsjagd gepasst.
  • Die weiterhin fehlende Chemie zwischen Henry Cavill und Amy Adams: Bei Man of Steel lachte das Publikum beim ersten Kuss von Superman und Lois Lane. So schlimm war es nun hier nicht, aber es funkt einfach nicht zwischen den beiden. Hach, wenn ich da nur an die Serie Lois & Clark denke…
  • Zu viel Action, zu wenig Charakterentwicklung: Ich zitiere hier mal meinen „Kollegen‟ Andrew Pulver vom Guardian:

It’s tough to take all the hardcore emoting seriously, particularly as the emotional heavy lifting is designed to be done by the occasional maudlin line in brief pauses between the explosions. For a film so concerned with its characters’ inner lives, there’s a fundamental disconnect going on here – enough to make you yearn for the lighter touch of the Marvel films.

  • Ein Troll als Endgegner: Ich bin etwas gelangweilt von überdimensionierten Monstern als Gegner im Comic. Mag ja sein, dass das auf dem Papier funktioniert, als bewegtes Bild rufen sie bei mir eher Augenrollen, Gähnen und den Blick auf die Uhr hervor.

Insgesamt ist es vielleicht auch einfach zu ambitioniert, in einem eigentlich als Superman-Sequel gedachten Film gleichzeitig einen neuen Batman einzuführen. Im neuen Captain America (Civil War) wird es ja auch zu Kämpfen zwischen Helden kommen, die eigentlich auf derselben Seite stehen sollten. Aber da sind uns immerhin die Beteiligten gut bekannt durch die vorhergehenden Filme.

Ich glaube, Zack Snyder und ich werden keine Freunde: 6 von 10 Punkten.

Zuletzt noch ein (sinngemäßes) Zitat von meiner Freundin D.: „An irgendeiner Stelle wollte ich den beiden zurufen: Nun holt ihn schon raus und vergleicht die Länge!‟ 😀

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23 Antworten zu Batman v Superman: Dawn of Justice (Zack Snyder, USA 2016): Kurzkritik

  1. mwj schreibt:

    Ich hab „BvS“ gestern (Karfreitag) auch gesehen. Und bin entsetzt, wie man etwas, das inhaltlich so derart unausgegoren ist, einem Publikum als Film vorsetzen kann.

  2. hemator schreibt:

    Oh ja, Cavill und Adams… So gut wie jede andere Inkarnation von Lois und Clark hat eine weit aus bessere Chemie als MoS/BvS. Ich setzte meine Hoffnungen für einen richtigen guten DC-Film jetzt mal auf „Suicide Squad“ – da der mit der kommenden Justice League kaum etwas zu tun haben dürfte, widersteht Warner vielleicht der Versuchung, plumpe Hinleitungen einzuarbeiten. Und Zack Snyder führt nicht Regie 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      „Und Zack Snyder führt nicht Regie“ -> Na, das gibt ja schon mal Grund zur Hoffnung! 😀 Ich habe ja „Watchmen“ und „Sucker Punch“ nicht gesehen, aber seit „300“ ist für mich die Ankündigung „From the Director of 300“ eigentlich nicht gerade eine gute Werbung für einen Film…

      • hemator schreibt:

        „Sucker Punch“ kannst du getrost auslassen, „Watchmen“ ist dagegen in meinen Augen Zack Snyders mit Abstand bester Film, was auch daran liegt, dass er sich (mit ein, zwei Ausnahmen) sehr eng an die Vorlage hält – und die ist nun einmal wirklich verdammt gut. Ich würde sogar sagen: Falls du nur einen einzigen Comic in deinen Leben lesen willst, ist „Watchmen“ ist ein verdammt guter Kandidat dafür 😉
        Aber ja, ich hoffe jetzt auch auf andere Regisseure in DCs Kinouniversum, und bin deshalb sehr auf „Suicide Squad“ (David Ayer) und „Wonder Woman“ (Petty Jenkins) gespannt. Gerade „Wonder Woman“, der während des Ersten Weltkriegs spielen soll (deshalb auch dieses Foto, das Batman entdeckt), wäre eine wunderbare Gelegenheit für einen herrlich altmodischen, großorchestralen Score mit starken Themen. 😀

        • singendelehrerin schreibt:

          Hm, mal sehen, ob ich tatsächlich mal einen Comic lese und/oder Snyder bei „Watchmen“ nochmal eine Chance gebe (die Kritiker fanden auch den nicht so berauschend…)… 😉 Danke auf jeden Fall für die Empfehlung!

          Ich freue mich auf „altmodischen Score“ von Ennio Morricone am 4. April: Da läuft bei uns „The Good, the Bad, and the Ugly“ im Kino. 🙂

  3. Ma-Go Filmtipps schreibt:

    Ich habe den Film nicht gesehen und habe dies auch nicht vor. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass DC mit einer Hauruck-Aktion zu viel in einem Film abdecken wollte. Vielleicht hätte es vor diesem Film zunächst einen eigenen neuen Batman gebraucht. Marvel hat sein Universum da strategisch einfach besser aufgebaut. Auch wenn ich davon natürlich auch kein Fan bin 😉

  4. bullion schreibt:

    Ich fand ja schon „Man of Steel“ extrem anstrengend. Und hier hat mich schon der Trailer angeödet. Ich glaube, den spare ich mir einfach.

    • singendelehrerin schreibt:

      Den kann man auch wirklich guten Gewissens auslassen, finde ich.

      Hier noch ein lustiges Zitat aus dem Telegraph:
      „Imagine Affleck, standing shirtless in a dungeon, repeatedly thumping a bus tyre with a sledgehammer. Got it? Good: that’s not just what the film feels like, it’s a real scene from it. And that’s all you need to know.“

      Je mehr einzelne Szenen ich mir in die Erinnerung rufe, desto schlechter schneidet das Gesamtwerk ab. 6 Punkte sind wohl doch noch zu viel…

  5. mwj schreibt:

    Hier nun meine Filmkritik:
    http://www.kino.vieraugen.com/kino/batman-v-superman-dawn-of-justice/
    Meine grundlegende Meinung zum Machwerk habe ich ja bereits weiter oben geäußert.

  6. Frau Margarete schreibt:

    Du warst da ja noch deutlicher gnädiger bei den Punkten als ich 😉

    Zu den obigen Kommentaren: Ich mochte „Watchmen“ von Zack Snyder auch sehr. Für mich wahrscheinlich die beste Comicverfilmung, die ich bisher gesehen habe. Deswegen war ich total gespannt auf Man of Steel, den ich letzte Woche erst gesehen habe. Und wurde so dermaßen enttäuscht. Dass mich BvS gleich noch mal enttäuschen würde, das war schon hart.

    Und ja, ich hab das bisher nicht ausformuliert, aber du hast Recht: Zwischen Cavill und Adams gibt es wirklich 0 Chemie!

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, hab schon gelesen, dass du ganze 2 Punkte vergeben hast. 😉 Aber du warst also – zumindest an „Man of Steel“ – schon mit höheren Erwartungen rangegangen. Vielleicht erklärt sich ja dadurch auch die größere Enttäuschung. Ich dagegen fand ja schon „300“ Mist und „Man of Steel“ äußerst durchwachsen, sodass ich mit soooo geringen Erwartungen ins Kino gegangen bin, dass ich im Endergebnis tatsächlich etwas gnädiger war. Ich hatte NICHTS erwartet – und dann haben mir halt manche Dinge trotzdem gefallen.

  7. scoresandsongs schreibt:

    SPOILERS!!!

    Wir haben zwar schon telefoniert, aber egal, nun nochmal bisschen was schriftlich. 😉
    Ich hab den Film tatsächlich genießen können trotz klarer Schwächen. Ich hatte zuvor ne Menge negativer Kritik gelesen und bin dementsprechend vorbereitet in die Vorpremiere gegangen. Und ich hatte weit weniger Probleme mit den Schwächen des Films als die meisten anderen, wie es scheint.
    Zum einen hat mich Superman als Figur noch nie interessiert und auch Lois Lane nicht, auch nicht in der TV-Serie mit Teri Hatcher und Dean Cain. Die war halt unterhaltsam von den Geschehnissen und der Geheimniskrämerei um Clark Kents geheime Identität. Aber spannende Figuren fand ich (rückblickend) Lois und Clark schon damals nicht. Und auch nicht in Superman Returns und auch nicht in Man Of Steel. Ich war schon immer Team Batman. Und Batman war großartig, und Wonder Woman auch. Mir hat auch Eisenbergs Lex Luther gefallen. Schön ordentlich wahnsinnig. Dass im Zusammenhang mit diesem „gritty realism“ im Film Lex als Karrikatur ziemlich heraussticht, ist sicher wahr und irgendwie schlampig inszeniert, aber Spaß gemacht hat er mir. War ja sonst kaum Spaß in dem Film.
    Doomsday hat mich auch nicht gestört, weil was Superman, Batman und vor allem Wonder Woman mit ihm anstellen durchaus unterhaltsam war.
    Und ich bin ganz und gar nicht deiner Meinung bzgl. der Musik. Die fand ich großartig. Total übertrieben, ja, aber her damit. Is ja kein Arthouse-Film über einen autistischen Jungen, der mit Schmetterlingen sprechen kann. 😛
    Ich komme am Ende aber auch nur auf 6 von 10 Punkten. Ich hab mich sehr gut unterhalten gefühlt und in den Sitz gepresst, aber wenn man sich den Film mal dramaturgisch ansieht, ist er eine ziemliche Katastrophe. Und wie auch bei jedem Scorsese-Film konnte ich mich für keine der Figuren richtig erwärmen. Am ehesten noch für den ultraharten und kalten Bruce Wayne, bei dem ich wenigstens seine Motivation verstehen konnte. Superman … naja hab ich eh nichts erwartet. Wonder Woman taucht aus dem Nichts auf nach 100 (!) Jahren Untätigkeit, stiehlt die Luther-Files, die Batman stehlen will (warum?) und merkt dann am Schluss dass sie ihr Kostüm das sie 100 (!) Jahre nicht mehr anhatte, mal wieder rauskramen sollte. Und schafft das innerhalb von etwa zwei Minuten, obwohl sie gerade noch dabei war, ein Flugzeug zu besteigen. Der Fight zwischen Batman un Superman findet nur statt weil die beiden nicht miteinander reden, sowas frustriert mich immer in Filmen. Und das Ende des Kampfes … „Martha? WHAT DID YOU SAY? WHY DID YOU SAY THAT?“ Ooooh Mann, da musste ich im Kino fast lachen.
    Und der ganze Kram um Bruce Waynes Traumsequenz mit den Parademons und einem Superman-Militär und der Apokalypse und dem Omegasymbol von Oberfiesling Darkseid, plus der Vision von The Flash, der Bruce aus der Zukunft heraus warnt („Lois is the key“) und Lex Luthers Gesabbel („Ping! Ping! Ping!“) am Ende im Gefängnis (und die frisch veröffentlichte Deleted Scene „Communion“) hat vermutlich niemand verstanden, der nicht schon so ziemlich alle DC-Comics gelesen hat. Da ich ab und zu ein paar YouTube-Videokanäle verfolge, bei denen man viel Hintergrundwissen zu Comicverfilmungen und sonstigen Genrefilmen erfahren kann (ich kann hier „Emergency Awesome“ und „ColliderVideos“ sehr empfehlen!), konnte ich so halbwegs die Puzzleteile zusammensetzen, aber ich kann mir vorstellen dass der Rest des Publikums nur ein riesiges „HÄ?!“ im Gesicht stehen haben musste.
    Also nun ja. Wie gesagt, ich hab „Spaß“ gehabt, mich gut unterhalten gefühlt. Meine Analyseantennen waren auf Durchzug, ich hab einfach die Bilder und den Sound auf mich wirken lassen und nichts mehr erwartet, weil ich Man Of Steel schon nicht besonders mochte und die Kritiken teils wirklich vernichtend waren. So hat BvS mich positiv überrascht. Rückblickend ergibt allerdings herzlich wenig Sinn in diesem Film. Ein Film der verpassten Chancen. Aber die 3-Stunden-Langfassung, die auf Blu-Ray rauskommt, füllt vielleicht einige der Löcher in diesem Film.
    Uff, jetzt hab ich aber viel geschrieben. Sorry. 😀

    • singendelehrerin schreibt:

      Kein Problem, Bruderherz. 😉 Ich freu mich doch, wenn du was schreibst! 🙂

      Ja, also, ich gehöre wohl zu denjenigen, die nach Batmans Traumsequenz plus Vision: „Häää?!“ im Gesicht stehen hatte. No f**king clue what was going on there.

      „Dass im Zusammenhang mit diesem “gritty realism” im Film Lex als Karrikatur ziemlich heraussticht, ist sicher wahr und irgendwie schlampig inszeniert, aber Spaß gemacht hat er mir. War ja sonst kaum Spaß in dem Film.“
      -> Genau wegen des Spaßfaktors fand ich ja Lex auch so erfrischend irre! Wäre der auch noch irgendwie schwermütig gewesen, hätte ich mir wohl die Kugel gegeben… 😉

      Dass dir die Musik gefallen hat, finde ich zwar „bedauerlich“, aber es war so ein bisschen zu erwarten. Schließlich mochtest du auch den Score (und den Film) zu „Interstellar“. 😛

    • jacker schreibt:

      Ich misch mich hier mal ein: Wie wundervoll dieser lange Post zusammenfasst, wie all-over-the-place der Film ist.. Wunderbar.

  8. hurzfilm schreibt:

    Ich habe ihn gestern auch gesehen. Und zwar den Ultimate Cut mit 3 Stunden Länge. 😉 Abgesehen von der absurden Spieldauer: Sehr gut, diese düstere Neuinterpretation von Superman und Batman! Und Jesse Eisenberg als Lex Luthor ist ein genialer Super Villain. Ich denke, man muss nicht besonders viel über seine Motivation erfahren – er ist ein psychopathischer Narzisst, das genügt doch.

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