Letters Live: Nachwirkungen #2

Angeregt durch den Auftritt und Brief des syrischen Flüchtlings Hassad bei Letters Live, möchte ich ein paar Gedanken zum Thema Flucht loswerden. Hier zunächst das Video von Hassans Auftritt – wenn ihr es bis zum Ende anseht, könnt ihr beim Schlussapplaus auch mich kurz im Bild sehen 😉 : http://letterslive.com/letter/this-will-put-the-history-of-the-21st-century-to-shame/

An diesem Abend und an den darauffolgenden Tagen gingen mir gegensätzliche Gedanken durch den Kopf. Auf der einen Seite dachte ich: Ach, ich brauche mich als Deutsche eigentlich von diesem Brief gar nicht angesprochen fühlen, schließlich hat Deutschland seit dem Sommer 2015 wohl an die 1 Mio. Flüchtlinge ins Land gelassen. Dann aber schossen mir die Bilder von brennenden und mit rechten Parolen beschmierten Flüchtlingsheimen in den Kopf. Und gänzlich aus war es mit dem guten Gefühl, als ich am Sonntag Abend aus London nach Hause gekommen war und sah, welche immens hohen Prozentzahlen die AfD in Sachsen-Anhalt, aber auch in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg geholt hatten. Das hat mich wirklich schockiert. Gleichzeitig beschlich mich auch ein leicht schlechtes Gewissen, da ich mich in meiner Freizeit nicht aktiv für Flüchtlinge engagiere. Ich habe tatsächlich seit der großen Flüchtlingswelle noch keinerlei persönliche Erfahrung mit Flüchtlingen gemacht. Reicht es, dass ich das Thema (Migration, Flucht, Terror, Dritte Welt) in der Schule bespreche und somit – hoffentlich – ein Stück weit dazu beitrage, dass meine Schüler und Schülerinnen weltoffen sind und mit differenziertem Blick an das Thema herangehen können? Reicht es, dass ich versuche, grundsätzlich Menschen mit Migrationshintergrund ohne Vorurteile gegenüber zutreten? Reicht es, wenn ich versuche, Kategorien nach ethnischer Herkunft sogar zu vermeiden? Ich habe z. B. einmal versucht, jemandem zu erklären, welche Sängerin im Projektchor ich meine, ohne zu sagen „die Asiatin‟ („die Sopranistin, die ganz außen in der zweiten Reihe stand‟ oder so ähnlich) – leider ohne Erfolg. Reicht das?

Und dann die Frage, ob ich zu blauäugig bin zu glauben, dass Deutschland diese Massen an Flüchtlingen verkraften kann (nicht ohne Anstrengung auch der Flüchtlinge selbst!). Für viele mag der Vergleich mit den 12 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, die Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufnahm, unzulässig sein, schließlich waren das ja Deutsche und vom selben Kulturkreis, aber da ich aus einer Familie stamme, die eben dieses durchgemacht hat, drängt sich mir der Vergleich trotzdem auf. Die Familie meiner Mutter ist aus Ostpreußen geflohen, die meines Vaters wurde aus dem Sudetenland vertrieben. Als wir vor ein paar Jahren den Heimatort meines Vaters besuchten und mein Vater sich an einer Stelle noch genau daran erinnern konnte, wie er damals als 10-jähriger Bub beim Abtransport auf einem LKW die Straße hinunterblickte und ihm bewusst wurde, dass er hier das letzte Mal seine Heimat sah – dieses Gefühl kann man sich kaum vorstellen.

Meine Mutter hat kaum Erinnerungen an ihre Flucht, dafür aber hat ihre jüngste ältere Schwester (die beiden noch älteren Schwestern waren schon im Westen) ihre Erinnerungen an die Flucht aus Ostpreußen niedergeschrieben, und ich möchte daraus zitieren:

Kurz vor dem endgültigen Chaos konnte meine Mutter mit uns zwei kleinen Kindern eine Evakuierung nach Pommern erreichen. Es gab sonst keine Reisegenehmigung für Zivilisten. „Räder mussten rollen für den Krieg‟ (ein Kind prägt sich solche Parolen gut ein). Wir kamen als eine der letzten Familien aus Masuren heraus und landeten in Camin in Pommern. Unser lieber Hund Moppi musste in der Heimat bleiben bei einer alten Tante, die ihren Arbeitsplatz immer noch nicht verlassen durfte. Doch auch sie musste eines Tages flüchten und zwar allein und zu Fuß und der Hund blieb zurück. Aber über Hundeschicksale wurde damals nicht gesprochen. Man bangte sich um die nächsten Angehörigen und Freunde. Fast jeder sorgte sich um einen Lieben, von dem er Monate lang keine Nachricht erhalten hatte.

In Pommern besuchte ich einige Monate das Gymnasium, bis sich unsere Mutter mit uns wiederum auf die Flucht begab. […] An der Wand hing eine Karte, worauf rot eingezeichnet war: Wenn die Russen hier anrücken, müssten wir unbedingt fliehen, sonst fallen wir ihnen in die Hände. Es war das Schrecklichste, was uns passieren konnte und Mutter passte höllisch auf die Frontbewegungen auf. […] Schon sehr zeitig war vereinbart worden, dass sich die Überlebenden bei Kriegsende alle in Erlangen/Bayern treffen sollten, wo meine älteste Schwester studierte.

Mutter bestürmte die Kreisleitung bestürmte die Kreisleitung in Pommern mit Anträgen für die Ausreise. Sie wurde erst am allerletzten Tag genehmigt, nachdem sie gedroht hatte, öffentlich zu verkünden, dass die Familien der Kreisleitung längst in Sicherheit wären. […] Unsere tüchtige Mutter schaffte es irgendwie durch Bestechung mit Zigaretten und gefüllten Einweckgläsern, dass uns die Soldaten auf ihren Lastwagen mit Fallschirmen und Munition mitnahmen. Das geschah Ende Februar 1945. In den eiskalten Nächten saßen wir doppelt und dreifach bekleidet auf den offenen LKWs und waren froh, Kilometer um Kilometer zum Teil im Schritttempo weiterzukommen. […] Nach Tagen landeten wir in Angermünde, lagen mit vielen Frauen und Kindern zusammen in einer riesigen Flugzeughalle auf Heu und Stroh und fuhren dann wiederum mit deutschen Soldaten in Richtung Berlin, um endlich einen Weg nach Bayern zu finden – unser Ziel.

In Berlin er- und überlebten wir einige große Bombenangriffe in den U-Bahnschächten. Nachdem wir vergeblich versucht hatten, einen Bruder meines Vaters mit Familie in der total zerbombten Stadt zu finden und auch meinen Bruder nicht sprechen konnte, der dort stationiert und zur Verteidigung der Stadt ausgerückt war [Anm.: Er war als 16-Jähriger im Rahmen des „Volkssturms‟ eingezogen worden. Er kam nie aus dem Krieg zurück, über sein Schicksal ist nichts bekannt; in unserer Familie hieß es immer nur, dass er „vermisst‟ sei.], konnten wir endlich mit einem überfüllten Zug in Richtung Süden fahren. Hilfreiche Hände streckten sich uns Kindern entgegen, als wir durch die Fenster ins Abteil gereicht wurden. Wir hatten kaum noch Gepäck. Unsere Volksgenossen hatten uns unterwegs noch bestohlen und um einige Wertsachen und wichtige Papiere erleichtert.

Allmählich wurde meine Mutter mutlos und sehr müde. Bis dahin hatte sie unheimliche Energie, Courage und Überredungskünste eingesetzt. Jetzt war das Maß wohl voll. Die Kraft ließ nach. Durch die lange beschwerliche Flucht auf den offenen Lastwagen hatten wir Kinder uns erkältet. Die Folgen waren Nieren- und Blasenentzündungen. Sie zwangen uns zum wiederholten Wasserlassen. Die Toiletten im Zug waren gerammelt voll mit Flüchtlingen und deren Gepäckstücken. Bei jedem Halt des Zuges wurden wir zum Fenster hinaus- und wieder hineingehievt. Mutter stand tausend Ängste aus, uns unterwegs auf diese Art zu verlieren. Zur Sicherheit hatte jedes Kind ein Schild um den Hals hängen mit den Personalien und der Anschrift meiner Schwester in Bayern.

Als wir in Erlangen ankamen, verpassten wir fast das Aussteigen. So ruhig und friedlich war dieser kleine Bahnhof. Die Menschen hier konnten den Krieg fast verschlafen. Man hatte zwar von den Fliegerangriffen über Nürnberg etwas mitbekommen, aber in Erlangen selbst ist nicht eine Bombe gefallen. […]

Hier in Bayern erlebten wir dann das Ende des Krieges. Mittlerweile wurden wir als Flüchtlinge bekannt und gar nicht so gern von der einheimischen Bevölkerung gesehen. Wir waren wirklich die Ärmsten der Armen, hatten alles verloren – Heimat, Gut und Geld und zum Teil auch unser Selbstvertrauen. Die männlichen Mitglieder der Familie befanden sich noch im Krieg oder später in Gefangenschaft. Frauen und Kinder mussten sich allein durchschlagen in der besonders für uns Flüchtlinge schweren Zeit. Mein Körpergewicht hatte sich innerhalb von 4 Wochen um 10 kg verringert, was ja wohl bei einem Kind von ca. 12 Jahren eine Menge ist. Heimweh und Hunger und unsere gesamte Misere machte uns allen schwer zu schaffen.

Die Menschen hier hatten sehr wenig Verständnis für unsere Not. Es ging ihnen ja selbst nicht gerade rosig. Sie hatten aber wenigstens nicht die Heimat verlassen müssen. Man fragte uns, warum wir denn vor den Russen geflüchtet seien, sie würden den Amerikanern ja auch nicht weglaufen. Sicher hatten sie große Bedenken, von Flüchtlingen und Vertriebenen völlig überschwemmt zu werden. Wir verhielten uns bescheiden, ruhig und unauffällig und warteten auf die aus dem Krieg und der Gefangenschaft zurückkehrenden Familienmitglieder.

Ich darf dazufügen, dass trotz der anfänglichen Skepsis gegenüber den Flüchtlingen sich sowohl die Familie meines Vaters als auch insbesondere die meiner Mutter in Franken bald gut integrierte. Mein Opa mütterlicherseits wurde Organist, Chorleiter und schließlich sogar Schulleiter in der kleinen Gemeinde, in die es die Familie verschlagen hatte. Eine richtige Erfolgsgeschichte also letztlich, was die Integration von Flüchtlingen anbelangt. Und das in diesem vom Krieg zerstörten Deutschland!

Vielleicht hege ich gerade durch diese persönliche Familiengeschichte die Hoffnung, dass das heutige – wirtschaftlich so erfolgreiche – Deutschland auch den Ansturm der heutigen Flüchtlinge bewältigen kann. Sicher nicht ohne Anstrengung – auf beiden Seiten. Denn unsere demokratischen und ethisch-moralischen Grundwerte dürfen keinesfalls verwässert werden. Die Gleichstellung der Frau, die Akzeptanz der Homosexualität, die Religionsfreiheit – all dies sind Werte, nach denen sich auch die Menschen richten müssen, die hier Schutz vor Verfolgung und einen neuen Anfang suchen.

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15 Antworten zu Letters Live: Nachwirkungen #2

  1. hurzfilm schreibt:

    „Eine richtige Erfolgsgeschichte also letztlich, was die Integration von Flüchtlingen anbelangt. Und das in diesem vom Krieg zerstörten Deutschland!“

    Ich tendiere ja dazu – abgesehen von allen anderen Faktoren – hier kein „trotz“ sondern ein „weil“ zu sehen. Auf den ersten Blick mag es verwunderlich sein, dass die Integration in einem zerstörten Land gut klappt, auf den zweiten nicht so sehr: Wenn die allermeisten wieder fast von 0 starten, ist der Zusammenhalt erfahrungsgemäß grösser; und logischerweise gibt es weniger Neid auf der einen Seite, und weniger Angst auf der anderen, das einem jemand was wegnimmt (man hat ja nix). Grosse Wohlstandsgefälle sind insofern nicht nur ein Grund für Migration, sondern paradoxerweise auch ein Hindernis für Integration. Jedenfalls dann, wenn es um eine grössere Anzahl von Menschen auf einmal geht.

    • singendelehrerin schreibt:

      Aber: Das Weniges, DAS die Leute hatten, MUSSTEN sie teilen. Die Leute, die noch Wohnraum hatten, mussten zwangsweise etwas davon für Flüchtlinge hergeben. Das hat durchaus auch zu schlechter Stimmung geführt! Da war schon auch Angst und Ablehnung da. Von heute auf morgen klappte auch da die Akzeptanz nicht. Und hey, ich wurde in der Schule noch als „Preußin“ bezeichnet, weil ich nicht ganz so tiefen fränkischen Dialekt gesprochen habe… (kaum vorstellbar, gell? 😛 )

  2. bullion schreibt:

    Schon lustig, wie sehr sich doch unsere Familiengeschichten teils gleichen. Meine Großtante mütterlicherseits hat auch ein ca. 80-seitiges Buch über ihre Kriegserlebnisse geschrieben, das ich über die Weihnachtstage letzten Jahres gelesen habe. Sehr beeindruckend. Und meine Oma selbst ist mit meinem Opa aus dem Sudetenland nach Deutschland geflohen. Ohne erfolgreiche Integration gäbe es mich heute nicht. Auch wenn man die Umstände nicht 1:1 vergleichen kann, so muss das doch in dieser heutigen, gefestigten Zeit möglich sein. Sicher nicht ohne Anstrengung und leider auch unschöne Einzelfälle (auf beiden Seiten), doch mag ich einfach glauben, dass es funktionieren kann.

    • singendelehrerin schreibt:

      „Ohne erfolgreiche Integration gäbe es mich heute nicht.“ – So einen ähnlichen Satz wollte ich eigentlich auch schreiben. 🙂 Es ist sehr kostbar, wenn man in der eigenen Familie schriftlich aufgezeichnete Erinnerungen aus dieser Zeit hat. Ich habe den obigen Ausschnitt auch ein paar Mal in der Schule vorgelesen – da war es mucksmäuschenstill im Klassenzimmer.

      • bullion schreibt:

        Das glaube ich dir. Ich war bei so mancher Passage auch wirklich gerührt. Speziell wenn es die eigene Familie betrifft ist das durchaus beeindruckend.

  3. KirstenSE schreibt:

    Und die Familie meiner Mutter ist aus Pommern erst geflohen und dann vertrieben worden. Meine Mutter denkt heute noch daran, wie demütigend es war, erlaubt zu bekommen das Follobst aufzuheben. Die Familie meines Vaters gehörte zu denen, die „zwangsteilen“, Wohnraum etc. Beide persönlichen Schicksale bestimmen noch heute ihre Sicht der Situation heute. Und damit auch meine eigene.

    • singendelehrerin schreibt:

      Man meint ja manchmal, dass man sich die eigenen Ansichten selbst und unabhängig erarbeitet hat, aber die Familiengeschichte ist einfach so prägend. Das wurde mir in letzter Zeit einfach wieder sehr bewusst.

  4. suzy schreibt:

    Danke für den interessanten Einblick in die Familiengeschichte! War sehr spannend zu lesen!
    Persönlich denke ich, dass unsere kleine heile Welt nicht so bleibt wie sie war. Und zum größten Teil sind wir selbst daran schuld. Seien es jetzt der Klimawandel oder unsere Hühnchen- und Waffenexporte, wir haben unseren direkten Anteil daran was passiert. Aber wir Menschen haben Angst vor Veränderungen und die mit der größten Angst protestieren am lautesten. Historisch gesehen überleben die Anpassungsfähigsten 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke für deine Gedanken! Ja, mag sein, dass sich unsere „kleine heile Welt“ verändern wird. Die Nachgeborenen des Zweiten Weltkriegs in Deutschland können sich eh glücklich schätzen – bis auf die Zeit der RAF können wir doch auf 70 Jahre Frieden zurückblicken. Dass der Terrorismus jetzt immer näher rückt (mein Freund war eine Woche vor dem Attentat am Brüsseler Flughafen dort), macht mir schon etwas Sorge, obwohl ich mich dadurch bis jetzt nicht in meinem Alltag beeinflussen lasse, oder in meinen Urlaubsplänen, bei denen ich ja um das Fliegen und um das Benutzen von U-Bahnen nicht herumkomme.

  5. deutschemuslima71 schreibt:

    „Denn unsere demokratischen und ethisch-moralischen Grundwerte dürfen keinesfalls verwässert werden. Die Gleichstellung der Frau, die Akzeptanz der Homosexualität, die Religionsfreiheit – all dies sind Werte, nach denen sich auch die Menschen richten müssen, die hier Schutz vor Verfolgung und einen neuen Anfang suchen.“
    Und schon in die Vorurteilskiste gegriffen.
    „Unsere“ Werte? Fragt man 20 verschiedene Leute nach ihren Werten wird man viele unterschiedliche Antworten erhalten. Verbindlich sind sie also nicht. Meine moralischen Werte folgen meiner religiösen Ansichten. Mein Wertgeber ist also Gott. Obwohl so viele gern bei Deutschland vom christlichen Abendland sprechen, teilt hier kaum jemand meine Werte und das wird sich nicht ändern bis die Menschen begreifen das sich „Christ“ nennen bedeutet das Christentum zu leben und dazu gehören nun auch mal die 10 Gebote so unbeliebt sie auch sind.
    Die Gleichstellung der Frau ist ein deutsches Problem, denn mal davon abgesehen das Frauen immer noch direkt und indirekt benachteiligt werden sind Frauen und Männer nicht gleich denn Frauen können Kinder bekommen, Männer nicht. Stellt man aber beide auf eine Stufe und verlangt Berufstätigkeit folgt das was wir jetzt bereits haben: Nachwuchsmangel. Homosexualiät akzeptieren und unterstützen sind zwei verschiedene Dinge. Auch hier darf man nicht über einen Kamm scheren und für mich bleibt auch hier Gott an erster Stelle der Mann und Frau füreinander geschaffen hat und durch die Tatsache das beide gemeinsam Nachwuchs zeugen können ist der Beweis für die Richtigkeit von Heterobeziehungen erbracht. Wer falsche Entscheidungen treffen will, soll dies tun, aber Applaus gibt es dafür von mir keinen. Religionsfreiheit wird einem in Deutschland nur bedingt gewährt denn wenn man den Antireligiösem deutschen Verhalten nicht folgt muss man von schiefen Blicken bis Verboten(Diskriminierung) alles hinnehmen. Und die rechten Parteien sind noch lange nicht zufrieden und wollen das noch schlimmer machen.
    Worte wie Werte,Bildung usw. sind immer ganz schön, die Definition bleiben die Nutzer einem allerdings aus gutem Grund meist schuldig, denn sonst würde das Volk wohl schnell merken welch unterschiedliche Vorstellungen es hat und das soll ja niemand merken. Statt dessen reden gerade Politiker gern von „Uns“ und „Wir“ und „den Migranten/Flüchtlingen/Asylanten/Anderen“ um zu suggerieren das es zwei Seiten gibt. Doch so einfach ist das nicht.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich finde es schon sehr traurig, dass du dir aus meinem Artikel, der ganz klar FÜR Integration spricht, Sachen rauspickst, die dir aufstoßen und bei denen du dich mit deinen Ansichten nicht vertreten siehst. Damit wirfst du mich schon fast in einen Topf mit „rechten Parteien“ und „Politiker[n, die] gern von “Uns” und “Wir” und “den Migranten/Flüchtlingen/Asylanten/Anderen” um zu suggerieren das es zwei Seiten gibt.“

      Ich möchte hier eigentlich keine große gesellschaftspolitische, und schon gar keine religiöse Diskussion führen, trotzdem möchte ich ein paar Worte dazu sagen, die aber bitte nicht zu einer Endlosdiskussion führen sollen.

      Wen ich mit „uns“ meinte, ist in erster Linie, was bei uns gesetzlich verankert ist. Was der oder die Einzelne privat davon für eine Meinung hat, ist mir so lange egal, so lange nicht Menschen unterdrückt, diskriminiert oder gar körperlich zu Schaden kommen. Also, wenn du z. B. sagst, du möchtest als Mutter zu Hause bei den Kindern bleiben, ist das für mich völlig OK. Ich bin mit einer Hausfrau und Mutter aufgewachsen – für mich war das toll. Es gibt doch auch keinen Zwang für die Mutter, arbeiten zu gehen! Was ich aber nicht akzeptieren kann, wenn einer Frau durch ihren Mann verboten wird, arbeiten zu gehen. Und da ist es auch ganz egal, welcher Religion Mann und Frau angehören. Und das bringt mich zu dem wesentlichen Punkt, um den es mir persönlich bei „Gleichstellung“ (vielleicht hätte ich lieber „Gleichberechtigung“ als Begriff gewählt) geht: Mir geht es darum, dass jede Frau frei und selbstbestimmt über ihr Leben entscheiden darf. Wenn sie sich selbst dazu entscheidet, nach der Geburt ihres Kindes relativ schnell wieder arbeiten zu gehen, sollte ihr das genauso ermöglicht werden, wie wenn sie sich dazu entscheidet zu Hause zu bleiben und erst nach etlichen Jahren – oder gar nicht mehr – arbeiten zu gehen. Genauso soll sie sich auch entscheiden können, ehe- und kinderlos zu bleiben.

      Zum Thema Homosexualität sage ich nur: auch wenn mir deine Meinung nicht gefällt, darfst du sie in unserem pluralistischen Staat ja haben und auch äußern. Und es gibt genügend „Christen“, die Homosexualität ebenso wie du als „falsche Entscheidung“ ansehen. Solange dies nicht zur Ausgrenzung bis hin zur Verfolgung oder gar Ermordung von homosexuellen Menschen führt, fällt das wohl unter Meinungsfreiheit. Das muss ein demokratischer Staat aushalten.

      Prinzipiell gebe ich dir recht: Natürlich bestehen viele unterschiedliche Meinungen innerhalb Deutschlands über Werte und Moral. Das macht ja eine pluralistische Gesellschaft aus. Aber es gibt Richtlinien, und die gibt das Grundgesetz vor, die für alle gelten müssen, die hier leben. Und die sind völlig unabhängig vom jeweiligen Glauben oder von der Herkunft.
      Und da steht eben in Art. 3: (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
      (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
      (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
      (Leider werden Homosexuelle noch nicht explizit in Abs. 3 erwähnt, was aber nicht heißt, dass Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung erlaubt wäre.)

  6. Eva schreibt:

    Ein schöner Beitrag! Danke dafür!
    Die heutige Situation mit der Problematik nach dem Zweiten Weltkrieg zu vergleichen halte ich für angebracht. – Heutzutage argumentieren viele „besorgte Bürger“ damit, dass Deutschland von kulturellen Einflüssen überflutet würde, welche für das Land nicht tragbar seien.
    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Flüchtenden aus den Ostgebieten auch skeptisch beäugt oder gar angefeindet.
    Also gehe ich davon aus, dass die Kultur nur ein vorgeschobener Grund ist, um die Feindseligkeit, die manch ein Mensch aufbringt, rechtfertigen zu können.
    Kann es daran liegen, dass einige nicht abgeben wollen?
    Nach 1945 lagen weite Teile des Reichsgebiets in Schutt und Asche; wirtschaftliche Angst und eine Priese Egoismus war wohl der sicherste Selbstschutz.
    Aber heute? Hier muss niemand verhungern. Rentenbeiträge mögen ein Problemfeld darstellen, aber damit würde man sich sicherlich auch ohne Flüchtlingsproblematik nur schleppend beschäftigen.

    Wie dem auch sei, ich glaube Deutschland kann die jetzige Situation stemmen, wobei Regulationen und Ordnung nicht vergessen werden dürfen.

    Terroranschläge und Vorfälle wie beispielsweise in Köln sind Angst einflößend und sollten (so weit es geht) mit Maßnahmen unterbunden, bestraft, verhindert werden.
    Trotzdem muss man rational bleiben und sich immer vor Augen führen, dass es um keine Nationalitäten geht, sondern darum, ob jemand ein [Schimpfwort] oder ein Nicht-[Schimpfwort] ist.

    Ich entschuldige mich für meinen ausschweifenden Kommentar. 😀
    lg

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