Letters Live: Nachwirkungen #1

Wie ich ja in aller Ausführlichkeit beschrieben habe, hat mich die Letters Live-Veranstaltung begeistert. Sie hat meine Liebe zum geschriebenen Wort – und zum (vor)gelesenen Wort – bestätigt, vielleicht in mancher Hinsicht auch erst so richtig entfacht.

So habe ich z. B. heute ein Kapitel („We Should Ban Homework“) aus Caitlin Morans Buch Moranifesto in meiner 13. Klasse einfach mal vorgelesen. Nicht den Text ausgeteilt, nicht die Schüler lesen lassen – nein, ich wollte das einmal selbst tun, mit richtiger Betonung von passenden Stellen und allem Drum und Dran. Habe das sogar einmal gestern Abend laut geübt. Mir machte das richtig Spaß! Ein bisschen habe ich bedauert, dass ich, im Gegensatz zu Benedict Cumberbatch oder Jude Law, nicht einfach das Ganze im britischen Akzent (Moran ist ja Britin) vorlesen konnte – so gern ich den inzwischen höre, ich selber spreche amerikanisches Englisch (leider – wie mir schon des öfteren attestiert 😦 – mit hörbarem deutschem Akzent, zumindest für Native Speakers, die öfters mit deutschen Englischsprechern zu tun haben).

Gleichzeitig erinnert mich Morans Buch, das im Grunde genommen aus einer Sammlung ihrer Kolumnen besteht, daran, was meine erste Idee für einen Blog war. Ich lag damals wach, konnte nicht schlafen, obwohl es schon sehr spät war. Vorher hatte ich mich einmal wieder über die Tendenz zur Verallgemeinerung bei vielen meiner Schülerinnen und Schüler geärgert. Und so entstand in meinem Kopf eine Art Kolumne zu diesem Thema. Ich bin damals tatsächlich aufgestanden und habe sie – noch mitten in der Nacht – aufgeschrieben. (Wen das Ergebnis interessiert: Es lebe die Verallgemeinerung – ist aber sicher noch verbesserungswürdig.) Eigentlich – so dachte ich später – würden sich doch solche Kolumnen für einen Blog eignen, es wäre doch schön, wenn ein paar mehr Leute das lesen würde, was ich da fabriziert habe. Da die Resonanz unter den Kolleginnen, denen ich „mein Werk“ gezeigt hatte, eher verhalten war, legte ich das aber erstmal wieder auf Eis. Caitlin Moran – und vielleicht noch stärker Joel Stein (Humor-Kolumnist beim TIME Magazine) und im Deutschen Harald Martenstein – haben mir klar gemacht, dass mir das schon richtig Spaß machen würde, auch über andere Themen als „nur“ Filme/Serien/Schauspieler/Theater etc. zu schreiben – und zwar eben am liebsten in einer möglichst unterhaltsamen Form. (Größtes Vorbild, was die Unterhaltsamkeit anbelangt, unter meinen geschätzten Bloggerkollegen ist wohl Filmschrott, auch wenn ich deutlich seltener das Wort „Titten“ verwenden würde. 😉 )

Nun habe ich ja durchaus meinen Blog immer wieder erweitert – was mit Berichten von den Proben (und Konzerten) zu Herr der Ringe – Live to Projection (der letztendliche Auslöser für die Eröffnung meines Blogs) und Stilblüten begann, hat sich zu einer Plattform für nahezu alles entwickelt, wofür ich Leidenschaft empfinde – zuletzt auch noch die Fotografie. Nun verspüre ich das Bedürfnis, noch mehr auch über andere Aspekte meines Lebens zu schreiben, andere Dinge, die mir am Herzen liegen, die mich aufregen, amüsieren oder nachdenklich machen. Das Schöne ist ja, dass der Untertitel meines Blogs mit „Tagebuch…“ anfängt und ich so eigentlich über alles mögliche schreiben kann – wie als Kind und Jugendliche im Tagebuch. Da müsst ihr dann durch! 🙂

Spezialisierte Blogs haben vermutlich die Chance auf ein größeres Publikum – ich gehe anscheinend den anderen Weg und packe immer mehr dazu. Aber ich will schreiben. Punkt. Ich habe mich schon immer besser – und lieber – schriftlich als mündlich ausgedrückt. Ein Video-Blog oder Podcast mit mir wäre bestimmt, im besten Fall, öde oder, im schlimmsten Fall, peinlich.

Ich will also noch mehr schreiben – auch Briefe! Doch dazu gibt es demnächst noch einen weiteren Beitrag zum Thema „Nachwirkungen“. 🙂

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22 Antworten zu Letters Live: Nachwirkungen #1

  1. suzy schreibt:

    Gerne! Ich freue mich darauf 🙂

  2. hurzfilm schreibt:

    „mit hörbarem deutschem Akzent“

    Hochdeutscher oder fränggischer Akzent? 😉

    (undwegduck)

  3. hurzfilm schreibt:

    Ich hab gerade die Kolumne gelesen. Konstruktive Kritik: Es liest m.M.n. sich einerseits etwas zu sachlich für eine Polemik, andererseits wirkst du paradoxerweise emotional recht involviert: „Da lese ich voller Schrecken…“

    Bei Martenstein funktioniert das IMHO deswegen besonders gut, weil er den Eindruck vermittelt, dass er sich schon gar nicht mehr über irgendwas aufregt, sondern die Leute einfach gar nicht mehr ernst nimmt und sich über sie lustig macht – und zwar von einem scheinbar objektiven Standpunkt aus.

    Ich weiss natürlich nicht, wie er das genau hinkriegt. Eventuell mit einer halben Flasche Bordeaux vor’m Schreiben? 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Naja, so ganz objektiv finde ich jetzt seinen Standpunkt nicht…

      Aber, zum Thema: „wie er das genau hinkriegt“: Er hat außerdem ein paar Jährchen mehr Übung darin. 😉

      • hurzfilm schreibt:

        Naja, deswegen auch nur „scheinbar“ objektiv. Es ist eine Frage der Formulierung. Nicht als personliche Meinungen formulieren, sondern als absolute Wahrheiten. 😉

        • singendelehrerin schreibt:

          Ich kenne ja nur Martensteins Kolumne im ZEIT Magazin, da schreibt er ständig „ich“: „Ich halte es für legitim, konservativ zu sein“ (aktuelles Heft) etc.

  4. schauwerte schreibt:

    Wenn du magst, schreib mir doch…:-)

  5. bullion schreibt:

    Es freut mich sehr, dass du deinen bunten Strauß an Inhalten auf diesem Blog verweilen lassen willst. Zwar folge ich durchaus auch BloggerInnen mit mehreren Blogs, doch entspricht der All-in-one-Ansatz auch meiner Blog-Philosophie, d.h. von Filmen, Serien, Musik, Büchern, Hausbau, Laufen, Kindern usw. ist alles dort vorhanden. Das mag natürlich ein paar Leser abschrecken, doch ist es eben ein Privatblog – und keines, mit dem ich eine Strategie verfolge, um möglichst viele Leser anzugehen. Lange Rede, kurzer Sinn: sehr gerne mehr Vielfalt hier! 🙂

  6. Zeilenende schreibt:

    Wollen wir nur hoffen, dass du qualitativ nicht so sehr abbaust wie Martenstein. 😉
    Ach … Das schönste Blog ist das, wo es Spaß macht zu lesen. Du könntest gern auch über die Herkunft fränkischer Vornamen bloggen, solang du es richtig machst. Wie bullion sagte: Geht ja nicht um die Zahl der Follower. Die „Gemischtwarenblogs“ sind in Wirklichkeit „Wundertütenblogs“, das macht sie doch erst besonders.
    Zum Vorlesen: Sehr schön, dass du das in der Schule machst. Sollte Viel häufiger geschehen. Ich habe mich in meiner Schulzeit im Geschi-LK immer geärgert, dass wir reden nur gelesen haben, statt sie zu Gehör zu bringen. Bis ich sie frech wie ich war, vorgetragen habe. Und siehe da: Man hat gleich ganz andere Bedeutungsebenen entdeckt.

    • singendelehrerin schreibt:

      Erstmal: Ich werde versuchen, nicht schon vor dem Aufbauen abzubauen… 😉 Danke auch für deine Unterstützung für meinen „Wundertüten-Blog“! 🙂

      Bei Reden bin ich immer sehr dafür, sie anzuhören oder gut vorzutragen. Wenn wir in Englisch „I Have a Dream“ behandeln, dann spiele ich die Rede vor, die „Wollt ihr den totalen Krieg“-Rede von Goebbels habe ich in Geschichte auch vorgespielt. Wenn man dann auch noch die original Reaktionen des Publikums hört, kann man viel besser erfassen, wodurch die Rede so eine Durchschlagskraft erhält.

      Ansonsten gilt ja oft: die Schüler sollen vorlesen, so von wegen nicht so viel Lehrervortrag, aber gerade bei Texten, die z. B. mit Ironie arbeiten, geht das alles verloren, wenn das jemand mit tausend Fehlern (auch im Deutschen! :-/ ) und völlig falscher Betonung vorliest. Selbst in der 12. und 13. Klasse gibt es erstaunlich wenige Schüler, die einen deutschen Text fehlerlos vorlesen können, geschweige denn so, dass die Botschaft irgendwie rüberkommt.

      • Zeilenende schreibt:

        Schreiben tust du ja aber schon ein Weilchen. Da sieht man aber: Lesen und Vorlesen ist ein Unterschied. Man muss das Vorlesen üben. Oder, um mal meinen Samstagsartikel zu spoilern:

        Beim Lesen, allein mit einem Text, überliest man, übergeht Längen, die spannenden Stellen hingegen nimmt man umso intensiver wahr. Beim Vorlesen, so Rufus Beck gleich zu Beginn, verlange der Text an jeder Stelle die Aufmerksamkeit und sorgfältige Inszenierung durch den Vorleser.

        Und ja, ich war (vor langer Zeit *seufz* Irgendwie war der Artikel nie gut genug, obwohl ich ihn nie bearbeitet habe) auf einer Rufus-Beck-Lesung … Der, der Harry Potter so toll eingelesen hat. Und ja. Er hat John Irving gelesen. Der mein Lieblings-Schriftsteller ist. Und ja, ich hatte einen Mark-Out. Ähnlich wie du zuletzt. *g*
        Wo war ich? Äh …. Rufus Beck *seufz* Achne. Vorlesen, genau. Sollte man üben. Am Besten sollte man ohnehin regelmäßig Methoden des Darstellenden Spiels einsetzen. Ab … Im besten schon im Mutterleib die ersten Übungen machen.

        • singendelehrerin schreibt:

          Puh, was weiß ich schon von Menschen, die deutsche Versionen von englischen Büchern einlesen?! 😉

          Zu Hörbüchern bin ich ja auch erst in den letzten paar Jahren gestolpert – und auch wieder nur, weil da irgendwelche Schauspieler gelesen haben, die ich mag – und deren Stimmen ich mag. Allerdings ist es so, dass ich nach wie vor eigentlich lieber selbst lese – schon alleine, weil mein Körper inzwischen darauf konditioniert ist, dass Hörbuch hören heißt, dass er einschlafen soll. Aber tatsächlich hat z. B. Martin Freemans Vorlesen von Buch 2-5 von Douglas Adams‘ „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ mir NOCH mehr Vergnügen bereitet als das mehrmalige eigene Lesen in den Jahren vorher. Gerade bei witzigen Sachen kann da schon ein zusätzlicher Genuss beim Hören entstehen.

          Ich habe ja tatsächlich auch schon mal überlegt, dass ich mal spaßeshalber ein Buch gerne selbst einlesen würde. Allerdings lieber auf Englisch, schon alleine wegen meines fränkisch-gerollten „r“s… Einfach um meine (einstige) Affinität zur Schauspielerei wenigstens so ein bisschen ausleben zu können.

          Der Begriff „mark-out moment“ ist mir übrigens nicht bekannt. Hab mal gegoogelt – er stammt aus dem Wrestling?

          • Zeilenende schreibt:

            Oh, ertappt. Ja, daher kenne ich ihn. Und er ist so schön, weil er etwas bezeichnet, wofür sonst die Worte fehlen. Diese Begeisterung, die jeden Bezug zur Realität vergisst. Ähnlich wie dein „gasp“.
            Ja, ich habe eine lange und düstere Vorgeschichte, inklusive dem Stehen und Schreien am Ring, dem Abfeiern von Muskelbergen, die so tun, als ob sie sich verprügeln. Auch mit Leuchtstoffröhren und Stacheldraht. Wobei ich den athletischen Aspekt in meiner späten Phase interessanter fand als das Entertainment. Aber sag Hallo zu den Helden meiner Kindheit: Randy Savage, Sting, Scott Hall, Ric Flair und wie sie alle hießen.

          • singendelehrerin schreibt:

            Ach! Ist ja interessant! Ich konnte ja nie so recht etwas damit anfangen… (mit Namen kenne ich nur Hulk Hogan 😀 ) Später schaute ich dann eher ECHTE Boxkämpfe oder Vollkontakt-Kickboxen (im Fernsehen) an. Autsch!!! Wobei ich durchaus den athletischen Aspekt am Wrestling schätzen kann – das ist schon eine Leistung, was die da abliefern! Aber ich find das ganze Drumherum ziemlich albern…

            Wer weiß, vielleicht fange ich doch noch mit dem Boxen an – aber eher ohne in den Ring zu steigen (wird auch schwierig mit Brille…). Aber trainieren am Sandsack etc., das würde vielleicht wirklich mal was gegen meine Verspannungen helfen.

  7. pimalrquadrat schreibt:

    Ich bin gespannt, was du noch alles für dich entdecken wirst, und freu mich, davon zu lesen! 🙂

  8. jacker schreibt:

    Besser kann es doch gar nicht laufen, als dass ein Erlebnis (welcher Art auch immer), ein Bedürfnis weckt und den Gedanken einpflanzt, noch mehr zu wollen!

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