Deadpool (Tim Miller, USA/Kanada 2016): Kurzkritik

Lachen ist gesund: Ich habe mir am Freitag bei diesem Film mit Ryan Reynolds als „Superhero‟ Deadpool meine Kopfschmerzen einfach weggelacht – was für ein Spaß!

Quelle: moviepilot.de

Nun ist es so: Ich schaue mir zwar fast alle Comic-Verfilmungen an, lese aber weder Comics, noch versuche im Vorfeld an so viele Informationen wie möglich zu kommen – ganz im Gegenteil. Und so ging ich auch in diesen Film nur aufgrund eines Trailers, den ich im Kino gesehen hatte. Der hatte ganz witzig ausgesehen – das Außmaß des Funs konnte ich allerdings kaum erahnen. Es geht schon los bei den Opening Credits. Da stehen nicht die Namen, sondern Kommentare wie „a British villain‟ oder bei den Drehbuchautoren: „The real heroes‟ (oder so ähnlich). Die ersten Lacher hat der Film also schon ganz am Anfang auf seiner Seite. Außerdem wird von vornherein klar gemacht: „Leute, wir drehen hier einen Film‟, indem sich Deadpool schon sehr bald direkt an den Zuschauer wendet.

Viel Plot hat der Film nicht:

Nach einer Krebsdiagnose unterzieht sich Wade Wilson (früher Special Forces-Mitglied, jetzt, hm, ich nenne es mal: Auftragsschläger/-killer; absolut fantastisch gespielt von Ryan Reynolds) einem gefährlichen Experiment, das ihn laut einem Recruiter zu einem Superhelden machen soll und das ihn schlussendlich zwar  mit beschleunigten Heilungskräften ausstattet – und somit der Krebs geheilt wird, aber sein Äußeres so verunstaltet, dass er sich nicht mehr traut, seiner Freundin (Morena Baccarin) gegenüberzutreten. Mit seinen neuen Fähigkeiten macht er sich auf die Suche nach Ajax (Ed Skrein), der für das Ergebnis des Experiments verantwortlich ist (und ihn fast getötet hätte)… Dabei verhält er sich nicht gerade wie ein Superhero, was dazu führt, dass zwei X-Men (Colossus und Negasonic Teenage Warhead) versuchen, ihn „auf die gute Seite der Macht‟ zu ziehen.

Der Plot ist es also nicht, was den Film (für mich) so sehenswert macht – es sind im Grunde genommen einzig und allein die Dialoge und die überzeichneten Actionszenen, bei denen Köpfe fliegen und Gegner förmlich an die Wand geklatscht werden (wie im Comic halt – absichtlich überzogen). Wer Kick-Ass mochte, wird vermutlich auch hier seinen Spaß haben, wobei hier nicht nur die Gewalt für ein R-Rating in den USA führte, sondern auch die vulgäre, respektlose Sprache, die Ryan Reynolds so rüberbringt, dass man aus dem Lachen kaum noch herauskommt (und dadurch die nächste Pointe verpasst). Dazu kommen unzählige Anspielungen auf das Marvel- und X-Men-Universum – und selbst frühere Rollen von Ryan Reynolds bekommen ihr Fett ab. Da im Film immer wieder die vierte Wand durchbrochen wird, können auch Gags gemacht werden, die in einen „normalen Marvel-Film‟ nicht passen würde. Eine einmalige Sichtung reicht gar nicht aus, um alle guten One-Liner zu erfassen!

Fazit: Hilariously funny! Ryan Reynolds at his best! 9 von 10 Punkten.

Kleine Episode am Rande des Kinobesuchs: Ein Kinogänger kam im Deadpool-Outfit, worauf ein anderer junger Mann, der vor uns rausging, meinte, dass so ein Deadpool-Onesie auch nicht schlecht wäre. Da er Brillenträger war, sagte ich: „Ist halt immer ein bisschen blöd, so mit Brille…‟ Worauf er folgendermaßen (sinngemäß) so reagierte: „Da bräuchte man erstmal so nen Arsch wie Ryan Reynolds.‟ Ich konnte mir ein „No comment‟ daraufhin nicht verkneifen… :mrgreen: Aber prinzipiell habe ich das noch kaum erlebt, dass ein Hetero-Mann öffentlich sagt, dass ein anderer Mann ein geilen Arsch hat (, denn das war ja hier impliziert). 😀

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15 Antworten zu Deadpool (Tim Miller, USA/Kanada 2016): Kurzkritik

  1. hurzfilm schreibt:

    Woher willst du wissen, dass der Mann heterosexuell war? Ist dein Gay-Vibe-Indikator etwa unfehlbar? 😉

  2. An schreibt:

    Das klingt ja noch viel besser, als ich es erwartet hatte! Jetzt muss ich den Film erst recht unbedingt schauen.

    Und dein Erlebnis da nach dem Film klingt doch auch sehr lustig. 😀 Aner wie hurzfilm frage ich mich auch gerade, woher du denn wissen solltest, ob der Mann denn hetero war (selbst wenn Frau/Freundin dabei – kann ja auch bi/pan/… sein) – aber kommt eigentlich aufs Selbe raus, dass man solche Sätze von Männern über Männer in der Öffentlichkeit doch bisher seeehr selten hört.

  3. singendelehrerin schreibt:

    @hurzfilm & An: Ihr habt ja recht: natürlich kann ich nicht wissen, ob er nicht vielleicht schwul/bi war. Ich wollte auch vorher nur „Mann“ schreiben, dann dachte ich allerdings an einen schwulen Freund, der sowas durchaus sagen würde… Vielleicht habe ich auch einfach nur gehofft, dass er hetero war und die etwas jüngere Generation von Hetero-Männern da etwas unkomplizierter ist… Naja, so oder so fand ich das lustig, schon allein, weil ich mir mein „No comment“ nicht verkneifen konnte – ich bin so böse! 😀

  4. hemator schreibt:

    Zwar kenne ich die Vorlage und hatte auch erwartet, dass der Film ziemlich genau so wird, wie er geworden ist, aber ansonsten decken sich unsere Meinungen ziemlich genau 😀

  5. jacker schreibt:

    Nach der Besprechung müsste ich ja eigentlich sofort rein rennen. Aber ich kann nicht :O Egal wie sehr du den lobst (und da du als eine von drei Menschen auf der Welt THE VOICES mochtest, ist das sogar noch mehr wert), mir haben die Trailer und diese gesamte Kampagne wirklich vor Fremdscham körperliche Schmerzen bereitet. Alles in mir sträubt sich, auch nur eine Sekunde davon zu sehen. Dieser „wir sind jetzt hier aber mal SOWAS VON self-aware“-Humor mit Anlauf, ist scheinbar null mein Ding. Ich werd’s lassen.

    • hurzfilm schreibt:

      Ich mochte „The Voices“ auch. Also 4…

      😉

      • jacker schreibt:

        Es gibt sie doch noch, die Menschen mit Geschmack 🙂

        • hurzfilm schreibt:

          Ja, und wir waren auch schon bei MM: Fury Road ähnlicher Meinung. 😉

          (Der Film, den ich hier eigentlich gar nicht mehr erwähnen darf.)

          • singendelehrerin schreibt:

            Achtung: Hurzfilm steht aber auch auf Filme mit äußerst geschmacklosem Humor (z. B. „Dirty Grandpa“; der hat zwar nur 1 von 3 Punkten bei ihm bekommen, aber während des Schauens hat er sich köstlichst amüsiert)!

    • singendelehrerin schreibt:

      Erstmal: Danke, dass du meine Meinung so schätzt! 🙂 Bei dir wäre ich mir tatsächlich nicht sicher, wie der Film bei dir ankommt, da du ja ohnehin nicht (mehr) so auf Action stehst. Und ehrlich: Dann lass es lieber, bevor es dir so geht wie bei „Fury Road“… 😉 Ich habe EINMAL einen Freund dazu „gezwungen“, „Forrest Gump“ (mein damaliger Lieblingsfilm) mit mir anzuschauen, obwohl er vorher schon gemeint hatte, dass ihn der NULL interessiert. Ich habe es bitter bereut, weil er den Film tatsächlich nicht mochte – und mir das dann irgendwie weh getan hat, dass er so über „meinen“ Film redete. Seitdem überrede ich nur noch Menschen zu ihrem Glück, wenn ich mir mindestens 80% sicher bin, dass der Film oder die Serie ihnen gefallen könnte. Bei dir in dem Fall: Wenn dich schon der Trailer nervte und mit der Erfahrung von „Fury Road“. Hände weg! 😉

      Aber ich fand ihn trotzdem geil! 😀

  6. Auf den Film bin schon richtig gespannt! Obwohl ich Comics lese, gehört Deadpool eher zu den unbekannten Superhelden. Warum eigentlich? Dein Review hört sich vielversprechend an

    • singendelehrerin schreibt:

      Und dabei habe ich ja gar nicht so viel geschrieben… 😉 Hmmm, du liest Comics? Hätte man jetzt gar nicht erwartet angesichts deines Namens… 😀 Melde dich doch nochmal, wenn du ihn gesehen hast! Mich interessiert das immer sehr, wie Comic-Leser die Verfilmungen finden!

  7. Schlopsi schreibt:

    Japp, eine absolute Spaßgranate! Habe es selten erlebt dass schon die Openingcredits so lustig in Szene gesetzt werden. Der Saal kam da schon nicht mehr aus dem Lachen heraus! Der hatte so erfrischende Einfälle, die einen mit einem strahlenden Grinsen aus dem Saal warfen. Der Rausschmeißercredit am Ende übrigens auch. 😀

  8. hurzfilm schreibt:

    Hab ich gestern angeschaut. Nun ja, ganz nett. Aber vom Hocker gerissen hat mich das nicht. In Sachen Superheldenhumor und übertriebener Gewalt fand ich Kick-Ass um LÄNGEN besser.

    Würde bei mir wahrscheinlich 1,5 Punkte oder so kriegen (Emotion 0,5; Kreativität 0; Handwerk 1).

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