USA 2015: New York City #2 (Meeting Donald Trump)

Wer mich schon ein bisschen kennt, weiß, dass ich für manches OmB (Objekt meiner Begierde) durchaus kürzere (Fedcon) und längere (London) Distanzen überwinde, um es einmal live zu erleben. So war es in diesem Fall… NICHT. 😉 Und trotzdem habe ich mir zwei Stunden lang die Beine in den Bauch gestanden, um Donald Trump zu sehen…

Doch fangen wir von vorne an: Meine Nichte und ich waren am 3. September eigentlich auf dem Weg zum Central Park, als wir am Trump Tower vorbei kamen.

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Da ja Donald Trump durch seine Präsidentschaftskandidatur und seine politisch unkorrekten Reden, seine strikt ablehnende Haltung gegenüber Immigranten etc. auch schon im letzten Jahr in aller Munde war, dachte ich mir: Schauen wir uns den „Schuppen“ doch mal an. Im Eingangsbereich standen schon ein paar Journalisten und Kameraleute und Fotografen herum, aber ich dachte mir erstmal nur, dass das vielleicht normal ist, jetzt da Trump ja Präsident werden wollte. Also fuhren wir erstmal mit der Rolltreppe nach oben.

Besonders spektakulär oder schön fand ich den Teil, den wir gesehen haben, nicht. Viel Glas, Spiegel und Gold, aber nicht berauschend. Also wollten wir wieder gehen.

Doch in der Zwischenzeit waren immer mehr Journalisten eingetroffen, sodass meine Neugier geweckt war und ich sehen wollte, was da noch passieren würde. Mit der Zeit fanden wir heraus, dass Trump um 14:00 eine Pressekonferenz geben würde. Ich war wild entschlossen, mir das nicht entgehen zu lassen. Wann gerät man schon zufällig in die Pressekonferenz eines amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, noch dazu eines solch kontrovers diskutierten? Außerdem wollte ich hurzfilm neidisch machen, denn er verfolgte die politischen Auftritte von Trump sehr genau. 😀 Dass meine 17-jährige Nichte das nun nicht soooo spannend fand, für den Auftritt Trumps fast zwei Stunden zu warten, habe ich sie irgendwann weggeschickt – wir waren ja in der 5th Avenue, da sollte sich der ein oder andere Laden, in dem sie sich umschauen konnte, befinden.

Ich dagegen fand es höchst spannend, nun zu beobachten, wie alles für die Pressekonferenz hergerichtet wurde, wie die Journalisten eintrafen und wie sich sich verhielten, und natürlich auch, wer sich so um mich herum so aufstellte, um ebenfalls auf Donald Trump zu warten. Einige Leute um mich herum wurden auch interviewt – ich wurde zum Glück nicht angesprochen…

Wie man auf diesen Bilder sieht, hatte ich eigentlich eine ganz gute Position von schräg hinten. Tja. Leider ist den Security-Leuten dann eingefallen, dass wir den Platz vor der Rolltreppe freihalten müssen, weswegen ausgerechnet diejenigen, die schon am längsten warteten, jetzt zur Seite und nach hinten bugsiert wurden. Ein Klassiker beim Verhalten der Security-Männer: sie sagen natürlich den Leuten VORNE, dass sie alle einen Meter nach hinten rutschen müssen, was natürlich hervorragend NICHT funktionierte. Da hätte ja nur mal jemand zu den Leuten hinten gehen müssen, und die darum bitten müssen, damit anzufangen… Super Organisation! Durch die ganze Geschichte landete ich in der achten Reihe oder so – vor mir natürlich lauter große Männer. :-/ Kurz vorher hatte ich noch gesehen, dass eine Reihe von jungen, hübschen Frauen mit Plakaten reinkamen, die sowieso schon mal vor der ersten Reihe (also hinter dem Rednerpult) platziert werden sollten, so als hübscher Backdrop für Trump. Wie typisch!

Die Plakate wurden dann auch im „Publikum“ verteilt. Ich habe echt noch überlegt, ob ich eins als Anschauungsmaterial mitnehmen sollte, wollte aber wirklich nicht den ganzen Tag damit in New York rumlaufen und als Unterstützer Trumps gehalten werden! 😮

 

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Auf der Rückseite stand der Slogan: Make America Great Again

Und dann kam er endlich. Und was sah ich? Nur Hände und Handy-Displays:

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Da ich ein schwenkbares Display an meiner Kamera habe, habe ich es immerhin durch meine Kamera geschafft, einen Blick auf Trumps goldenen Hinterkopf zu erhaschen:

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Und worum ging’s eigentlich? An diesem Tag hat er den Republikanern schriftlich das Versprechen gegeben, für den Fall, dass er nicht als Präsidentschaftskandidat gekürt wird, den Gekürten zu unterstützen und nicht als Independent im Rennen zu bleiben:

I [name] affirm that if I do not win the 2016 Republican nomination for president of the United States I will endorse the 2016 Republican presidential nominee regardless of who it is.

I further pledge that I will not seek to run as an independent or write-in candidate nor will I seek or accept the nomination for president of any other party.

Quelle: de.wikipedia.org; So sah das also von vorne aus!

Es gab dann natürlich noch Fragen der Journalisten, u.a. zu seiner Haltung bezüglich (illegaler) Einwanderung, aber ich konnte dann nicht mehr weiter zuhören, weil ich mich wieder mit meiner Nichte treffen musste. Auch wenn ich am Ende ja nun doch nichts gesehen habe, war es trotzdem ein äußerst interessantes Erlebnis. Meine Nichte hat dann übrigens in diesem Schuljahr ein Mini-Referat (5 Minuten) über Donald Trump gehalten – vorher hatte sie ihn gar nicht gekannt. 🙂

Ich hoffe übrigens inständig, dass Trump nicht als Sieger unter den Republikanern aus den Vorwahlen hervorgeht – ich finde es erschreckend, dass er so viel Zulauf hat! Seit letztem Sommer ist er immer extremer in seinen Äußerungen bzgl. Immigranten und Flüchtlingen geworden, seine Forderung nach einem Einreisestopp für Moslems finde ich so abwegig und diskriminierend, dass mir die Worte fehlen.

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21 Antworten zu USA 2015: New York City #2 (Meeting Donald Trump)

  1. bullion schreibt:

    Tolle Geschichte! Da kann man echt nur hoffen, dass du nicht Zeuge des neuen Präsidenten geworden bist… 😉

  2. Nummer Neun schreibt:

    Und? Konntest du sehen, ob die Haare echt sind?

  3. Zeilenende schreibt:

    Unverhofft, kommt oft. Ich hätte ja viel zu viel Angst in Donald Trumps Nähe. Ich wette, dann erwacht sein Haarschopf nämlich aus dem Schlaf und assimiliert mich.

  4. hurzfilm schreibt:

    Ich hätte ja viel mehr Angst, dass Ted „Ich brat mir meinen Speck auf dem Sturmgewehr“ Cruz Kandidat und womöglich noch Präsident wird. Der ist nämlich wirklich ein echter extremer Hardliner. Bezüglich Trump kennst du ja meine Einschätzung: Er tut bisher vor allem das, was nötig ist, um durch das republikanische Kandidatenfeld zu pflügen. Sollte er aufgestellt werden, werden die Strategie und die Töne deutlich moderater und pragmatischer werden. (Obwohl ich zugeben muss, dass ich mir da in letzter Zeit nicht mehr so gaaaanz sicher bin. 😉 )

    Das sieht übrigens auch Ex-Präsident Jimmy Carter ähnlich:
    http://www.politico.com/story/2016/02/jimmy-carter-donald-trump-ted-cruz-218707

    Zwar relativ unwahrscheinlich, aber: Die interessanteste Konstellation wäre Bernie Sanders vs. Donald Trump. In diesem Fall wird nämlich Michael Bloomberg wohl als Unabhängiger einsteigen, mit recht guten Chancen, Präsident zu werden. Und zwar nicht, weil er die Mehrheit der Electoral College Votes kriegt, sondern, weil in so eine Konstellation KEINER der drei Kandidaten eine Mehrheit hat.

    In diesem Fall greift die seit 1825 nicht mehr (und glaube ich überhaupt nur einmal) angwendete Regelung, dass dann das Repräsentationenhaus den Präsidenten unter den 3 Kandidaten mit den meisten Stimmen des Electoral College wählt. Und zwar nicht die Repräsentanten einzeln (wobei die Republikaner aber auch eine Mehrheit hätten), sondern die jeweilen Staatendelegationen. Hier ist das Verhältnis aktuell ungefähr 30 Red States vs 20 Blue States, d.h. die Dominanz der Republikaner ist bei diesem Abstimmungsmodus noch höher.

    Bloomberg käme dabei zupass, dass Trump beim republikanischen Establishment in Washington sehr unbeliebt ist, um nicht zu sagen: verhasst. Es ist also möglich, dass eine grosse Zahl der Red States für Bloomberg als Präsident stimmt, um Trump noch auf den letzten Metern aufzuhalten. Und ähnlich gilt für Sanders: Auch der ist nicht der Lieblingskandidat des demokratischen Establishments, also werden eventuell auch einige Blue States für Bloomberg stimmen.

    Damit würde vielleicht nicht nur das erste mal ein Unabhängiger Kandidat Präsident, die dadurch entstehenden Gezeitenkräfte würden sicher interessante Effekte auf die beiden etablierten Parteien haben. Vielleicht sogar mit dem Effekt, dass sich eine dritte Partei ausbildet.

    Aber wie gesagt: Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Spektakel mit beträchtlichem Unterhaltungswert ist leider gering, da Sanders keine besonders guten Chancen hat, aufgestellt zu werden – deutlich schlechtere als Trump bei den Republikanern.

    Verdammt, ich brauche wohl noch ein Politik-Blog. Sorry für’s sprengen des Kommentarbereichs. 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Dass Ted Cruz mitnichten die bessere Alternative zu Trump wäre, ist mir auch klar. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mir mal einen Bush als aussichtsreichsten Kandidaten der Republikaner wünschen würde… :-/ Das wird heuer noch ordentlich spannend (auch bei den Demokraten), glaube ich, da Sanders ein so starker, und so linker, Konkurrent für Clinton ist. Mal sehen, wie es heute in New Hampshire ausgeht…

    • hurzfilm schreibt:

      Ergänzung: Bei einer Wahl im Repräsentatenhaus zwischen Sanders, Trump und Bloomberg ist es sogar so, dass alle demokratischen Staatendelegationen mit etwas Grips auf jeden Fall Bloomberg wählen werden. Denn Sanders kann aufgrund der Mehrheitsverhältnisse dort niemals gewinnen. Jede Stimme, die die Demokraten nicht Bloomberg geben, würde damit die Wahl von Trump wahrscheinlicher machen.

  5. jacker schreibt:

    Puhh.. Face to face with the devil 😀

  6. An schreibt:

    Hui… ich weiß ganz ehrlich nicht, ob ich dageblieben wäre. Einerseits hätte mich die Neugier da gehalten, andererseits ist meine Abscheu vor Trump und seinen Anhängern aber auch so groß, dass ich wahrscheinlich trotzdem gegangen wäre…

    • singendelehrerin schreibt:

      Wäre das eine Wahlkampfveranstaltung gewesen, wäre ich wahrscheinlich auch gegangen, schon allein, um nicht als Trump-Anhänger wahrgenommen zu werden. So habe ich das eher als „journalistische Aufgabe“ für mich gesehen. 😉

      • An schreibt:

        Ja, die Sorge hätte ich auch gehabt. ^^ Aber wahrscheinlich wäre ich hierbei doch auch dort geblieben.

  7. pimalrquadrat schreibt:

    Puuh, pass bloß auf, dass es keine Bilder gibt, auf denen du im Publikum zu erkennen bist. Sowas macht sich ganz schlecht, einmal als Trumpeteer gebrandmarkt zu sein. 😉

    Ich finde das System in den USA eh bescheiden, und mit dem Geld, welches alleine für diese ganzen Vorwahlen verbraten wird, könnte man deutlich bessere Sachen anstellen.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ach, du meinst, es war ganz gut, dass es mich nach hinten verschlagen hat… Hm, stimmt, wenn ich da stehen geblieben wäre, wäre ich u. U. tatsächlich auf diversen Fotos und evtl. sogar im Fernsehen gelandet! 😮 Hab gerade mal nach Fotos von diesem Ereignis gegoogelt – und nicht mal ein Bild gefunden, auf der meine Kamera zu sehen ist. 😉 Auch nicht im Clip von CNN:

      • pimalrquadrat schreibt:

        Haja, stell dir mal vor, die Kollegen aus Englisch oder Politik hätten das geschaut und dich im Publikum entdeckt, was hätte das für Gerüchte gegeben! 😮 😉

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