Das (be)greifbare Wort #1: Erschüttert

Mir ist heute etwas passiert, das mich zu dieser neuen Kategorie inspiriert hat: Ich habe einen Kinnhaken von einer Europalette bekommen. Oder anders ausgedrückt: Ich bin bei Schneeregen mit der Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen, auf den Boden blickend über den Hof zu den Mülltonnen gelaufen – und dann abrupt von eben dieser Europalette (die Kinder der Nachbarn hatten eine Art Unterstand aus Paletten gebaut – ohne mein Wissen) am Kinn im vollen Lauf gestoppt worden. Wenn das jemand gefilmt hätte, hätte es bestimmt viele Likes auf YouTube bekommen! :mrgreen:

Ich fand das erstmal ganz und gar nicht zum Lachen, bin aber tapfer weitergegangen, habe mich ins Auto gesetzt und bin zur Schule gefahren. Beim Fluchen im Auto habe ich schon gemerkt, dass das ganz schön weh tut und ich mir irgendwie nicht so recht vorstellen konnte, mich jetzt direkt vor die Klasse zu stellen. Also bin ich gleich  zur Schulleitung – und da erstmal in Tränen ausgebrochen. Wtf? Da habe ich festgestellt, dass mich das eben doch richtig erschüttert hat, eben im wahrsten Sinne des Wortes.

Als ich heute Nachmittag dann wie erschlagen im Bett lag, ist mir das nochmal durch den Kopf gegangen, was für ein tolles Wort das eigentlich ist, und wie genau es das ausdrückt, wie es mir heute gegangen ist: durch die physische Erschütterung fühlte ich mich auch psychisch erschüttert. Und somit ist dies eins dieser Wörter im Deutschen, die so gut (be)greifbar machen, was da in jemandem vorgeht – und die eben auch deutlich machen, dass ein Gefühl oft auch körperlich zu spüren ist (und umgekehrt).

Diese Wörter möchte ich aufspüren, und in mir nachspüren, in welchen Situationen sie für mich mehr als nur „schöne Worte“ sind. Ein weiteres Wort – diesmal ein positives – ist mir schon eingefallen, das mir auf meiner USA-Reise immer wieder in den Sinn gekommen bin – dazu demnächst mehr!

Habt ihr auch schon einmal so einen Moment erlebt, in dem das Wort Erschütterung für euch auch körperlich greifbar wurde?

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17 Antworten zu Das (be)greifbare Wort #1: Erschüttert

  1. Zeilenende schreibt:

    Uh, eine schöne Idee. Zur Erschütterung fällt mir keine vergleichbare Erfahrung ein. Aber ich werde meine Erinnerungen durchforsten, ob mir ein „greifbares Wort“ einfällt, das mit einem Erlebnis verbunden ist. Und verfolge, was dir so auffällt.

  2. pimalrquadrat schreibt:

    Ohje, klingt mies, zumal du ja eh schon Kopfschmerzen hast. Wie fühlst du dich mittlerweile?

    • singendelehrerin schreibt:

      Fühle mich momentan ganz OK, habe auch – entgegen meiner Befürchtungen – dadurch bisher nicht schon wieder Kopfschmerzen bekommen (seit fünf Tagen kopfschmerzfrei 🙂 ). Ein bisschen „neben der Kappe“ fühle ich mich, aber ansonsten geht es. Danke der Nachfrage – auch wenn das nicht mein primäres Ziel bei diesem Eintrag war. 🙂

  3. mwj schreibt:

    Gute Besserung, SL! Außerdem wünsche ich dir, dass sich nichts schlimmeres daraus ergibt.

  4. hurzfilm schreibt:

    Gute Besserung, SL… und dran denken: Am Freitag könnte Zoolander 2 im Sneak kommen. 😉 Da musst du wieder fit sein.

  5. bullion schreibt:

    Ohje, dann hoffe ich mal du hast dich inzwischen von der Erschütterung erholt – in beiderlei Hinsicht. Ich wurde einmal aus dem Blauen heraus ohnmächtig und war danach auch ziemlich erschüttert: Hirnerschütterung und auch psychisch ziemlich angegriffen von dem Vorfall. Kann es also sehr gut nachvollziehen.

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke – es geht mir schon besser heute. Leichte Kopfschmerzen, aber erträglich – und mit der schönen Aussicht, dass ich heute über die Warteliste heute Abend einen Termin für eine Massage habe.

      Oh, deine Geschichte klingt auch nachvollziehbar – ist schon irgendwie komisch, wie man psychisch auf so etwas reagiert.

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