Diversity & Identity: Von der Academy bis zur University

Letzte Woche brachte ich in meine „Current affairs‟-Stunde in der 13. Klasse einen Text über die #OscarsSoWhite mit. Nach dem ersten Durchlesen fragte ich nach, was sie davon hielten. Ein Kommentar: „There are worse things right now in the world, such as what’s happening in Syria!‟ True enough. Trotzdem zeigt ja die Diskussion um die mangelnde Vielfalt bei den Oscarnominierungen Grundlegendes über die Gesellschaft in der USA.

Nun will die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) ja angesichts des enormen Gegenwinds „nachbessern‟:

The Academy of Motion Picture Arts and Sciences is overhauling its governance, membership rules and sponsorship process in response to intense criticism over the diversity of this year’s Oscar nominations and the Academy’s membership. In an emergency meeting held Thursday night, the Academy pledged to double its number of women and diverse members by 2020, and it’ll immediately increase its diversity by establishing three new governor seats nominated by its president.

(Quelle: http://www.theverge.com/2016/1/22/10816010/academy-award-voters-diversity-plan-2020-oscars)

Für mich klingt das ein bisschen nach blindem Aktionismus. Wie auch schon Kollege filmschrott angemerkt hat: Die Wurzel liegt doch tiefer: Es muss einfach mehr qualitativ hochwertige Rollenangebote geben – und zwar nicht nur für Schwarze und andere Minderheiten, sondern auch für Frauen (jeden Alters und jeder „Form‟). Es muss mehr Filme geben, die Homosexualität als etwas Selbstverständliches darstellen. Ich wünsche mir Blockbuster, wie Comic-Verfilmungen, SF- oder Action-Filme, bei denen Homosexualität nicht im Vordergrund steht, sondern eben einfach vorhanden ist. Ich habe an anderer Stelle schon erwähnt, dass ich es unheimlich stark fände, wenn etwa Poe Dameron und Finn aus Star Wars: The Force Awakens ein Paar werden könnte. Nicht weil ich Slasherin wäre, sondern weil ich mir wünsche, dass auch in Mainstream-Filmen ähnlich unkompliziert mit (Homo-)Sexualität umgegangen wird wie in vielen Serien. Das ging mit Buffy & Willow in Buffy und dem schwulen schwarzen Cop in Six Feet Under los, und wird nun hervorragend in solchen aktuellen Serien wie Orphan Black, Shameless und Transparent fortgesetzt.

Gleichzeitig sollte man nicht vergessen: Es gibt immer wieder Filme mit Themen, nach denen jetzt alle Kritiker rufen! Heuer sind ein Film über eine lesbische Romanze (Carol) und ein Film über Transsexualität (The Danish Girl) im Rennen, 2014 war 12 Years a Slave bester Film (Thema: Sklaverei, Regie: ein schwarzer Brite). Viele bemängeln auch, dass sich die meisten nominierten Filme um weiße Männer drehen. An der Stelle muss doch auch mal erwähnt werden, dass Mad Max: Fury Road von manchen als feministisches Machwerk kritisiert wurde – der Film ist für 10 Oscars nominiert! Brooklyn und Room haben weibliche Protagonisten, The Revenant (12 Nominierungen) wurde von einem Mexikaner gedreht… Gut, ja, die meiste Kritik richtet sich natürlich dagegen, dass kein „schwarzer Film‟, kein schwarzer Schauspieler nominiert ist. Was mich dann aber richtig ärgert, ist, wenn sich darüber beklagt wird, dass bei Straight Outta Compton „ausgerechnet‟ die weißen Drehbuchautoren nominiert sind – tragen die nicht auch zur DIVERSITY bei, wenn sie – als WEISSE – schwarze Stoffe behandeln (wollen)?! Sollte das nicht letztlich das Zeil von EQUALITY sein: Dass man nicht mehr unterscheidet zwischen „Minderheiten-Themen‟ und „weißen Themen‟? Wie wird das besser symbolisiert, als wenn Weiße Filme über Schwarze (oder umgekehrt) machen?

Nun zeigt ja aber diese Debatte, dass einfach die Frage nach der Gleichberechtigung in den USA ein heißen Eisen ist und bleibt. Im Grunde genommen finde ich es gut, dass mehr Vielfalt angemahnt wird. Allerdings treibt die Frage nach Vielfalt und kultureller Identität manchmal seltsame Blüten. So zog sich die Kinderpsychologin Erika Christakis von ihrer Lehrtätigkeit in Yale zurück, nachdem ein Shitstorm über sie ergangen war, weil sie sich nicht dem Gremium angeschlossen hatte, das die Studenten davor warnte, an Halloween „kulturell aneignende‟ (Fachbegriff: cultural appropriation) Kostüme, wie z. B. Sombreros oder Indianerschmuck zu tragen. Statt dessen schrieb sie in einer Mail an das Wohnheim, für das sie zuständig war:

[…]And this year, we seem afraid that college students are unable to decide how to dress themselves on Halloween.

I don’t wish to trivialize genuine concerns about cultural and personal representation, and other challenges to our lived experience in a plural community. I know that many decent people have proposed guidelines on Halloween costumes from a spirit of avoiding hurt and offense. I laud those goals, in theory, as most of us do. But in practice, I wonder if we should reflect more transparently, as a community, on the consequences of an institutional (which is to say: bureaucratic and administrative) exercise of implied control over college students. […]

As a former preschool teacher, for example, it is hard for me to give credence to a claim that there is something objectionably “appropriative” about a blonde-haired child’s wanting to be Mulan for a day. Pretend play is the foundation of most cognitive tasks, and it seems to me that we want to be in the business of encouraging the exercise of imagination, not constraining it. I suppose we could agree that there is a difference between fantasizing about an individual character vs. appropriating a culture, wholesale, the latter of which could be seen as (tacky)(offensive)(jejeune)(hurtful), take your pick. But, then, I wonder what is the statute of limitations on dreaming of dressing as Tiana the Frog Princess if you aren’t a black girl from New Orleans? Is it okay if you are eight, but not 18? I don’t know the answer to these questions; they seem unanswerable. Or at the least, they put us on slippery terrain that I, for one, prefer not to cross.

Für mich klingt das alles total vernünftig, aber in Yale hat es zu Aufruhr geführt – und letztlich dazu, dass die Professorin freiwillig gegangen ist. Was ist da los? Ein Professor, der im ZEIT-Artikel „Die Debatten-Polizei #‟ vom 14. Januar 2016 davon berichtet, dass am Oberlin College das Einführen einer internationaleren Speisekarte in der Mensa zu Protesten z. B. seitens der Asian American Alliance führte, aus deren Sicht es sich hier um „cultural appropriation‟ (= Angehörige eine privilegierten Mehrheit übernehmen Teile der Kultur einer unterprivilegierten Minderheit) handelte, traut sich nicht, seinen Namen zu nennen, aus Angst vor beruflichen Konsequenzen. Er berichtet u. a. auch von einer Professorin, die des Rassismus bezichtigt wurde, weil sie angeblich schwarze Studenten schlechter benotete. Wie will man sich gegen so einen Vorwurf wehren? In Zukunft Schwarzen bessere Noten geben, egal ob sie es verdient haben?

Also: In Zukunft einfach Filme von Schwarzen, schwarze Schauspieler, Regisseure und Drehbuchautoren bevorzugen? Egal, wie gut sie sind? Nein!

Aber: Mut zu mehr Vielfalt bei der Auswahl von Themen und Rollen! Ich bin ja immer wieder begeistert, mit welcher Normalität an Londoner Theatern die Besetzung multikulturell erfolgt. Da ist z. B. Frankenstein weiß, der Darsteller seines Vaters aber wurde auf Grenada geboren, mit dunkler Haut, und spricht mit indischem Akzent. Dass das im Film etwas schwieriger ist, geht mir ein, trotzdem muss es doch genügend Material geben! Mehr Vielfalt: ja, bitte, aber Vielfalt lässt sich nicht (nur) an Nominierungen ablesen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Film und TV, In eigener Sache abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

43 Antworten zu Diversity & Identity: Von der Academy bis zur University

  1. hurzfilm schreibt:

    Dazu gibt es folgendes zu sagen…

    Erstens: Das jetzt ZWEI Jahre(!) hintereinander nur weisse Darsteller nominiert wurden, sagt bei der geringen Anzahl der Nominierungen pro Jahr NICHTS aus. Jeder, der auch nur ansatzweise mal was über Statistik gelernt hat, müsste das wissen. Und schliesslich ist der Anteil immer in Relation zum Anteil in der Gesamtbevölkerung zu sehen. Zum Glück hat sich jemand die Mühe gemacht, mal die letzten 20 Jahre zu betrachten:

    (Ja, das ist eine Website so eine ultrakonservativen Bloggers, aber das ändert an den Zahlen nichts.)

    Zweitens:

    https://scontent-fra3-1.xx.fbcdn.net/hphotos-xpa1/v/l/t1.0-9/12540596_963668680370496_6102919497313516446_n.jpg?oh=5e368d13e684ae8505d14982601b5ddb&oe=56FD7FFA

    😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Entschuldige, aber die Statistik beschäftigt sich nur mit den Gewinnern – man muss die Zahl der Nominierten vergleichen! Die Grafik des Economisten (siehe dein anderer Kommentar) habe ich nicht gesehen, weil ich mich nicht registrieren wollte… Also mach ich mal meine eigene Statistik.

      Beste Hauptdarstellerin:
      1991-2000 (50 insgesamt): 1 Schwarze, 1 Brasilianerin
      2001-2010 (50): 2 Schwarze, 3 Latinas, 1 Halb-Maori
      2011-heute (30): 2 Schwarze
      -> 10 Nicht-Weiße von 130: 7,69 % (5 Schwarze: 3,84 %)

      Beste Nebendarstellerin:
      1991-2000 (50): 1 Schwarze, 1 Latina
      2001-2010 (50): 7 Schwarze, 1 Iranerin, 3 Latina
      2011-heute (30): 2 Schwarze, 1 Französin mit argentinischen Wurzeln
      -> 16 Nicht-Weiße (davon 10 Schwarze) von 130: 12,3 % (Schwarze: 7,69 %)

      Das darf man jetzt nicht in Relation zum Anteil der Schwarzen in der Bevölkerung sehen, sondern in Relation zu ALLEN Nicht-Weißen, und die machen inzwischen (Stand 2014) ca. 38% aus. (siehe z. B. hier: http://www.cgsm.org/corporate-need-for-diversity-demands-urgency/, siehe auch Figure 8 hier: http://www.census.gov/content/dam/Census/library/publications/2015/demo/p25-1143.pdf)

      Bei den Männern sieht es etwas besser aus (jetzt nur Schwarze):

      Bester Hauptdarsteller (von 1991 bis heute): 14 Schwarze von 130: 10,76 %
      Bester Nebendarsteller (1991-heute): 7 Schwarze von 130: 5,38 %

      Alle schwarzen Frauen und Männer zusammen genommen (von 1991-2016):

      Beste/r Hauptdarsteller/in: 19 von 260: 7,3 %
      Beste/r Nebendarsteller/in: 17 von 260: 6,53 %

      So, und da soll es KEINERLEI Diskriminierung geben? Schwarze stellen ca. 12,4 % der Bevölkerung, laut dieser Grafik sogar mehr: http://www.census.gov/content/dam/Census/newsroom/facts-for-features/2015/cb15-ff.01_graphic.jpg

      Dass die wenigen, DIE nominiert werden, vielleicht überdurchschnittlich oft auch gewinnen, kann meines Erachtens das nicht komplett ausgleichen. Das sieht eher nach einem: „Naja, WENN schon mal ein/e Schwarze/r ganz passabel spielt, dann müssen wir ihm auch den Oscar geben…“

      Außerdem finde ich die Zahlen für schwarze Frauen in Hauptrollen wirklich jämmerlich!!!

      • hurzfilm schreibt:

        Hier mal die Grafik einzeln, einbinden ist ja erlaubt:

        • singendelehrerin schreibt:

          Und wo siehst du hier KEINE Diskriminierung (von Non-Whites)? Die Grafik zeigt doch ganz deutlich, dass es, verglichen mit dem Bevölkerungsanteil (oder auch mit den SAG Actors), EINDEUTIG MEHR Top Roles und Nominierungen für Weiße gibt! Klar, wenn du nur die Schwarzen anschaust, sieht das ganz gut aus – in den LETZTEN Jahren (sind ja anscheinend nur die Jahre 2007-2013). Reicht diese Zeitspanne als Statement dafür, dass es keine Diskriminierung von Schwarzen gibt? Noch dazu sind da ja anscheinend gerade die zwei „weißen Jahre“ 2015 und 2016 nicht dabei. Und, wie gesagt, nicht-weiße Frauen haben GANZ schlechte Karten für gute Hauptrollen.

          Nein, auch wenn ich nicht in den Aufschrei miteinstimme und nach Boykott rufe; dass es Diskriminierung gibt, belegen die Zahlen schon. Aber die Statistik aus dem Economist zeigt eins auch noch: es geht schon mit den Top Roles los! Und das ist schon beschämend, wie wenige es da für Latinos und andere Nicht-Weiße (außer den Schwarzen) gibt.

          • hurzfilm schreibt:

            Bitte _ganz genau_ lesen, was ich unten schon zu der Economist-Grafik geschrieben habe:

            „Klar ersichtlich: Es gibt KEINE Diskriminierung von schwarzen Darstellern bei den Oscars. Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil sind sie unter den Gewinnern sogar überrepräsentiert. Ein deutliches Missverhältnis gibt es dagegen bei Latinos – und – in geringerem Maße, aufällig allerdings die fehlenden Gewinne – bei Asiaten.“

            😉

          • hurzfilm schreibt:

            …im übrigens hast du noch nichts zu dem NBA-Meme gesagt. Ich fühle mich da auch diskriminiert:

            Die meisten NBA-Spieler sind schwarze US-Amerikaner, ziemlich gross und unter 40 Jahre (oder so). Dass die MICH nicht nehmen kann also nur an Racism, Heightism und Ageism (gibt’s alles, musst nachschlagen) liegen… 😉

          • singendelehrerin schreibt:

            Darauf zu antworten, ist mir echt zu blöd. Am besten prangern wir jetzt noch an, dass beim Sumo-Ringen 95% Japaner mitmachen… (Zahl geschätzt)

          • singendelehrerin schreibt:

            Ich hab das schon gelesen, TROTZDEM finde ich, dass die Statistik nicht aussagekräftig genug ist, weil sie ja nur einen relativ kurzen Zeitrahmen anschaut (laut Legende, wie gesagt, sind die zwei „White Oscars“ gar nicht dabei, wenn sie sich an den Zahlen von 2007-2013 orientiert haben). MEINE Zahlen seit 1991 sprechen doch wohl eine deutlich andere Sprache, oder nicht? Warum lässt du da die anderen Zahlen mehr gelten? Ist ja schön, wenn zwischen 2007 und 2013 die Situation für Schwarze besser war, aber davor UND danach sah es ja anders aus! In zwei Jahren von 20 Nominierungen NULL Schwarze ist einfach 0 %.

          • hurzfilm schreibt:

            Das mit grösseren Fallzahlen die Statistik zuverlässiger wird, ist grundsätzlich richtig. Allerdings sind hier zwei Kräfte am Werk:

            – Einerseits betrachtet man mehr Fälle, wenn man bis 1991 zurückgeht.

            – Andererseits hat sie u.U. auch auch das Bewusstsein für eventuelle Diskriminierung bei der Rollenvergabe und auch bei den Oscars inzwischen schon etwas verändert, so dass die Zahlen von vor 20, 25 Jahren weniger aussagekräftig sind als die der letzten Jahre.

            Das ist alles nicht so einfach. Genaugenommen müsste man z.B. auch nach Genres bereinigen: Wir wissen z.B., dass die Academy sehr gerne Darsteller in Dramen auszeichnet, aber nur ganz selten (mit fällt gerade gar keiner ein) Actiondarsteller. Wenn nun aber z.B. Asiaten vor allem in Action-Filmen spielen, dann ist der geringe Anteil an Oscargewinnern schon eher mit dem Filmgeschmack der Academy erklärbar als durch Rassismus.

            Dann könnte man natürlich wieder hergehen und sagen, dass es eine Diskriminierung bei der Rollenvergabe gibt. Aber auch das muss nicht unbedingt sein, es kann z.B. auch kulturelle Gründe dafür geben, dass sich Schauspieler in Richtung bestimmter Rollen entwickeln. Warum z.B. ist das Actionkino gerade in Asien so stark?

          • hurzfilm schreibt:

            Noch ein Gedanke:

            In asiatischen Kulturen ist es eher verpönt, seine Gefühle offen zu zeigen. Die Kinder werden geradezu daraufhin erzogen, ihre Gefühle zu verbergen. Und: Auch Asiaten, die in USA leben, sind teilweise noch relativ stark ihrer ursprünglichen Kultur verhaftet, ganz extrem sieht man das z.B. an den Chinatowns.

            Aber insbesondere das in den USA verbreitete Method-Acting basiert gerade darauf, Emotionen hervorzuholen (und nicht einfach nur das Gesicht zu verziehen) und diese auszudrücken.

            Nun kann man durch Training natürlich vieles ablegen, aber eben nicht alles, insbesondere nicht Dinge, die man seit frühester Kindheit eingetrichtert bekam. Es kann also sein, dass hier aufgrund der Sozialisation schon ein gewisser Nachteil in Bezug auf eine spätere Karriere als _Drama_-Darsteller besteht. (Action geht dann halt wieder…)

            Wie gesagt, das ist jetzt mal nur so eine in den Raum geworfene Vermutung – ob das so ist, müsste man prüfen. Mir geht es nur darum, dass die Realität oft sehr viel komplizierter ist, als es auf den ersten Blick scheint.

          • singendelehrerin schreibt:

            Also, die asiatischen Schauspieler, die ich bisher in Filmen erlebt habe – und die machen KEINESWEGS nur Actionfilme! – sind unglaublich ausdrucksstark – von mir aus auch ohne Method-Acting und ohne große Gefühlsausbrüche. Wie viele asiatische Filme schaust du? Das sind ja ganz abenteuerliche Erklärungsversuche jetzt… Nach dem Motto, Asiaten KÖNNEN Drama gar nicht. Geht’s noch? (Jaja, ich weiß, nur eine „Vermutung“ – ich finde es absolut unangebracht. Frauen hat man früher auch ganz vieles aufgrund ihres Wesens nicht zugetraut…)

            Und, bitte, hat irgendjemand behauptet, dass hier irgendwas „einfach“ ist? Wir haben alle keinen Einblick darin, was in den Casting-Agenturen und bei der Academy abläuft, aber gewisse „Realitäten“ sind einfach nicht wegzuleugnen. Du hast es jetzt übrigens geschafft, dass ich nun voll die Partei der Kritiker der „weißen Oscars“ ergriffen habe, obwohl mir der ganze Aufstand um die Nominierungen eigentlich übertrieben schien.

            Und ich möchte noch ein letztes Mal darauf hinweisen, dass für mich das Diversity-Problem nicht auf „Rassen“ beschränkt ist, sondern dass Hollywood noch mehr gute Rollen und filmische Stoffe auch für Frauen, dicke Menschen etc. braucht. OBWOHL ich Filme mit männlichen Protagonisten natürlich genauso liebe – mehr Gleichgewicht!

          • hurzfilm schreibt:

            Da hast du recht, ich bin kein Experte was asiatische Filme geht. Aber ich hab mich durchaus schon mit den kulturellen Unterschieden auseinandergesetzt.

            Lies das mal:
            http://www.gla.ac.uk/news/archiveofnews/2012/april/headline_230511_en.html

            „Lead researcher Rachael Jack, said: “Our results show that facial expressions of emotion are culture specific, refuting the notion that human emotion is universally represented by the same set of six distinct facial expressions.“

            Es ist doch relativ klar, dass dies ein Handicap sein kann, wenn das Zielpublikum(!!!) zum allergrössten Teil „kaukasisch“ ist.

            Dass wirklich gute Schauspieler sowas auch überspielen können, ist klar. Aber die Ausgangssituation ist schwieriger. Wer sagt denn, dass diejenigen asiatischen Schauspieler, die dir positiv auffallen(!) repräsentativ sind? Vielleicht sind das bereits ausgerechnet jene, deren Gesichtsausdrücke ein Westler gut „lesen“ kann und die für uns „natürlich“ erscheinen? Und die anderen kriegen wir mangels Erfolg hierzulande bzw. im Westen gar nicht zu Gesicht?

            Das impliziert ja überhaupt keine Wertung. Denn umgekehrt ist es dann wohl genau so. Wieviele westliche Filmschauspieler gibt es eigentlich in Japan, Hong Kong und China? (Ich weiss es nicht, der Gedanke kam mir nur gerade…)

  2. Zeilenende schreibt:

    Das Problem der US-amerikanischen Gesellschaft ist vor allen Dingen, diversity durch Quoten durchsetzen zu wollen. Die politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträger sind so fixiert darauf, Zahlen vorweisen zu können, dass sie Quoten eingeführt haben und glauben, nun ist alles gut. Wenn Harvard nicht von mir unbeachtet die Zulassungspolitik geändert hat, gibt es Kontingente für Menschen verschiedener Herkünfte.
    Davon abgesehen, dass die Zuschreibung dieser Herkünfte in manchen Fällen diskutabel ist, löst man das Problem nur halb. Dann gibt es eben „Quoten-Schwarze“ an den Universitäten, aber sie sind genau das: Mitspieler im System, aber auch nicht vollständig, weil sie eben nur wegen der Quote mitspielen dürfen.
    Die Quote als Instrument der Emanzipation ist nicht sinnlos, aber die Quote allein löst keine Probleme. Sie muss durch Veränderungen in der Gesellschaft insgesamt getragen werden. Und genau das gelingt nicht. Stattdessen zeugen die Berichte davon, dass sich zwei Extrem-Positionen bilden – das rücksichtslose Einfordern von Rücksichtnahme und das Hochhalten des Leistungsgedankens allein. Die erste Position definiert gesellschaftliche Rücksichtnahme allein durch Rücksichtnahme der Gesellschaft auf den Einzelnen, der Leistungsgedanken macht es umgekehrt und schert sich nicht um den Einzelnen.
    Die Diskussion um die Oscar-Nominierungen sind letztlich ein Scheingefecht. Es fehlt die Vision. Um es metaphorisch auszudrücken: Der Bär ist erlegt und jetzt wird darüber diskutiert, wie man das Fell aufteilen kann. Jeder will sein Stück abhaben, aber keiner weiß, was er mit seinem Fellstück anstellen will.

    • singendelehrerin schreibt:

      “ das rücksichtslose Einfordern von Rücksichtnahme“ – das hast du gut formuliert! Das trifft recht genau, was sich da an den Unis zum Teil abspielt. Ich finde nun auch Quoten nicht grundsätzlich verkehrt, vor allem z. B. bei der Vergabe von Stipendien an weniger privilegierte, aber gleichwohl intelligente und auch leistungswillige Studenten, die einer Minderheit angehören. Aber auch da gilt zu sagen, dass es auch viele weiße Amerikaner gibt, die NICHT der oberen Mittelschicht angehören und die sich durch das Studium hoch verschulden. Aber das ist vielleicht an anderes Thema…

      • hurzfilm schreibt:

        Und es wird immer schlimmer. Der neueste Schrei: Hysterisches Empörtsein über „Microaggressions“(!!) und das Fordern von Triggerwarnung an allen Ecken und Enden, sonst könnte ja irgendein mimosenhafter Schüler/Student mit einem nur entfernt unangenehmen Gedanken konfrontiert werden und daraufhin einen Nervenzusammenbruch kriegen – also, wenn man unangenehme Gedanken und Worte nicht gleich verbannt, natürlich:

        http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2015/09/the-coddling-of-the-american-mind/399356/

        Hätte sich vor 20 Jahren ein Film- oder Romanautor sowas ausgedacht, hätte man das ganze wohl als „interessante, aber vollkommen abwegige und unrealistische Zukunftsvision“ abgetan.

        • singendelehrerin schreibt:

          Ja, die beiden Aspekte hatte ich auch noch fast erwähnen wollen, das ging mir dann aber zu sehr in eine Richtung, die etwas vom eigentlichen Thema wegführt. Denn beim trigger warning geht es ja z. B. auch darum, dass die Studenten gewarnt werden sollen, wenn es um sexuellen Missbrauch geht – für den Fall, dass das jemand selbst schon erlebt hat. Da bin ich etwas zwiespältig, weil ich an der Schule schon Schülerinnen mit entsprechendem Background hatte und ich schon erlebt habe, wie ein – aus meiner Sicht – völlig harmloser Text hier eine starke emotionale Reaktion „getriggert“ hat. An der Uni jedoch denke ich prinzipiell, dass die Studenten, WENN sie so ein Erlebnis hatten, bereits daran arbeiten, das zu verarbeiten bzw. reif genug sind, um ein Buch dann einfach aus der Hand zu legen, wenn es schlechte Erinnerungen weckt…

  3. Filmschrott schreibt:

    Ich glaube ja sogar, dass die Änderungen in der Academy dafür sorgen könnten, dass man eben nicht das Gefühl hat, dass die „Randgruppen“ – ich nenne die jetztb mal allgemein so – nur nominiert wurden, weil man eben meinte, man müsste es. Bisher war das eigentich schon fast eher der Fall. Man hat quasi das Gefühl, dass man alle paar Jahre einen FIlm über Schwarze/Homosexuelle/Whatever abräumen lässt, damit man dann erst mal wieder ein paar Jahre Ruhe hat. Das sollte sich ja dadurch unter Umständen legen.

    Ich gebe dir aber absolut recht, dass gerade die USA einfach teilweise noch extrem hinterwäldlerisch mit solchen Themen umgeht. Das liegt aber auch einfach an der Gesellschaft, die ja meiner Meinung nach ohnehin zurückgebliebener ist, als jede andere auf diesem Planeten. Da sind Randgruppen eben wirklich noch genau das, weil sie nicht anerkannt werden, die Leute immer noch denken, man könnte durch Hautkontakt schwul werden oder was weiß ich. Wenn man die USA generell mit einem Wort beschreiben müsste, wäre meine Antwort immer: saudumm.

    • hurzfilm schreibt:

      „Ich gebe dir aber absolut recht, dass gerade die USA einfach teilweise noch extrem hinterwäldlerisch mit solchen Themen umgeht. Das liegt aber auch einfach an der Gesellschaft, die ja meiner Meinung nach ohnehin zurückgebliebener ist, als jede andere auf diesem Planeten. Da sind Randgruppen eben wirklich noch genau das, weil sie nicht anerkannt werden, die Leute immer noch denken, man könnte durch Hautkontakt schwul werden oder was weiß ich. Wenn man die USA generell mit einem Wort beschreiben müsste, wäre meine Antwort immer: saudumm.“

      Steile These, die sich leicht testen lässt: Schreib ein Plakat, auf dem draufsteht „I am gay“ und gehe damit einmal in eine amerikanischen Kleinstadt (nicht einmal New York oder so) und dann in Riad spazieren.

      • Filmschrott schreibt:

        Naja, gut. Wenn wir jetzt natürlich die „westliche Welt“ mit der „arabischen Welt“ vergleichen, liege ich wohl weit daneben, da gebe ich dir recht.

        • singendelehrerin schreibt:

          Dazufügen möchte ich zu hurzfilms Anmerkung noch, dass Homosexuelle in den USA inzwischen heiraten dürfen, während das bei uns in Deutschland immer noch nicht möglich ist. Adoption, Leihmutterschaft in Anspruch nehmen – das alles steht Homosexuellen dort offen. Profi-Fußballer trauten sich bis vor kurzem bei uns auch nicht, sich als schwul zu outen. Gut, schwule Politiker sind bei uns kein Problem, aber in anderen Bereichen gibt es bei uns schon auch noch einiges aufzuholen.

          Und prinzipiell macht man es sich mit so pauschalem Amerika-Bashing immer etwas leicht – und tut einem großen Teil der Amerikaner auch unrecht.

          • Filmschrott schreibt:

            Ich weiß, aber du kennst mich. Ich bashe gerne und viel.

          • singendelehrerin schreibt:

            Stimmt! 😉

          • Filmschrott schreibt:

            Ich kann einfach nicht anders, als das noch mal auszugraben, schließlich haben wir den SuperTuesday hinter uns. Ich dachte ja erst, das wäre der Tag an dem Donald Trump offenbart, dass er eigentlich ein Supervillain aus einem ganz schlechten Comic ist und seine geisteskranken Aussagen waren nur virales Marketing für einen anstehenden Film. Leider ist dem aber nicht so. Stattdessen macht Trump alle Konkurrenten platt, die in der eigenen Partei auch nur ansatzweise was zu melden haben, und hat diese dann plötzlich an seiner Seite, als befänden sie sich in Geiselhaft, und ihr wollt mir erzählen, dass die Amis nicht ganz übel einen an der Waffel haben? Der Typ könnte im November Präsident werden. Gewählt von den Amerikanern (okay, ich gebe zu das Wort „gewählt“ ist bei einer amerikanischen Wahl auch eher mit Vorsicht zu verwenden). Klar, es sind nicht alle auf seiner Seite. Es gibt ja auch noch die Demokraten. Aber alleine der Umstand, dass so eine Pfeife wie dieses einfach alles diskriminierende Arschloch überhaupt die Chance hat der mächstigste Mann der Welt zu werden, spricht nicht gerade für die Gesellschaft, die ihr hier versucht, zu verteidigen.
            Wie gesagt, nicht falsch verstehen: Ich weiß natürlich, dass nicht alle so drauf sind, aber das ist schon einfach echt übel.

          • singendelehrerin schreibt:

            Du, ich bin ja auch hochgradigst schockiert, dass Trump so viele Vorwahlen bisher für sich entscheiden konnte. Ich hätte NIE UND NIMMER gedacht, dass er eine ernsthafte Chance hätte, der Kandidat der Republikaner zu werden. Aber ich gebe die amerikanische Gesellschaft noch nicht verloren – alle Amerikaner, die ich kenne, sind Demokraten. Außerdem muss man auch sagen, dass eben die Amerikaner vor acht Jahren auch einen Schwarzen zum Präsidenten gewählt haben – egal, wie man seine Präsidentschaft im Nachhinein bewerten mag: das war ein Meilenstein in der amerikanischen Geschichte und was die Gleichberechtigung von Weiß und Schwarz anbelangt. Ich setze einfach auf die Amerikaner, die damals Obama wählten und hoffe, dass die Demokraten mehr Wähler mobilisieren können als die Republikaner.

          • Filmschrott schreibt:

            Ist ja auch klar, dass die nicht alle so sind. Aber als ich das mit dem SuperTuesday und Trump las, fiel mir direkt diese Diskussion wieder ein und ich konnte nicht anders, als das hier noch mal auszugraben.
            Das Schlimme daran ist aber halt wirklich, dass so ein Arschloch heutzutage tatsächlich noch die Chance hat, an die Macht zu kommen. Menschen sind halt einfach nicht lernfähig. Und das gilt ausnahmsweise nicht nur für die Amerikaner.

          • singendelehrerin schreibt:

            „Und das gilt ausnahmsweise nicht nur für die Amerikaner.“
            -> Ich sage nur AfD! 😦 Die werden zwar nicht direkt „an die Macht“ kommen, aber ich schaue den Landtagswahlen schon etwas skeptisch entgegen… :-/

          • Filmschrott schreibt:

            Genau das meine ich. Hier stapelt sich die Dummheit ja momentan auch wieder, wie Getränkekisten nach einer NSDAP-Gedenk-Feier. Es ist nun mal wohl einfach so, dass die Menschheit einfach dämlich ist wie nix anderes. Und ich habe das Gefühl, dass wir in der Zeit leben, wo das am deutlichsten wird.

          • hurzfilm schreibt:

            „Ich hätte NIE UND NIMMER gedacht, dass er eine ernsthafte Chance hätte, der Kandidat der Republikaner zu werden.“

            Ich sag es ja ungern, aber: I said so. 😉

            Nachdem die Vorwahlen eigentlich schon entschieden sind, kommt als nächstes wohl Clinton/Castro VS Trump/Christie im Hauptwahlkampf. Letztere Kombination ist so gut wie sicher, dafür spricht sowohl der Umgang der beiden miteinander als auch strategische Überlegungen.

          • singendelehrerin schreibt:

            Aber du bist doch – hoffentlich – nicht mehr ERNSTHAFT der Meinung, dass Trump vergleichsweise moderate Meinungen vertritt?!?!??

          • hurzfilm schreibt:

            Im Vorwahlkampf hat er tatsächlich grösstenteils keine moderaten Meinungen vertreten, aber es bleibt eben abzuwarten, wieviel davon Strategie war und wie gross der Schwenk zur Mitte im Hauptwahlkampf wird – mit Chris Christie als Vize vermutlich so gross, dass sich da noch einige die Augen reiben werden.

            Aber bevor ich selber noch viel dazu schreibe, hier mal eine etwas nüchternere Analyse:
            https://www.ndr.de/kultur/Der-Historiker-Paul-Nolte-erklaert-Trumps-Erfolg,journal274.html

            Man sollte IMHO Trump nicht so so sehr als Politiker sehen, sondern eher als Verkäufer. Und als solcher ist er offenbar ziemlich gut. Laut einem aufschlussreichen Artikel in „Politico“ ist das, was als Schnellschuss aus der Hüfte erscheint, seit 2013 geplant. Aus einem Treffen in diesem Jahr stammt auch dieses Zitat von ihm, als Antwort auf Bedenken, dass er als Aussenseiter keine Chancen hätte:

            „I’m going to get in and all the polls are going to go crazy. I’m going to suck all the oxygen out of the room. I know how to work the media in a way that they will never take the lights off of me.“
            http://www.politico.com/magazine/story/2016/02/how-donald-trump-did-it-213581

            Und? Es funktioniert!

  4. suzy schreibt:

    Ich stimme Filmschrott zu, den EIndruck habe ich auch! Alle paar Jahre darf mal jemand abräumen und dann ist der Gleichheit genüge getan.
    Im allgemeinen glaube ich, dass in „Hollywood“ vieles im Argen liegt. Die Diskussionen darüber, dass Frauen weniger verdienen als Männer gibt es ja schon lange. Gerade stand in der Zeitung dass Gillian Anderson in Akte X deutlich weniger bekommen hat als ihr männlicher Gegenpart und lange kämpfen musste. Und auch Homosexualität. Es wird immer nur gemunkelt dass ein/e Schauspieler/in vielleicht homosexuell sein könnte. Oder jemand outet sich und nimmt es dann wieder zurück. Wie verrückt ist das denn? Und wie hoch muss der Druck sein um dieses Versteckspiel mit zu machen? Nur Schauspieler/innen die wirklich ganz ‚oben‘ stehen können es sich leisten sich über schlechte Bezahlung oder die eigene Homosexualität zu äußern.
    Die ganze Riege der Menschen die hier das SAGEN haben gehört ausgetauscht, lasst frischen und jüngeren Wind rein!

    • singendelehrerin schreibt:

      Das ist ja so der Gegensatz: Eigentlich könnten Homosexuelle in den USA völlig frei ihr Leben leben, heiraten, eine Familie gründen… Aber viele Schauspieler, Sportler und Politiker tun sich damit immer noch schwer, sich zu outen. Trotzdem kenne ich mehr homosexuelle amerikanische Schauspieler als Deutsche! 😉

  5. hurzfilm schreibt:

    Hier noch ein Artikel mit einer schönen Graphik, welche die Relationen der Rollen/Nominierungen/Gewinne verschiedener Gruppen in Relation zur Gesamtbevölkerung abbildet. Aus einer recht seriösen Quelle – dem Economist.

    http://www.economist.com/blogs/prospero/2016/01/film-and-race

    Klar ersichtlich: Es gibt KEINE Diskriminierung von schwarzen Darstellern bei den Oscars. Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil sind sie unter den Gewinnern sogar überrepräsentiert. Ein deutliches Missverhältnis gibt es dagegen bei Latinos – und – in geringerem Maße, aufällig allerdings die fehlenden Gewinne – bei Asiaten.

    • hurzfilm schreibt:

      Der Economist schreibt allerdings auch, dass das Problem eher in der Ausbildung (Drama Schools) und beim Casting liegt. Das ist insofern geradezu ironisch, weil die Filmbranche in den USA ja eigentlich berüchtigt dafür ist wie „liberal“ (also den Demokraten und ihren Anliegen nahestehend) sie ist…

  6. An schreibt:

    Hat dies auf An's Bücher, Serien & Filme rebloggt und kommentierte:
    Ein toller Text von der Singenden Lehrerin – sehr lesenswert!

  7. pimalrquadrat schreibt:

    Dafür komm ich doch glatt aus der Versenkung wieder hervor. Fehlende Triggerwarnung und so. :mrgreen:

    Ich bin sehr zwiegespalten. Wünsche ich mir mehr und bessere (was nicht unbedingt positive Rollen meint!) Rollen für Schwarze, Latinos, Frauen? Klar! Gute Rollen sollten nicht nur auf Männer und Weiße beschränkt sein. Und es geht ja, auch Blockbuster entdecken das nach und nach, wie zuletzt Star Wars. Finde ich gut, und sofern das passt, steh ich voll dahinter.
    Aber da hört es dann auch auf. Quoten für Schwarze, Latinos, whatever, die in jedem Film erfüllt sein müssen, damit dieser nicht rassistisch ist, das lehne ich kategorisch ab. Ebenso wie Quoten, was die sexuelle Orientierung der einzelnen Charaktere betrifft. Denn mal ehrlich, was für eine Rolle spielt es für Star Wars, welche Neigung Rey, Finn oder Kylo haben? Oder für einen Film wie Sicario? Insofern sollte der Hinweis auf Hetero- oder Homosexualität nur dann erfolgen, wenn diese etwas zur Handlung beitragen kann. Mal ganz davon abgesehen, dass mittlerweile jede minimale Abweichung von diesen beiden Polen ihre eigene Bezeichnung inklusive gefühltem Stigmata und dazugehöriger empfundener Benachteiligung, über die man sich dann beschweren kann, besitzt.
    Übrigens ist die liebe Diversity meiner Wahrnehmung nach darauf beschränkt, positiv besetzte Rollen für Minderheiten zu fordern. Ganz so, als ob jeder Vertreter einer Minderheit allein aufgrund seiner Zugehörigkeit etwas Besonderes wäre. Wo bleiben aber weibliche Bösewichter, die dann auch mal von Held/Heldin abgemurkst werden? Claire Underwood ist da sehr erfrischend, finde ich, aber auch hier fehlt es an Bewusstsein, dass Frauen mehr sind als Mütter, Gattinnen, Sexobjekte oder perfekte Übermenschen, pointiert formuliert. Und das gilt sowohl für weiße, heterosexuelle Männer wie für alle anderen.

    Und was die Triggerwarnung betrifft: An den ZEIT-Artikel erinnere ich mich auch noch (ich hätte mich beim Lesen fast übergeben, so widerlich sind die beschriebenen Zustände). Am besten alles ausblenden, was nicht ins liebe Weltbild passt, und sich die Welt so basteln, wie man sie gerne hätte. Und jeden mit der Rassismus-Sexismus-Keule erschlagen, der ne andere Meinung hat.
    Ähnliche Tendenzen gibt es ja in Deutschland auch (Siehe Silvester in Köln und die Berichterstattung), und das geht in meinen Augen sehr in Richtung Sprech- und Denkverbote, und eine Meinungsdiktatur unter dem Mantel der political correctness lehne ich ab.
    Equality und Diversity schön und gut, aber wenn aus falscher Rücksichtnahme und vorauseilendem Gehorsam St. Martin zum Lichterfest wird, von Faschingsverkleidungen abgeraten wird, weil man das auch als beleidigend empfinden könnte, dann ist ne Grenze überschritten. Und es geht die komplette Diversity dabei drauf, sodass am Ende eben nur ein totaler Einheitsbrei übrig bleibt.

    PS: Sorry, ist sicherlich nicht der beste Kommentar, und auch etwas wirr, aber ich habs momentan nicht so mit dem Schreiben. 😳

    • singendelehrerin schreibt:

      Schön, von dir zu lesen! So wirr ist doch dein Kommentar gar nicht – im Gegensatz zu vielen Kommentaren von Zeilenende habe ich ihn sofort verstanden (ähm, mit einer kleinen Ausnahme vielleicht, siehe unten)… 😀

      Was die Diversity anbelangt liegen wir komplett auf einer Wellenlänge, mit der Ausnahme vielleicht, dass ich nicht finde, dass die Sexualität nur erwähnt werden sollte, wenn es zur Handlung beiträgt. Bedeutet das, dass die alle asexuell sein sollen, solange es nicht die Handlung beeinflusst? Oder verstehe ich da irgendwas falsch?

      Ah, noch ein ZEIT-Leser! 🙂 Print? Ich finde übertriebene politische Korrektheit auch bescheuert, wie z. B. das mit den Faschingskostümen. Und St.-Martins-Züge werden schon in „Lichterfest“ umbenannt? Bitte! Ich bin ja durchaus für die Trennung von Kirche und Staat, aber wenn es dann irgendwann auch bei uns so weit kommt, dass keine Krippen mehr in der Adventszeit auf öffentlichen Plätzen, in Schulen etc. stehen dürfen, dann läuft was verkehrt…

      • pimalrquadrat schreibt:

        Danke! 😳
        Ich find es recht schwer, bei disem Thema eine klare Argumentation zu Papier zu bringen, bei der nicht ein Argument oder Beispiel mehrfach auftaucht oder ich mich nicht wiederhole.

        Zur Sexualität hätt ich gern ein Beispiel, aber du weißt ja, Filme und Serien sind nicht so ganz meins. Deswegen also fiktiv: Stell dir vor, du hast ne Crime-Serie, Polizeialltag. Da brauch ich jetzt zum Beispiel nicht in jeder Folge den Hinweis darauf, dass Figur XYZ homosexuell ist. Fönd ich im Gegenteil sogar penetrant, weil es für den Polizeialltag eher eine untergeordnete Rolle spielt. Klar, man kann den Satz lancieren „Oh Mann, schon wieder Überstunden, mein Partner (egal welchen Geschlechts) wird stinksauer sein“, und gut ist. Oder, und das ist dann wiederum der Handlung dienlich, einbringen, dass Figur XYZ homosexuell ist und sich deswegen in einen Fall besonders gut hineinversetzen kann. Oder Felix in Orphan Black, da passt es, weil ein Teil der Handlung eben in diesem privaten Bereich zwischen ihm und seiner Schwester stattfindet, sodass eben auch seine Sexualität ne Rolle spielt, dem Charakter Tiefe verleiht. Aber ein Frodo z.B. bräuchte das nicht, weil es weder dem Charakter noch der Handlung dienlich wäre. 😉
        Oder spielt es ne Rolle, ob Legolas und Gimli nicht nur die ersten gemischtrassige Bromance leben, oder gar die erste gemischrassige gleichgeschlechtliche Partnerschaft? Für mich nicht. 😉
        Anderes Beispiel: Breakout Kings, drei Häftlinge, die für Straferleichterung dabei helfen, geflohene Straftäter aufzuspüren. Dass deren Sexualität bzw. die fehlende Auslebung selbigwelcher ne Rolle spielt und erwähnt wird, wenn sie z.B. ne scharfe Person sehen oder in die Nähe eines stripschuppens kommen, das find ich z.B. gut, da passend.

        Ne, online, leider, die Qualität ist da eher durchwachsen, aber für die Print fehlt mir die Zeit, das mit der notwendigen Aufmerksamkeit zu lesen. 😦

        Ach, zum Thema Diversity bin ich vorhin darüber gestolpert, keine Ahnung, wie seriös die Quelle ist, aber da denk ich mir auch: „Ok, jetzt entschuldigt schon Geschlecht und Kulturzugehörigkeit, dass man sich nicht an für alle gültige Regeln hält?!“

        http://news.nationalpost.com/news/canada/b-c-aboriginal-scholar-wins-bid-for-rights-hearing-after-shes-denied-tenure-in-part-over-lack-of-research

        Was mir vor ein paar Monaten auch aufgefallen ist, das war so eine Art Aufruf, der auf manchen Autoren-Blogs geisterte, man solle doch bitte mehr Bücher von farbigen Autoren lesen, die seien total unterrepräsentiert. Prinzipiel gilt für mich auch hier, klar, jeder soll seine Chance haben, aber vorauszusetzen, dass man sich bewusst dagegen entscheidet, Bücher von Frauen, Schwarzen etc. pp. zu lesen, das fand ich da schon harten Tobak.

        Wie auch immer, bottom line: Mehr Diversity, super! Gezwungen, bzw. in Zusammenhang mit Denk- und Sprechverboten? Nope!

        • singendelehrerin schreibt:

          Bottom line: Exactly! 🙂

          Bzgl. der Sexualität: OK, ich glaube, ich verstehe, was du meinst. Ich bin jetzt auch nicht dafür, dass ständig irgendwie mit dem Holzhammer auf die sexuelle Orientierung einer Person hingewiesen wird. Ich wünsche mir einfach einen ganz normalen Umgang damit, der zeigt, dass es nun einmal verschiedene Formen von Sexualität gibt, und – um Wowereit zu zitieren – „das ist auch gut so“.

  8. Miss Booleana schreibt:

    Sehe es genauso wie Filschmrott und du und habe es gestern auf meinem Blog ja auch besprochen. Den Boykott finde ich ziemlich befremdlich – das Problem fängt in den Köpfen an, v.A. in denen von Produzenten, die überhaupt erstmal die Rollen besetzen. Möglich, dass ich milde gestimmt bin, weil die diesjährigen Oscars viele starke Frauen beachten und die Themen Homosexualität und Transgender betrachten. Aber auch der Umstand, dass der Host schwarz ist hat doch ein gewisses Gewicht!? Von daher … volle Zustimmung zum Aktionismus, der irgendwie fehl am Platz ist.
    Aber das Oscar Konsortium dürfen sie gerne trotzdem etwas entstauben. Nur alte weiße Männer – nicht nur die haben eine Meinung und kennen sich aus.

  9. hurzfilm schreibt:

    Ich will das alte Thema nicht mehr unbedingt aufwärmen, aber auf das bin ich heute zufällig gestossen, betrifft die Gesichtserkennung als auch die Ausdrucksdeutung über „Rassen“-Grenzen hinweg:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Cross-race_effect

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s