Back to the Future I-III (Robert Zemeckis, USA 1985/1989/1990): gesehen am 21. Oktober 2015

Ist das nicht wahres „Fantum‟, am 21. Oktober 2015 ohne Begleitung in das Back to the Future-Triple Feature zu gehen – und dazu auch auf wertvollen Schlaf zu verzichten?! 🙂 Und das, obwohl man gar nicht der allergrößte Fan ist (ist ja schließlich nicht LotR! 😉 )! Zugegebenermaßen war ich letztlich beileibe nicht allein (das Kino war ausverkauft), aber die Pausen zwischen den Filmen waren für mich dann doch etwas lang. Erst recht spät ist mir eingefallen, dass ich mir ja zumindest auf dem iPhone ein paar Notizen machen könnte, wenn ich schon vergessen hatte, mir entweder etwas zu lesen oder etwas zum Schreiben mitzubringen. Trotzdem: ich bereue nichts, auch wenn ich gerade furchtbar müde bin. Immerhin hatte ich heute nur eine Doppelstunde zu unterrichten…

Warum es sich also gelohnt hat, zeigen hoffentlich meine Beobachtungen:

Das Publikum: Ich hatte viele Menschen in meinem Alter (+/- 10 Jahre, naja, mehr Minus als Plus) erwartet, die die Filme als Kinder oder Jugendliche im Kino gesehen hatten und so sehr nostalgische Gefühle für diese Reihe hegen. Offenbar trifft das aber wohl auch für „Spätergeborene‟ zu, die die Reihe nur im Fernsehen oder auf DVD gesehen haben. Das Publikum war also deutlich jünger als erwartet und bestand gefühlt zur Hälfte aus Hipstern – so viele junge Männer mit Bart und Brille habe ich noch selten auf einem Haufen gesehen! Überhaupt war das Publikum vorwiegend männlich, ein paar hatten auch Fan-T-Shirts an (entweder zu BttF, dieses hier z. B., oder allgemein, z. B. eines, auf dem „Geek‟ stand), ein junger Mann hatte eine weiße Perücke auf. Was jetzt auch noch eine Besonderheit meines Kinos (Cinema) war, das ja (i.d.R.) Filme in Originalsprache zeigt, das waren die auffällig vielen non-German-Native-Speakers (formerly known as „Ausländer‟). Um mich herum sprach kaum jemand Deutsch in den Pausen, allerdings waren davon auch nur wenige Englisch-Muttersprachler. Sehr interessante Mischung. Ach, und die Schlangen an den Toiletten in den Pausen waren mindestens gleich lang, nach dem zweiten Teil standen sogar (zunächst) mehr Männer als Frauen an! Endlich Gleichberechtigung! :mrgreen:

Die Stimmung: SO liebe ich das: wenn schon beim vorher gezeigten neuen Star Wars-Trailer gejohlt und applaudiert wird! Wann erlebst du das schon im Kino, dass ein Trailer beklatscht wird?! Diese Stimmung hat sich durchgezogen: Applaus zu Beginn des Films und am Schluss, dazu – hauptsächlich im ersten Teil – jede Menge Szenen-Applaus (z. B. Biff fährt in den Mistwagen, George haut Biff um, Martys „Johnny B. Goode‟-Gitarrensolo; in Teil II bei „21 October 2015‟). Das hat wirklich richtig Spaß gemacht, dieses Gemeinschaftserlebnis – darum ziehe ich es immer noch vor, Filme im Kino anzusehen. Ach, richtig gefeiert wurde natürlich auch die Hoverboard-Werbung vor Teil II und der fake JAWS 19-Trailer vor Teil III. YEAH!

Die Filme: Wenn man die drei Filme direkt hintereinander schaut, fällt einem schon stärker auf, dass Teil I einfach deutlich besser ist, als die Sequels. Das merkte man auch an den Reaktionen des Publikums, die einfach bei Teil I viel mehr mitgingen. An diesem Film von 1985 kann man kaum etwas kritisieren, wenn man mal außen vor lässt, dass Make-up und Special Effects für uns heute nicht mehr wirklich überzeugen. Was man allerdings nicht vergessen darf, ist, dass es sich hier ganz eindeutig um eine Komödie handelt, was die fast durchweg überzeichneten Charaktere zeigen. Eigentlich sind die einzigen zwei Charaktere, die relativ „normal‟ sind, Marty und seine Freundin Jennifer (, zu der ich später noch komme). Weiß nicht, wie ich das gefunden hätte, wenn ich gestern die Filme zum ersten Mal gesehen hätte… Ich muss auch zugeben, dass sich für mich diese Übertreibungen etwas abnutzen von Film zu Film, sodass es mich mit der Zeit ein bisschen stört. Auch finde ich es nicht mehr so lustig, wenn Biff in jedem Film den Mist abbekommt – da stellte sich für mich, gerade durch das Hintereinanderschauen, auch ein Abnutzungseffekt ein. Sicher, history repeats itself, aber heute wäre mir wohl ein etwas subtileres – und auch abwechslungsreicheres – Vorgehen lieber.

Was mich bei dieser Sichtung – Jahrzehnte 😳 nach der letzten – richtiggehend irritiert und auch ein bisschen geärgert hat, das ist die Statistenrolle, die Jennifer, Martys Freundin (und zukünftige Frau), einnimmt. Ich habe mich echt bemüht, aber ich konnte ihre(n) Namen in keinem Vorspann oder Nachspann (wenn nochmal einzeln die Schauspieler genannt werden, nicht als laufende Liste mit Rollennamen) entdecken. Dass sie in Teil I von Claudia Wells und in Teil II und III von Elizabeth Shue gespielt wurde, fiel zwar gerade durch den direkten Vergleich schnell auf, jemand, der kein gutes Gesichtergedächtnis und/oder Namensgedächtnis hat, konnte aber nicht schnell überprüfen, wer jetzt hier Jennifer spielt. Das ist für mich durchaus ein Kritikpunkt an der gesamten Reihe – die Freundin bleibt im Grunde genommen gesichtslos, man lässt sie einfach mal in einer Gasse liegen, setzt sie dann erneut einfach auf der Veranda ab, irgendwann fällt Marty mal ein, „Oh Mist, Jennifer liegt da noch und weiß von nix!‟ Viel Chemie spüre ich auch nicht zwischen den Beiden, da brennt es ja mehr zwischen Marty und seiner Mutter! 😀

Weil wir gerade bei Kritikpunkten sind: Eine Szene in Teil II fand ich ja RICHTIG schlecht: Marty versteckt sich auf der Rückbank von Biffs Wagen, setzt sich dann aber auf, um mit Doc über das Walkie-Talkie zu reden – in normaler Lautstärke. Ja, Biff hat das Radio an mit lauter Musik, aber SO laut ist das ja auch wieder nicht. Überhaupt fand ich die gesamte Sequenz, in der es um die Beschaffung des Almanachs ging, SEHR unrealistisch, weil sich Marty einfach so auffällig verhält, dass er eigentlich 1000 Mal hätte erwischt werden müssen. Mir gefällt ohnehin der zweite Teil am wenigsten, auch weil er mir auch irgendwie zu vollgestopft erschien: erst in die Zukunft und dann wieder in die Vergangenheit. Trotz Hoverboard und so netter Kleinigkeiten wie JAWS 19 im Kino (die wussten damals ja noch nichts von SAW 😀 ). Da war mir dann doch Teil III in Grunde genommen lieber, der einfach ein Western ist. Da fand ich es zwar auch unlogisch, dass Marty – nachdem er das braune Wasser schon bei den McFlys gesehen hatte – im Saloon nach „ice water‟ verlangt, schiebe das aber auf sein jugendliches Unwissen… 😉 EDIT: Außerdem, hallo, der Film spielt im Monument Valley!!! Da war ich erst! 🙂 ❤ Allerdings habe ich mich nicht getraut so schnell zu fahren… Meiner Nichte war schon schlecht vom Durchschütteln. 😉

Interessant war es für mich, dass mir fast nicht aufgefallen ist, dass ich nun diese Filme das erste Mal auf Englisch sehe. Nur an ein paar Stellen wurde es mir bewusst, etwa durch das falsch von Biff verwendete Idiom „Now, make like a tree – and get outta here‟ (statt: „… and leave‟ (→ leaf!)). Da kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern, wie sie das im Deutschen gelöst haben! Hat’s vielleicht jemand gerade eben auf Deutsch gesehen? Und auch das Wort „life preserver‟ für Schwimmweste war mir einfach unbekannt (ich hätte „life jacket‟ gesagt), was mir dann doch nochmal bestätigt hat, dass ich die Filme tatsächlich vorher noch nie auf Englisch gesehen hatte. Oh, ja, und dann ist da natürlich noch der „flux capacitor‟, der ja auf Deutsch zum „Fluxkompensator‟ wurde. Da hatte ich auch nur den deutschen Begriff auf dem Schirm.

Ich merke gerade, dass ich doch recht viele Kritikpunkte an den Sequels habe – hätten Spielberg und Zemeckis es doch lieber nur bei einem Stand-Alone belassen sollen? Ach nee, dann hätten wir nie die Hoverboards kennengelernt! 😀 Und Christopher Lloyds Gesichtsausdrücke (und diese Haare!) als Doc Emmett Brown sind einfach priceless – die sieht man sich doch gerne öfters an. 😉 Und dann natürlich noch der DeLorean – der ist einfach Kult! Und so war es ein sehr unterhaltsamer Abend unter Gleichgesinnten – ja, sogar die Anspielungen auf Ronald Reagan und Clint Eastwood wurden verstanden! 😀

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12 Antworten zu Back to the Future I-III (Robert Zemeckis, USA 1985/1989/1990): gesehen am 21. Oktober 2015

  1. suzy schreibt:

    Schade, da wäre ich gerne dabei gewesen, allein für die Stimmung! Ich mag die Filme aber es geht mir wie Dir, der erste war einfach klasse, da neu, originell – eigentlich unschlagbar für die damalige Zeit. Ja ich habe es damals im Kino gesehen. ❤
    Den zweiten fand ich fad, den Dritten wieder richtig gut durch die neue location, im Wilden Westen gab es viele neue Ansatzpunkte, passende Witze. Und das sich der Doc diesmal verlieben durfte fand ich süß. Ja das Auto ist einfach Kult!
    Danke für die interessante Kritik!

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke dir! 🙂 Stimmt, die Liebesgeschichte für Doc war ganz nett, vor allem auch weil Mary Steenburgen ja wirklich so reizend war. Ich fand übrigens, hab ich ganz vergessen, auch die Actionszenen in Teil III besser als in II, weil das mit den Pferden halt schon sehr echt gewirkt hat. Ach – und ich hab ganz vergessen: Das Monument Valley!!!!

  2. hemator schreibt:

    Wenn ich mich recht erinnere, sagt Biff im Deutschen „die Mücke machen“ statt „die Fliege machen“ – eigentlich ganz gut gelöst.
    Ansonsten: Sicher eine interessante Erfahrung, wobei ich die Trilogie zwar sehr gern mag, aber dann doch nicht gern genug, um sie mir im Triple-Feature zu geben. Ich denke auch, Teil 1 ist der rundeste der drei. Teil 2 hat auch die größten zeitreisebedingten Logikfehler (die gibt’s zwar in allen drei, aber in Teil 2 sind sie richtig auffällig). Natürlich noch unbedingt erwähnenswert: Durch den Score zu Teil 1 wurde Alan Silvestri bekannt. 😀

    • singendelehrerin schreibt:

      Ah, danke für die Aufklärung bzgl. dem Spruch von Biff!

      Und nochmal danke für die Erwähnung von Alan Silvestri! Gerade sein Hauptthema ist natürlich auch unvergessen – und wenn ihm der Score zu Teil 1 dazu verholfen hat, später den Job bei „Forrest Gump“ (eins meiner Lieblingsthemen!) zu bekommen, war der Film ohnehin sehr wichtig für die Filmmusikwelt! 🙂

  3. Libertarian Anonymous schreibt:

    Der DeLorean ist technisch gesehen halt ein totale Kröte… 😉

  4. bullion schreibt:

    Mein Neid ist dir sicher! 🙂

    Ich liebe übrigens Teil 2 trotz seiner Fehler ebenso wie den ersten Teil, nur der dritte fällt für mich ein wenig ab. Insgesamt mag ich aber alle Filme. Hach, sollte ich wohl auch mal wieder schauen.

  5. Nummer Neun schreibt:

    Klar, im Cinema 😀 Ich war natürlich im Mathäser 🙂

    Fand die drei Filme immer noch großartig und kaum gealtert. Aber ich kann dir in manchen zustimmen: Martys Freundin ist einfach fad, und der zweite Teil ist auch bei mir der, den ich am wenigstens mag. Das 2015 war jetzt natürlich kultig, aber ist eigentlich etwas nervig, und das alternative 1985 mag ich nicht. Der zweite Teil kommt meiner Meinung nach erst richtig in Schwung, wenn sie wieder in 1955 sind. Den dritten Teil find ich dann wieder fast ohne Einschränkung gut, die neue Location tut dem Film gut und der Showdown mit dem Zug ist immer wieder spannend.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich hatte schon Ausschau nach dir gehalten, aber wenn du lieber ins Mathäser gegangen bist… Tststs. 😉

      Ja, den Showdown mit dem Zug fand ich auch immer noch erstaunlich gut!

  6. pimalrquadrat schreibt:

    Haha, das muss ich noch nachholen, aufm heimischen Fernseher zwar, aber immerhin. Am Mittwoch fehlte leider die Zeit. Teil 1 ist wirklich grandios, bei Teil 2 gefällt mir eigentlihc nur die alternative Version von 1985 nicht so. Ich mein, wie sie die Handlung parallel zum ersten Teil aufziehen in 1955 und man hier und da quasi im Hintergrund den ersten Film noch einmal sieht, das ist genial! 😀
    Jennifer ist aber wirklich etwas blass, das stimmt. Zumindest im zweiten Teil hätte man ihre Rolle ausbauen sollen.

    PS: Das mit dem Walkie-Talkie auf Biffs Rückbank, naja, das ist doch in allen Filmen und Serien so, oder? Wenn in Person of Interest die lieben Leute sich telefonisch in normaler Lautstärke unterhalten, während keine zwei Meter weiter die Leute stehen, über die sie reden, dann isses auch nicht sooo ganz glaubwürdig. 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, du hast recht, gerade im 2. Teil wäre die Chance gewesen, Jennifer mehr miteinzubauen – schließlich hatte man sie ja mitgenommen. Hat mich damals weniger gestört als heute – sollte ich heute feministischer denken? 😉

      Du hast schon Recht, dass das in anderen Filmen und Serien auch so ist, dass sich die Leute oft in „Hörnähe“ so unterhalten als wären sie in einem anderen Zimmer. Find ich grundsätzlich immer blöd (außer im Theater), aber in diesem Film ist mir das diesmal einfach sehr aufgefallen, insbesondere weil er sich noch dazu aufsetzt. Ich glaube, wenn er im Liegen gesprochen hätte, hätte mich das weniger gestört. Worin lag da die Notwendigkeit sich aufrecht hinzusetzen um ins Walkie-Talkie zu sprechen?

      • pimalrquadrat schreibt:

        Vielleicht auch nur kritischer? Ich weiß nicht, ob das bereits Feminismus ist, bzw. ist es das meinem Verständnis nach eher nicht. Bei dem F-Wort denke ich eher an die Aufschrei-Tante und das Unvermögen, grammatikalisches und biologisches, von mir aus auch soziales, Geschlecht zu unterscheiden. XD

        Stimmt, Marty sitzt ja ganz normal da. Vielleicht kamen sie mit der Kamera sonst nicht gescheit an ihn ran, zumindest nicht, ohne das Auto zu beschädigen?

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