Die Freitagsfrage #14: Grenze zwischen „normalem‟ Fan-Sein und Obsession?

Anlässlich eines Vorberichts im Guardian zur Premiere von Hamlet mit Benedict Cumberbatch am 5. August, bzw. der Kommentare dazu, ist mir mal wieder aufgefallen, mit welchem unterschiedlichen Maß Fans von Schauspielern oft gemessen werden, im Vergleich etwa zu Fußball-Fans, Robbie Williams-Fans (z. B.) oder Apple-Fans.

Im Artikel werden Fans (ausschließlich weibliche) vorgestellt, die von weit her anreisen werden (aus Wisconsin, USA, von den Philippinen und aus Japan), um Benedict Cumberbatch live auf der Bühne zu sehen. In vielen Kommentaren wird entweder BCs Können in Frage gestellt (bzw. seinen Erfolg darauf zurückgeführt, dass er aus einer priviligierten Familie kommt) oder den Fans pauschal nicht zugetraut, dass sie sich im Theater benehmen können; es wird sogar erwartet, dass manche auf die Bühne rennen könnten.

Hier ein paar „Highlights‟:

Isn’t all this BC adoration a bit exaggerated ? I mean, he’s a good actor, but shouldn’t be overrated. Always amazing to see how some people obviously need their heroes to worship and idolize, it probably says something about their own empty and insignificant lives.

Well, I hope the Barbican is prepared for the non-stop screaming, cat-calls, whistling (especially from Americans) and possibly even people rushing the stage during this run, not to mention the blinding flashes of mobile cameras. I don’t doubt there will be people attempting to call their friends during the performances to scream „OH MY GOOOOOD THERE HE IS!!!“ It’s going to be a zoo.

With iPhones or Harry Potter books, or sports, there’s a whole bunch of things for fans to talk about. What is there to talk about with Cumberbatch? He’s a person. It’s rather peculiar and unhealthy to become obsessed with a person, isn’t it?

(Antwort auf:

„the actor’s peculiarly obsessive fans are expected to camp out at the Barbican nightly in a bid to get their hands on one.“

People camp out for Grand Final tickets, new iPhones, all sorts of things. I don’t see how this makes his fans „peculiarly obsessive“.)

Glücklicherweise befinden sich auch etliche vernünftige Beiträge unter den Kommentaren, trotzdem ist es wohl so, dass viele „non-groupies‟ (Zitat aus einem weiteren Kommentar) eine sehr negative Meinung von BC-Fans (ich nenne absichtlich nicht die vielfältigen Namen, die für diese kursieren, sicher manche davon selbst von den Fans gewählt) haben. Nun, ich werde es ja selbst erleben, ob sie sich beherrschen können, aber sowohl bei Martin Freeman (Richard III) als auch bei James McAvoy (The Ruling Class) habe ich keinerlei „Übergriffe‟ von Fans – während der Aufführung und an der Stage Door – erlebt. Und auch als BC 2011 in Frankenstein spielte, als schon die erste Welle der Sherlock-Fans dabei war, (wobei zugegebenermaßen seitdem sein Bekanntheitsgrad noch enorm gestiegen ist,) hörte man von keinen Fans, die plötzlich die Bühne stürmten (und BC war als Creature in den ersten Minuten des Stücks komplett NACKT).

Warum ist es obsessiver, tausende von Kilometern zu reisen, um einen Schauspieler in einem Shakespeare-Stück zu erleben, als tausende von Kilometern zu reisen, um bei der Fußball-Weltmeisterschaft oder bei Olympia das eigene Team zu unterstützen? Warum werden Fans, die versuchen, letzte Tickets für Hamlet zu ergattern (und dafür schon nachts am Ticketschalter campen), als verrückter angesehen als Apple-Aficionados, die unbedingt am ersten Tag das neueste iPhone haben müssen – und sich deshalb ebenso mitten in der Nacht vor dem Apple-Store einfinden? Und bitte – als Antwort auf den letzten Kommentar: man kann sich über iPhones besser und länger unterhalten als über eine Person wie BC?!? Wissen die Leute eigentlich, dass sich die Fans nicht hauptsächlich über die PERSON austauschen, sondern sehr wohl über die schaupielerischen Leistungen? Gerade BC ist ja nicht gerade durch sein Aussehen so berühmt geworden.

Aber es soll hier nicht nur um Cumberbatch gehen, die Frage ist doch allgemein: wo verläuft die Grenze? Was ist noch „normal‟, was ist dann vielleicht doch nicht mehr „gesund‟, sondern obsessiv im negativen Sinne? (Ich beziehe mich jetzt mal nur auf Schauspieler:)

  • Theaterstücke besuchen? (selbst gemacht, wird auch weiterhin betrieben)
  • Auf Conventions gehen und dort Geld ausgeben für Fotos, Autogramme, Meet&Greets? (für Meet&Greets noch nichts ausgegeben, ansonsten schon für einiges)
  • Von Europa aus nach Hawaii fliegen, um in einem Selbstverteidigungskurs für Frauen von Alex O’Loughlin auf die Matte gelegt zu werden? (da war ich zu geizig 😉 , weiß aber von mindestens einem Fan aus Holland, die da hingeflogen ist)
  • Shippen, Slashen, Fan Fiction, Fan Art (wer nicht alle Begriffe kennt, ist schon mal nicht obsessiv in diesem Bereich 😉 )?
  • Poster aufhängen, T-Shirts tragen, sonstige Fanartikel kaufen?

Für mich alles noch im Rahmen – solange das „Real Life‟ nicht darunter leidet und niemand dadurch einen Schuldenberg anhäuft. Was wohl viele Kritiker nicht verstehen, ist, dass Fan-Sein ein Hobby ist – und viele dieses Hobby auch äußerst kreativ ausleben. Wir Blogger, indem wir kritisch über die schauspielerischen Leistungen urteilen, die Slasher, indem sie Geschichen erfinden und schreiben oder Zeichnungen erstellen. Oder meine (ehemalige) Schülerin, die sich Fanartikel selbst bastelt…

Allerdings gibt es schon auch Fans, die mir „Angst‟ machen: da gibt es Todesdrohungen an die Macher der Serie, wenn ein geliebter Charakter aus der Serie geschrieben wird, da werden Fans eines anderen „Ships‟ massiv beleidigt, da gibt es Fans, die im Angesicht ihres OdB tatsächlich alle Grenzen missachten und ihn/sie einfach küssen, umarmen oder ähnliches. DIESE Fans sind es, die uns „normal-obsessive‟ Fans in ein schlechtes Licht rücken.

Wo verläuft für euch die Grenze? Kann man überhaupt eine festlegen? Wo seid ihr selbst ein bisschen obsessiv? Wäret ihr manchmal gerne etwas verrückter, traut euch aber nicht? Oder wäret ihr manchmal gerne etwas normaler, bleibt aber dem Nerdtum verhaftet? 😉 Wie reagiert euer Umfeld darauf, wenn ihr euch fangirlig/-boyig ( 😀 ) oder nerdig verhaltet?

Ich freue mich auf eure Kommentare! 🙂

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29 Antworten zu Die Freitagsfrage #14: Grenze zwischen „normalem‟ Fan-Sein und Obsession?

  1. suzy schreibt:

    Toller Artikel, herzlichen Dank! Die erste gesetzte Grenze ist bei mir der gesunde Menschenverstand. Ich würde mir nicht die Wohnung mit Fanmaterial pflastern, jedoch ein Poster oder ein Bild, vielleicht mit einem Autogramm als besonderer Erinnerung, gerne aufhängen. Ich habe zwar schon für einen Trip nach London um Richard Armitage auf der Bühne zu sehen, relativ viel Geld ausgegeben (man geht ja schließlich nicht nur ins Theater), ich würde aber nicht ans andere Ende der Welt dafür reisen. Mein privates Umfeld weiss davon nicht viel und aus diesem Grund halten sich die Kommentare in Grenzen 🙂
    Problematisch finde ich es, wie Du schon geschrieben hast, wenn es sich negativ auf das reale Leben auswirkt, wenn man sich zurückzieht, zu viel Geld ausgibt……
    Bisher habe ich das Fangirlen nur positiv erlebt, man hat gerade über das Internet die Möglichkeit neue „Gleichgesinnte“ kennen zu lernen und sich sogar im realen Leben dazu auszutauschen, oft wohnen die gar nicht so weit entfernt 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      „Bisher habe ich das Fangirlen nur positiv erlebt, man hat gerade über das Internet die Möglichkeit neue “Gleichgesinnte” kennen zu lernen und sich sogar im realen Leben dazu auszutauschen“

      Da sprichst du etwas an, dass ich auch als unglaublich positiv erfahren habe! Sowohl über das Internet als auch über Conventions haben sich schon echte Freundschaften ergeben. 🙂

      • suzy schreibt:

        ja bei mir auch! Und so treffe ich mich mit den „Gleichgesinnten“ im Kino oder zum Essen/Trinken gehen 🙂 eine echte Bereicherung!

  2. Fufi schreibt:

    Danke für diesen Blog! Als Fan des besagten Herrn Cumberbatch habe ich diese Woche so einiges gehört und gelesen, da ist Dein Beitrag ein Labsal. Leider sind die Überheblichkeiten ja nicht nur in den Kommentaren zu lesen, sondern treiben in vielen Artikeln ihr Unwesen! Selbst „unser“ SWR hat einen Audiokommentar von 2,5 Minuten voller dümmlicher Klischees abgesondert.

    Die gute Nachricht zum Verhalten im Theater: An beiden Abenden gab es Rückmeldungen von Viel-Theatergehern, dass sie ein so aufmerksames und ruhiges Publikum noch nie erlebt hätten (obwohl einer davon aufgrund der Presseberichte das Schlimmste befürchtet hatte).

    Bei (fast) allen Punkten in Deiner Liste bin ich voll dabei und ziehe auch die gleichen Grenzen. Vor allem in Bezug auf das Verhalten anderen gegenüber, OdB inklusive.

    Mir fehlen aber noch zwei (für mich) sehr wichtige Punkte des begeisterten Fan-Daseins:
    – sich mit Inhalten befassen (Bücher, Musik, Theaterstücke,… bis hin zu gesellschaftspolitischen Themen) dank der Inspiration durch den jeweiligen Schauspieler, auf die man sonst nicht gekommen wäre
    – die eigene Komfortzone verlassen

    Die Punkte sind natürlich implizit auch in Deiner Auflistung enthalten. Mir sind sie deshalb so wichtig, weil sie uns mutiger, wissender und stärker machen. Also das genaue Gegenteil von dem trope, der überall die Runde macht.

    • suzy schreibt:

      Fufi – Stimme Dir voll zu! Man interessiert sich plötzlich für Themen auf die man zuvor nicht geachtet hätte, liest Bücher, die man sonst eher nicht gelesen hätte….. es bereichert den eigenen Horizont ungemein!

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke für deinen tollen Kommentar! Du hast vollkommen Recht, was die zusätzlichen Punkte anbelangt, die du noch an Positivem, das durch das Fan-Dasein entsteht, nennst! Ist es nicht toll, wenn (junge) Menschen, die noch nie (freiwillig) im Theater waren, in Scharen „Hamlet“ ansehen (live oder über NT Live)?! Wenn sie über ihren eigenen Schatten springen und das erste Mal allein verreisen? Wenn sie ihre Schüchternheit überwinden und bei der Convention ans Mikro gehen und eine Frage stellen?

      Eine Schülerin aus dem vorletzten Schuljahr war Fan von Tom Hiddleston – ich habe ihr Karten für die NT Encore-Vorstellung von „Coriolanus“ besorgt. Ihr erstes Shakespeare-Stück.

      Und dieser Satz hier ist einfach so wahr und schön: „Mir sind sie deshalb so wichtig, weil sie uns mutiger, wissender und stärker machen.“

      Indeed! 🙂

  3. Schlopsi schreibt:

    Pauschalisieren lässt sich da nichts. Aber auch rein gar nichts. Weshalb ich bei dutzenden Artikeln, die zur Preview von diversen Blättern rausgebracht wurden, schon einen gewissen Brechreiz verspürte. Aber das ist ein anderes Thema.

    Natürlich gibt es Grenzen beim Fantum. Für dich, für mich, für jeden einzelnen. Meine Wände hängen voll mit Filmplakaten, Postern und Bildern mit Musikern und mir, die ich in kleinen Clubs getroffen habe. Ich werde manchmal schräg angeschaut, aber was solls. Die ehrlichste Frage ist wohl die, ob ich mich nicht ständig beobachtet fühlen würde (lediglich vom Sherlock-Poster). 😀
    Ich finde es auch null verwerflich, wenn man ein anderes Land bereist, um einen bestimmten Herrn oder eine bestimmte Dame auf der Bühne zu sehen. Wenn man die Möglichkeit hat, warum nicht? Man sieht sich ja schließlich auch noch ein bisschen was anderes von der Stadt an und es ist einfach Theater, dass nur im limitierten Rahmen läuft.
    Ich selbst hätte für meine Lieblingsband noch London gemacht (Wembley), da es eben noch was ganz anderes ist, als hier. So einfach ist das. Für die ärzte bin ich vom Süden Deutschlands auch schon zweimal extra nach Berlin. Ist eine Art Heimspiel, das sich lohnt. Und wer solche Trips auf sich nimmt, der macht das nicht nur deswegen, sondern wegen der Erfahrung drumherum. Man will jemanden in seinem Element sehen und möglichst viel davon aufschnappen, evtl. sogar neue Bekanntschaften machen.
    Schlimm finde ich Fanseingedöns erst, wenn ununterbrochen gekrischen wird. „OMG! It’s him!“ usw. Wenn man nicht merkt, wie unangenehm man auffällt oder man sich nur auf die Person selbst versteift, nicht aber auf das Schaffen dieser Person. Wenn das Privatleben nach außen gekehrt wird, dann fange ich an, den gesunden Menschenverstand in Frage zu stellen. (Natürlich ist man mal happy ein privates Bildchen zu sehen um zu gucken, ob dieser Mensch auch privat so drauf ist wie er sich in der Öffentlichkeit gibt, respektiere aber auch, wenn sie genau das nicht wollen. Dann hat sich das erledigt.)
    Auch wenn ich Cumberbatch, Hiddleston und wen auch immer echt vergöttere (vom Talent), ich würde ihnen wohl nie auf der Straße nachstellen um ein Foto mit ihnen zu machen. Dafür bin ich nun wirklich zu schüchtern. (Eher mit ihnen in einem Pub was trinken und sich ungezwungen unterhalten. Das wärs!) 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, kreischende Girlies (geben wir es zu, es sind doch meistens Frauen, die rumkreischen) finde ich auch schrecklich, v.a., wenn es nicht zum „Setting“ passt. Mei, als damals Michael Jackson auf der Bühne auftauchte, habe ich mir auch die Lunge aus dem Leib geschrien, und wenn bei der Fedcon der Stargast die Bühne betritt, wird auch erstmal gejohlt – aber da ist es ja im Grunde genommen gewollt. (Ich schrie sogar einmal laut auf, wenn in der Sneak Preview im ersten Bild James McAvoy auftaucht 😉 ) Schlimm finde ich es allerdings, wenn eben durchgekreischt wird, sodass man z. B. die Musik gar nicht hört oder was die Person gerade sagt. das habe ich aber in Europa noch nicht erlebt.

      Ich bin da auch ähnlich gestrickt wie du: das Privatleben meiner OdB interessiert mich wirklich nur SEHR peripher, ob sie heiraten, ein Kind bekommen, sich scheiden lassen… Was ICH will, ist, sie auf der Leinwand oder Bühne sehen. Und ja, ich gebe zu, ich finde es schon toll, mal die Chance zu haben, ihnen direkt gegenüber zu stehen und vielleicht ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Aber ich würde ihnen nicht auf der Straße hinterher laufen, wenn sie privat unterwegs sind, um ihnen ein Autogramm oder Foto abzuluchsen. GERADE nicht bei denjenigen, die schon SEHR bekannt sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass weniger bekannte Schauspieler sich dann doch durchaus freuen, wenn man sie erkennt und anspricht (Julian Sands am Mount Rainier, WA).

      • Schlopsi schreibt:

        Klar, auf einem Konzert oder einer Convention ist das einfach so. Da wird man aber auch bewusst ziemlich „aufgepumpt“ zwecks Erwartungshaltung und so.
        Zum letzten Absatz: Sagen wir es mal so: Es ist ganz klar situationsabhängig. Zumindest stelle ich mir das so vor. Promis habe ich nämlich außer Farin Urlaub (bin extra zum Radiosender hin *hust*) noch keinen bewusst getroffen. Eher mal vorbeigelaufen. Aber mei, was soll’s? Sind auch nur Menschen. Wobei… wenn ein Mr. Cumberbatch lässig irgendwo lang schlendern würde… wer weiß. *lach* So viel zu Grenzen, nech? ;D

  4. schauwerte schreibt:

    Ich habe gerade einen Beitrag verfasst über die Probelmatik einer Rezension solbald Cumberbatch involviert ist. Die Fans sind hierbei nicht das Hauptproblem, vielmehr geben ihnen die Journalisten einen Raum, der unnötig ist. Da werden Menschen, die Spaß an der Arbeit eines Schauspielers haben ins Rampenlicht gezogen, über einen Kamm geschert und lächerlich gemacht. Schlechter Stil. Und diese Fanbase dient dann oft als Aufhänger den Schauspieler und seine Arbeit zu bewerten. Absolut unangebracht.

    • singendelehrerin schreibt:

      Oh, den muss ich mir dann später bzw. morgen mal durchlesen – jetzt muss ich mir den neuen „Mission Impossible“ ansehen (eine Freundin ist GROSSER Jeremy Renner-Fan, da nehmen wir in Kauf, dass Tom Cruise auch mitspielt… 😉 ). 🙂

  5. hemator schreibt:

    „Warum ist es obsessiver, tausende von Kilometern zu reisen, um einen Schauspieler in einem Shakespeare-Stück zu erleben, als tausende von Kilometern zu reisen, um bei der Fußball-Weltmeisterschaft oder bei Olympia das eigene Team zu unterstützen?“

    Exakt meine Meinung. Das ist schon ein ziemlicher Doppelstandard, wenn man Fans, die sich für eine Con, ein LARP, einen Kinostart oder etwas ähnliches verkleiden, komisch ansieht, sich aber zu WM/EM schwarz-rot-gold anmalt, komische Hüte und Perücken anzieht und sich kleidet wie das Objekt der Bewunderung. Ob Trikot oder Jedi-Robe ist da eigentlich egal, im Grunde ist es dasselbe Konzept.

    Ich denke, Fantum sollte dort aufhören, wo es wirklich negative Einflüsse auf das eigene Leben oder das Leben anderer nimmt und man aufhört, die eigene Position wenigstens hin und wieder mal zu hinterfragen. Ich bin zwar Fan, aber trotzdem auch in der Lage, Dinge, von denen ich Fan bin zu kritisieren und andere Meinungen zu akzeptieren – ich denke, das ist ein ganz guter grundsätzlicher Standard. 😀

    • singendelehrerin schreibt:

      „Ob Trikot oder Jedi-Robe ist da eigentlich egal, im Grunde ist es dasselbe Konzept.“ – Genau!

      Was du zuletzt ansprichst, finde ich auch ein gutes Kriterium, um die Grenze zu nicht mehr gesundem Fantum (das Wort gibt es ja im Duden noch nicht) zu ziehen: die Fähigkeit, trotz Begeisterung für einen Schauspieler, ein Team, ein Phänomen, die Kritikfähigkeit nicht zu verlieren. Zum Beispiel war ich nicht dafür, dass BC für „The Imitation Game“ den Oscar gewinnt, weil ich die Leistung aller anderen Nominierten noch viel enormer fand. Ja, er war gut, aber seine Rolle war m. E. weitaus weniger herausfordernd.

      Was da aber manchmal in den Fandoms auf Tumblr abzugehen scheint (eine Freundin ist da aktiv) – da kann man nicht immer davon reden, dass die Meinung anderer akzeptiert wird…

  6. bullion schreibt:

    Ich habe es generell nicht so mit dem Fantum, weil ich schon den Begriff so abschreckend finde. Fan. Da muss ich immer gleich an Fußball denken und wie mir die unzähligen Club-Fans auf den Senkel gehen, die johlend die Straßen blockieren. Etwas mit Leidenschaft gut finden, das kann ich eher nachvollziehen. Selbst wenn da gar nicht so viel dazwischen liegt. Vielleicht etwas mehr Reflexion? Letztendlich muss jeder für sich entscheiden wie viel Leidenschaft er in etwas stecken mag, wie extro- oder introvertiert er diese Leidenschaft auslebt und was er dafür zu tun bereit ist. Tut doch niemandem weh. Solange es eben im gesellschaftlich akzeptablen Rahmen (was auch immer das bedeutet…) bleibt und niemand dabei zu Schaden kommt. Mehr Gedanken sind nicht drin. Immer noch 30+ °C.

    • singendelehrerin schreibt:

      Hm, weiß nicht, ob man den Begriff „Fan“ gleichsetzen kann mit „keine/kaum Reflexion“. Klar kommt der Begriff ja tatsächlich von „Fanatismus“, der ja negativ besetzt ist, aber für mich liegt da schon noch ein Unterschied. Ein Fan muss nicht fanatisch sein.

      Das mit der Hitze kann ich nachvollziehen – gestern und heute war ich quasi den ganzen Tag in der verdunkelten Wohnung gesessen… Immerhin halten wir hier die Temperaturen noch unter 30 Grad.

      • bullion schreibt:

        Kommt vermutlich wirklich darauf an, wie man den Begriff Fan definiert. Ich verbinde damit einfache in paar negative Dinge, aber es gibt eben solche und solche Fans.

  7. An schreibt:

    Also ich kann dir und den anderen Kommentatoren nur zustimmen. Solange das alles noch positiv ist – wo ist das Problem? Wo ist der Unterschied zu besagten Fußball-Fans? Warum nicht irgendwohin reisen, um einen Schauspieler auf der Bühne spielen zu sehen, wenn man die Möglichkeiten dazu hat?

    Und vor allem: Wenn es einen glücklich macht, wenn es einem Spaß macht, über Serien/Filme und Schauspieler bzw. ihre Darstellung zu reden und kreativ zu werden, dann ist das doch toll! Ich selbst habe diese Erfahrung auch gemacht. Ich will schon lange mehr schreiben – und habe das erste Mal genug Motivation und Durchhaltevermögen für etwas Längeres gefunden, als ich es zu einer Serie geschrieben habe. Es macht Spaß, mit anderen Fans darüber zu sprechen. Und Fanartikel auch. Wenn ich jemanden in der Öffentlichkeit treffen würde, die/der beispielsweise mit einem Fanshirt (zu etwas, das ich auch toll finde) herumläuft, dann würde ich (als eher schüchterner, zurückhaltender Mensch) wahrscheinlich hingehen und die Person ansprechen. Wenn ich jemanden begeistert über eine Serie/… reden höre, freue ich mich gleich mit. Ganz zu schweigen von Cosplaying auf Conventions/… – dort kommt Kontakt im ‚echten Leben‘ mit Menschen mit gleichen Interessen auf, man freut sich gemeinsam – das ist doch schön!

    Und auch Fufi und suzy kann ich da nur zustimmen – es bereichert einen, man interessiert sich für Bücher oder andere Dinge, denen man vielleicht vorher keine Beachtung geschenkt hat. Ist mir auch schon mehrmals passiert.

    Aber natürlich stimme ich dem auch zu – wenn es ins Negative abrutscht, ob für die Fans selber oder andere Personen, dann geht es zu weit. Ob Drohungen, Beleidigungen, Schulden, Vernachlässigung der sozialen Kontakte oder Nachstellung/Belästigung der ‚geliebten‘ Schauspieler – nicht gut.

    • singendelehrerin schreibt:

      Oh ja, Fanartikel sind ein toller Aufhänger, um jemanden Wildfremden anzusprechen. 🙂 Irgendwann hat mich mal eine Sitznachbarin im Projektchor auf meinen „Breaking Bad“-Button (nur für Insider als solcher zu erkennen) angesprochen – hätte ich nie erwartet, dass ich in dieser „Crowd“ auch auf Serien-Fans treffe!

      • An schreibt:

        Ich habe auch eine Sherlock-Stofftüte (schwarz mit der weißen Aufschrift „I am Sherlocked“ aus aSiB) und habe sie letztens (für die Bücherabgabe) mit in die Schule genommen – und mich hat tatsächlich eine Mitschülerin total begeistert auf die Serie angesprochen. 🙂

  8. pimalrquadrat schreibt:

    Die Grenze sehe ich dann überschritten, wenn es tatsächlich nur noch um das Fansein an sich geht und nicht mehr um die künstlerische Leistung. Ich mein, die Live-Konzerte der Beatles sind aufgrund des ganzen Gekreisches nur noch für die Tonne, das ist eindeutig zu viel. Solange also die Theaterstücke ungestört verlaufen, ist doch alles in Ordnung.

    • singendelehrerin schreibt:

      Du hast Recht, an die Beatles-Kreischorgien habe ich auch gedacht – das ist dann einfach nur noch Hysterie!

      • pimalrquadrat schreibt:

        Jupp, und dasgeht halt so gar nicht. Ansonsten hab ich heute gelesen, dass Cumberbatch darum bat, die Theateraufführung nicht mit Smartphone und co. aufzuzeichnen, was ich z.B. vollkommen verstehen kann. Man sollte sich doch mal hinsetzen und genießen können.

  9. Libertarian Anonymous schreibt:

    „Von Europa aus nach Hawaii fliegen, um in einem Selbstverteidigungskurs für Frauen von Alex O’Loughlin auf die Matte gelegt zu werden? (da war ich zu geizig 😉 , weiß aber von mindestens einem Fan aus Holland, die da hingeflogen ist)“

    Wäre ein Selbstverteidigungskurs für Alex O’Loughlin und GEGEN Frauen nicht sinnvoller? 😉

  10. Libertarian Anonymous schreibt:

    Nun, jede Art von Celebrity-Verehrung kann u.U. in eine Art Zweite-Hand-Leben mutieren. Dabei ist es egal, ob es um Sportler, Schauspieler oder Musiker geht. Im Allgemeinen ist doch wohl so, dass diesen Celebrities vermutlich ein einzelner Fan relativ egal ist (kann eigentlich auch gar nicht anders sein, da die Beziehung Einer-zu-Viele, also höchst asymmetrisch ist), warum sollte man dann umgekehrt sein Leben um ihn/sie rotieren lassen?

    Bei Celebrity-Crushes kommt noch dazu, dass die Person normalerweise unerreichbar ist, und zwar gerade für Fans. Es gibt zwar Beziehungen zwischen Celebrities und „Normalos“ – ein besonders aussergewöhnlicher Fall hier: http://www.huffingtonpost.com/2012/08/15/deborah-ann-woll-match_n_1784048.html – aber vermutlich keine, an deren Anfang ein Fan-Sein der einen Seite stand. „Anhimmeln“ dürfte bei einem One-on-One-Aufeinandertreffen ausserhalb z.B. einer Con oder Autogrammstunde auf das Objekt der Begierde eher abschreckend statt attraktiv wirken. 😉

    Entscheidend ist wohl, wie sehr sich jemand reinsteigert. Wenn man sich mehr mit dem Leben eines oder verschiedener Celebrities als mit dem eigenen beschäftigt, läuft IMHO aber etwas falsch. Das verhält sich analog zum Konsum von Alkohol oder anderen Drogen: Wenn sich jemand an einem oder zwei Abende in der Woche die Kante geben um sich zu „Entspannen“ ist das okay (wobei auch das irgendwann gefährlich werden kann), wenn man mehr als die Hälfte der Zeit betrunken in der Gegend herumläuft, dann stimmt irgendwas nicht mehr.

    Wo wir schon bei diesem Vergleich sind: Ich lehne mich jetzt mal sehr weit aus dem Fenster und vermute, dass die Ursachen und Mechanismen einer Drogensucht und einer „krankhaften“ Celebrity-Verehrung gewisse Übereinstimmungen aufweisen.

  11. ginadieuarmstark schreibt:

    Toller Artikel.
    Ich verstehe nicht, dass man als Fan dann so runtergeschraubt wird. Ich war für 30 Seconds to Mars auch in Mücnehn (nähe meiner Heimatstadt) und bin dann nochmal im kommenden Jahresanfang nach Stuttgart gereist, um die Band NOCH MAL zu sehen. Manche fanden das auch irrsinnig, ICH NICHT! Und wenn ich jetzt das Geld und die Zeit hätte, würde ich morgen nach London fliegen und Benedict im Theater ansehen!

    Man muss ja nicht immer gleich alles so hochschrauben. Und auf die Bühne werde ich nicht rennen, aber versuchen, nach der Vorstellung evtl. Ein Foto und ein Autogramm zu erhaschen 🙂

  12. shalimamoon schreibt:

    Großer Lob für den tollen Artikel und auch die Diskussion in den Kommentaren hat mir großen Spaß gemacht zu lesen, denn es spiegelt eigentlich alles meine Meinung wieder.
    Ich bin ein großer Jeremy Renner Fan, aber konzentriere mich dabei doch eher auf seine schauspielerische Karriere. Klar habe ich mit ihm gefühlt, als seine Tochter geboren wurde, aber ansonsten interessiert mich sein Privatleben eher weniger.

    Die Medien berichten halt gerne sehr einseitig. Wenn bei der o.g. Shakespeare-Vorführung 200 Fans ruhig und gespannt dem Stück folgen würden und nur 1! Fan auf die Bühne rennen würde, wäre doch wieder die Schlagzeile, dass Fans sich nicht benehmen können und so weiter…

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