The Disappearance of Eleanor Rigby: Him + Her

The Disappearance of E.R.2

Ich habe nun drei verschiedene Versionen dieses Filmes von Ned Benson mit Jessica Chastain und James McAvoy gesehen. Them lief vor etwa einem dreiviertel Jahr in der Sneak Preview (ich berichtete), und obwohl – oder eher weil – ich ihn eher mittelmäßig fand, wollte ich unbedingt noch die zwei Einzelversionen sehen. Das ist gar nicht so einfach – die DVDs, die ich nun gefunden habe, stammen aus den Niederlanden (engl. OV mit optionalen niederl./frz. UT), bestellt über amazon.co.uk.

Was ist nun anders bei den zwei Versionen Him und Her? Doppelt sich da nicht sehr viel? Erstaunlicherweise nicht. Der Fokus liegt wirklich jeweils auf „ihm‟ und „ihr‟. Achtung: leichte Spoiler enthalten!

The Disappearance of E.R.1

Him: Wir sehen also zunächst Conors Sicht. Bei ihm geht es mit einem Rückblick auf die Anfänge der Beziehung von Elle und Conor los – die beiden prellen die Zeche in einem Restaurant, rennen weg und landen schließlich im Central Park. Dann gibt es einen Zeitsprung zu der Zeit unmittelbar von Elles Verschwinden. Man merkt, dass irgendwas nicht stimmt mit Elle und mit der Beziehung der beiden. Da gibt es ein paar Szenen, die völlig in der Them-Version fehlen – ich finde, sie tragen aber dazu bei, dass man ein klein bisschen mehr Einblick darin bekommt, was dem Verschwinden vorangeht. In Him kündigt Elle außerdem an, dass sie Abstand braucht, während in Them es so scheint, als sei sie einfach verschwunden, ohne etwas zu sagen. Etwas eher als in der Them-Version erfährt man auch, was für ein tragisches Ereignis hinter der Traurigkeit beider Figuren steht. Dafür wiederum wird erst in Her klar, warum Eleanor im Krankenhaus landet. Es war dann doch etwas schade, dass ich durch Them ja schon gespoilert war. Dieses Unwissen auszuhalten, wäre bestimmt eine interessante Erfahrung gewesen. Sehr gut gefallen haben mir die erweiterten Szenen zwischen Conor und seinem Vater (Ciàran Hinds). Nun gibt es natürlich in beiden Filmen dann Situationen, in denen die beiden aufeinandertreffen, doch diese Szenen kann man erst nach dem Sehen beider Filme bewerten.

Her konzentriert sich folglich völlig auf Eleanor – und beginnt direkt mit ihrem Sprung von der Brücke. Es geht im Folgenden viel darum, wie ihre Familie (in Him hat man nur die Mutter, gespielt von Isabelle Huppert, kennengelernt) damit versucht umzugehen, dass Elle versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Elle gibt ihnen nicht viel Möglichkeiten, da sie weder über den Auslöser, noch über die Tatsache des Suizidversuchs an sich reden mag. Ihr Vater (William Hurt), selbst Psychologe (Psychologie-Professor?), versucht ihr professionelle Hilfe eines Kollegen anzubieten (vergeblich) und ermutigt sie, wieder an die Uni zu gehen, und da besonders die Vorlesungen der Kollegin Prof. Lillian Friedman, die sehr sympathisch und charismatisch von Viola Davis gespielt wird, zu besuchen. Es entwickelt sich eine Art Freundschaft zwischen den beiden Frauen, selbst wenn sich Elle auch ihr gegenüber nicht wirklich öffnet. Sehr schön fand ich auch die Beziehung zwischen Elle und ihrer Schwester Katy (Jess Weixler).

Nun kommt es im Laufe beider Filmen ja auch zu mehreren Aufeinandertreffen zwischen Conor und Eleanor. Das ist insofern höchst interessant, als die Treffen jeweils in den verschiedenen Versionen leicht unterschiedlich ablaufen, sowohl was die Dialoge anbelangt, als auch das Verhalten der beiden. Das geht bis hin zum Ende, das auch unterschiedlich ausfällt. Haben da die Leute geschlampert, die sich um die Continuity zu kümmern haben? Nein, natürlich ist das Absicht, auch wenn es dem Zuschauer selbst überlassen wird, sich eine Begründung dafür zurechtzulegen. Ich habe es so empfunden, dass ja zwei Leute dieselbe Situation oft ganz unterschiedlich in Erinnerung haben. Wie häufig erlebt man das, dass ein Pärchen z. B. vom Urlaub erzählt und dann der eine Partner den anderen unterbricht und sagt, „Aber, das war doch ganz anders…‟ So war das für mich. Oder sind die Filme als zwei verschiedene Möglichkeiten gedacht, wie das Ganze ablaufen könnte? Spielt Her in einem Paralleluniversum zu Him? Food for thought…

Insgesamt fand ich diese Herangehensweise wesentlich interessanter als den konventionellen, zusammengeschnittenen Them. Trotzdem sind mir auch diese beiden Filme irgendwie zu nüchtern, so richtig nah werden mir die Gefühle der Protagonisten nicht gebracht. Das ist wahrscheinlich sogar so gewollt, schließlich wollen beide nicht über das tragische Ereignis in ihrem Leben reden, Nicht miteinander und nicht mit anderen. Nur in einer Szene reden sie tatsächlich darüber – und lassen dabei auch mal ihre Gefühle raus. Sicher gehen viele mit so einem Schicksalsschlag ähnlich um, weswegen ich die Filme realistisch, aber eben irgendwie nicht so richtig zu Herzen gehend finde. Dabei ist – das wollte ich unbedingt noch erwähnen – der Soundtrack von Son Lux richtig gut, insbesondere die jeweils letzten Lieder, die die Stimmung dann doch sehr gut einfangen. Schaupielerisch finde ich übrigens tatsächlich 😮 Jessica Chastain interessanter. James McAvoy als Conor ist zwar schon liebenswert, aber ich finde ihn längst nicht so faszinierend wie in den meisten seiner anderen Rollen. Könnte allerdings auch am Drehbuch liegen, denn die Dialoge sind nicht so überzeugend, wie ich schon in meiner Kritik zu Them erwähnt habe.

Die beiden Einzelversionen erreichen somit eine leicht höhere Wertung – 7 von 10 – aber sehr viel mehr wird es leider auch nicht.

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11 Antworten zu The Disappearance of Eleanor Rigby: Him + Her

  1. bullion schreibt:

    Klingt nach einem wirklich spannenden Konzept! Schon alleine deswegen reizt es mich nun einmal reinzuschauen. Hmm. Da mache ich mir doch einen gedanklichen Merkzettel… 😉

  2. pimalrquadrat schreibt:

    Stimmt, das Konzept liest sich sehr spannend. Andererseits stelle ich es mir auch als schwierig – oder besser anstrengend – vor, dreimal denselben (Ja, ich schlampere hier ein wenig) Film anzuschauen und genug von den Unterschieden parat zu haben, um diese auch reflektieren zu können. Hm…

    • singendelehrerin schreibt:

      „Them“ kann man dann ja getrost weglassen, der war ursprünglich eh nicht geplant. Da tauchte dann nur, nachdem „Him“ und „Her“ auf einem Filmfestival lief, der gute Herr Weinstein auf und bot an, die Geschichte ins Kino zu bringen, wenn aus den beiden Versionen eine gemeinsame zusammengeschnitten wird. Tja, kann ja auch verstehen, dass Ned Benson da nicht nein gesagt hat, aber schade eigentlich, dass man sich nicht traute, die zwei Versionen einem größeren Publikum „zuzumuten“.

      • pimalrquadrat schreibt:

        Ah, ok. Gut, zwei Filme sind auch deutlich eher zu verarbeiten.
        Aber eben, einem geschenckten Film – und damit Einkommen – wird kaum jemand „Nein“ sagen.

  3. mwj schreibt:

    Gibt’s den Film in den verschiedene Fassungen nicht in Deutschland auf DVD? Mich würde der nämlich auch interessieren und zwar alle Versionen.

  4. ginadieuarmstark schreibt:

    Achtung: leichte Spoiler enthalten!

    Verdammt jetzt kann ich nicht mehr weiter lesen 😦 Ich werds anschauen!

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