Podcast: Serial Season 1 (Sarah Koenig)

Das TIME Magazine hat Sarah Koeing in ihre Liste der 100 Most Influential People 2015 aufgenommen, Ewan McGregor schrieb in seiner Laudatio, wie addictive (, was er allerdings sogar noch als Untertreibung bezeichnete,) dieser Podcast war. Zusätzlich dazu hatte ich, wenn ich mich recht erinnere, auf der Lunar Eclipse (Teen Wolf Convention) von den dort anwesenden Schauspielern davon gehört. Und so tippte ich vor ein paar Wochen „serial podcast‟ bei Google ein und fand heraus, dass man die gesamte Season (12 Sendungen) auf serialpodcast.org kostenlos anhören kann. Dafür muss man sich zwar am Anfang und Ende jedes Podcast Werbung für Audible anhören, aber damit kann ich leben. Also habe ich mir die letzten Tage täglich eine (an wenigen Tagen sogar zwei) Sendungen angehört – und freue mich schon auf die nächste Season.

Doch was ist Serial eigentlich? Es ist ein Spin-Off der wöchentlichen Radiosendung This American Life, laut Website einer der erfolgreichsten Podcasts (1 Million Downloads jede Woche). In der ersten Season von Serial rollt Sarah Koenig einen Mordfall in Baltimore, Maryland neu auf. Am 13. Januar 1999 verschwand die Schülerin Hae Min Lee und wurde einen Monat später tot in einem Park aufgefunden. Eine Jury entschied damals, dass ihr Ex-Freund Adnan Syed sie ermordet hatte, der seitdem – lebenslänglich – im Gefängnis sitzt. Doch hat er wirklich den Mord begangen? Er wurde nur auf der Basis von Indizien verurteilt: die Aussage seines „Freundes‟ Jay, der ihm angeblich beim Beseitigen der Leiche geholfen hatte und der wusste, wo das Auto der Toten stand, und das Mobilfunk-Bewegungsprofil von Adnans Handy. Keine DNS, kein Geständnis, kein wirklich überzeugendes Motiv. Sarah Koenig und ihr Team gehen alle Dokumente (Beweismittel, Briefe, Aufnahmen und Protokolle der Vernehmungen bei der Polizei und vor Gericht…) durch, sprechen mit Freunden von Hae, Jay und Adnan, mit ehemaligen Lehrern, mit Experten. Außerdem wird der Zuhörer auch immer wieder Zeuge von Telefongesprächen, die Sarah mit Adnan führt. Wie Sarah selbst ist man immer wieder hin- und hergerissen bezüglich Adnans Schuld oder Unschuld, denn es gibt einfach zu viele Unstimmigkeiten in diesem Fall.

Was macht nun diesen Podcast so hörenswert?

  • Sarah Koenig: Ihre Stimme ist äußerst angenehm und sie kommt ausgesprochen sympathisch rüber. Man kann ihr stundenlang zuhören, sie lässt den Zuhörer auch an ihren Zweifeln teilhaben. Ich stimme hier Ewan McGregor zu, der im TIME Magazine schreibt:

although I knew there were plenty of others listening —the series has been downloaded more than 80 million times—she had an uncanny knack for making me feel like she was talking just to me.

Quelle: time.com

  • Die Originalaudioaufnahmen: Wie faszinierend, einmal echten Verhören „beizuwohnen‟, zu hören, wie echte Polizisten Fragen stellen. Dasselbe gilt für die Ausschnitte aus dem Gerichtsverfahren. Wie viele Gerichtsverfahren habe ich schon in TV-Serien und Filmen erlebt (so viele, dass ich mehr über das amerikanische Gerichtswesen weiß als über das Deutsche), hier aber einmal Mäuschen bei einem echten Verfahren zu spielen, ist schon toll. Ich war auch überrascht, dass all dies öffentlich gemacht werden darf, dass Journalisten alle diese Unterlagen bekommen können.
  • Reine Aufnahme über die Ohren: Ich habe bewusst während der Zeit, in der ich die Podcasts angehört habe, keine Fotos von Adnan Syed und anderen Beteiligten angesehen und kann dieses Vorgehen nur wärmstens empfehlen. Sich ein Bild allein über die Stimmen zu machen, ist höchst spannend. Adnans Stimme und Sprache, z. B., lässt überhaupt nicht auf seine Herkunft schließen (er ist pakistanischer Abstammung), auch wenn sein häufiges „You know what I’m saying‟ und „you know, like…‟ vielleicht ein Hinweis auf fehlende höhere Bildung (schließlich ist er, seit er 17 war, eingesperrt) ist, gleichzeitig aber auch – bei aller Zurückhaltung, was das Zeigen von Gefühlen anbelangt – ein bisschen seine Aufgeregtheit zeigt. Er macht einen netten Eindruck auf mich. Dagegen fand ich beispielsweise die Stimme seiner ehemaligen Verteidigerin vor Gericht ganz furchtbar unsympathisch – wäre ich Teil der Jury gewesen, hätte ich mich sehr bemühen müssen, mich nicht negativ davon beeinflussen zu lassen.
  • Einblick in investigativen Journalismus: Journalisten haben ja manchmal keinen so guten Ruf. Wenn man manchmal sieht, wie sie sich bei Unglücksfällen oder ähnlichem auf die Angehörigen stürzen, immer auf der Jagd nach der besten Story, die sich am besten verkauft, dann steigt schon mal Abscheu auf. Hier jedoch kann man nur staunen, was Sarahs Team alles herausfindet, wie sie jedem noch so kleinen Detail nachgehen, um der Wahrheit etwas näher zu kommen. Das ist bewundernswert – und nicht weniger spannend als in vielen fiktiven Krimiserien, im Gegenteil. Man wünschte fast, selbst eingebunden zu sein in diese Untersuchungen.

Unbedingt anhören!

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10 Antworten zu Podcast: Serial Season 1 (Sarah Koenig)

  1. bullion schreibt:

    Danke für den Bericht! Das bestätigt alle Besprechungen, die ich bisher gesehen und gehört hatte. Ich muss mir dafür auch einmal Zeit freischaufeln, denn aktuell höre ich Podcasts nur beim Autofahren, Joggen, Hausarbeit und manchmal in der Mittagspause… und dafür wäre der wohl echt zu schade.

  2. Schlopsi schreibt:

    Und abgespeichert! Klingt nach einem Podcast, der einen so schnell nicht loslässt. Danke für die Empfehlung!

    • singendelehrerin schreibt:

      Bitteschön! Ich habe heute – nachdem ich gestern die letzte Folge gehört hatte, tatsächlich gleich noch etwas recherchiert. Definitiv ein Fall, der einen noch eine Weile beschäftigt. Nicht weiß er so grausam ist, sondern weil es einfach so schwer ist, sich eine eindeutige Meinung zu bilden.

      • Schlopsi schreibt:

        Wenn Koenig das richtig anpackt, und das scheint sie deiner Meinung ja auch zu tun, dann ist das bestimmt schwer verdaulich. Kenne den Fall ja nicht, aber auf dieses Aufbereitung lasse ich mich gerne mal ein. Zumal mir etwas ähnliches gar nicht bekannt ist. Als mal was neues wagen.

        • singendelehrerin schreibt:

          Es ist jetzt nicht so, dass sehr drastische Dinge über den Mordhergang erzählt werden – selbst die Stellen, bei denen Koenig vorher davor warnt, sind vergleichsweise harmlos. Also, fand ich zumindest. Aber dieses Herantasten an „die Wahrheit“ ist schon spannend. Da die TIME Sarah Koenig auf ihrer Liste bei den „Pioneers“ eingeordnet hatte, nehme ich auch stark an, dass es so etwas in der Art noch nicht gegeben hat.

  3. Miss Booleana schreibt:

    Das kann ich alles genauso unterschreiben, ich fands auch extrem spannend. Wobei ich bezüglich des Endes gespoilert wurde und immer noch nicht weiß, ob ich mit dem Ende so zufrieden bin.

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