Liebster Award (2015) #4

Nachdem ich Anfang des Jahres gleich dreimal den Liebster Award verliehen bekommen hatte, hat mich nun vor ein paar Wochen auch noch Intergalactic Ape-Man von Intergalaktische Filmreisen mit dem Award bedacht und sich 11 sehr interessante Fragen ausgedacht, die ich nun endlich – und sehr gerne – beantwortet habe. Vielen Dank für die Verleihung! 🙂

1. Entgegen der erzählerischen Verdichtung eines Films kann das Format der Serie sich einer Zeitlupe gleich auf jedes Detail eines Momentes stürzen. Was sind deiner Meinung nach die narrativen Vorzüge eines Kinofilms und einer Fernsehserie? Wird dies ausreichend umgesetzt?

Gleich zu Beginn so eine in die Tiefe gehende Frage! Also, vielleicht erstmal zur Fernsehserie, denn die habe ich ja schon in meiner Freitagsfrage aufgegriffen. Aus meiner Sicht gibt es ja prinzipiell drei Formen:

  1. Serien mit abgeschlossenen Episoden („Monster/Murder/Case… of the Week‟),
  2. Serien mit Handlungsbogen, der sich über die gesamte Staffel (oder sogar noch länger) zieht, und
  3. Mischformen.

Insbesondere Serien des Typs 2 kosten es in der Regel richtig aus, eine Geschichte langsam und detailliert zu erzählen. Beste Beispiele für mich: True Detective, Fargo, The Killing, Die Brücke, Broadchurch (Series 1). Zirkusmanege hat das so beschrieben: „Serielles Erzählen ist wie ein guter Roman‟ – das trifft es recht genau. Was Serien außerdem meistens besser können, egal in welcher Form, ist Charakterentwicklung. Wenn ich bedenke, wie sich beispielsweise Cordelia aus Buffy von der oberflächlichen Tussi am Anfang zu der liebenswürdigen Cordy in Angel entwickelt hat; so eine Entwicklung lässt sich in einem einzelnen Film nicht glaubhaft darstellen.

Hm, welche Vorzüge hat dagegen ein Film? Nun, manchmal ist es eben auch spannender, eine Geschichte, wie du schreibst, erzählerisch verdichtet präsentiert zu bekommen. Das haut manchmal so gut hin, dass man komplett für zwei Stunden in einer anderen Welt verschwindet und die Zeit wie im Fluge vergeht, aber manchmal können selbst 1 1/2 Stunden so zäh sein, dass man alle fünf Minuten auf die Uhr schaut (ich sage nur Only God Forgives), von „Verdichtung‟ keine Spur. Für mich ist aber das Hauptargument für Film eigentlich ein ganz anderes: Ich sehe Filme am liebsten im Kino und kann mich da viel mehr in die Welt auf der Leinwand entführen lassen als zu Hause vor dem Fernseher.

2. Seit Beginn dieses Jahrtausends werden Hörspiele gern als Kino für die Ohren gesehen. Beschäftigst du dich mit diesem Format und für welche Hörspiele würdest du diese Bezeichnung anerkennen bzw. für welche nicht? Wären sie auch verfilmbar?

Als Kind und Jugendliche (70er- und 80er-Jahre) habe ich Hörspiele auf Schallplatte (z. B. Hohensteiner Kasper, Kasper Kullerkopf, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer) und aufgenommen aus dem Radio gehört (Per Anhalter ins All, die deutsche Version mit dem großartigen Klaus Löwitsch als Zaphod Beeblebrox). Mein älterer Bruder wurde sogar durch das Anhalter-Hörspiel dazu inspiriert, ein eigenes Hörspiel zu „produzieren‟ – natürlich musste es Science Fiction sein!

Bis vor kurzem hatte ich dann eigentlich gar keine Berührungspunkte mehr mit Hörspielen, bis ich durch schauwerte auf die britische Radio-Sitcom Cabin Pressure (mit Benedict Cumberbatch) und das Hörspiel zu Neil Gaimans Neverwhere (mit James McAvoy und Benedict Cumberbatch) gestoßen bin. Seither habe ich auch das Original Hitchhiker-Hörspiel auf BBC angehört und ein paar andere Hörspiele mit Benedict Cumberbatch. Die meisten Sachen haben mir richtig Spaß gemacht, insbesondere Cabin Pressure ist einfach laughing-out-loud funny! Aber „Kino für die Ohren‟? Das funktioniert vielleicht noch am ehesten mit Neverwhere, dass da vor meinem Auge Szenen entstehen, gleichwohl wäre eine Verfilmung eher schwierig, finde ich. Diese Parallelwelt von „London Below‟ überzeugend rüberzubringen, mag zwar mit heutiger Technik theoretisch möglich sein, aber ich finde nicht, dass hier Film das richtige Medium wäre. Dass der Hitchhiker besser als Buch und als Hörspiel funktioniert, haben wohl sowohl die kurzlebige TV-Serie als auch der Film von 2005 bewiesen.

Ich gebe zu, dass mich Hörspiele aber momentan nur dann interessieren, wenn mir bekannte Schauspieler Sprecher dabei sind.

3. Welches Koch- oder Backrezept war kürzlich so großartig, daß man es bloggen müsste? Warum hast du es nicht getan?

Ich esse zwar sehr gerne, koche und backe aber eher selten und interessiere mich folglich nicht sehr für Rezepte. Ich würde never ever einem Rezept-/Food-Blog folgen, geschweige denn selbst ein Rezept posten.

4. Welche Sparten sprechen dich in den unterschiedlichen Medien wie Roman, Film, Fernsehserie, Hörspiel und Comic an und gibt es hierbei eher Übereinstimmungen oder Unterschiede?

Es gibt weitestgehend Übereinstimmungen zwischen dem, was ich lese und ansehe. So lese ich z. B. ganz gerne (im weitesten Sinne) Fantasy- und Science Fiction-Bücher und habe auch ein Faible dafür, was Filme und Serien anbelangt. Aber dann lese ich auch Autoren wie Paul Auster und Jonathan Franzen, die vielleicht eher zu Filmen aus dem Bereich „Drama‟ passen. Was ich mir allerdings lieber ansehe als lese, sind Krimis und Komödien. Ich greife nur äußerst selten zu einem primär lustigen Buch. Natürlich ist z. B. eines meiner Lieblingsbücher (die „Trilogie in fünf Teilen‟ von Douglas Adams) auch extrem witzig, aber die aktuell schreibenden „lustigen‟ deutschen Autoren reizen mich überhaupt nicht. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass es mich – in allen Medien – zu Englischsprachigem hinzieht.

5. Wie genießt du diese unterschiedlichen Medienformate? (z.B. Film klassisch nur im Kino, Buch im Bett usw.)

Film gehört ins Kino! Ich bin wirklich ein glühender Verfechter des Kinos, allerdings auch erst so stark, seitdem ich in München lebe und ich mir eben die Filme, die ich sehen will, auch ohne großen Aufwand im Original im Kino ansehen kann. Natürlich verpasse ich aber auch Filme im Kino und hole ihn dann im Heimkino nach (in der Regel auf Kauf-DVD oder ausgeliehen von Freunden), oder bin so begeistert von einem Film, dass ich ihn zu Hause nochmals ansehe.

Serien schaue ich primär entweder auf DVD oder auf Amazon Prime, weil ich nur in OV schaue. Ein paar deutsche oder skandinavische Produktionen (vorwiegend Krimis, und den Tatortreiniger) schaue ich noch im Fernsehen.

Ich gestehe, dass ich z. Zt. gaaaaanz wenig lese, habe mir aber für die Ferien vorgenommen, wieder mehr zu lesen. Wenn ich momentan lese, dann tatsächlich meistens im Bett. Auch auf längeren Zugfahrten oder im Flugzeug lese ich gerne. Am schönsten ist es, auf Sylt im Strandkorb zu sitzen und zu lesen, immer das Meeresrauschen und den Wind im Ohr!

Hörspiele und Hörbücher höre ich zum Einschlafen (und auch manchmal im Zug; auf dem Flug nach London „musste‟ ich eine Folge Cabin Pressure anhören).

6. Welche Handlungsorte aus Erzählungen in diesen Medienformaten hast du schon bereist und hast du diese bewusst als solche wahrgenommen?

Als Fangirl habe ich in London bewusst Orte aufgesucht, an denen Sherlock gedreht wurde (siehe HIER und HIER). Und wenn ich doch irgendwann mal nach Neuseeland fliege, werde ich sicher zu einer Reihe von Orten (z. B. Hobbiton) reisen, an denen Der Herr der Ringe gedreht wurde.

In New York, Handlungsort zahlloser Filme, Serien und Bücher (z. B. von Paul Auster), war ich zweimal, allerdings hatte ich auf den Reisen damals weniger das Gefühl, „Ah, hier also spielt der und der Film.‟ Eher ist es so, dass ich mir heute denke, wenn ich Filme oder Serien sehe, die an einem Ort spielen, an dem ich schon war: „Cool, da war ich schon!‟ Und dann fallen mir halt auch Gegensätze auf, z. B. hat es in der 1. Staffel von The Killing, die in Seattle spielt, quasi ununterbrochen geregnet, während ich Seattle im strahlenden Sonnenschein kennengelernt habe.

7. Welche Überschneidungen findest du zwischen deinem ausgeübten Beruf und deiner Tätigkeit als Blogger?

Außer dass ich hier auch Stilblüten aus dem Schulalltag veröffentliche, gibt es eigentlich keine Überschneidungen. Naja, manchmal weise ich andere Blogger auf Tippfehler in ihren Beiträgen hin… 😉

8. Welcher Blog hat dich zuletzt positiv überrascht bzw. hat den Weg in deinen Reader oder deine Blogroll gefunden? Warum?

Zuletzt habe ich Miss Booleana in meine Blogroll aufgenommen, die ich zwar schon seit längerem kenne (und die mir auch schon seit 11 Monaten folgt), aber der ich jetzt erst durch ihre Teilnahme an meiner Blogparade 6×6 endlich auch selbst folge. Ich hatte vorher, ehrlich gesagt, gezögert, weil ich kein ausgesprochener Fan von Manga und japanischer Kultur bin. Ich habe auch nichts dagegen und interessiere mich durchaus auch partiell für asiatische Kultur, aber ich bin halt nun mal Amerikanistin und Anglistin first and foremost.

Eine meiner neuesten Entdeckungen im Sinne von „Ich habe den Blog entdeckt und ihm angefangen zu folgen, bevor MIR gefolgt wurde‟ ist jedoch jacker’s 2 cents, der mich fasziniert hat, weil er sehr ausführliche und vortrefflich formulierte Filmreviews schreibt. Es sind auch mehr diese Beiträge, die mich auf diesem Blog interessieren, aber er hat auch noch viel zu Musik (u.a.) zu bieten. Ich war eine der ersten Follower, so viel ich weiß, inzwischen hat er 15; ich finde, er verdient noch mehr! 🙂

9. Wieviele Blogs verfolgst du derzeit aktiv und ist dies eher ein auf- oder absteigender Trend?

Aktiv ist ein dehnbarer Begriff… Ich verfolge 19 Blogs, was ein deutlich aufsteigender Trend ist, denn anfangs wollte ich eigentlich nur meine eigenen Sachen schreiben, nicht anderer Leute Blogs lesen oder gar dort kommentieren. Ich komme allerdings nicht wirklich dazu, alle Beiträge auf diesen Blogs auch zu lesen, geschweige denn, überall zu kommentieren. Da ich eine „Like‟-Verweigerin bin, bedeutet es allerdings nicht automatisch, dass ich den Artikel langweilig, uninteressant, irrelevant finde, wenn ich Beiträge nicht like.

Es gibt eine Reihe von Blogs, bei denen ich etwas regelmäßiger kommentiere, das sind so fünf bis sieben, die mir aus verschiedenen Gründen besonders am Herzen liegen (ähnliche Vorlieben, z. B. für englisches Theater, Tolkien oder Joss Whedon, oder die Blogger sind mir persönlich bekannt, etc.).

10. Wie wichtig ist für dich Uhrzeit und Datum für die Veröffentlichung eines Blogposts?

Ich veröffentliche dann, wenn der Post fertig ist, oder wenn mir eine Stilblüte oder ein Fundstück quasi auf die Tastatur fällt. Taktische Überlegungen, wie „lieber erst morgen posten, als zwei Posts an einem Tag‟, oder eine späte Uhrzeit sind mir völlig egal. Einzig, wenn ich eine Blogparade selbst starte, überlege ich, ob die Zeit dafür schon „reif‟ ist. Ich habe z. B. schon wieder zwei Ideen, will aber nicht so kurz nach der letzten schon wieder euch mit einer Aufgabe herausfordern. Viele – auch ich – haben ja manchmal schon Schwierigkeiten, ihre eigenen Reviews zeitnah zur Sichtung zu posten (Große Ausnahme ist da ja bullion, der seine Reviews immer sofort nach der Sichtung schreibt. Bewundernswert!), da muss ja nicht noch alle paar Wochen eine Blogparade anstehen…

11. Was oder welcher Artikel gefällt dir an/auf Intergalaktische Filmreisen am besten?

Hehe, sehr geschickte Frage! 😉 Ich gebe zu, dass ich (noch) keine regelmäßige Leserin deines Blogs bin, und so muss ich da erstmal deinen äußerst differenzierenden Beitrag zu meiner oben genannten Blogparade herausheben. Überhaupt finde ich deine Art, die Dinge zu analysieren (auch in Kommentaren) äußerst herausfordernd. Da muss man richtig mit- und nachdenken – das finde ich spannend und gleichzeitig auch ein bisschen anstrengend (soll hier nicht negativ gemeint sein). Deswegen habe ich z. B. auch mit meiner Antwort auf deinen Kommentar bei mir zur Freitagsfrage #12 so lange gewartet… und auch diese 11 Fragen hier waren nicht in fünf Minuten zu beantworten, aber es hat – vielleicht gerade deswegen – sehr viel Spaß gemacht, mir dazu Gedanken zu machen und sie auch zu „Papier‟ zu bringen. Danke dafür! 🙂

So, ich hatte ja schon einmal 11 Fragen dann an weitere Blogger gerichtet, und werde mir also nicht noch einmal 11 Fragen und genauso viele Blogger aussuchen. Wer meine damaligen Fragen noch nicht beantwortet hat, darf sie sich gerne schnappen! 🙂

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5 Antworten zu Liebster Award (2015) #4

  1. bullion schreibt:

    Sehr schöne und ausführliche Antworten. Ist für mich besonders interessant, da ich die gleichen Fragen ja erst letzte Woche beantwortet habe. Du warst schon in Seattle? Cool! Da wollte ich früher auch immer unbedingt hin, weil „Shadowrun“ dort seinen Hauptschauplatz hatte… ist aber schon ewig her! 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke! 🙂

      Seattle ist meine Lieblingsstadt in den USA. Ich war dort einmal Mitte der 90er Jahre, als ich zwei Monate im Mount Rainier National Park (im Paradise Inn: http://farm4.static.flickr.com/3217/2785343957_c2abc84ec6_o.jpg) arbeitete, und dann nochmal 2003 (2011 kam ich zwar am Sea-Tac an, hatte aber ansonsten andere Ziele, u.a. Vancouver, B.C.). Überhaupt ist Washington State eine Reise wert!!! Mt. St. Helens, Olympic National Park… Hach, da werde ich gleich etwas wehmütig…

  2. Miss Booleana schreibt:

    Danke für die Erwähnung! Ich freue mich sehr, dass ich in deinen Blogroll gewandert bin und dass du jetzt meinen Followern gehörst 😀 ebenso freue ich mich sehr über die Kommentare. Schreck bitte nicht vor dem Manga- und Asia-Wahn bei mir zurück. Es ist auch nur eine Form des Fangirling 😉 und man kann es ja gut umgehen, meistens dreht es sich ja doch bei mir um Filme.

    Ach – das ist ja auch spannend, warum bist du eigentlich eine Like-Verweigererin?

    • singendelehrerin schreibt:

      Gern geschehen! 🙂 Das mit dem Fangirling hab ich durch deinen Artikel zur Buchmesse schon gemerkt… 😉

      Zum Liken: Ich will nicht *überall* im Netz meine Spuren hinterlassen. Und da diese „Like“-Geschichte ja primär durch Facebook aufgekommen ist, dessen Ziel des „gläsernen Menschen“ (bewusst übertrieben) ich nicht folgen will, verweigere ich mich dem „like“-Button auch in der Bloggerwelt. Selbst wenn ich hier nicht unter meinem Klarnamen poste – ich denke, er ist relativ leicht herauszubekommen, wenn man meine Beiträge und Kommentare genau liest. Ich weiß, es ist etwas inkonsequent, dass ich mich natürlich trotzdem über Likes freue, noch lieber ist mir allerdings ein Kommentar, denn so ein „like“ ist ja schnell hingeworfen, dafür brauche ich nicht mal den Beitrag zu lesen. Ich habe ein paar Leser, die nie kommentieren, da freue ich mich deswegen schon über das „like“, weil es eben eine Form des Feedbacks ist.

      ICH versuche eben, meine Wertschätzung durch Kommentare auszudrücken, bin da aber nicht so gut wie bullion, z. B., dem fast IMMER was einfällt…

      • Miss Booleana schreibt:

        Ja, kann ich verstehen. Ich habe Kommentare eigentlich auch lieber. U.A. auch weil man nur vom Like jetzt nicht weiß, ob dass ein „Solidaritäts-Like“ ist. Oder vielleicht auch nur ein „Folge-mir“-Like. Oder ein … was-weiß-ich-like. Beim Kommentar kommt zumindest eine Unterhaltung zustande. Andererseits kommentiere ich auch nicht immer, weil es nix zu sagen gibt und der Artikel schon alles auf den Punkt gebracht hat oder 😉 Dann kommt mir der Like Button gerade recht 😀

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