Krimi-Serien: Die Brücke – Transit in den Tod (Bron/Broen) und Broadchurch – Kurzkritik

Es fällt mir grundsätzlich schwerer, Serien zu besprechen, weil es aus meiner Sicht fast unmöglich ist, zehn Stunden oder mehr in einem Beitrag wirklich gerecht zu werden. Wenn man bedenkt, wie lange ich schon manchmal bei einem 2-stündigen Film brauche… Deswegen nur hier nur Kurzkritiken zu zwei europäischen Krimiserien, die ich in der letzten Zeit angesehen habe. Was Krimis anbelangt, haben mein Freund und ich ein Faible für skandinavische und britische Produktionen, deswegen hier auch diese auf den ersten Blick ungewöhnliche Mischung.

Die Brücke – Transit in den Tod (Bron/Broen), Staffeln 1 und 2

Die Ausgangsidee für die erste Staffel ist klasse: eine Leiche liegt genau mit der einen Hälfte auf der dänischen Seite der Öresundbrücke, und mit der anderen auf der schwedischen Seite.


Also muss die schwedische Kommissarin Saga Norén (Sofia Helin) mit ihrem dänischen Kollegen Martin Rohde (Kim Bodnia) zusammenarbeiten.

Quelle: moviepilot.de Szenenbild aus Staffel 2

Was mir am besten an der Serie gefällt, sind die gegensätzlichen Charaktere: Saga hat autistische Züge, Smalltalk, höfliches Lachen über einen Witz, den man selbst nicht lustig findet und Diplomatie sind ihr fern. Sie scheint auf den ersten Blick gefühlskalt und rücksichtslos, richtet sich immer nach den Regeln. Es ist fantastisch, wie Sofia Helin dies spielt (auch wenn ich mir ihre Originalstimme noch nicht angehört habe). Wenn man Privatfotos der Schauspielerin mit ihrem Look in der Serie vergleicht, glaubt man förmlich nicht, dass das dieselbe Person ist. Dadurch, dass sie überhaupt nicht geschminkt ist, fällt auch ihre Narbe, die sie sich wohl bei einem Fahrradsturz während des Schauspielstudiums zugezogen hatte, ziemlich stark auf.

 

Quelle: da.wikipedia.org

Ihr Kollege Martin ist ganz anders gestrickt, zum erneuten Male verheiratet, aber auch anderen Frauen nicht abgeneigt, impulsiv. Und trotzdem arbeiten die zwei sehr gut zusammen, und es entwickelt sich auch eine Art Freundschaft, wenn auch etwas unkonventionell.

Die beiden sind also der Dreh- und Angelpunkt, und man bekommt auch einigen Background von den beiden geliefert, es geht also nicht nur um den jeweiligen Fall, irgendwie ist immer auch ihr Umfeld involviert. Im Fernsehen wurden wohl jeweils 10 Folgen à knapp 60 Minuten ausgestrahlt, auf DVD wurden daraus fünf Folgen, die eben jeweils fast zwei Stunden lang sind. Das ist toll, wenn man am Stück etwas länger der Entwicklung folgen kann. Es gibt wohl Kritik daran, dass die Fälle arg verworren sind, dass es zuviele Handlungsstränge und Personen gibt, die dann erst gegen Ende zusammengeführt werden. Ich fand das spannend. Keine Staffel kommt mit nur einer Leiche aus und beide Staffeln enden äußerst dramatisch. Gerade das Ende der 1. Staffel hat mich eiskalt erwischt – puh!

Ich kann die Serie wärmstens empfehlen, wenn man ganz gern skandinavische Krimis sieht: Sehr gut gezeichnete Charaktere, die nicht nur eine Außenfassade haben (so wie viele Tatort-Ermittler), verwickelte Fälle, dramatisches Finale.

Broadchurch, Series 1

Quelle: broadchurch.wikia.com

Ich bin kein Doctor Who-Fan, auch wenn mir die Fans dieser Serie irgendwie sympathisch sind, und so habe ich David Tennant erst richtig durch seinen Theaterauftritt in Richard II schätzen gelernt. Aber seitdem weiß ich: der Junge hat was drauf, und es lohnt sich, mehr von ihm anzusehen. Eigentlich wollte ich die Serie zusammen mit meinem Freund ansehen, aber seitdem ich mir mal eine Folge vorab angeschaut habe, um abschätzen zu können, ob sie auch was für ihn ist, konnte ich leider nicht warten und „musste‟ die acht Folgen Stück für Stück nachmittags nach der Schule durchschaun.

Aber das lag nicht nur an Tennant, der DI (Detective Inspector) Hardy spielt, sondern an allen Charakteren, der herzzerreißenden Story (der 11-jährige Junge Danny wurde ermordet), und dem Drehbuch, das einen nie auf die richtige Fährte führt. Auch die Kameraführung ist oft recht suggestiv, lässt den Blick über all jene schweifen, die irgendetwas zu verbergen scheinen, sodass man, wie Hardy es seiner Kollegin Ellie Miller (Olivia Colman) empfiehlt, niemandem traut und den Mord fast jedem zutraut. Man könnte den Machern allerdings vorwerfen, dass sie ein paar Fährten zu viel legen – denn die endgültige Auflösung ist dann so überraschend und schockierend, dass man überlegt, ob es für DIESE Wendung eigentlich irgendwelches Foreshadowing gab. Mir fiel nichts ein. Und doch wird am Ende die Frage gestellt: „How could you not have known?‟ Das ist ja die ewige Frage bei solchen Geschichten – hätten die Angehörigen nicht etwas mitkriegen müssen?

David Tennants DI Hardy ist nicht ausgesprochen sympathisch, wobei man aber nach und nach auch zu ihm Hintergründe erfährt, die ihn in ein leicht anderes Licht rücken. Er spielt einen Schotten, erfreut also durch seinen Akzent. Als Hardy keine Fish&Chips essen will, fragt ihn Miller „What kind of a Scot are you?‟ – Sehr schön.

Olivia Colman gefällt mir auch sehr gut, eine ganz natürliche Schauspielerin, das ist immer wieder etwas, das mir bei britischen Serien gefällt. Überhaupt hat mir die Besetzung sehr gut gefallen.

Das Einzige, das mir ein bisschen zu häufig als Stilmittel eingesetzt wird, ist die Zeitlupe. Ja, irgendwie passt es auch zu den Situationen, aber es hat sich als regelmäßiges Feature etwas abgenutzt. Das kann natürlich anders wirken, wenn man jede Woche nur eine Folge sieht, statt jeden Tag ein bis zwei…

Ich bin gespannt, wie sie nach diesem Schluss in der zweiten Staffel weitermachen wollen – bei amazon.co.uk ist allerdings die Series 2 deutlich schlechter bewertet als die erste. Ich werde sie mir wohl trotzdem besorgen, irgendwie will ich wissen, wie’s in Broadchurch weitergeht. Und diese tollen Klippen!

Quelle: dailymail.co.uk

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18 Antworten zu Krimi-Serien: Die Brücke – Transit in den Tod (Bron/Broen) und Broadchurch – Kurzkritik

  1. zirkusmanege schreibt:

    Die Brücke klingt wirklich interessant. Ich hab davon gehört, weil es ja ein amerikanisches Remake mit Diane Kruger gibt (Die Grenze ist dann zwischen den USA und Mexiko). Hmm, werd ich mir auf jedenfall merken!

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich mag halt die gute Diane Kruger eigentlich gar nicht, weswegen ich mir die amerikanisch-mexikanische Version sparen werde, auch wenn ich Krugers Gegenpart Demian Bichir ganz interessant finde (spielte z. B. in „Weeds“).

  2. bullion schreibt:

    Klingt gut, habe auch schon viel Gutes darüber gehört – und doch reizen mich die beiden Serien vorerst noch nicht wirklich. Hmm, irgendwann vielleicht mal… 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Du bist ja auch nicht soooo der große Krimifan, oder? Hast dich ja – trotz meiner glühenden Kritik – auch nicht „dazu herablassen“ 😉 können, den einen tollen Tatort („Im Schmerz geboren“) zu sehen.

      • bullion schreibt:

        Bei „Tatort“ hört die Liebe auf, das geht gar nicht. Einzig beim Franken-Tatort muss ich mich wohl zu einer Sichtung herablassen… 😉

        • singendelehrerin schreibt:

          Seufz… Ich bin ja auch keine überzeugte Tatort-Guckerin, aber dieser eine würde, mit ziemlicher Sicherheit, auch dir gefallen! 😉 Aber gut, es gibt halt dann doch für jeden Grenzen… 😉

  3. Nummer Neun schreibt:

    Die Brücke hat mir auch sehr gefallen. Tolle Atmosphäre, sollte man aber vielleicht lieber im Herbst oder Winter schauen 🙂

    Über Broadchurch habe ich bisher auch viel gutes gehört. Startet wohl demnächst auch im ZDF und werde da mal rein schalten.

    • singendelehrerin schreibt:

      Hm, da hab ich jetzt gar nicht so drauf geachtet, ob „Die Brücke“ zur Jahreszeit gepasst hat… Ich glaube aber, die erste Staffel haben wir eher im Sommer bzw. Frühherbst gesehen…

      Was ist denn eine Serie für Frühling und Sommer für dich? 😉

    • Nummer Neun schreibt:

      Broadchurch – grade zu Ende geschaut: Ganz große Klasse! Das lässt einen ziemlich sprachlos zurück!

      (aber ich frage mich, wie man daraus eine zweite Staffel machen will)

  4. butmadnorth schreibt:

    Broadchurch Series 1 war großartig. Leider kann ich das nicht über Series 2 sagen 😦 Sie hätten es bleiben lassen sollen, aber die Gier ist halt ein Hund. Series 3 ist schon confirmed. Oy vey.

  5. pimalrquadrat schreibt:

    Broadchurch hat meine Mutter sehr begeistert geschaut. Vielleicht hätte ich ihrer Empfehlung folgen sollen? 😳
    Die Brücke hört sich auch spannend an. Aber wann die Zeit finden, all das zu schauen?

    • singendelehrerin schreibt:

      Du hast schon recht, man kann nicht alles sehen. Zumal, wenn man, wie du, auch noch zocken muss und viel liest. 😉 Ich gebe zu, dass ich z. Zt. gar nichts lese (Hörbücher zum Einschlafen zählen ja irgendwie nicht so recht. Ich hab übrigens jetzt doch mal die Funktion entdeckt, mit der ich einstellen kann, wie lange das Hörbuch läuft…), dafür kann ich halt mehr ansehen.

      • pimalrquadrat schreibt:

        Ja, mit den drei Medien wird es noch viel mehr, das stimmt. Auch wenn es immer Phasen gibt, in denen ich auch einfach ein paar Tage nichts lese, oder ein, zwei Wochen nicht zocke. Bei den Serien, die im TV laufen, da ist immerhin eine Art von Regelmäßigkeit drin, was auch seine positiven Seiten hat.

        PS: Das mit den Hörbüchern ist doch schon mal ein Fortschritt! 🙂

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