Jahresrückblick #5: Die Singende Lehrerin in Aktion

Die Schwester meines Opas hatte schon, ganz modern, ein Aufnahmegerät. Ob es diese Tonaufnahmen von mir noch gibt?

Die Schwester meines Opas hatte schon, ganz modern, ein Aufnahmegerät. Ob es diese Tonaufnahmen von mir noch gibt?

2014 war ein Jahr, das Träume erfüllt, aber auch zerstört hat.

Zunächst zu den großen Chor-Projekten (MünchenChor/Pro-Musica-Chor/Chor der Friedhelm Schnitzler Musikstiftung):

Carmina Burana

Schon im Herbst und Winter 2013 habe ich einen Traum verwirklichen können, den ich insgeheim schon als Jugendliche hatte: ich habe die Carmina Burana von Carl Orff gesungen! Bei den ersten zwei Konzerten 2013 haben wir das Stück in „kleiner Besetzung‟ aufgeführt, d.h. kleiner Chor (ca. 40), Schlagwerk und zwei Flügel.

Am 16. Februar 2014 haben wir dann in großer Besetzung (ca. 100 Sängerinnen und Sänger, dafür allerdings ohne Kinderchor) mit den Münchner Symphonikern unter der Leitung von Olivier Tardy in der Stuttgarter Liederhalle die „Carmina‟ zur Aufführung gebracht – auch ein tolles Erlebnis! Ich kannte die Liederhalle ja schon von den drei Live-to-Projection-Konzerten (Herr der Ringe – Die Gefährten) zu Ostern 2013, aber diesmal thronten wir weit über dem Orchester. Und mit den Münchnern Symphonikern aufzutreten ist sowieso immer ein Erlebnis – manchmal kann ich das immer noch nicht so recht fassen, dass ich mit so einem exzellenten Profi-Orchester in solch schönen Konzertsälen auftreten darf! Im Sommer dann (16. + 17. Juli) haben wir das Ganze noch einmal im wunderschönen Brunnenhof der Residenz aufgeführt – nach anfänglichen Schwierigkeiten wegen des beengten Raums auf der Bühne, habe ich auch diese Konzerte richtig genießen können, zumal ich manche Stücke schon fast auswendig singen konnte. Dann kann man noch ganz anders mitgehen und sich viel mehr auf den Dirigenten konzentrieren!

Was ich von diesen Konzerten vor allem mitgenommen habe, ist, wie wichtig die richtige Körperspannung beim Singen ist. Leider fällt es mir immer noch etwas schwer, dies auch beim Singen anderer Lieder umzusetzen.

Gladiator – Live to Projection

Die große Enttäuschung! Nachdem ich ja ohnehin schon so traurig war, dass der MünchenChor für weitere Herr der Ringe – Live to Projection Aufführungen nicht mehr engagiert würde, dachte ich, einen kleinen Trost durch die Mitwirkung bei Gladiator zu finden. Denkste! Nach fünf Proben wurden wir durch einen größeren Chor aus Prag ersetzt. Gnädigerweise haben wir dann für die Aufführung Freikarten bekommen. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, dann nur im Publikum sitzen zu dürfen. Das Traurigste an der ganzen Geschichte aber ist, dass das wohl insgesamt das Aus für zukünftige Film-Projekte für diesen Projektchor war. 😦 Und ich hatte davon geträumt, (fast) jedes Jahr in der Philharmonie große Filmmusik singen zu dürfen…

Das andere Weihnachtsoratorium: Herzogenberg neu entdeckt

Alle Welt kennt das Weihnachtsoratorium von Bach (heißt es zumindest), aber das Kirchenoratorium „Die Geburt Christi‟ von Heinrich von Herzogenberg kennen wohl die wenigsten. Ein Grund, es einmal zur Aufführung zu bringen. Das hat der Chor der Friedhelm Schnitzler Musikstiftung, zusammen mit einem Kinderchor (Musikschule Ebersberg), dem Ensemble Nymphenburg (Streichquintett) und diversen Solisten (Gesang, Oboe, Orgel) am 28.12. während des Wintereinbruchs in der Kirche St. Benno getan. Mal abgesehen von der Kälte und der missglückten Generalprobe (direkt vor dem Konzert) hat es mir große Freude bereitet, dieses Werk zu singen. Es wird davon auch eine CD geben – falls die was geworden ist, kann ich vielleicht mal ein Stück hier zu Gehör bringen. Einstweilen müsst ihr euch mit Fotos begnügen.

Der Schulchor

Ich weiß nicht, ob allen bekannt ist, die hier mitlesen, dass ich absolute Autodidaktin bin, was das Singen und Musikmachen anbelangt. Ich singe und musiziere einfach schon seit ich denken kann (siehe Foto oben), und seit meinem zehnten Lebensjahr habe ich das auch in verschiedenen Formationen getan. Nichts Weltbewegendes: eine Kirchenband, Backgroundsängerin in der ersten „Popband‟ meines Bruders (eigene Songs), (zwei oder drei Auftritte als) Sängerin in einer Coverband (Rock/Pop). Dann kam ich nach München an meine neue Schule und habe festgestellt, dass es keinen Musiklehrer an der Schule gab. Also habe ich kurzerhand das musikalische Leben in die Hand genommen und leite seitdem den „Chor‟, der aber meist kaum mehr als ein Ensemble ist, da unsere Schule relativ klein und die Fluktuation hoch ist (Fachoberschule). Seit ein paar Jahren versuche ich auch, Instrumentalisten mit einzubauen (dazu hole ich mir allerdings immer etwas Hilfe; da ich selbst kein Begleitinstrument spiele, kann ich dem Gitarristen höchstens sagen: „Du, das klingt falsch!‟). 2012 gab es einen ersten Höhepunkt mit der Aufführung von Queens „Bohemian Rhapsody‟ von Chor und Band auf der Abifeier, letztes Jahr gab es das erste Mal eine Co-Produktion mit der Theatergruppe, bei der wir unter anderem „Skyfall‟ präsentiert haben. Eine wahre Kraftanstrengung, eine ziemlich üble Generalprobe, aber mit dem Ergebnis war ich total zufrieden, immer auch mit einem etwas ungläubigen Staunen, dass ich Laie (gibt es eine weibliche Form von diesem Wort? Laiin???) sowas auf die Beine stellen kann.

Das neue Schuljahr lässt sich noch etwas zögerlich an, einige Schüler haben die Schule verlassen, doch der Nachwuchs fehlt noch etwas. Dafür kommen doch tatsächlich zwei ehemalige Schüler ab und zu zu den Proben und haben auch beim Weihnachtsbasar mitgesungen. Das ist so schön, insbesondere weil mein einziger Sänger (wunderschöne Stimme, singt auch bei der Dommusik) mir somit noch ein bisschen erhalten bleibt.

Mein (Ex-)Vokalensemble

Seit Winter 2008 sang ich in einem kleinen Ensemble (Doppelquartett), in dem wir eigenständig sehr unterschiedliche Songs (von den Comedian Harmonists bis zu Joe Cocker (R.i.P.)) einübten und dann zur Aufführung brachten (alle zwei Jahre zwei Konzerte). In diesem Rahmen habe ich z. B. „Into the West‟ als Solo mit Klavierbegleitung gesungen. Nach den letzten Konzerten im Mai sind drei der wichtigsten Mitglieder ausgetreten, u. a. unser Klavierspieler und Arrangeur. Schon damals fürchtete ich, dass es nun mit dem Ensemble zu Ende gehen würde oder das Einproben eben nur an mir hängenbleiben würde. Nachdem wir neue Interessenten zum Mitsingen gefunden hatten, wollte ich dem Ganzen nochmal eine Chance geben, aber ich habe nicht wirklich gesehen, wie wir auf ein annähernd ähnliches Level kommen sollten wie zuvor, ohne jemand, der bei der Probe auch begleiten kann oder Stimmen vom Blatt vorspielen kann. Ich gebe jetzt mal an und sage, dass ich, auch durch die ganzen neuen anspruchsvollen Chorprojekte, schon relativ schnell vom Blatt singen kann, aber ich wollte und konnte das nicht für alle Stimmen übernehmen und damit quasi die Vorarbeit für alle anderen. Das mache ich ja schon mit meinem Schulchor, in der Freizeit gebe ich gerne die Verantwortung ab und konzentriere mich auf meine Stimme. Also habe ich ein paar Wochen vor Weihnachten einen Schlussstrich gezogen. Schon auch mit einem weinenden Auge, aber letztlich fühlte ich mich auch ein Stück weit befreit, denn in den Wochen bis dahin, war die dienstägliche Probe eher ein lästiger Pflichttermin.

Ich hoffe allerdings schon, dass sich in irgendeiner Weise wieder eine Möglichkeit ergibt, in einem kleineren Ensemble zu singen, denn ich mag es schon auch, wenn meine Stimme wichtig ist und man sie raushört… 😉

Meine Kirchenband

Seit ich in München lebe (September 2005), beschränken sich die Auftritte mit unserer Kirchenband auf höchstens eine Hand voll im Jahr. Was vor vielen Jahren als eine Art Kinderchor mit Blockflöten und Westerngitarren in unserer Gemeinde begonnen hat, haben zwei meiner Geschwister und ich, zusammen mit einem Freund, der bei uns die Percussion übernimmt, bis zum heutigen Tage fortgesetzt. Wir sind auf jeden Fall länger zusammen als die Fantastischen Vier! 😉 Unsere Stärke ist der mehrstimmige Gesang und das vielseitige Arrangement der Lieder (nennt sich „Neues Geistliches Lied‟), wobei hier der Percussionist auch oft auftrumpfen kann. Warum ich diese Band heute das erste Mal erwähne, ist die Tatsache, dass ich euch zwei kleine Soundbits aus zwei von uns musikalisch gestalteten Gottesdiensten bieten möchte (Live-Aufnahmen; nicht perfekt – wir sind alle Laien!!!). Es sind jeweils keine kompletten Lieder, sondern jeweils nur eine Strophe.

Zufälligerweise sind das beides schwedische Lieder – die EINZIGEN schwedischen Lieder, die wir in all den Jahren je gesungen haben. Falls jemand schwedisch spricht, möge er oder sie über die Aussprachefehler hinwegsehen…

Der erste Soundschnipsel ist ein Solo von mir, kein NGL, sondern „Gabriellas Sång‟ aus dem Film Wie im Himmel. Ich hatte dieses Lied schon mit meinem Ensemble gesungen, aber heuer jetzt das erste Mal mit Mikrofon. Ihr dürft die erste Strophe und den ersten Refrain hören… 🙂


Das zweite Lied, „Jul, jul‟ ist ein schwedisches Weihnachtslied, das wir an Heilig Abend in der Kindermette zur Kommunionausteilung gesungen haben. Wir haben beschlossen, dass es das letzte Mal für unsere Band war, dass wir in der KINDERmette spielen – jetzt sollen mal Jüngere ran; immerhin gibt es bei uns in der Gemeinde vier (!) Bands. Wir waren die Vorreiter damals… (Achtung: ich weiß nicht, warum, aber bei mir übersteuert das jetzt etwas beim Abspielen… Also lieber etwas leiser drehen. ;))

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4 Antworten zu Jahresrückblick #5: Die Singende Lehrerin in Aktion

  1. bullion schreibt:

    Auch wenn ich kein Wort verstehe: Klingt toll!

    Warum aber singst du schwedische Lieder? 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke! 🙂

      Also, „Gabriellas Sang“ ist einfach einer schönsten Lieder aus einem Film, in dem Fall eben aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“. Kennst du den nicht? Toller Film!!! Das Lied wird von einer Frau gesungen, die von ihrem Mann schlecht behandelt wird und hat solche Zeilen, wie „Ich will glücklich leben“ und „Ich will sagen, dass ich mein Leben gelebt habe“ – ein sehr bewegender Moment im Film. Irgendwann hab ich mir dann die Originalnoten besorgt und seitdem habe ich das schon in verschiedenen Variationen gesungen: mit meinem Schulchor dreistimmig, mit meinem Vokalensemble vierstimmig (mit und ohne Klavierbegleitung), Solo (mit Live-Klavierbegleitung oder Backing Track). Der Gottesdienst, in dem ich das Lied zur Kommunion gesungen habe, hatte das Thema „Wie im Himmel“ oder „Weißt du wo der Himmel ist“, und da dachte ich, das passt gut. Übrigens eine herzerwärmende Szene am Ende des Gottesdienstes: da kam eine Frau aus der Gemeinde auf mich zu (vom Sehen war sie mir bekannt) bedankte sich für das Lied und fragte, ob sie mich umarmen dürfte. 🙂

      Das schwedische Weihnachtslied hatte meine Schwester mal bei einem Konzert gehört und sich danach gleich die Noten besorgt. Mein Bruder hat sich dann verschiedene Aufnahmen auf YouTube angehört und dann noch einen schöneren Chorsatz gefunden.

  2. mwj schreibt:

    Wo bleibt deine erste CD? 😉

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