The Theory of Everything (dt. Die Entdeckung der Unendlichkeit, James Marsh, UK 2014)

Quelle: The Guardian

Es ist schon interessant: die beiden britischen Schauspieler, die ich schon als Stephen Hawking gesehen habe, sind heuer beide für einen Golden Globe nominiert, wenn auch nicht beide für ihre Darstellung als Hawking. Benedict Cumberbatch verkörperte Hawking in der gleichnamigen BBC-Produktion vor 11 Jahren – und ist nun für die Darstellung einer weiteren realen Person (Alan Turing) in The Imitation Game nominiert. Eddie Redmayne dagegen gelangte für seinen Hawking in The Theory of Everything auf die Liste der Nominierten. Wenn ich nun die beiden Hawking-Performances vergleiche, was mir etwas schwer fällt, weil ich Benedict Cumberbatch in dieser Rolle nicht mehr so präsent habe, muss ich sagen, dass mich fast Eddie Redmayne mehr beeindruckt hat. Allerdings ist es so, dass ich von BC ohnehin nichts anderes als Perfektion erwarte, weswegen er mich vielleicht auch nicht mehr so leicht umhaut.

Nun also zu Eddie Redmayne und Felicity Jones, die die Liebesgeschichte zwischen Stephen und seiner ersten Frau Jane auf die Leinwand zaubern. Der Film basiert auf dem autobiografischen Buch von Jane Hawking, Travelling to Infinity: My Life with Stephen, und stellt die Beziehung zwischen den beiden in den Fokus. Man muss sich einmal vorstellen, die beiden haben sich erst kurz bevor bei Stephen amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert wurde, kennengelernt! Trotz der Aussicht auf nur noch 2 Jahre Lebenserwartung, die die Ärzte Stephen prophezeit hatten, blieb Jane bei ihm, heiratete ihn, bekam drei Kinder mit ihm und war bis 1990 an seiner Seite.

Der Film zeigt die schönen Seiten – das Kennenlernen, die ersten wissenschaftliche Erfolge Hawkings, die unermüdliche Kraft von Jane, die das Leben mit Stephen und seiner Behinderung ihr abverlangte – aber auch, wie die Ehe dann doch zerbricht. Nun habe ich gerade im Guardian gelesen, dass der Drehbuchautor wohl ziemlich viel an der Story, die Jane Hawking in ihrem Buch erzählt, geändert hat, was wohl manches beschönigt und/oder verfälscht. Funktioniert hat der Film für mich trotzdem. Ich war gerührt, aber auch fasziniert, und zwar sowohl von der Aufopferungsbereitschaft und Liebe von Jane, als auch von der Art und Weise wie Stephen gelernt hat, mit seiner Behinderung zu leben und mit seinem wachen Geist und Humor die Menschen in seinen Bann gezogen hat – so weit, dass er ja sogar ein zweites Mal geheiratet hat!

Je mehr sich das Krankheitsbild Hawkings verschlimmert, desto mehr verschwindet Eddie Redmayne – es ist absolut bewundernswert, wie er es schafft, dass man meint, man sehe den echten Hawking, der ja schließlich, entgegen der Prognosen seiner damaligen Ärzte, noch immer lebt. Eddie sagte auch vor kurzem bei Graham Norton, dass ihn das quasi monatelang nicht schlafen ließ, dieser Verantwortung, diese noch lebende Ikone glaubhaft darzustellen, gerecht zu werden. Dazu kam noch, dass er Stephen Hawking ja auch kennenlernen durfte – und wie er sich dabei blamiert hat. Er erzählte, dass eine spontane Konversation mit ihm ohnehin nicht einfach ist, weil es doch ziemlich lang dauert, bis er antwortet. Für jemanden wie Eddie, der laut eigener Aussage, Redepausen gar nicht mag, schon einmal eine Herausforderung. Und so quatschte er ihn wohl ziemlich voll. Irgendwie kam er auch auf Hawkings Geburtsdatum (8. Januar) und meinte ganz aufgeregt, dass das ja toll ist, dass er, Eddie, nur zwei Tage vor ihm Geburtstag hat, „so we are both Capricorns‟. Kaum ausgesprochen, war ihm schon klar, wie dumm das von ihm gewesen war. Hawkings Antwort folgte nach fünf laaaaaaangen Minuten: „I’m an astronomer, not an astrologer!‟ Hier ein Clip aus einer anderen Talkrunde, in der er auch davon erzählt, allerdings ohne Hawkings Antwort:

Felicity Jones war für mich auch eine Entdeckung – ich habe sie neulich schon in den Worricker-Filmen gesehen, aber hier kann sie ihr ganzes Potential ausschöpfen! Und sie ist einfach so hübsch!

Mir ist bewusst, dass diese Kritik nicht viel zum Film sagt, irgendwie fällt es mir schwer, den Film an sich zu beschreiben. Ich fand ihn sehr schön, mit zwei großartigen Schauspielern, die hoffentlich noch weit kommen werden und einer Geschichte, die, trotz aller traurigen Momente und dieser schweren Krankheit, lebensbejahend ist. Hawings Geschichte kommt ja fast einem Wunder gleich – und wundervoll ist auch The Theory of Everything!

8 von 10 Punkten.

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2 Antworten zu The Theory of Everything (dt. Die Entdeckung der Unendlichkeit, James Marsh, UK 2014)

  1. schauwerte schreibt:

    Wir hatten anscheinend den gleichen Eindurck vom Film, auch im Vergleich zur BBC-Variante! .-)

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