The Drop (dt. Untertitel: Bargeld; Michaël R. Roskam, USA 2014)

Dies ist nun definitiv der letzte Film mit dem verstorbenen James Gandolfini, der auch in The Drop zeigt, welch ein großartiger Schauspieler er gewesen ist. Trotzdem ist es Tom Hardy, der diesen Film durch seine wunderbar unaufgeregte Darstellung des Bartenders Bob Saginowski nahezu im Alleingang trägt – vom Pitbull-Welpen Rocco mal abgesehen.

“The Drop” is just how I like my Tom Hardy–in nearly every scene.

[…] if you have been itching to witness Hardy at full throttle, here is your chance. The actor should be, by all rights, at the same level by now as Michael Fassbender and Benedict Cumberbatch, two other fantastically talented U.K. imports who have built up passionate cults in recent years. “The Drop” is a good start. But let’s hope that when Hardy takes his bow as the lead in the resurrected “Mad Max: Fury Road” next May, he will get the full notice and opportunities that he rightly deserves.

(Susan Wloszczyna von RogertEbert.com

Ich kann Susan hier nur vollen Herzens zustimmen – Hardy ist umwerfend in diesem Film! Ich mag ihn schon seit längerem, und spätestens seitdem ich ihn – in einer seiner frühen Rollen – als Obdachlosen in Stuart: A Life Backwards (2007) zusammen mit Benedict Cumberbatch erlebt habe, weiß ich, wie vielseitig er ist. Dennoch muss ich jetzt wohl einige Filme mit ihm nachholen (Bronson und Warrior, z.B.), denn nun hat er sich endgültig in mein Herz gespielt.

Hardy spielt Bob, den Cousin von Marv (Gandolfini), der einst Besitzer der Bar „Cousin Marv“ war, die nun aber der tschetschenischen Mafia gehört. Die Bar in Brooklyn wird häufig als „Drop“ verwendet, d. h. Schutzgelder aus anderen Bars etc. werden unauffällig bei Bob abgegeben und in einen Safe geworfen. Später werden die Geldpakete dann von den Tschetschenen abgeholt. Eines Abends wird die Bar überfallen – allerdings ist es kein „Drop“-Abend, sodass „nur“ 5.000 Dollar aus der normalen Kasse der Bar erbeutet werden. Doch die Tschetschenen wollen auch dieses Geld zurück…

Dadurch wird einiges in Gang gesetzt, das das Publikum erahnen lässt, dass nicht alles gut ausgehen kann.

Aber zunächst lernen wir Bob etwas näher kennen. Die Kurzgeschichte von Dennis Lehane, auf der das vom Autor selbst verfasste Drehbuch basiert, heißt „Animal Rescue“; denn Bob findet eines Abends auf dem Nachhauseweg in einer Mülltonne einen winselnden, blutenden Pitbull-Welpen. Die Mülltonne gehört Nadia (Noomi Rapace), wie der Hund dort hinein geriet, scheint sie nicht zu wissen. Sie leistet, gemeinsam mit Bob, dem Welpen erste Hilfe, macht Bob aber klar, dass sie den Hund nicht aufnehmen kann. Bob, der sich offensichtlich noch nie um ein lebendes Wesen gekümmert hat, das völlig von ihm abhängig ist, entschließt sich, den Hund zu sich zu nehmen – und Rocco zu nennen. Die Szenen zwischen Bob und Rocco sind reizend – gerade weil Bob zunächst recht unbeholfen (und der Hund einfach süß) ist.

Quelle: fbcdn-sphotos-h-a.akamaihd.net

Doch auch im Umgang mit Frauen – hier mit Nadia – ist er ziemlich unbeholfen; er ist ohnehin kein Mann der vielen Worte, aber bei ihr verstummt er fast.

Überhaupt scheint er etwas „langsam“ zu sein – und durch nichts so recht aus der Ruhe zu bringen, was dazu führt, dass er unterschätzt wird. Auch von Eric Deeds (Matthias Schoenaerts, aus Der Geschmack von Rost und Knochen), der ihn aufsucht und behauptet, dass Rocco sein Hund sei.

Viel mehr möchte ich zum Inhalt des Filmes gar nicht erzählen. Was ich wirklich bemerkenswert finde, ist zum einen, dass der belgische Regisseur in seinem ersten englischsprachigen Film auf drei Europäer für die wichtigsten Rollen (Ausnahme: Gandolfini) zurückgreift (den Londoner Hardy, die Schwedin Rapace und den Belgier Schoenaerts) – und diese aber absolut überzeugend in das Gangstermilieu Brooklyns integriert werden. Es ist schon auffallend, wie viele Hauptrollen in amerikanischen Filmen und Serien derzeit von Briten übernommen werden, denen man aber ganz und gar nicht anhört, dass sie den amerikanischen Akzent faken (z. B. auch Andrew Lincoln in The Walking Dead).

Zum zweiten ist das Drehbuch fantastisch, die Dialoge – aber auch der Subtext und der Plot. Ein Beispiel für einen Dialog zwischen Marv und Bob möchte ich hier nennen, weil es auch in meinen Alltag als Lehrerin passt: Marv redet über die „Chechnyans“, woraufhin ihn Bob verbessert und ihm sagt, dass man sie „Chechens“ nennt: “I think it’s like how you don’t call people from Ireland Irelandians.” Herrlich! Überhaupt haben Hardy und Gandolfini sehr interessante Gespräche.

Am meisten aber – und da schließt sich wieder der Kreis zum Beginn meiner Kritik – ist es einfach eine Freude, Tom Hardy zuzusehen. Ich habe das Gefühl, er sah nie so gut aus – aber das ist nur ein Teil der Anziehungskraft, die er in diesem Film entwickelt. Dies wird einhellig von den Kritikern (auf Metacritic) auch so gesehen:

Here’s a far-from-minor performance by a major star in the making. (Wall Street Journal)

But it’s Hardy’s performance, above everything else, that sneaks up on you. Following his sterling work in Locke, this trudging, subdued characterisation is another mettle-testing triumph. It’s his most Brando-esque performance to date, without making a great show of its craft or virtuosity. (The Telegraph)

And if we’re having a conversation about the 10 best film actors in the world, Tom Hardy has made a very strong case this year about being a part of that discussion. (Chicago Sun-Times)

8,5 von 10 Punkten!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Film und TV abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu The Drop (dt. Untertitel: Bargeld; Michaël R. Roskam, USA 2014)

  1. Libertarian Anonymous schreibt:

    Mich hat Gandolfini in dem Film wieder etwas an die Sopranos erinnert, auch wenn er hier kein „Boss“ ist, sondern nur Handlanger der Mafia. In den Sopranos gibt es übrigens auch eine sehr amüsante Episode, in der zwei (Costa-Nostra-)Mafiosi einen vermeintlich harmlosen, versoffenen Russen „verschwinden“ lassen wollen und dazu mit ihm in im Winter in ein abgelegenes Waldstück fahren. Dummerweise entpuppt sich der Russe dann als hochdekoriertes Ex-Mitglied einer Spezialeinheit der russischen Armee, der u.A. im Tschetschenienkrieg gedient hat. In der Folge kommt es auch zu einer Verwechslung von „Chechens“ und „Czechoslovakians“: (Auszug aus Wikipedia zur Szene)

    Tony learns from Valery’s boss and best friend, Slava, that, although he has developed substance abuse problems since, Valery was previously in the Russian Ministry of the Interior’s special forces and once killed 16 Chechen rebels single-handed. However, the poor phone signal between Tony and Paulie results in a mix-up: Paulie passes the message on that Valery killed 16 Czechoslovakians and he’s an interior decorator, to which Christopher replies, „His house looked like shit.“

    Vielleicht war das sogar eine Anspielung in „The Drop“ darauf?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s