Die Freitagsfrage #4: Abnehmen, Zunehmen, die Konfession wechseln, Umziehen – für den richtigen Job tue ich alles?

Dem aufmerksamen Leser ist es sicher aufgefallen, dass es letzte Woche keine Freitagsfrage gab. Ich bitte dies tunlichst zu entschuldigen – es soll nicht wieder vorkommen, wird es aber vermutlich hin und wieder. 😉

Ich würde heute gerne etwas aus dem letzten Media Monday aufgreifen. Dort habe ich mich gewundert, wie sich Christian Bale freiwillig der Tortur unterwerfen konnte, sich erst für The Machinist so weit runterzuhungern, dass er nur noch Haut und Knochen war, um sich dann in wenigen Monaten für seine Rolle als muskulöser Batman (Batman Begins) „aufzupumpen“. Das war auch nicht das einzige Mal, dass Bale sich körperlich extrem an eine Rolle angepasst hat, und – obgleich er für mich das auffälligste Beispiel ist – er ist auch der Einzige, der bereit ist, für eine Rolle seinem Körper mehr zuzumuten, als es gesund sein kann. Unnötig? Unverantwortlich sich selbst gegenüber? Fakt ist allerdings, dass so ein Film wie The Machinist nicht so einen Eindruck hinterlassen hätte (oder gar nicht hätte gedreht werden können), wenn sich kein Schauspieler gefunden hätte, der bereit gewesen wäre, seinen Körper so zu schinden. Es gibt zwar Fatsuits, aber „Skinnysuits“…?

Nun würde ich aber die Frage gerne etwas allgemeiner auch auf den „normalen Bürger“ ausweiten: Wie weit bist du bereit zu gehen, um einen bestimmten Job zu bekommen (oder zu behalten)?

Wenn du – etwa als Lehrer – verbeamtet werden wolltest, war es noch bis vor kurzem so, dass unter die „Eignung“ für den Beamtenstatus auch der BMI fiel. Man ging einfach mal davon aus, dass ein stark Übergewichtiger wahrscheinlich nicht bis zum Pensionsalter im Dienst bleiben würde. Also hieß es für viele: entweder abnehmen (, was ja nun, wenn man keinen Personal Trainer und Diätplaner hat, kein leichtes Unterfangen ist) oder auf die Verbeamtung zu verzichten. In meinem Fall ist es so, dass ich an einer Schule in evangelischer Trägerschaft arbeite. Als Katholikin kann ich aber nicht bei der evangelischen Kirche verbeamtet werden. Ein Kollege hat deswegen die Konfession gewechselt und genießt nun die Vorteile des Beamtenstatus. Für mich kam das nie in Frage.

Aber auch über solche fundamentalen Dinge hinaus, wird vom Arbeitnehmer ja einiges erwartet: (örtliche und zeitliche) Flexibilität, ständige Erreichbarkeit, auch nach Feierabend und am Wochenende, vielleicht sogar im Urlaub, wenn „Not am Mann“ ist, Überstunden…

Tust du alles für den Job? Ist dieses Phänomen ein gesamtgesellschaftliches – oder auf Branchen wie die Film- und Modeindustrie beschränkt?

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14 Antworten zu Die Freitagsfrage #4: Abnehmen, Zunehmen, die Konfession wechseln, Umziehen – für den richtigen Job tue ich alles?

  1. oldboyrap schreibt:

    Ich tu alles für meinen Job, was ich tun will.

  2. Libertarian Anonymous schreibt:

    Es gibt zwar Fatsuits, aber “Skinnysuits”…?

    Korsett. 😉

  3. Libertarian Anonymous schreibt:

    …was die Belastungen für Christian Bale und andere Schauspieler angeht, sehe ich das recht entspannt: Was er macht, mag nicht gesund sein, aber über den Daumen gepeilt auch nicht ungesünder als ein Leben lang z.B. Schicht zu arbeiten, womöglich noch im Gesundheitswesen. Unterschied: Christian Bale kriegt Millionen dafür.

  4. bullion schreibt:

    Puh, spannende Frage. Ist natürlich auch an die jeweilige Lebenssituation gebunden, sprich ob man alleinstehend ist und nur für sich verantwortlich, oder ob man für eine Familie sorgen muss, einen Kredit abzahlen muss usw.

    Umziehen würde ich z.B. für meinen Job nicht, da mir das soziale Umfeld wichtiger ist, als berufliche Erfüllung. Insofern habe ich mich auch nur in der Region umgesehen — und wurde auch hier beruflich glücklich… 🙂

    Für einen „Traumberuf“ in der Filmbranche hätte ich schon früher Richtung München/Berlin/Köln oder eben ins Ausland gemusst; dazu habe ich mich nie durchringen können.

    • singendelehrerin schreibt:

      Och, München ist fei scho ganz nedd! 😉

      Ich muss sagen, ich habe das bisher nicht bereut, nach München gegangen zu sein. Das war meine Chance auf die erste unbefristete Stelle nach sechs Jahren mit Aushilfsverträgen (an insgesamt vier Schulen), noch dazu an der Schulart, die ich in den zwei Jahren an der FOS in Fürth lieben gelernt hatte. Gut, bei mir kam halt dazu, dass ich zum Zeitpunkt des Angebotes aus München schon ein Jahr von meinem Mann getrennt lebte. Es war also ein Neuanfang auf ganzer Linie. Wäre unsere Ehe noch intakt gewesen, hätte ich den Schritt wohl nicht gehen können/wollen. Ob mein Ex mit nach München wäre? Ich glaube nicht…

      • bullion schreibt:

        In deiner Situation hat ein Neuanfang wohl auch Sinn gemacht; manchmal wünschte ich mir das auch, doch im tiefsten Herzen bin ich dann wohl doch zu sehr hier verankert, was wohl weniger am Ort, als an den Menschen liegt.

  5. Frau_Shmooples schreibt:

    Sehr gute Frage… Das fängt ja schon bei Kleinigkeiten an.
    Als ich nach dem Abi nach einem Ausbildungsplatz suchte, stellte sich schnell heraus, dass sich viele Arbeitgeber schon an meiner Haarfarbe gestört haben. Ich hatte damals Platinblond drin und die sind direkt davon ausgegangen, dass ich dann auch grün und blau reinfärben würde oder andere derart quietschige Farben. Ich hab dann nun mein Studium dafür benutzt, den Schritt zurück zur Naturhaarfarbe zu wagen und ich werde erst wieder färben, wenn ich einen Job sicher habe. Zwar bin ich naturblond, aber der Platinton hat mir schon sehr gefallen und ich möchte es gerne wieder heller haben (es muss ja nicht mal mehr platin sein ;3).
    Zurzeit beschäftige ich mich auch häufiger mit der Frage, ob ich bereit wäre, mich für einen Job von meinem Nostril zu trennen. Das hab ich mir machen lassen, als ich 19 war und noch keine genaue Ahnung hatte, wo ich beruflich mal landen könnte. Nach 7 Jahren hat man sich so an den Ring im Nasenflügel gewöhnt, das er einfach dazu gehört und ich fühle mich merkwürdig, wenn ich ihn für Bewerbungsgespräche durch einen Stecker ersetze. Das mag echt blöd klingen, wenn es nur um so ein kleines Schmuckstück geht. Es gibt sogar viele Menschen, die den Ring gar nicht wahr nehmen, wenn sie mich zum ersten Mal sehen. Aber bei Personalern fühlt sich das an wie ein Spiel mit dem Feuer.
    Umziehen würde ich wohl schon, kommt ganz darauf an, wohin 😉 Ich würde auch zeitweise ins Ausland gehen, einfach, weil mir die Erfahrung in Irland so gut getan hat und es spannend war 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke für diese ausführliche Beantwortung der Frage! 🙂

      An solche Dinge wie Haarfarbe, Piercings oder Tattoos hatte ich ja gar nicht gedacht! Kann mir vorstellen, dass das auch ein schwieriges Thema ist, wenn man an diesen hängt, weil sie ja auch Ausdruck der Persönlichkeit sind. Wahrscheinlich kam ich nicht darauf, weil ich ja nicht mal Ohrringe trage… 😉

      Lustig diesbezüglich fand ich, als ich erfahren habe, dass ein „Hobby-Sänger“, mit dem mein Bruder in einer Band zusammen spielt, und der in der Freizeit Metal-Klamotten trägt und dessen Frisur und Bart auch nicht gerade Mainstream sind, tatsächlich bei einer Versicherung (Innendienst allerdings, eher am Telefon) arbeitet. Das hätte ich im Leben nicht erwartet! Kommt also sicher auch auf den Arbeitgeber an.

      Oh, hab so ein tolles Video von einem Live-Auftritt der genannten Band (PrismaAllStars) gefunden: (allerdings singt der genannte Versicherungsvertreter da nicht, aber er steht mit auf der Bühne (schwarzes T-Shirt mit weißem Aufdruck); war wohl das letzte Lied damals)

      • Frau_Shmooples schreibt:

        Ich finde es halt einfach ziemlich quatschig, so sehr auf Äußerlichkeiten zu achten. Denn nur, weil man seine Haare bunt färbt oder Piercings und Tattoos hat, bedeutet das ja nicht gleich, das man seinen Job nicht vernünftig erledigen kann. Wobei aber auch ich erst mal stutzen würde, wenn vor mir ein Banker oder Versicherungs“heini“ mit blauen Haaren sitzen würde 😉
        Letztendlich sind es bei mir wirklich nur ein paar kleine Schmuckstücke. Aber auch wenn ich die raus nehme, sieht man die Löcher ja trotzdem, die verschwinden ja nicht sofort. Wenn man sich parallel mal vorstellt, dass es auf dieser Welt Kulturen gibt, in denen Körperschmuck fest integriert ist oder auch unabhängig davon, kommt es mir merkwürdig vor, wenn ich Leute sehe, die sich so sehr daran stören. – Da fällt mir ein, beim Jobcenter saß mir mal eine Beraterin gegenüber, da hab ich echt nicht schlecht geguckt! Es war Sommer und sie hatte recht luftige Kleidung an, was ich mir persönlich nur in der Freizeit anziehen würde, das war schon wirklich sehr leger. Bunt lackierte Fingernägel, voll mit Armbändern und Ringen und sie hatte ein Medusa-Piercing. Das kam mir so paradox vor! Weil ich mir halt denke, die Berater dort haben prinzipiell eine gewisse Art von Vorbildfunktion um ihre Kunden wieder in die Arbeitswelt zu führen…
        Was Metaller angeht, finde ich aber, dass die es doch recht einfach haben. Auch lange Haare können seriös aussehen. Die meisten färben ihre Haare nicht, oder wenn, dann eher schwarz. Und mir ist noch nicht oft aufgefallen, dass sie häufig Piercings tragen. Tattoos lassen sich relativ gut verstecken. Und der Herr, den Du beschreibst… Soweit ich ihn im Video erkennen kann, sieht er doch recht harmlos und „mainstream“ aus 🙂
        Gruselig finde ich z. B. diesen Trend, sich die Ohrlöcher zu dehnen. Ich hatte auch mal einen Tunnel, aber ich hab darauf geachtet, den nicht zu weit zu dehnen, damit sich das schön wieder zusammen ziehen konnte, für den Fall, das ich die Schnauze voll davon hab. Leider kenne ich niemanden persönlich, der größere Tunnel als 5 mm hat, aber ich wüsste schon gerne, wo die beruflich so Fuß fassen. Ich seh wirklich sehr oft Leute mit so riesigen Löchern oder Plugs drin… Wär schon interessant ^^

      • singendelehrerin schreibt:

        „Ich finde es halt einfach ziemlich quatschig, so sehr auf Äußerlichkeiten zu achten. Denn nur, weil man seine Haare bunt färbt oder Piercings und Tattoos hat, bedeutet das ja nicht gleich, das man seinen Job nicht vernünftig erledigen kann.“ – Sehe ich genauso! Aber in manchen Bereichen scheint das leider (!) immer noch ein Problem zu sein. Ich bin ja jetzt eher „spießig“, was mein eigenes Aussehen anbelangt, aber ich finde z. B. Schüler/innen immer spannend, die etwas aus dem Rahmen fallen. Viele haben wir da allerdings bei uns an der Schule nicht.

        Das mit der Beraterin im Jobcenter finde ich aber grad toll! Aber es nützt ja letztlich nix, wenn das Jobcenter da fortschrittlich ist und „solche Leute“ (wirklich nicht abfällig gemeint!) einstellt, und die Arbeitgeber in der Wirtschaft aber „sowas“ von vornherein ablehnen. Ich bin immer für Vielfalt statt Einheitsbrei! Das lebe ich zwar optisch nicht unbedingt vor – es sei denn, man zählt dazu, dass ich, im Gegensatz zu den meisten Schülerinnen, auf Wimperntusche und Lippenstift im Alltag verzichte. Aber trotzdem mag ich es, wenn verschiedene Typen vor einem sitzen und nicht alle gleich aussehen…

  6. Miss Booleana schreibt:

    Spannendes Thema – und interessante Einsichten. Finde das mit dem BMI ja besonders krass. Das mit der Religion habe ich schon fast befürchtet, als du angefangen hast zu erzählen. Irgendwie finde ich es – ohne deinem Kollegen nahetreten zu wollen – ganz schön unsinnig die Konfession zu wechseln. Nicht besonders aufrecht und geradlinig, würde ich sagen. Ohne natürlich die Personen und die Umstände zu kennen – sollte das also eigentlich auch nicht bewerten. Das mit dem BMI finde ich aber schon fast wieder diskriminierend.

    Generell würde ich für meinen Job nur DInge tun, die ich mir gegenüber verantworten kann. Wenn ich mir selber untreu werden muss und mich verbiegen lassen, dass wäre das ein Zeichen für mich den Job zu wechseln. Musste als Berufseinsteiger ja einige Zeit auf Dienstreise gehen. Ich mag den Lebensrhythmus der Dienstreisenden nicht und die Eigenheiten des Projekts haben es mir besonders schwer gemacht. Mir war klar: wenn das ein Dauerzustand wird, dann muss ich mich nach einem neuen Job umsehen. Vorher habe ich mit den Verantwortlichen gesprochen und kam in ein neues Projekt. Darüber bin ich sehr glücklich – vorher hatte ich echte Zweifel und habe mich oft gefragt, was ich bereit bin zu opfern und ob ich auch unglücklich meinen Alltag durchleben möchte/kann/sollte. Denke niemand sollte das tun.

    • singendelehrerin schreibt:

      Schön, dass du das so unkompliziert innerhalb der Firma in ein anderes Projekt wechseln konntest!

      Ich finde es gut, wenn man seine Grenzen erkennt und dann auch zu gewissen Dingen „nein“ sagt, damit man nicht irgendwann „ausbrennt“. Ich arbeite z. B. schon seit Jahren in Teilzeit, und zwar nicht etwa, weil ich Kinder hätte (habe ich nicht), sondern weil ich in den Jahren, in denen ich in Vollzeit unterrichtet habe, auf dem Zahnfleisch gelaufen bin, oft krank und ständig gestresst war. Ich habe lieber etwas weniger Geld und dafür mehr Freizeit und auch ein besseres Gefühl, was meine Unterrichtsvorbereitung anbelangt. Würde ich Vollzeit arbeiten, könnte ich meinen Blog auch kaum so aufrecht erhalten, weil ich andauernd am Korrigieren wäre.

      • Frau_Shmooples schreibt:

        Das finde ich im Übrigen sehr lobenswert für Dich als Lehrerin! Wäre schön, wenn mehr so denken würden. Man schadet ja nicht nur sich selbst, sondern letzendlich auch den Schülern, weil der Unterricht an Qualität verliert.

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