The Judge (Dt.: Der Richter – Recht oder Ehre; David Dobkin, USA 2014)

Versteht mich nicht falsch, ich liebe Robert Downey Jr. als Iron Man (als Sherlock Holmes eher weniger), aber es ist schön, ihn endlich mal wieder in einer „normalen“ Rolle zu sehen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass er einen Anwalt spielt – dass er das kann, hat er schon bei Ally Mc Beal bewiesen. Der titelgebende „Judge“ allerdings wird nicht von ihm gespielt, sondern von Robert Duvall, Downeys Filmvater Joseph Palmer. Und so ist dieser Film auch mehr Familien- als Gerichtsdrama.

Hank Palmer (Downey Jr.), äußerst erfolgreicher, scheinbar skrupelloser Verteidiger in Chicago, kehrt anlässlich des Todes seiner Mutter nach Carlinville, Indiana, zurück. Dort trifft er auf seine Brüder Glen (Vincent D’Onofrio) und den leicht zurückgebliebenen Dale (Jeremy Strong) und natürlich auch auf seinen Vater „Judge“ (Duvall), der seit 42 Jahren Richter am örtlichen Gericht ist. Der Zuschauer merkt sofort, dass die Beziehung zwischen Vater und Sohn einen deutlichen Knacks hat. Wirkt der Richter beim ersten Zusammentreffen einfach „nur“ distanziert und unterkühlt, kommen im Laufe des Familientreffens auch noch verbale „Nettigkeiten“ dazu, weswegen Hank auch sehr rasch wieder abreist.

Doch dann wird der Richter verhaftet: er soll mit Absicht einen nach 20 Jahren entlassenen Mörder überfahren haben. Für Hank ist klar, dass er seinen Vater verteidigen muss – auch wenn dieser davon zunächst gar nicht begeistert ist.

Im Laufe der Ermittlungen und der Verhandlung kommen einige Dinge ans Tageslicht, wie z. B. die schwere Krankheit, an der der Richter leidet, alte Familiengeschichten werden ausgegraben (z. B. schwerer Autounfall, als Jugendlicher von Hank verursacht, der dazu führte, dass sein Bruder Glen seine Baseball-Karriere aufgeben musste), und Hank (kurz vor der Scheidung stehend, mit einer ganz reizenden kleinen Tochter, gespielt von Emma Trembley aus Elysium) knüpft an die Beziehung zu seiner Jugendfreundin Sam (Vera Farmiga) an – ist er vielleicht sogar der Vater von ihrer Tochter? Vielleicht macht dadurch der Film einen etwas überladenen Eindruck – andererseits: sind Familien nicht so?

Mich haben die Szenen zwischen Hank und seinem Vater besonders berührt, meist konfliktgeladen, aber dann auch von einer Nähe, die es wohl so nur zwischen Kindern und Eltern gibt – Downey kann hier sehr schön Wut, Enttäuschung und Verletzlichkeit darstellen. So zynisch und brillant er im Gericht auch sein mag – es schmerzt ihn zutiefst, dass sein Vater ihn nicht zu respektieren scheint. Robert Duvall ist ein großartiger Gegenspieler, der neben all der Härte, die er Hank gegenüber zeigt, auch weiche, verletzliche Züge offenbart.

Welche Beweggründe der deutsche Verleih hatte, dem „Der Richter“ noch dieses „Recht oder Ehre“ beizustellen, will sich mir mal wieder nicht erschließen. Ja, wenn man den Film gesehen hat, kann man schon etwas mit diesem Beisatz verbinden, aber vorher sagt einem der Titel doch genauso wenig, wie wenn sie es nur bei „Der Richter“ belassen hätten.

Ein bewegendes Familiendrama, das zum Teil etwas ins Klischeehafte abdriftet und dem etwas weniger Verwicklungen ganz gut getan hätte. Dennoch, aufgrund der durchweg überzeugenden Schauspielleistungen, insbesondere aber jedoch der beiden Hauptdarsteller, ein sehenswerter Film!

7,5 von 10 Punkten.

Edit: Ich habe ganz vergessen, etwas über den Soundtrack zu schreiben! Sowohl der Original Score von Thomas Newman (, den ich seit American Beauty einfach genial finde), als auch die verwendeten Songs haben mir sehr gut gefallen, insbesondere das Lied „Holocene“ von Bon Iver, das sogar zweimal eingesetzt wurde:

Und im Abspann sehr schön: „The Scientist“ in der Version von Willie Nelson (der Kurzfilm hat zwar nichts mit „The Judge“ zu tun, ist aber richtig süß gemacht):

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3 Antworten zu The Judge (Dt.: Der Richter – Recht oder Ehre; David Dobkin, USA 2014)

  1. singendelehrerin schreibt:

    Bitte unbedingt noch die nachträglich beigefügten Songs aus dem Soundtrack anhören! 🙂

  2. Miss Booleana schreibt:

    Oh sehr schön – ich habe den Film noch nicht gesehen, aber so sehr gehofft, dass RDJ mal wieder was ernst zu nehmendes macht. Ich habe soviele Filme mit ihm gesehen und sehe ihn auch heute noch gerne, aber in letzter Zeit war er einfach zu oft „Tony Stark“. Gefällt mir gut, was ich gelesen habe, werde ich bestimmt schauen 😀

    • singendelehrerin schreibt:

      Schön, wenn dich mein Geschreibsel dazu animiert, den Film zu schauen! 😉 So ganz verstehe ich nämlich nicht, warum der Film nur so mittelmäßige Kritiken hat (48 von 100 bei Metacritic)…

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