Locke – No Turning Back (Steven Knight, UK/USA 2014)

Quelle: https://singendelehrerin.files.wordpress.com/2014/10/dcb23-lockemoviefilm2014-sinopsistomhardy.jpg

Locke ist wieder einmal dieser Filme, deren Trailer, Promotion und DVD-Cover völlig irreführend sind. Auf dem DVD-Cover (der britischen DVD) steht z. B., dass der Film „one of the most nail-biting thrillers“ des Jahres ist. Was für ein Mist! Dieser Film ein Kammerspiel, das zeigt, wie eine einzelne Entscheidung, ein einzelner Fehltritt das ganze Leben umkrempeln kann, ja, man könnte sagen, alles zerstören kann, was einem vorher wichtig war: die Familie, der Job… und trotzdem kann es die richtige Entscheidung sein.

Tom Hardy spielt den walisischen Bauleiter Ivan Locke, der am Vorabend des größten Tags in seiner Karriere (die Gießung des Fundaments für ein riesiges Bauprojekt – „the biggest concrete pour in Europe“) etwas erfährt, weswegen er nach London fahren muss und damit seinen Job und seine Familie riskiert. Wer genau wissen will, warum er das tut, kann es auf Wikipedia nachlesen, wer sich den Film noch ansehen will und im Tempo des Filmes alle Details erfahren will, tut dies lieber nicht.

Die Kamera begleitet nun Locke auf seiner knapp eineinhalbstündigen Fahrt nach London, während der er unzählige Telefongespräche führt, u. a. mit Donal (Andrew Scott), der nun für ihn die Aufsicht über die Gießung übernehmen soll, was diesen zunächst leicht überfordert. Locke versucht, ihn entsprechend über das Telefon zu briefen, sodass das Großprojekt auch ohne ihn um 5:45 ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen kann.

Außerdem führt Locke auch mehrere Gespräche mit seiner Frau Katrina (Ruth Wilson), der er den Grund für sein Nichtheimkommen an diesem Abend nun am Telefon nennen muss, was ein sehr schmerzhafter Vorgang ist. Seine beiden Söhne Eddie und Sean können es gar nicht fassen, dass er zu diesem wichtigen Fußballspiel (gegen Deutschland!) nicht nach Hause kommt.

Es kommen noch weitere Telefongespräche dazu – und außerdem führt Locke Selbstgespräche, die eigentlich Zwiegespräche mit seinem Vater sind, der eine Ursache dafür ist, wie er sich in dieser Situation entschieden hat.

Kann Tom Hardy ganz allein einen Film tragen? Die Telefonpartner sind nur zu hören, alles spielt sich in Lockes BMW ab. Ja, er kann es! Seitdem ich ihn in einer frühen Rolle als alkoholkrankem Obdachlosen in Stuart: A Life Backwards (2007, mit Benedict Cumberbatch) erlebt habe, traue ich ihm ohnehin alles zu. Verglichen damit war sein Bösewicht in The Dark Knight Rises geradezu schwach. Hier spielt er sehr subtil, er versucht ja am Telefon meistens beruhigend auf die Gegenüber einzuwirken. Und so sehen wir kaum dramatischen Gesten, und trotzdem merkt man Locke an, wie er etwa an der Reaktion seiner Frau verzweifelt und wie ihm die Gespräche mit seinen Söhnen nahe gehen.

Ich habe es etwas bedauert, dass ich den Film nicht im Kino gesehen habe, wo diese Feinheiten sicher noch besser herauskommen, als auf dem Fernseher. Noch dazu habe ich leider den Film am Nachmittag gesehen – ich empfehle jedoch, ihn unbedingt abends zu gucken, damit die Nachtaufnahmen besser wirken. Ich denke, der Film und Tom Hardys Performance hätten mich noch intensiver gepackt, wenn ich ihn im Dunklen und auf der großen Leinwand (und ohne Unterbrechungen, weil die DVD bzw. mein DVD-Player gesponnen hat) gesehen hätte.

Sehr sehenswert! 7,5 von 10 Punkten!

 


4 Gedanken zu “Locke – No Turning Back (Steven Knight, UK/USA 2014)

  1. Von dem Film hatte ich in diversen Podcasts schon gehört. Klingt echt spannend! Werde dem wohl im Heimkino noch eine Chance geben — auch ohne große Leinwand und dunklem Saal… 😉

  2. Donal ist der beste Nebencharakter. Der hat mit seiner Art den Film ungemein aufgelockert. Ich fand es auch sehr spannend allein durch Stimme und Verhalten ein Bild von der jeweiligen Person zu zeichnen, mit der Ivan spricht. Die Telefonate waren dann wie Buch lesen, man musste sich die Szene dazu selbst im Kopf ausmalen. Wirklich guter Film (den ich im dunklen Saal und auf großer Leinwand gesehen hab)…

    1. Ja, ich fand Donal auch am interessantesten und auch lebendigsten! 🙂 Andrew Scott halt… Ruth Wilson als Lockes Frau fand ich fast etwas verschenkt. Seit „Luther“ gefällt sie mir ja als Psychopatin am besten… 😉

Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..