The Salvation (Kristian Levring, Dänemark/UK/Südafrika 2014)

Ein Western, gedreht von einem Dänen in Südafrika, der trotzdem die Zutaten eines klassischen amerikanischen Western enthält: Mord, Vergewaltigung (die Frauen sind Opfer), Rache, Schießereien, Sheriffs, weites Land…

Der Däne Jon (Mads Mikkelsen) ist zusammen mit seinem Bruder Peter (Mikael Persbrandt, kaum zu erkennen, wenn man ihn nur als Beorn aus dem Hobbit kennt) vor sieben Jahren nach Amerika ausgewandert.

Endlich kann er seine Frau (Nanna Øland Fabricius) und seinen Sohn (Toke Lars Bjarke) zu sich holen. Doch die Freude darüber währt nicht mal eine Kutschfahrt lang, denn auf eben dieser werden beide vom Bruder (den in Once Upon A Time so sanftmütigen Michael Raymond-James) des örtlichen „Bad Boy“ Delarue (mit großem Bösewicht-Charisma: Jeffrey Dean Morgan) ermordet. Jon, der vorher aus dem Wagen geworfen worden war, holt die Kutsche ein und tötet die Übeltäter, nicht wissend, dass es sich um den Bruder von Delarue handelt, der nun natürlich den Tod seines Bruder gerächt sehen will.

Delarue verlangt vom Sheriff/Pastor (Douglas Henshall) der frontier town, innerhalb von zwei Stunden den Mörder zu finden, oder statt dessen zwei Bewohner „bereit zu stellen“, die stellvertretend von ihm dann getötet werden. Außerdem setzt Delarue die Stadt weiter unter Druck, indem er das „Schutzgeld“ verdoppelt. Kann man es da verdenken, dass die Stadt nahezu ohne Zögern, Jon tatsächlich an Delarue ausliefert, als er und Peter in der Stadt auftauchen?

Jon wird also zu Delarue gebracht, wo man auch die stumme Witwe seines Bruders kennenlernt (Eva Green).

Wer Western kennt, weiß, dass damit der „Spaß“ erst anfängt, zumal auch noch einige Verwicklungen auftauchen. Warum taucht zum Beispiel der Totengräber (Jonathan Pryce) bei Delarue auf? Mehr zum Plot wird nicht verraten…

Mads Mikkelsen ist großartig (wie immer) als der einsame, wortkarge, aufrechte Rächer, ebenso wie sein Gegenspieler Jeffrey Dean Morgan, dem das Western-Outfit verdammt gut steht. Interessant fand ich, dass (in der engl. OV)  die Stellen, in denen Dänisch gesprochen wird, nicht untertitelt sind, auch wenn man dadurch die Unterhaltung zwischen Jon, seiner Frau Marie und seinem Sohn Kresten leider nicht versteht. Ich fürchte, in der deutschen Synchronversion werden wieder einfach alle Deutsch sprechen…

Was den Film, trotz seiner klassischen Geschichte, ein bisschen von anderen Western unterscheidet, ist, wie der Film zum Teil fotografiert ist. Tagsüber ist das Bild meistens von recht warmen, erdigen Farben geprägt, die Nachtaufnahmen jedoch haben etwas Unwirkliches. Ich konnte beim Ansehen nicht ganz festmachen, woran das lag, der Hollywood Reporter erklärt es so:

But there’s also something a bit unusual about the look of things, the way the full moon floods a nocturnal setting with light and how the unmistakable background of Monument Valley seems a bit soft compared with the vivid foregrounds in numerous scenes. This is because the film was actually shot in South Africa, with some 900 shots visually altered through CGI and various digital and backdrop alterations. The technical work is actually excellent and won’t raise an eyebrow of 99 percent of viewers. But to anyone in the profession or with an eye for such things, the film’s visual aspect represents a clever and quite sophisticated blend of on-location photography and postproduction manipulation.

Immerhin gehöre ich zu den 1%, denen aufgefallen ist, dass da irgendetwas anders ist… 🙂

Der Film ist recht kurz (89 min), was Vor- und Nachteile in sich birgt. Ein Nachteil ist meines Erachtens, dass man den Protagonisten (und seine Familie) nicht wirklich kennenlernt. Es geht quasi sofort los mit der Action. Ebenso wäre etwas mehr Hintergrund zu manch anderen Figuren, insbesondere zu der Rolle, die Eva Green so toll – völlig ohne Text – gespielt hat, schön gewesen. Andererseits hat der Film keine Durchhänger, die einfache Story wird nicht unnötig in die Länge gezogen.

Insgesamt ein schöner Genrefilm mit einer wunderbaren Besetzung!

7 von 10 Punkten.

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4 Antworten zu The Salvation (Kristian Levring, Dänemark/UK/Südafrika 2014)

  1. Nummer Neun schreibt:

    Auf den Plakaten sah Mikkelsen immer aus wie Kevin Costner 🙂

  2. Schlopsi schreibt:

    Die dänischen Sprechszenen wurden übrigens mit deutsch untertitelt. 😉
    Es gab vereinzelt nächtliche Szenen, die verdächtig nach CGI aussahen (in der Stadt), die mich sehr gestört haben. Aber haste ja schon mitbekommen, dass mir das nicht ganz so zugesagt hat. Zu Eva Green hätte ich mir auch gerne mehr Background gewünscht, kam mir leider zu kurz.
    Die Besetzung ist erste Sahne, aber der ständige Leerlauf zermürbt. Trotzdem hat Levring einen grundsoliden Western präsentiert. Hätte mir nur ein paar Feinheiten gewünscht, zu denen Drehbuchschreiber Jensen ja durchaus im Stande ist.

    • Singende Lehrerin schreibt:

      Ah, danke für die Infos zu der Handhabung der dänischsprachigen Szenen! Ist ja schön, dass sie die nicht synchronisiert haben!
      Die nächtlichen Szenen wurden ja wohl tatsächlich CGI-mäßig bearbeitet – ich fand das aber interessant. Aber wie schon auf deiner Seite gesagt: ist halt Geschmackssache!

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