FFF 2014: Starred Up (David Mackenzie, UK 2013)

Ein bisschen trickse ich hier: der Film lief zwar auf dem FFF, aber in einer Spätvorstellung vor meinem ersten Schultag, sodass ich ihn für mich schon abgeschrieben hatte. Dann aber fiel er mir noch vor dem FFF in London im HMV ins Auge, und ich nahm ihn kurzer Hand mit. Jetzt habe ich ihn mir also auf DVD soeben angesehen.

Eric Love (Jack O’Connell) ist 19 und wird trotzdem vom Jugendgefängnis ins Erwachsenengefängnis verlegt (das nennte man offensichtlich in britischem Jail-Slang „starred up“). Dort trifft er u. a. auf seinen Vater Neville (Ben Mendelsohn), der anscheinend schon seit sein Sohn 5 Jahre alt war, im Knast sitzt. Vater Nev will erreichen, dass Sohn Eric sich möglichst anpasst, damit er möglichst schnell – lebendig – aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch Eric hat seine eigenen Vorstellungen, kann auch zunächst kaum seine Aggressivität zügeln. Erst als er die Gruppe regelmäßiger besucht, die von Oliver Baumer (Rupert Friend, bekannt aus „Homeland“) geleitet wird, lernt er etwas mehr mit seiner Aggression umzugehen und schließt Freundschaften. Oliver nimmt sich dem 19-Jährigen besonders an, hat aber leider in der Gefängnisleitung keine Verbündeten, was letztlich zu einem körperlichen Angriff seinerseits gegen einen der verantwortlichen Gefängniswärter führt – eine Szene voller Intensität – und letztlich muss er danach auch das Gefängnis verlassen.

Eric macht sich aber auch Feinde – und zwar unter Mitgefangenen und Wärtern -, was sich am Schluss ziemlich zuspitzt, nicht zuletzt auch wegen eines Streits mit seinem Vater…

Was interessant ist an diesem Gefängnisfilm, ist die Tatsache, dass er sehr authentisch wirkt:

  • es gibt bis zum Abspann keinerlei Untermalung mit Musik
  • gedreht wurde in einem echten, wenn auch stillgelegten, Gefängnis
  • die Sprache ist sehr Gangster-Slang-mäßig, was es allerdings auch nicht ganz einfach macht, alles zu verstehen (ich war froh, dass ich auf der DVD die Untertitel dazuschalten konnte); auf jeden Fall ist irgendwie jeder ein(e) „cunt“ und es gibt spezielle Ausdrücke für die Aufseher etc.
  • die Schauspieler verschwinden völlig in ihren Rollen; und zum Teil wurde wohl auch improvisiert
  • (das habe ich aber erst durch die Extras auf der DVD erfahren:) der Drehbuchautor schrieb aus erster Hand: Jonathan Asser war erst selbst nahezu ungezügelt aggressiv, lernte dann aber, damit umzugehen und hat auch jahrelang mit Gefängnisinsassen gearbeitet. Seine Erfahrungen kamen insbesondere in den Gruppensitzungen im Film zum Tragen, von denen ich gerne noch mehr gesehen hätte.

Ich hätte gerne die Hauptperson(en) ein bisschen besser kennengelernt, um mehr Identifikationsmöglichkeiten zu haben, hätte gerne etwas mehr über deren Background erfahren. Aber ich glaube, das will dieser Film nicht. Auch waren für mich die Aktionen der Wärter nicht ganz nachvollziehbar, was allerdings wahrscheinlich tatsächlich bittere Wahrheit ist. So richtig kam die Motivation für mich aber nicht raus dabei.

Trotz all der Gewalt und Aggression gibt es aber noch ein recht versöhnliches Ende.

7 von 10 Punkten.

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