Pride (Matthew Warchus, UK 2014)

Auf meinem Kurztrip nach London hatte ich schon überall Plakate für diesen Film gesehen – und so war meine Freude groß, als dieser Film über die Vereinigung LGSM (Lesbians and Gays Support the Miners) in der Sneak Preview gezeigt wurde – über einen Monat vor dem Start in Deutschland (30. Oktober). Und die Vorfreude war berechtigt – ein Film mit einem tollen Ensemble über wahre Begebenheiten, wie er schöner, bewegender, lustiger und erhebender (uplifting) nicht sein könnte!

Im Vordergrund Faye Marsay und George MacKay als Steph und Joe.  Quelle: http://thepeoplesmovies.com/wp-content/uploads/2014/08/PRIDE-George-McKay.jpg

Hier ein Foto von der tatsächlichen Kundgebung. Wenn ich mich nicht irre, sieht man rechts im Hintergrund ein Banner der Bergarbeiter (grün). Quelle: http://static.guim.co.uk/sys-images/Guardian/Pix/pictures/2014/8/27/1409140643255/The-real-thing-LGSM-membe-008.jpg

In Großbritannien ist diese Geschichte vermutlich bekannter, mir war es völlig neu, dass es während des fast einjährigen Streiks der Bergarbeiter von 1984/85, zu dieser unkonventionellen Allianz kam. Laut diesem Artikel im Guardian ist die Geschichte, die im Film Pride erzählt wird, auch authentisch, von der Einführung des fiktiven Charakters Joe (George MacKay) mal abgesehen, der sozusagen die Schnittstelle zwischen den realen Personen und dem Publikum bildet, weil er diese Gruppe auch erst mit dem Zuschauer gemeinsam kennenlernt. Die damaligen Akteure auf beiden Seiten – LGSM und die streikenden Bergarbeiter in einer kleinen Gemeinde in Süd-Wales (im Film: Onllwyn) – sind auch recht zufrieden mit dem Film, wie im oben genannten Guardian-Artikel nachzulesen ist. Einer der LGSM-Mitglieder von damals, Mike Jackson, hat die Filmemacher auch offiziell beraten.

Inhalt:

Joe läuft 1984 das erste Mal bei einer „Gay Pride“- Demonstration mit, auch wenn er versucht, möglichst wenig aufzufallen dabei, da er noch kein offizielles Coming-Out hatte. So lernt er den Aktivisten Mark Ashton (Ben Schnetzer, der diese Rolle mit einem enormen Charisma spielt) und seine Mitstreiter kennen, u. a. Mike Jackson (Joseph Gilgun), die Betreiber des Ladens „Gay’s the Word“ – der Waliser Gethin (Andrew Scott, bekannt für seine Rolle als Moriarty in Sherlock) und sein Partner Jonathan Blake (Dominic West). (Kleine Anmerkung: Jonathan Blake hatte in Wirklichkeit eine Beziehung zu einem anderen Mann zu dieser Zeit.)

Mark Ashton kommt auf die Idee, dass man die Bergarbeiter in ihrem Streik unterstützen müsse, da sie als Homosexuelle ja auch erfahren haben, wie die Polizei und der Staat mit ihnen umspringt. Allzu viele Schwule und Lesben sind zunächst nicht von dieser Idee angetan, aber eine kleine Gruppe findet sich zusammen, macht sich auf die Suche nach einer Gruppe Streikender, die sie finanziell unterstützen können, und findet diese im südwalisischen Onllwyn. So sammeln sie fleißig Geld und Hilfsgüter, und machen sich schließlich zu einem ersten Besuch der Gemeinde auf.

Da kollidieren dann schon Welten, wenn Großstadt-Schwule und -Lesben mit Bergarbeitern und ihren Frauen vom Land zusammenkommen. Doch spätestens als Jonathan eine Tanzeinlage zum Besten gibt, ist das Eis bei den meisten gebrochen – und der ein oder andere Hetero-Mann hofft auf Tanzstunden von Jonathan, um damit die Frauen zu beeindrucken. Immer wenn diese beiden unterschiedlichen Gruppen aufeinandertreffen, kommt es zu lustigen, aber auch anrührenden Szenen. Im Film gibt es – ein bisschen Konflikt muss ja sein – auch einige in der Gemeinschaft der Bergarbeiter, die gegen die LGSM sind, aber diese bilden nur eine Minderheit, und es gab wohl in der Realität kaum Widerstand.

Trotzdem, die SUN hat irgendwann einen Artikel über diese ungewöhnliche Kooperation geschrieben, mit der Schlagzeile „Pits and Perverts“. Doch anstatt sich dadurch einschüchtern zu lassen, veranstalteten die „Perverts“ ein Benefizkonzert für die Bergarbeiter  („Pits“) unter eben diesem Titel, den die SUN geprägt hatte. Bronski Beat spielte damals auf der Veranstaltung – und auch im Film lief dann deren Lied. (Überhaupt ist der Soundtrack natürlich voll von den 80er Jahren geprägt – ich musste mich immer etwas beherrschen, nicht mitzusingen…)

Nun, der Streik der Bergarbeiter ging damals mit einer Niederlage aus – und auch die Männer aus Onllwyn gehen im Film schließlich wieder zur Arbeit. Alles also für die Katz? Nicht ganz, denn immerhin hatte die Unterstützung durch den LGSM das Leben derer, die im Arbeitskampf standen, verbessert. UND die Bergarbeiter haben später das Versprechen, das einst Dai Donovan (Paddy Considine) gegeben hatte, eingelöst. Sie reisten in mehreren Bussen an, um am Gay Rights March teilzunehmen – diesmal also unterstützten die Bergarbeiter die Schwulen und Lesben! Dies führte letztendlich auch dazu, dass die Labour Partei 1985 in ihr Programm aufnahm, dass es gleiche Rechte für die LGBT (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle)-Community geben solle.

Als Fazit darf ich Mark Kermode vom Guardian zitieren:

I laughed, I cried, and frankly I would have raised a clenched fist were both hands not already occupied wiping away the bittersweet tears of joy.

Von ganzem Herzen 10 von 10 Punkten! Unbedingt ansehen!

 

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Film und TV abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s