FFF 2014: Under the skin (Jonathan Glazer, UK/USA/Schweiz 2013)

Achtung: enthält Spoiler!

Das ist einer dieser Filme, bei denen die User auf IMDb weniger hoch abstimmen (6,3 von 10) als die Kritiker auf Metacritic (78 von 100). Interessant vielleicht noch: bei IMDb haben genauso viel mit 10 abgestimmt, wie mit 1 (8,4 %).

Ich gebe zu, ich habe nach folgenden Kriterien diesen Film ausgewählt: Scarlett Johannson, Außerirdische, Männerjagd. Dass es nicht eine Neuauflage von Species ist, hatte ich mir zwar schon gedacht, aber mehr wusste ich tatsächlich nicht.

Und nun weiß ich auch nicht viel mehr. Scarlett fährt mit dem Van in einer schottischen Stadt herum (anscheinend Glasgow), gabelt Single-Männer auf, lockt sie nach Hause und dann versinken die Männer irgendwie nackt in einer schwarzen Masse. Irgendwann gibt es eine Wende, und Scarlett hört auf damit, fährt aufs Land, landet im Nebel, ist komplett durch den Wind, völlig allein und hilflos. Lässt sich helfen, als das auf Sex hinausläuft, zieht sie weiter – und zwar ziellos durch den Wald, wo sie in Gefahr gerät…

Der Film ist sehr langsam, oft sieht man z. B. nur minutenlang Scarletts Gesicht beim Autofahren oder wie sie sich im Spiegel betrachtet. Stellenweise fand ich die Szenen eher zu einem Theaterstück passend – sehr „artsy“ alles; mir insgesamt zu sehr ins Prätentiöse übergehend.

Interessant war trotzdem:

  • eine Szene an der Küste, die Scarlett beobachtet: hoher Wellengang, Mutter, Vater und Kleinkind (1 1/2 Jahre) am Strand (im Winter!), deren Hund im Wasser, treibt ab, schafft es nicht ans Ufer zurück, Mutter schwimmt dem Hund – im MANTEL! – nach, um ihn zu retten. Als ob das nicht schon schwachsinnig genug wäre (ja, ich gebe zu, ich würde mein eigenes Leben nicht für einen Hund aufs Leben setzen, zumal nicht dann, wenn ich außerdem noch ein KIND hätte), geht auch noch der Vater – ebenso in voller Montur – ins Wasser, um jetzt die in Not geratene Mutter zu retten – super Idee, denn am Schluss sind alle ertrunken (denn der Idiot von Vater geht, nachdem ihn ein anderer Mann gerettet hat, WIEDER ins Meer…) und das Baby sitzt allein heulend am Strand. Was die Szene allerdings im Gesamtkontext des Filmes sagen soll, ist mir nicht klar, aber sie bleibt mir zumindest im Gedächtnis.
  • Die Tatsache, dass Scarlett in diesem Film mitspielt, macht sie für mich noch sympathischer, egal, ob mir der Film jetzt letztendlich gefallen hat oder nicht. Mit ihrem Bekanntheitsgrad in so eine Rolle in einem Film weit abseits des Mainstream zu schlüpfen, in der sie außerdem mehrfach nackt zu sehen ist, finde ich mutig. Und es ist auch so toll, dass sie nach wie vor Rundungen hat und kein dürres Klappergestell ist. Eine tolle Frau!
  • Mutig und irgendwie verstörend und gleichzeitig anrührend fand ich, dass einer der Männer, die Scarlett mitnimmt, ein völlig deformiertes Gesicht hat – und das war keine Maske, dieser Mann heißt Adam Pearson und leidet an Neurofibromatose – und sie keinerlei Abscheu oder Scham zeigt im Umgang mit ihm. Auch wenn es nicht ganz klar dargestellt wird, ist wohl diese Begegnung auch der Wendepunkt in der Geschichte. Adam Pearsons Erlebnisse beim Dreh werden HIER beschrieben.
  • Ach ja, ich gebe zu, ich fand es schon interessant, in einem Film, der kein Porno ist, full frontal – and erect! – nudity zu sehen. Das war jetzt nicht unbedingt sexy, aber, nun, damit sticht der Film halt schon etwas heraus.
  • Die Landschaftsaufnahmen, vor allem an der Küste, waren großartig!

Und dann war das mal wieder so ein Film, wo ich meine eigenen Gedankengänge ganz interessant finde: Ich habe mir nämlich bei einer Szene gedacht: „Das muss doch cool für den schottischen, völlig unbekannten Schauspieler sein, Scarlett Johannson küssen und anfassen zu dürfen.“ Also, denk ich mir so als Frau…

Schwierig zu bewerten. Interessant, aber halt eher was für den Kopf als fürs Herz. Ich kann nachvollziehen, warum der Film in Deutschland nicht in die Kinos kommt, und doch war es gut, dass ich ihn mir angesehen habe.

Unschlüssige 6-7 von 10 Punkten.

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4 Antworten zu FFF 2014: Under the skin (Jonathan Glazer, UK/USA/Schweiz 2013)

  1. Libertarian Anonymous schreibt:

    „Und dann war das mal wieder so ein Film, wo ich meine eigenen Gedankengänge ganz interessant finde: Ich habe mir nämlich bei einer Szene gedacht: “Das muss doch cool für den schottischen, völlig unbekannten Schauspieler sein, Scarlett Johannson küssen und anfassen zu dürfen.” Also, denk ich mir so als Frau…“

    Scarlett statt Famke? 😉

  2. scoresandsongs schreibt:

    Schwesterherz, ich hab den Film gestern gesehen und fand ihn sensationell, wahrscheinlich nach „Her“ (interessanterweise auch mit der Johannsons Scarlett), den besten Film der letzten 12 Monate. David Lynch meets Stanley Kubrick und dann auch wieder gar nicht. Die Szene am Strand, die wirklich herzzerreißend war, gerade weil die zwei Aliens das Baby so völlig kalt am Strand hocken lassen, soll denke ich die absolute Empathielosigkeit von „Laura“ und dem „Bad Man“ zeigen, zu Beginn der Story. Später, nach der Begegnung mit Adam Pearson, wendet sich für sie das Blatt, sie entwickelt eine Art Sehnsucht nach Menschlichkeit, die ihr aber verwehrt bleibt (der unmögliche Versuch, Sex zu haben oder Kuchen zu essen). Ein frustrierend niederschmetternder Film und mit einer der spookigsten Schockmomente seit gaaanz langem. Ich sage nur unter Wasser und Haut …

    Die schottischen unbekannten Schauspieler waren übrigens gar keine Schauspieler, alle Szenen in und um Glasgow in Laura’s Truck sind mit versteckter Kamera gedrehte Realszenen mit ganz normalen Glasgower Bürgern, die erst danach informiert wurden dass sie gerade in einem Film mitgespielt haben (wenn sie es genehmigen). Ob das für die Träger der Penisse auch zutrifft weiß ich allerdings nicht. Der motorradfahrende „Bad Man“ ist ein Britischer Motoradrennfahrer, auch kein Schauspieler. Offdriven.

    Und ich würde den Film nicht als „artsy“ bezeichnen, sondern eher als … „alien“. ;))

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, hallo Bruderherz! 🙂 Ist ja schön, dass du dich mal hierher verirrst! Dass dir der Film gefällt, war mir klar. 😉 Ich bin ja auch zwiespältig. Viele, viele vom FFF fanden ihn unterirdisch schlecht. Ich fand ihn halt in Teilen toll, aber insgesamt etwas zu „alien“ für mich.

      Ich glaube nicht, dass die „Träger der Penisse“ (das hast du mal wieder vortrefflich formuliert ;)) auch erst hinterher gefragt wurden, ob sie nicht zusätzlich sich auch noch ausziehen wollen… Adam Pearson wurde definitiv vorher gecastet.

      Ja, die Szene als man sieht, was eigentlich mit den Männern da im Wasser passiert, war schon creepy.

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