FFF 2014: The Voices (Marjane Satrapi, USA/D 2014)

Kurzkritik:

SO stelle ich mir einen idealen FFF-Film vor! Ehrlich gesagt, hätte ich so einen Film von der iranisch-französischen Comiczeichnerin und Regisseurin, von der ich bisher nur ihre exzellente autobiografische Comicverfilmung Persepolis kannte, nicht erwartet.

Jerry (Ryan Reynolds) scheint ein relativ normaler Typ zu sein, der lediglich im Umgang mit Mitmenschen, insbesondere weiblichen, etwas ungelenk ist. Wenn da nur nicht die Tatsache wäre, dass er mit seiner Katze Mr. Whiskers und seinem Hund Bosco spricht – und diese ihm antworten. Dass dies auf eine psychische Störung hinweist, erahnt man spätestens, als Jerry seine Psychotherapeutin (Jacki Weaver) aufsucht.

Er hört also Stimmen, die von seinen Haustieren kommen – na und? Nun, ein bisschen beunruhigend ist es schon, dass Hund und Katze das Äquivalent zu „Engelchen“ und „Teufelchen“ zu sein scheinen, und Jerry sich von Mr. Whiskers stärker beeinflussen lässt… Als Jerry – neben ihm im Auto die schöne Fiona (Gemma Arterton mit wunderbaren weiblichen Rundungen) aus der Buchhaltung, die ihn für den Abend versetzt hatte, aber da ihr Auto nicht anspringt, jetzt doch noch in Jerrys Auto gelandet ist – ein Reh anfährt, das ihm dann darum bittet, sein Leiden zu beenden, was Jerry prompt mit einem Messer, vor den Augen Fionas, tut, wird dem Zuschauer klar: OK, das kann noch recht blutig werden! Und das wird es dann auch…

Eine lustige Annäherung an eine tiefe psychische Störung, die Ryan Reynolds mit ihren Höhen und Tiefen sehr überzeugend darstellt, mit einem konsequenten Ende, das dann nochmal eins draufsetzt, sodass man kichernd aus dem Kino rausgeht. Klar – eigentlich ist dies ein ernstes Thema, und das flackert auch immer wieder mal auf, etwa in Jerrys Flashbacks an seine Kindheit, aber ich fand die Herangehensweise sehr erfrischend, zum Beispiel auch, wie filmisch der Unterschied zwischen dem, wie sich Jerry sein Leben um sich herum vorstellt (helle, aufgeräumte Wohnung, mit einer Katze, die lauthals nach ihrem Futter verlangt und einem liebevoll loyalen, an das Gute in Jerry glaubenden Hund), und dem, wie es tatsächlich aussieht (Messie-mäßig, was noch das geringste Problem ist…), dargestellt wird. Da versteht man fast, dass Jerry seine Medikamente nicht nehmen will…

Absolut schade, dass dieser prominent besetzte Film (in einer weiteren Rolle Anna Kendrick) bisher nur so einem kleinen Publikum bekannt ist – das Rating von 7,5 auf IMDb basiert auf der Abstimmung von ganzen 228 Usern. Bisher der unterhaltsamste Film des FFF 2014!

9 von 10 Punkten!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Fantasy Filmfest abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu FFF 2014: The Voices (Marjane Satrapi, USA/D 2014)

  1. singendelehrerin schreibt:

    Noch eine kleine Anekdote am Rande: Ich habe vor dem Film den Autor des Buches „Das finstere Tal“ kennengelernt. Vielleicht etwas peinlich, denn mir hat sein Name bei der Vorstellung nichts gesagt. Die Freundin, mit der ich mich zu diesem Film traf, kennt ihn, und hat ihn mir, da er in derselben Reihe saß wie wir, mit vollem Namen vorgestellt (hatte mich schon gewundert, weil sie mich nur mit Vornamen vorgestellt hatte). Dann hat sie ihn erstmal gefragt, wie es mit seinem neuen Buch vorangeht und dann, wie er das findet, dass „der Film“ jetzt für den Oscar (für den besten ausländischen Film) eingereicht worden ist. Ich so: „Drehbuch?“ Meine Freundin: „Nein, die Romanvorlage!“ Ich so innerlich: Oops. sollte man vielleicht wissen…

    Nun überlege ich, ob ich mir nicht doch mal ein deutsches Buch zulege… 😉 Hey, wenn man schon den Autor kennt! 😉

  2. Libertarian Anonymous schreibt:

    Grmpf, wenn der Film doch bloss am WE gelaufen wäre, den hätte ich auch gerne gesehen. (Gemma Arterton – sabber… ;-))

  3. Libertarian Anonymous schreibt:

    Wirklich ein ziemlich krasser Film. Hat den gestrigen Abend gerettet, nachdem ich „Hansel und Gretel“ nicht mehr ausgehalten habe… da hat meine Fantasy-Aversion wieder durchgeschlagen und daran konnte auch Gemma Arterton nichts ändern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s