Robin Williams: Von „Carpe diem“ zu „Rest in Peace“

Wieder eine Schauspiellegende, die viel zu früh die Bühne verlässt… 😦

Robin Williams hat mich in den 80er- und 90er-Jahren durch seine Rollen in Good Morning Vietnam (1987)  Dead Poets‘ Society (Club der Toten Dichter, 1989), Awakenings (Zeit des Erwachens, 1990), The Fisher King (König der Fischer, 1991), Mrs. Doubtfire (1993), Good Will Hunting (1997), What Dreams May Come (Hinter dem Horizont, 1998) begeistert. Er war damals eine Konstante im Kino, ein Garant für Humor – mal „plainly silly“, mal tiefsinniger -, aber fasziniert hat er mich vor allem in seinen komplexeren, dramatischeren Rollen. Aus Dead Poets‘ Society gebe ich heute noch Zitate an meine Schüler bei der Abifeier weiter. Sicher, geschrieben hat er diese nicht, aber durch seine Performance ist dieser Film zu so einem Klassiker geworden.

Einige der Komödien, in denen er über die Jahre mitgespielt hat, sind eher seicht, was aber letztlich nicht an Williams lag, sondern an den Drehbüchern. Er sagte 2010 in einem Interview mit Decca Aitkenhead vom Guardian (bzgl. seines Mitwirkens im Film Old Dogs – Daddy or Deal („dt.“ Untertitel)),

Sometimes you have to make a movie to make money. […] You know what you’re getting into, totally. You know they’re going to make it goofy. And that’s OK.

Wohl auch deswegen habe ich ab 2000 nicht mehr so viele Filme mit ihm gesehen. Es stachen aber seine Performances in One Hour Photo und Insomnia heraus, in denen er zeigen konnte, dass er mehr als „nur“ Komiker war. Seitdem allerdings habe ich kaum einen seiner Filme mehr gesehen, höchstens solche, in denen er kleinere Nebenrollen hatte, wie in August Rush (Der Klang des Herzens, 2007). Und so hatte ich ihn auch gar nicht mehr so als bedeutenden Schauspieler auf dem Schirm – und doch macht mich sein Tod betroffen, denn er hat mich in meiner Jugend und als junge Erwachsene wirklich ein Stück weit begleitet und hat Figuren erschaffen, die Kultcharakter haben („Goooood Moooorning, Vietnaaaaam!“, „O Captain, my Captain“, und für viele „na-nu na-nu“ (nano nano) als Mork vom Ork, das ich nie gesehen habe).

Er WAR ein bedeutender Schauspieler – einer der uns zum Lachen bringen und zu Tränen rühren konnte. Vielleicht wurde er zuletzt nicht allzu häufig gegen Typecasting besetzt, aber wenn doch, konnte er zeigen, dass er eben z. B. auch einen „creepy“ Stalker (One Hour Photo) absolut überzeugend darstellen konnte.

Abgesehen von seinen Filmen und Fernsehserien, war er auch ein exzellenter Stand-Up Comedian. Davon habe ich leider zu wenig mitgekriegt – hier aber ein Beispiel von 2008, kurz nach der ersten Wahl von Obama:

O Captain, my Captain: rest in peace!

 

 

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14 Antworten zu Robin Williams: Von „Carpe diem“ zu „Rest in Peace“

  1. bullion schreibt:

    Mich hatte die Nachricht heute früh auch hart getroffen. Viel stärker, als ich das je gedacht hätte. Ich mag viele Filme mit ihm, jedoch hätte ich ihn nie bewusst als Lieblingsschauspieler wahrgenommen. Oh man… 😦

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, ging mir ähnlich. Ich habe mir inzwischen auf YT einige Auftritte von ihm bei Craig Ferguson angesehen und bedaure es sehr, dass ich mich nie so sehr mit seinen Live-Auftritten beschäftigt habe. Welch ein Feuerwerk an Ideen er da so losgelassen hat – und wie er Stimmen und Akzente nachahmen konnte!

  2. oldboyrap schreibt:

    Ich muss zugeben, dass mich die Todesursache weitaus mehr getroffen hat als seine Schauspielkünste. Ich hab allerdings auch sehr wenig Filme mit ihm gesehen und die, die ich gesehen habe, fand ich grottenschlecht bis ok. Einzige Ausnahme machte bisher „One Hour Photo“, den ich zufälligerweise wenige Tage vor seinem Tod gesehen habe, und den ich super fand.

    • singendelehrerin schreibt:

      Wegen der tatsächlichen Todesursache will ich erstmal noch abwarten. Aber ja, sollte er sich tatsächlich selbst getötet haben, aufgrund von Depressionen, ist das – gerade bei einem Künstler/Menschen, der so viele Menschen zum Lachen gebracht hat – doppelt tragisch… Wie „passend“, dass ich gerade gestern Abend den Teil von „Cloud Atlas“ gelesen hab, in dem Robert Frobisher an Sixsmith schreibt, dass er sich jetzt gleich erschießt… 😦

      • oldboyrap schreibt:

        Ich hab Suizidversuche und Selbstmorde wegen Depressionen näher in meinem Umfeld als es mir lieb ist, ist für so einen öffentlichen Chat hier aber etwas zu privat. Mich bewegt dieses Thema jedenfalls sehr, weil es mich mein Leben lang verfolgt.

  3. Miss Booleana schreibt:

    Die Nachricht hat mich echt geschockt. Zwar sehe ich das so ähnlich wie du – das Typecasting in schlechten Komödien fand ich fuchtbar, aber ich bin mit seinen Filmen aufgewachsen und auch irgendwie an seinen Filmen gewachsen. Ich weiß nicht, was es zuerst war – HInter dem Horizont oder Good Morning VIetnam, oder der Club der toten Dichter? Dass er auch anders kann und eine gewichtigere Botschaft vermittelt, war einer der vielen Momente in den ich angefangen habe als junge Filmfanatikerin auf was anderes als Komödien und RomCom und Horror zu stehen. One Hour Photo empfand ich als sehr sehr guten Film und erinnere mich noch daran, als wäre es gestern. Vielleicht sind nicht alles Film-Meilensteine, aber die haben sehr viel Herz – nicht zuletzt dank Robin Williams. Vor Allem wegen ihm. Ich finds unendlich traurig wegen der Gewissheit wie er aus dem Leben gegangen ist und dass jemand, der so viele Menschen zum lachen gebracht hat, freiwillig gegangen ist. Mir spuken die kontroversesten Bilder durch den Kopf aus „Hinter dem Horizton“ oder auch das Musikvideo zum Song „Be Happy“ …

  4. Libertarian Anonymous schreibt:

    Einer meiner Lieblingsfilme mit Robin Williams:

    http://www.imdb.com/title/tt0182789/

    Leider sahen das die Kritiker und grosse Teile des Publikums damals anders. :-/

  5. Willy schreibt:

    Ein wirklich sehr schöner Nachruf, gerade erst drauf gestoßen! Sehr berührend!

    Liebe Grüße
    Willy

  6. vlexigana schreibt:

    Er hatte ja schon immer mit Depressionen zu kämpfen…. Und wie so oft setzen sich solche Menschen die Maske eines Clowns auf. Ich bin mit Mork vom Ork aufgewachsen und mit König der Fischer erwachsen geworden. Ich liebte ihn gerade in den ernsthaften Rollen. Und gerade der Android, der um die Anerkennung seiner Menschlichkeit kämpft, bis zur allerletzten Konsequenz, hat mich sehr berührt. Ich werde ihn vermissen. 😦

    • singendelehrerin schreibt:

      „Ich bin mit Mork vom Ork aufgewachsen und mit König der Fischer erwachsen geworden.“
      Schöner Satz!
      Sein Selbstmord kommt mir immer noch wie ein böser Traum vor – und ich bereue es, die Details gelesen zu haben, darüber wie er sich getötet hat. Warum eigentlich muss das die Öffentlichkeit wissen?

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