Wege zum Ruhm – oder: When will I be famous?

Unsere ganze Familie ist musikalisch. Auf Familienfeiern wird erwartet, dass wir „Kinder“ als Quartett etwas singen – und die Erwartungen werden in der Regel erfüllt, bei runden Geburtstagen, Hochzeiten, ja sogar bei Beerdigungen. Drei von uns musizieren immer noch gemeinsam in einer Kirchenband, wenn auch nicht mehr so häufig, seitdem ich nach München gezogen bin.

Aber nur einer von uns (das Nesthäkchen) hat seine Musikalität zum „Beruf“ gemacht – doch schaffen es nur wenige in dem Business zu nationalem oder gar weltweitem Ruhm… Der Traum meines Bruders, einmal in einem großen Stadion zu spielen (vorzugsweise mit Your Careless Spark), blieb ihm bisher verwehrt; wie sehr ich mir das für ihn wünschte, habe ich schon einmal in einem Media Monday formuliert. Zu erleben, wie Tausende jeden Text mitsingen – was für ein erhebendes Gefühl das sein muss!

Wie angekündigt, sind Your Careless Spark letztes Wochenende auf dem Bardentreffen in Nürnberg aufgetreten. Ich fand zwar die Abmischung zum Teil nicht so gut gelungen, anders als damals bei der CD-Release-Party, und laut meinem Bruder haben sie auch nicht ganz fehlerfrei gespielt, aber ansonsten kann man nur sagen, dass der Auftritt ein voller Erfolg war, auch wenn nur wenige altbekannte Fans bei einzelnen Stellen mitgesungen haben: immerhin 40 CDs haben sie hinterher verkauft – sehr erfreulich! Unterstützt wurden YCS bei den Tracks von ihrem Album wieder durch Linda and The Small Giants, allerdings war die Cellistin erkrankt, was schade war. Trotzdem finde ich es schön, wenn eine Frauenstimme dabei ist (meine Mutter findet ja immer, dass ich das auch übernehmen könnte), und auch die Geige bringt einfach noch mehr Klangfarbe hinein.

Auf Nordbayern.de gibt es ein paar schöne Nahaufnahmen von einzelnen Mitgliedern der Band. Und dann habe ich noch zwei Videos für euch. Das erste („Majesty“) wurde von „Lokale Leidenschaften“ (Radio Z) auf YouTube gestellt, das zweite („Under Water“, letztes Lied des Konzerts) hat mein älterer Bruder aufgenommen und auf Vimeo veröffentlicht (bitte entsprechenden Link unten anklicken).

„Under Water“ live @Bardentreffen 2014

Mit YCS klappt das mit dem Mitsingen also noch (?) nicht, aber am Sonntag durfte ich erleben, wie das auf dem Annafest in Forchheim mit den Chicolores , bei denen mein Bruder hauptsächlich Keyboard spielt, funktionierte. Diese Coverband besteht seit 14 Jahren und hat im Raum Forchheim/Bamberg unglaublich viele treue Fans – und so war es auf dem Winterbauer-Keller und auf der „Straße“ vor der Bühne so gesteckt voll, dass – wohl erstmalig – die Sicherheitsleute darauf gedrängt haben, einen Fluchtweg freizuhalten, denn während die Chicolores gespielt haben, war es ansonsten quasi unmöglich, durch die Menge zu kommen. 89 Songs hatten sie auf ihrer Setlist – zugegebenermaßen die meisten von diesen in Medleys zusammengepackt. Trotzdem eine beachtliche Anzahl an Liedern von Jamiroquai bis Faithless, Snap! bis Pharell Williams, Seeed bis Paul Simon. Und das Irre war: das (zum Teil auch sehr junge) Publikum sang auch so Lieder wie „You can call me Al“ von Paul Simon mit! Ich bezweifle, dass aus der „jungen Generation“ (also, sagen wir mal, der Generation meiner Schüler) viele das Lied kennen, aber die Chicolores-Fans sangen begeistert mit! Die Stimmung war grandios – und dies war eben nicht primär dem Alkohol geschuldet, wie etwa, wenn in den Oktoberfest-Zelten auf den Bänken getanzt wird. Als die Band ein Lied unterbrach, um eine kleine Gruppe, die meinte, Pogo „tanzen“ zu müssen, darum zu bitten, das zu unterlassen, und statt dessen einfach „aufeinander achtzugeben“ beim Feiern und Tanzen, gab es stürmenden Applaus. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass diese Band in meiner Heimat Oberfranken durchaus berühmt ist – aber schon auf der Erlanger Bergkirchweih kommt, laut meinem Bruder, ihre anspruchsvolle Partymusik wohl schon nicht mehr so an.

Meine Fotos von hinter/neben der Bühne mit meinem iPhone uralt (3Gs) sind nicht besonders gut geworden, aber vielleicht könnt ihr die Menge an Leuten auf der Straße und auf dem Keller gegenüber erkennen. IMG_0075 IMG_0078

Aber wie sieht es mit den Ambitionen der Singenden Lehrerin aus – hat auch sie „Wege zum Ruhm“ eingeschlagen? Nun, als Jugendliche wollte ich eine Zeit lang Musical-Darstellerin werden, hatte aber letztlich weder die Vorbildung (Gesangsunterricht, Ballettunterricht) noch den Biss und das Selbstbewusstsein dafür, dieses Ziel ernsthaft zu verfolgen.

Aber immerhin hatte ich in meinen Zwanzigern einige Tanzauftritte, u.a. zwei Fernsehauftritte als Backgroundtänzerin im ZDF mit der fränkischen „Boygroup“ ConstructionConstruction hatte bei einer Hut ab!-Sendung (Talentshow mit Ingolf Lück) gewonnen und wurde deshalb in die Best-of-Sendung (gesendet wurde von der IFA in Berlin) eingeladen. Bei ihrem ersten Auftritt hatten sie auch Backgroundtänzerinnen dabei gehabt, die sie aber kurz darauf rausgeworfen hatten, weil sie eine reine Boygroup sein wollten. Nun wollte aber das ZDF Construction in der Formation buchen, wie bei ihrem ersten Hut ab!-Auftritt, und so kam ich ins Spiel, weil ich die Jungs privat kennengelernt hatte (wir waren in derselben Disco Stammgäste und ein Teil der Gruppe kam ohnehin aus meinem Heimatort) und außerdem in einem Tanzkurs, den sie gegeben hatten, schon die Choreografie gelernt hatte – und das eben wohl so gut, dass sie mich fragten, ob ich mitmachen wollte. Natürlich wollte ich!!! 🙂

Und so war ich bei den Auftritten im ZDF-Fernsehgarten und bei Best of Hut ab! mit dabei – und durfte ein bisschen „Ruhm“ schnuppern. Insbesondere der Auftritt bei Ingolf Lück war ein wirkliches Erlebnis. In derselben Sendung traten (u.a.) Marillion, Nena und Bros auf. Den Auftritt von Marillion habe ich leider verpasst, weil wir just in dem Moment eine Band-Besprechung hatten, von Nena habe ich mir ein Autogramm geholt, und mit einem der Zwillinge von Bros habe ich mich – von Künstler zu Künstler unterhalten. DA hatte ich kurz das Gefühl, „Wow, wie geil wäre das, wenn das keine einmalige Geschichte wäre!“ Zu sehen, wie draußen am Bühneneingang weibliche Fans auf einen Augenblick mit ihren Stars hofften, während ich mich ganz normal mit einem davon unterhielt, war schon ein extrem cooles Gefühl (auch wenn ich jetzt kein Fan der Gruppe war). Aber es ging NICHT weiter, die Mädels wurden nach diesen zwei Auftritten wieder rausgekickt – und abgesehen davon, hat es Construction auch nie so richtig „gepackt“. Ich denke, es lag hauptsächlich an der Musik (, die man heute kaum noch hören kann), denn die Tanzerei (sie waren ihre eigenen Choreografen) war wirklich fantastisch, da war Power drin, und es wurde sehr viel Wert auf absolut synchrone Bewegungen gelegt. Das ist etwas, worauf ich immer noch sehr großen Wert lege, wenn ich Tanzdarbietungen sehe: wenn es an Synchronität mangelt, bin ich gleich etwas enttäuscht und denke, „das hätte ich früher besser gekonnt“.

Den Auftritt bei Best of Hut ab! habe ich vor kurzem auf YouTube entdeckt. Ich bin diejenige, die meistens von anderen verdeckt wird (vom Publikum gesehen, das Mädel auf der rechten Seite).

VORSICHT – die Outfits der Jungs sind aus heutiger Sicht – ähem – modisch fragwürdig…


11 Gedanken zu “Wege zum Ruhm – oder: When will I be famous?

  1. Hach, das ist ein toller Artikel geworden! Ich finde es toll, wenn man etwas hat, von dem man so begeistert ist, wie du von Musik. Meine Erfahrung beschränkt sich auf etliche (bestimmt 8 Jahre oder so) Heimorgelunterricht (bin eben ein Kind der 80er) und ein wenig autodidaktisches Gitarrengeklampfe (hätte ich damals lieber lernen sollen).

    Auch schade, dass ich es nicht zum Bardentreffen geschafft habe, doch das letzte WE war einfach zu dicht.

    Die Choreo wirkt übrigens wirklich sehr professionell — und im Gegensatz zur Musik und Darbietung im Vordergrund fast schon zeitlos… 😉

    1. Danke für das Lob! 🙂

      „Heimorgelunterricht“ – *lol* das klingt wirklich SEHR nach den 80ern! 😉

      Ich wäre ja auch fast nicht zum Bardentreffen gefahren (bin ja extra aus München angereist), weil es ja noch am Nachmittag total geschüttet hat und die Vorhersage für abends auch nicht so prickelnd war. Aber wie gut, dass ich dann doch gefahren bin – blauer Himmel am Abend; und auch am Sonntag wunderbares Wetter fürs Annafest! 🙂

  2. Interessant, was das Internet so zutage fördert… die S.L. vor 23 Jahren. 😉

    Bei Youtube gibt es übrigens auch das danach geführte Interview, bei dem sich Lück an einer Stelle „beschwert“, dass jemand LAUT gelacht hat. Warst das etwa DU? 😉

    1. 😛 Hey, der Lacher kam aus dem Publikum! 😛

      Auf das Interview wollte ich eigentlich nicht hinweisen, weil ich das so peinlich finde… Sowohl Lücks Fragen und Bemerkungen, als auch die entsprechenden Antworten. Nun ja…

  3. Du bist also da rechts der kleine blonde Hüpfer 🙂
    Ist doch cool so etwas. Auch wenn es keine „Karriere“ wurde, wenigstens einmal Fernsehluft schnuppern hatte doch was, oder? 🙂

    1. Auf jeden Fall! 🙂 Richtig berühmt möchte ich eh inzwischen nicht mehr werden. Wenn dich jeder auf der Straße erkennt – das ist doch gerade bei uns Frauen nervig; da müsste man ja immer irgendwie gestylt aus dem Haus gehen… Nein, danke!

      Aber auf der Bühne steh ich nach wie vor gerne! 🙂

      1. Also es gibt ja genug Paparazzi – Bilder von ungeschminkten Promifrauen 😉 Das sollte jetzt nicht das Problem sein 😉

        Wenn sich Chancen auf Bühne stehen ergeben, sollte man sie auch nutzen. Ich steh nur hinter der Bühne. Bin bei uns im Verein einer der Bühnenbauer 🙂

        1. Interessant ist auch das Vor-der-Bühne-Stehen, wenn ich meine Schüler im „Chor“ dirigiere… Auf jeden Fall fast nervenaufreibender als selbst „nur“ auf der Bühne zu stehen und zu singen.

  4. Schöner Beitrag. 🙂 Und auch wenn ich die Musik aus dem Video deines TV-Auftritts nicht so dolle finde – die Choreo ist gut! Und du tanzt auch sehr schön, sieht professionell aus. 🙂

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