Hector and The Search for Happiness (Peter Chelsom, Deutschland/Kanada 2014)

Sneak Preview. Opening Credits: Wild Bunch Germany (unter gefühlten 20 Produktions- und Verleihfirmen) – ein Raunen und Kichern geht durch das Publikum und die im Stillen gestellte Frage: „Wollen wir, die wir ja absichtlich ins Cinema zur Sneak Preview gehen, um englischsprachige Produktionen anzusehen, eine deutsche Produktion sehen?‟ Immerhin, eins ist klar: es laufen KEINE Filme auf Deutsch in der Sneak, also müssen internationale Schauspieler dabei sein…

Dann der Titel des Films. Hm, das kann eine Komödie sein, eine Liebesgeschichte, ein Film, der uns sagen will, wie man glücklich wird… Auf jeden Fall habe ich noch nichts von dem Film gehört – und bei IMdB gibt es auch noch keine Wertung, was daran liegt, dass wir sozusagen eine ECHTE Preview erlebt haben: der Film ist tatsächlich noch nirgends angelaufen! In Deutschland wird er am 14.8. veröffentlicht, in Großbritannien am 15.8., in den USA erst im September.

Dann der erste Blick auf den, wie ich (richtig) vermute, Protagonisten des Films: er wird gespielt von Simon Pegg! Ich bin schon mal beruhigt, und dann stellt auch noch Rosamund Pike die langjährige Freundin Clara von Simon Peggs Hector dar – das freut meinen Nebenmann.

Wir lernen als erstes Hector im Zusammenleben mit seiner Freundin Clara kennen: sie bereitet sein Frühstück vor, bindet ihm die Krawatte, trägt ihm den Schlüssel hinterher. Dann erfährt man, dass Hector ein Psychiater ist, der sich zunehmend schwer tut, seinen Patienten (u. a. Veronica Ferres) zu helfen, weil er selbst nicht weiß, was Menschen (und was ihn) eigentlich glücklich macht. Und so macht er sich auf eine Reise auf der Suche nach dem Glück („happiness‟ nicht „luck‟). Zum Abschied bekommt er von Clara ein Notizbuch, das er füllen soll, und die „Erlaubnis‟, alles auszutesten, was ihm in seiner Suche hilft. Und so trägt Hector brav die „Weisheiten‟, die ihm auf seiner Reise mitgegeben werden, in sein Buch ein. Die Suche führt ihn zunächst nach China und Afrika – und zuletzt nach Los Angeles.

Der Film basiert übrigens auf dem Buch Le voyage d’Hector ou la recherche du bonheur von François Lelord, der selbst Psychiater ist.

Die vielen Begegnungen (u. a. mit Stellan Skarsgård, Jean Reno und Toni Collette) und Erfahrungen, die Hector macht, sind häufig lustig und erhellend, manchmal enttäuschend und einmal sogar lebensbedrohend. Die „Sinnsprüche‟ zum Thema „happiness‟, die er daraus ableitet, sind vielleicht ab und zu etwas platt, und das Ende ist auch mir ein bisschen zu einfach und „klassisch‟, weswegen man den Film sicherlich unterschiedlich wahrnehmen kann. Ich habe zwei Kritiken gelesen, die recht gegensätzliche Meinungen zu dem Film ausdrücken. So schreibt Lukas Stern auf critic.de:

Hectors Reise aber – und selbst der friedvolle Wunsch, darüber hinwegsehen zu dürfen, will sich, zumindest für mich, nicht erfüllen lassen – ist von Kopf bis Fuß durchsäuert von der Penetranz unterrichtskundlicher Zeigestab-Erziehung. In ein kleines Notizbuch kritzelt Hector seine Thesen vom Glück. Diese Annahmen werden stetig am unteren Leinwandrand in pädagogischer Tafelschönschrift affirmativ nachgepinselt. Ja, zum Mitschreiben, schlimmer noch: zum Auswendig lernen.

Dagegen kommt Christoph Petersen auf filmstarts.de zu einer positiveren Einschätzung (Er kommt zu einer Bewertung von 3 von 5 Sternen.):

Die von Hector gesammelten Weisheiten (etwa „Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen“ oder „Manchmal bedeutet Glück, etwas nicht zu begreifen“) mögen für sich genommen nach dem üblichen Sinnsuche-Schmarrn klingen, aber hier werden die Probleme der Welt eben nicht in „Eat Pray Love“-Manier hemmungslos geschönt oder gleich komplett ausgeblendet. Und das ist der entscheidende Unterschied: Hectors Erkenntnisse sind meist glaubhaft seinen Erlebnissen abgerungen und es wird dabei nicht so getan, als ließe sich alles Leid einfach so in Wohlgefühl verwandeln.

Ich tendiere eher zu Petersens Meinung, auch wenn mir der Schluss dann doch einen Tick zu kitschig und – wie Stern schreibt – zu sehr der „bürgerlichen Glücksphilosophie‟ entspricht (Heirat + Kinderwunsch). Trotzdem haben mich einige der gesammelten Wahrheiten zum Nachdenken angeregt und manche menschliche Begegnungen berührt. Zudem ist Simon Pegg nun nicht ein Schauspieler, den man sofort mit Kitsch verbindet, und so hat sicherlich sein trockener Humor (aber auch seine Fähigkeit, andere Emotionen auszudrücken!) mit dazu beigetragen, dass der Film nicht allzusehr in klischeehaften Lebensratgeberkitsch abdriftet.

7 von 10 Punkten!

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2 Gedanken zu “Hector and The Search for Happiness (Peter Chelsom, Deutschland/Kanada 2014)

  1. Dieser „Lukas Stern“ scheint mir allerdings der Prototyp des hochtrabenden, deutschen Meckerkritikers zu sein, insofern ist gerade seine Mäkelei an der „Penetranz unterrichtskundlicher Zeigestab-Erziehung“ geradezu ironisch, entspränge sie doch (sofern im Film wirklich vorhanden, ich sehe das anders), genau der gleichen Mentalität, die er nicht nur in der Kritik zu diesem, sondern auch zu anderen Filmen an den Tag legt. Beim überfliegen seiner anderen Kritiken fiel mir auch auf, dass er sogar „The Place Beyond the Pines“ verrissen hat. Sagt das nicht alles? 😉

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