Jersey Boys (Clint Eastwood, USA 2014)

Wer würde erwarten, dass Clint Eastwood, der solch Dramen wie Million Dollar Baby oder Gran Torino auf die Leinwand gebracht hat, und Geschichte aufgearbeitet hat, wie in Flags of our Fathers und Letters from Iwo Jima, Regie bei der Verfilmung eines Stage-Musicals führen würde? Nun, er hat es getan – und das Ergebnis haben wir gestern in der Sneak Preview gesehen: Jersey Boys.

Jersey Boys erzählt von der Entstehung der Band (Frankie Valli and) The Four Seasons, ihrem kometenhaften Aufstieg und dem Auseinanderbrechen der ursprünglichen vier Mitglieder. The Four Seasons? Frankie Valli? Die Namen allein haben mir erstmal nichts gesagt, aber als dann der erste #1-Hit “Sherry” im Film erklingt, und spätestens beim zweiten #1-Hit “Big Girls Don’t Cry”, klingelt es dann. Dass außerdem “Can’t Take My Eyes Off You” von Frankie Valli ist, war für mich jedoch eine weitere Überraschung.

Im Zentrum steht zum einen natürlich Frankie Valli, der mit seiner unvergleichlichen Stimme das Aushängeschild der Band war, und sein Freund und “Entdecker” und Tommy DeVito. Der Film und das Musical heißen “Jersey Boys”, weil Frankie, Tommy (Vincent Piazza) und Nick Massi (Michael Lomenda) aus New Jersey stammten und sich insbesondere Tommy dort auch erstmal als Kleinkrimineller durchgeschlagen hat. Außerdem gab es immer auch Kontakte zur Mafia (herrliche Nebenrolle für Christopher Walken!). Vierter der Four Seasons wurde Bob Gaudio (Erich Bergen), der dann auch die Lieder für die Band komponierte und engster Vertrauter von Frankie wurde.

Frankie Valli wird gespielt (und gesungen!) von John Lloyd Young, der diese Rolle auch schon im Musical gespielt und dafür 2006 (u. a.) den Tony Award als bester Hauptdarsteller in einem Musical bekommen hat. Obwohl er auf den ersten Blick nicht direkt gut aussieht, hat er eine tolle Ausstrahlung (wunderschöne braune Augen!) und v. a. eine Stimme, die dem Original sehr nahe kommt. Wirklich außergewöhnlich!

Die Erzählweise wurde dem Musical angepasst, in dem wohl die vier “Seasons” jeweils von einem anderen Mitglied erzählt/kommentiert werden. Und so beginnt der Film auch damit, dass Tommy in die Kamera spricht. Ansonsten ist der Film aber – anders als etwa Mamma Mia oder Les Misérables – kein Musical-Film! Nur am Beginn der Closing Credits kommt dann eine richtig schöne klassische Musicalszene, in der auf der Straße nochmal von allen gesungen und getanzt wird – ein wunderbarer Abschluss!

Ansonsten ist der Film sicher kein Meisterwerk von Eastwood – da hat er einfach schon weitaus interessantere Drehbücher verfilmt. Aber die Musik ist mitreißend und es ist doch spannend zu sehen, wie Jungs aus eher ärmlichem und potentiell kriminellem Milieu es schaffen, ganz nach oben zu kommen. Aber auch die Schattenseiten werden beleuchtet: Tommy leiht sich immer mehr Geld bei einem Kredithai, Nick greift immer mehr zur Flasche, Frankies Ehe zerbricht und für seine Töchter ist er auch kaum mehr als Vater greifbar…

7 von 10 Punkten.

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8 Antworten zu Jersey Boys (Clint Eastwood, USA 2014)

  1. oldboyrap schreibt:

    Wieso läuft bei euch immer sowas in der Sneak und bei uns nur Müll irgendwie? xD Unfair! Haha

  2. Libertarian Anonymous schreibt:

    Ich gebe dem Film 8 von 10 Punkten. Jeweils einen Punkt Abzug gibt es nur für:

    1. Das IMHO schlechte Alters-Makeup im letzten Teil des Films. Das sah total künstlich und maskenhaft aus; dazu kam, dass insbesondere Frankie nicht nur alt, sondern auch krank aussah. Sogar heute – rund 25 Jahre nach dem Zeitpunkt, zu dem die entsprechenden Filmszenen spielen, sieht er real noch wesentlich fitter aus: http://www.imdb.com/media/rm2946074624/nm0885110

    2. Lacey Hannan – das ist die Rothaarige am Anfang in der Bar – hat leider nur einen viel zu kurzen Auftritt: http://www.imdb.com/media/rm271365888/nm3635221 – das geht ja nun wirklich gar nicht!! 😉

    (…wo ist mein Sabberlätzchen?…)

    • singendelehrerin schreibt:

      Zu 1.: Ja, das Alters-Makeup fand ich auch nicht so gelungen. Aber immerhin interessant, dass man dem fast 40-jährigen Hauptdarsteller auch den jungen Burschen abnimmt.

      Zu 2.: *Sabberlätzchen reich* 😉 Da muss auf jeden Fall ein Punkt abgezogen werden! 😀

  3. mwj schreibt:

    SL, du gehst aber zur Sneak in ein Programmkino, oder?

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich weiß nicht, ob man das Cinema in München http://www.cinema-muenchen.de/home.html (noch) als Programmkino bezeichnen kann. Früher lief es wohl ziemlich sicher als solches. Und da es ja nur einen Kinosaal hat, wechselt auch das Programm täglich. Aber es ist halt auf jeden Fall ein Kino, das nur Originalversionen zeigt (mit ganz wenigen Ausnahmen, z. B. beim Ü50-Nachmittag), meistens eben englischsprachige.

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