Edge of Tomorrow (Doug Liman, USA/AUS 2014)

Hm, ein Science Fiction / Actionfilm mit Tom Cruise? Schon wieder? Muss das sein? Und dann noch so eine aufgewärmte Geschichte (Und täglich grüßt das Murmeltier…)? Na gut, aber die Kritiken sind erstaunlich gut, Emily Blunt spielt mit, und, wenn, dann muss man so einen Film eh auf großer Leinwand sehen – und am Nachmittag unter der Woche schlägt auch der 3D-Aufschlag nicht ganz so zu Buche. Also habe ich mir den Film angesehen – mit sehr geringen Erwartungen – und wurde absolut positiv überrascht!

Der Film ist nämlich viel humorvoller als der Trailer, den ich vorher gesehen hatte, erahnen lässt! Und Tom Cruise spielt einen Charakter, der nicht von vornherein der große Held ist – das ist eher „The Angel of Verdun“ (Emily Blunt) -, sondern erstmal ein waschechter Feigling. Zwar ist Cage ein ranghoher Offizier in der US-Army (allerdings eher für Public Relations zuständig), aber das interessiert den britischen Oberbefehlshaber General Brigham (Brendan Gleeson) der Truppen, die die Weiterausbreitung der „Mimics“ von Europa nach Großbritannien durch eine Art „Operation Overlord“(D-Day) stoppen sollen, wenig. Er will Cage für die P.R. direkt an der Front haben, sozusagen „embedded“. Als sich Cage aber weigert, wird er zwangsweise als ganz normaler „Private“ zu den Bodentruppen „versetzt“. Der für ihn zuständige Vorgesetzte Master Sergeant Farell (herrlich überspitzt: Bill Paxton) interessiert sich für die Ausreden von „Deserteur“ Cage überhaupt nicht und steckt ihn zum J-Squad. Mit dieser Einheit wird er gleich mit der ersten Angriffswelle nach Frankreich geflogen – wo die Mimics aber schon auf sie warten. Cage tötet einen Mimic, der etwas anders als die anderen aussieht (etwas größer und blau schimmernd), stirbt aber mit ihm – und wacht wieder am Tag vor der Invasion in dem Camp der Truppen auf, wo er die exakt gleichen Begegnungen mit Farell, dem J-Squad, etc. macht und auch genauso am nächsten Tag wieder auf die Selbstmordmission geschickt wird… Und dann geht das eben so, wie es der Trailer verspricht: Live, Die, Repeat.

Bis Sergeant Rita Vrataski/The Angel of Verdun (Blunt) einmal zu ihm sagt: „Come and find me when you wake up.“ Das tut er dann auch, auch wenn er es nicht auf Anhieb schafft. Denn er muss sich irgendwie von seiner Einheit entfernen – und der erste Versuch, sich unter einem Lastwagen durchzurollen, endet damit, dass… er wieder aufwacht. Als er es dann doch endlich schafft, erfährt er, dass Sergeant Rita Vrataski dieselbe Fähigkeit hatte, den Tag wieder von neuem zu erleben und erklärt auch ihre Theorie, wie es dazu gekommen ist und inwiefern das helfen könnte, die Mimics endgültig zu besiegen. So muss Cage erstmal ausgebildet werden, damit er immer länger am Tag der Invasion überlebt und er dann nach einiger Zeit auch von Mimic-Visionen heimgesucht wird, wodurch sie und er schließlich „Omega“ finden und töten können. (Was“Omega“ genau ist, lasst ihr euch selber durch den Film erklären…) Die nun folgenden Sequenzen sind zum Teil doch sehr unterhaltsam, denn wenn sich Cage beim Training verletzt, muss Rita ihn ja immer umbringen, denn nur, wenn er stirbt, kann der Tag wieder von neuem starten.

Doch mit der Zeit wird es für Cage auch immer belastender, denn es ist ja nicht nur so, dass er immer wieder stirbt, sondern er muss auch immer wieder miterleben, wie seine Kameraden und – insbesondere – wie Rita immer wieder stirbt. Ich schätze mal, dass er mindestens sechs Monate bis zu einem Jahr dieses immer wieder erlebt, denn selbst wenn wir manche neuen Entwicklungen das erste Mal sehen, stellt sich dann heraus, dass Cage das wohl schon ein paar mal „erprobt“ hat (und deswegen dann weiß, wie sie den Mimics – oder auch Menschen – ausweichen müssen, um weiterzukommen). Er erprobt auch einmal, was passiert, wenn er einfach nix tut und tatsächlich desertiert – aber das ist auch kein Ergebnis, mit dem er glücklich werden kann.

Wie der Film ausgeht, werde ich hier nicht verraten. Ein bisschen typisch Hollywood war es schon, und Tom Cruises Charakter ist letztlich dann doch wieder mutiger Held, ganz im Gegensatz zu dem, was er am Anfang des Films war. Aber dadurch, dass diese Entwicklung nicht abrupt von heute auf morgen geschehen ist, konnte ich ganz gut damit leben.

Noch ein Wort zu den Special Effects und 3D: Es gab ein paar nette 3D-Effekte bei den Kampfszenen, wenn dir etwas Trümmer, oder ähnliches, entgegen flogen. Insgesamt aber hätte mir 2D hier völlig gereicht. Die Animation der Mimics war sehr gut, vom CGI her ist wirklich – für mich als Laie – nichts zu beanstanden gewesen.

Fazit: Beeindruckende Action, gute Story mit Hollywood-Ende, überraschend viel Witz und solide schauspielerische Leistungen. 7 von 10 Punkten.

 

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10 Antworten zu Edge of Tomorrow (Doug Liman, USA/AUS 2014)

  1. oldboyrap schreibt:

    Hmmmm, klingt ja nichtmal so schlecht, ich frag mich da hingegen immer noch, wer für sowas Geld ausgibt 😀

  2. Miss Booleana schreibt:

    Ich bin ziemlich überrascht, dass alle so positiv überrascht sind 😉 Hatte damit anfangs auch nicht gerechnet und bin nicht in den Film gegangen. Hatte auch so gaar keine Lust auf Tom in einer weiteren Prestige-trächtigen Heldenrolle. Aber dann haben erstaunlich viele Filmblogger, inklusive du, sich darüber geäußert. Also auf DVD gebe ich ihm dann eine Chance 🙂

  3. bullion schreibt:

    Klingt gut! Werde ich zu Hause nachholen. Zeitschleifen gehen doch immer… 😉

  4. vlexigana schreibt:

    Ich bin bekennender Science Fiction und Fantasy Fan… allerdings habe ich es auch nicht so mit Tom Cruise.
    Aber Dank Dir werde ich diesem Film nachträglich eine Chance geben. Wie schon von bullion bemerkt:
    Zeitschleifen gehen eigentlich immer! 😁

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich finde Tom Cruise als Schauspieler nicht per se schlecht. Ich hab aber ein Problem damit, dass er Scientology so promotet. Das war auch ein Grund, warum ich mir den Stauffenberg-Film nicht angesehen habe. Andere Filme mit ihm sehe ich mir aber durchaus an, wenn er da auch nicht der ausschlaggebende Grund ist, warum mich der Film interessiert.

      • Libertarian Anonymous schreibt:

        Hm… ich versuche ja, zwischen der Künstler- und der sonstigen Persönlichkeit von Schauspielern, Regisseuren usw. zu trennen. Ansonsten dürfte ich mir sehr viele Sachen nicht ansehen. Denn, leider: Viele Filmschaffende sind in anderen Bereichen keine besonderen Leuchten… 😉 Ein Beispiel wäre z.B. Oliver Stone, dessen Ansichten teilweise nur noch als „delusional“ zu bezeichen sind. IMHO jedenfalls. Von Mel Gibson reden wir erst gar nicht…

      • singendelehrerin schreibt:

        Naja, ich versuche das ja meist auch zu trennen. Aber wenn dann einer, der im Grunde genommen Aushängeschild einer Organisation mit totalitären Zügen ist, einen Widerstandskämpfer gegen das totalitäre System der Nationalsozialisten darstellt, hört es bei mir irgendwie auf. Und ja, Mel Gibsons Einstellung hat mitreingespielt, warum ich mir „The Passion of Christ“ nicht angeschaut hat.
        Aber das heißt nicht, dass ich prinzipiell Filme mit diesen Schauspielern boykottiere oder so.

  5. Dexter Ward schreibt:

    Habe ihn heute gesehen, leider auch in 3D, weil er nicht in 2D lief, aber wie immer hätte man drauf verzichten können. Gibt für meinen Geschmack nur wenige Filme, bei denen das 3D lohnt.
    Ansonsten hat er mir ganz gut gefallen. Die Aliens sahen mir zwar zu matrixmäßig aus, aber gut, wir haben eben schon alles gesehen 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Bzgl. des 3D bin ich ganz deiner Meinung! (Real-)Filme, bei denen sich das 3D m. E. gelohnt hat: „Avatar“, „Star Trek: Into Darkness“ und natürlich „Gravity“. Bei animierten Filmen passt’s oft besser – die Luftballons bei „Up“ (Oben) waren der Hammer!

  6. Stepnwolf schreibt:

    Mein Tom Cruise-Komplex hält mich leider mal wieder davon ab Geld für diesen Film auszugeben. Trotz der anscheinend durchweg positiven Kritiken zum Film. Werde ich dann wohl wie immer vertagen und irgendwann, wenn ich mal wieder denke, mir einen Cruise „antun zu können“, auf kleiner heimischer Leinwand einverleiben. 🙂

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