Serien: von Point Place über Caracas nach Neuseeland

In den letzten Tagen habe ich drei Serien zu Ende geschaut (That ’70s Show), weiter geschaut (Homeland) und angeschaut (Top of the Lake). Bei Serien fällt es mir immer etwas schwer, eine Bewertung nach Punkten abzugeben, deswegen entfällt diese.

Gehen wir zunächst nach Point Place:

That ’70s Show (Die Wilden Siebziger), 8 Seasons (1998-2006)

Als die Serie damals im Fernsehen lief, ist sie völlig an mir vorbei gegangen und so war ich anfangs etwas skeptisch, zumal ich die Siebziger zwar als Kind, aber nicht als Teenager erlebt hatte. (Oje, es wird immer einfacher, mein Alter zu erraten…) Und es hat auch ein paar Folgen gedauert, bis ich reingekommen war, aber dann waren die Freunde um Eric Forman (Topher Grace) – mit ihren Irrungen und Wirrungen – ein fast täglicher Begleiter und immer da, um mich nach anstrengenden Tagen zum Lachen zu bringen:

Red Forman (Kurtwood Smith) mit seinen „foot in the ass“- und „dumbass“-Tiraden:

Kitty Forman (Debra Jo Rupp) mit ihrem Lachen, Eric Forman mit seiner Fähigkeit, alles irgendwie immer in den Sand zu setzen und seiner Obsession für Star Wars, Donna Pinciotti (Laura Prepon) mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem Witz, Steven Hyde (Danny Masterson) mit seiner Schadenfreude, Michael Kelso (Ashton Kutcher) mit seiner charmanten Dummheit und „Ich-bin-der-Schönste“-Einstellung, Fez (Willmer Valderrama) mit seinem Akzent und seiner Obsession für Süßigkeiten und… nun ja…, Jackie Burkhart (Mila Kunis) mit ihrer Arroganz, Bob Pinciotti (Don Stark) mit seiner Eigenartigkeit… und dann sticht noch aus den Nebencharakteren, die nicht alle 8 Staffeln dabei waren, Leo (Tommy Chong) besonders hervor, der bei mir schon durch ein einfaches „Hey, man!“ Kichern auslöste.

Es gab aber nicht nur Szenen zum Lachen, ab und zu wurde es auch mal etwas traurig – und da hat mich besonders Laura Prepon mit ihrer Schauspielkunst begeistert (außerdem finde ich sie einfach schön). Wenn sie gerührt, traurig oder enttäuscht war, kam das einfach so natürlich rüber, dass man Gefahr lief, selber ganz gerührt zu sein. So ging es mir insbesondere in der letzten Folge, als Kitty Donna sagt, dass sie für sie immer wie eine Tochter war. Wobei es wahrscheinlich in der letzten Folge ohnehin nicht so schwer für die Schauspieler war, etwas rührselig zu werden…

Gibt es einen (oder mehrere) Lieblingscharakter? Auf den ersten Blick würde ich wohl Hyde, Donna und Red nennen, aber letztlich sind mir alle Hauptcharaktere ans Herz gewachsen und alle tragen in etwa gleich viel zu dem Vergnügen bei, das man beim Ansehen hat. Und so war es etwas enttäuschend, die letzte Staffel ohne zwei der Hauptcharaktere zu erleben: Eric (von Anfang an) und Kelso (nach ein paar Folgen) waren nicht mehr dabei und konnten nur schlecht durch die Einführung eines völlig neuen Charakters (Randy Pearson, gespielt von Josh Meyers), „ersetzt“ werden. Und so war für mich die letzte Staffel auch die schwächste, was aber nicht heißt, dass ich nicht immer noch von Herzen und viel gelacht hätte!

Dafür war ich eigentlich immer froh darüber, wenn Erics Schwester nicht mit dabei war – irgendwie mochte ich sie einfach nicht. Die Darstellerin Lisa Robin Kelly, die – wie ich gerade nachgelesen habe – später wegen Drogen-/Alkoholproblemen gefeuert wurde, dann zwar noch einmal zurückkehrte, aber letztlich durch Christina Moore ersetzt wurde, bevor die Figur komplett verschwand, ist letztes Jahr wohl an den Folgen ihrer Sucht in einer Entzugsklinik gestorben. Uff. Das wusste ich gar nicht…

Meine Lieblings-Gaststars waren natürlich auf jeden Fall meine „Buddys“ aus Buffy, Seth Green und Alyson Hannigan, und dann fand ich noch Jim Rash (der schwule Verkäufer aus dem Juweliergeschäft) äußerst witzig. Ihn habe ich inzwischen ja auch als Produzenten, Regisseur und Drehbuchautor schätzen gelernt, z. B. für Ganz weit hinten.

Eine wunderbare Sitcom über das Erwachsenwerden, über Segen und Fluch des Kiffens 😉 (für einen Abstinenzler wie mich erstaunlich amüsant), über Freundschaft und Familie, über das Überwinden von Vorurteilen (gegenüber Ausländern, Stripperinnen, Schwulen, großen Frauen, dünnen Männern, …), die dann in der letzten Folge noch zu einem schönen Abschluss gebracht worden ist, da Eric und Kelso noch einmal auftauchten. Schade, dass es vorbei ist. Aber das Schöne ist, dass man eine gute Sitcom auch immer wieder mal einlegen kann, wenn es einem mal gerade nicht so gut geht. Viele Gags funktionieren auch beim wiederholten Sehen noch!

 

Deutlich weniger lustig und „uplifting“:

Homeland – Season 3

Bis etwa zur Hälfte der Staffel 3 war ich nicht besonders gefesselt von der Serie, die mich in Staffel 1 mit solch einer Intensität überrollt hatte, dass ich mich zeitweise überwinden musste, weiter zu gucken. Eine meiner Freundinnen ist sogar nach Ende der 1. Season ausgestiegen, weil es ihr emotional zu heftig war. Dafür schaut sie weiter Game of Thrones, das ich abgebrochen habe, weil ich mich gefragt habe, ob ich mir das Gemetzel noch geben soll, wenn ich doch schon durch die Lektüre der Bücher weiß, was passiert. Aber ich schweife ab…

Wie man schon am Ende der 2. Staffel vermutet – deswegen ist dies kein Spoiler -, sind Brody (Damien Lewis) und Carrie (Claire Danes) erstmal getrennt, denn Brody ist auf der Flucht, während Carrie weiterhin beim CIA ist – und da erstmal zum Sündenbock gemacht wird. Die ersten zwei Folgen drehen sich nur um Carrie und – als Nebenhandlung – um Brodys Tochter Dana (Morgan Saylor). Dann kommt mal eine Folge, in denen es nur um Brody geht, den man dann aber bis zur Zusammenführung in Folge 8 bzw. 9 nicht mehr zu Gesicht bekommt. Dadurch wurde der Fokus klar auf Carrie geschoben, die jetzt nahezu allein im Zentrum steht. Sicher, Saul Berenson (Mandy Patinkin) steht als Strippenzieher hinter ihr, und Peter Quinn (Rupert Friend) spielt auch eine immer größere Rolle. Das ist zwar alles immer noch ganz interessant, was da so abgeht, und ich mag Peter Quinn als Charakter auch sehr, sehr gern, aber die ganz besondere Spannung aus der ersten Staffel und auch zum Teil noch der zweiten Staffel wollte irgendwie nicht so recht aufkommen. Vielleicht fehlte mir auch die Chemie zwischen Carrie und Brody…

Aber Brody darf erst in den letzten vier Episoden wieder ein echter „Player“ werden. Dann allerdings konnte ich nicht mehr aufhören und „musste“ die letzten drei (oder gar vier?) Folgen am Stück sehen. Und dann passiert etwas in der letzten Folge, das ich mir völlig ungläubig angesehen habe, weil ich das nie erwartet hätte und das ich deswegen gar nicht so recht „akzeptiert“ habe. Ich stand regelrecht unter Schock.

Fazit: im Aufbau bis zum Höhepunkt in den letzten vier Folgen etwas enttäuschend. Die letzten vier Folgen reißen allerdings vieles wieder raus.

 

Und nun auf nach Neuseeland:

Top of the Lake

Diese Miniserie von Jane Campion (Das Piano) hat mich in einer äußerst deprimierten Stimmung zurück gelassen, und deshalb fällt es mir etwas schwer, eine klare Bewertung oder gar Empfehlung auszusprechen. Vielfach als Krimi oder „Mystery“ beworben (Untertitel: „No ordinary place. No ordinary crime.“), ist diese Serie für mich eher eine Milieustudie von einer Gemeinde „in the middle of nowhere“, die sehr weit davon entfernt ist, ein Paradies zu sein, auch wenn eine Stelle am See in den Bergen Neuseelands „Paradise“ heißt.

Worum geht es? Die 12-jährige Tui Mitcham (Jacqueline Joe) wird dabei ertappt, wie sie im eiskalten See steht und allem Anschein nach hineingehen will. Sie wird gerettet und man stellt fest, dass sie schwanger ist. Von wem, will (oder kann) sie nicht sagen, und so wird sie erstmal zurück in die Obhut ihres Vaters Matt Mitchum (Peter Mullan) und ihren Halbbrüdern gegeben, obwohl die Familie für ihre Gewalttätigkeit berüchtigt und im Ort auch gefürchtet ist. Die Spezialistin für Kindesmissbrauch Robin (Elisabeth Moss), die z. Zt. in ihrem Heimatort weilt, obwohl sie inzwischen eigentlich in Australien lebt (ihre Mutter ist schwer an Krebs erkrankt), versucht das zu verhindern, beißt sich aber die Zähne am Polizeichef Al (David „Faramir“ Wenham) aus. Nun, sie soll Recht behalten: Tui verschwindet – und der Rest der Serie dreht sich nun also um die Suche nach dem Mädchen.

Auf der Suche kommt sehr viel ans Licht über die Menschen in Laketop, aber auch über die Vergangenheit von Robin, für die es nicht ganz einfach ist, wieder in ihrem Heimatort zu sein, weil sie als Jugendliche dort Schreckliches erlebt hat. Sie trifft außerdem wieder auf ihre Jugendliebe Johnno Mitcham (Thomas M. Wright), der einige Jahre in Thailand wegen Drogenbesitzes im Gefängnis saß. Doch auch der Polizeichef Al hat ein Auge auf sie geworfen…

Neben diesen Handlungssträngen, der Suche nach dem Mädchen Tui und der Entwicklung der Ermittlerin Robin, gibt es da noch eine ganz besondere „Kommune“, die sich an dem Fleckchen Paradise, direkt am See, niedergelassen hat: eine Gruppe von Frauen hat sich dort um GJ (Holly Hunter) geschart, um sich von ihren Problemen und Abhängigkeiten zu lösen. Frauen auf dem Selbstfindungstrip mit GJ als ihrem „Guru“. Sehr strange!

Eine weitere Hauptdarstellerin habe ich noch gar nicht erwähnt: die neuseeländische Berglandschaft! Mal ist sie einfach atemberaubend schön, andere Male wirkt sie bedrückend oder gar bedrohlich – wie soll eine 12-Jährige in solch einer Wildnis überleben?

Und warum nun hat mich diese Serie so deprimiert? Ich kann es gar nicht so richtig an einzelnen Dingen festmachen. Die Grundstimmung ist einfach düster, man erfährt nach und nach so viele schreckliche Dinge, die an diesem Ort geschehen sind und noch geschehen. Dinge, die dann eben diesen idyllisch gelegenen Ort eher als Tor zur Hölle erscheinen lassen. Eine Szene hat mich besonders schockiert, vielleicht auch, weil sie mich sehr stark an einen Albtraum erinnert hat, in dem ich meine Mutter im Gebirge abstürzen sah (einer der schlimmsten Träume, die ich je hatte). Prinzipiell mag ich schon Serien, die mich schockieren (und damit emotional berühren) können, allerdings schien mir dann die schlussendliche Auflösung darüber, was GENAU eigentlich in diesem Ort schief läuft und wer daran beteiligt ist, etwas forciert. Da kam dann in den letzten Minuten nochmal so viel Abartiges ans Licht, dass es nicht mehr so ganz glaubwürdig war.

Alles in allem ein interessanter Blick in die Abgründe, die sich auch in den spektakulärsten Landschaften Mittelerdes, ich meine: Neuseelands auftun können.

 

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2 Antworten zu Serien: von Point Place über Caracas nach Neuseeland

  1. Nummer Neun schreibt:

    Na das macht ja Hoffnung, dass es Homeland am Ende doch noch ein wenig rausreißt.

  2. bullion schreibt:

    Ah, „That ’70s Show“! Toll! Ich bin mit meiner Sichtung ja auch erst vor ein paar Wochen fertig geworden und kann dir im Grunde zustimmen. Eine tolle, tolle Serie! Danke auch für die Info mit Jim Rash, den ich bisher nur als Dean aus der genialen Comedyserie „Community“ (ganz heißer Tipp übrigens) kenne – wusste gar nicht, dass der auch schreibt.

    Was du über „Homeland“ schreibst macht tatsächlich Mut. Irgendwann…

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