Media Monday #144

Wie jeden Montag, hat Wulf vom Medienjournal uns wieder ein paar Aufgaben zum Nachdenken serviert:

1. Das Charisma von Philip Seymour Hoffman ließ den Kinogänger vergessen/übersehen, dass er nicht gerade dem Schönheitsideal entsprach. He will be missed!

2. John Cusack spielt auch in mehr Filmen mit, als gut für sie/ihn wäre, denn er erwischt in den letzten 2-3 Jahren dabei nicht gerade die besten Drehbücher und verpulvert so sein eigentliches Potential oft in solchen Filmen wie 2014 (gesehen) oder The Num8ers Station (nicht gesehen, aber wenn schon bei IMDb nur 5,5 vergeben werden…). Ich wünschte mir wieder mehr im Stil von Grosse Pointe Blank, High Fidelity oder Identity.

3. Das schwächste Regiedebüt der letzten Zeit hat Carl Rinsch mit 47 Ronin abgeliefert! Er hat vorher nur drei Kurzfilme gedreht. Dabei hätte er es mal belassen sollen… 

4. Ken Follett hat wirklich einen Schreibstil zum Abgewöhnen, denn er geht IMMER nach dem selben Schema vor: jedes Kapitel hat einen Cliffhanger, im nächsten Kapitel geht es um andere Personen, also muss man weiter lesen, um zu erfahren, wie es weitergeht. Ich weiß, George R. R. Martin macht das ja auch, schon allein dadurch, dass es einfach gefühlte 1000 Charaktere gibt, aber bei Follett, den ich früher verschlungen hatte, nervte es irgendwann nur noch. Außerdem hat mich World Without End, das Sequel zu den Pillars of the Earth, sprachlich sehr enttäuscht – da wurde zum Teil den Leuten Vokabular in den Mund gelegt, das für die damalige Zeit meines Erachtens unüblich ist. Ich hatte damals extra bei einigen Wörtern mir die Etymologie angesehen, z. B. von „abortion“, das erst für Mitte des 16. Jh. belegt ist, oder auch „f**k“, das auch erst um 1500 auftauchte. Das ist einfach schlecht recherchiert, wenn man schon einen historisch angehauchten Roman schreibt.

5. Die ödeste Serie der vergangenen Zeit schaue ich mir erst gar nicht lange an. 😉 Was allerdings auffällt, ist, dass die meisten Serien nach gewisser Zeit an Spannung verlieren, so haben mich beispielsweise True Blood (OK, wieder eine Sexszene… been there, done that…), Bones (oops, schnell doch ein Kind gezeugt und zusammengekommen – ohne die Fans mitzunehmen), Castle (kaum mehr Chemie zwischen Castle und Beckett, nerviger Umgang zwischen Vater Castle und Tochter) auf dem Weg verloren. Und bitte: länger als sieben Jahre muss KEINE Serie laufen! Dann lieber ein sinnvolles Ende nach kürzerer Zeit, wie bei Breaking Bad – bevor den Schreibern die Ideen ausgehen.

6. Die nervigste Horrorfilm-Zutat ist ein „Achtung-jetzt-kommt-ein-Schreckmoment-Soundtrack“, der sich hauptsächlich auf den Schock durch den entsprechenden Sound konzentriert – damit es auch wirklich jeden reißt. Besonders nervig fand ich das bei The Woman in Black (mit Daniel Radcliffe). Klar zuckst du dann auch zusammen, aber viel mehr Respekt habe ich vor einem Horrorfilm-Regisseur, der es schafft, mich ohne die ganz billigen, holzhammermäßigen Soundeffekte zu erschrecken.

7. Zuletzt begeistert hat mich die/der SchauspielerIn Benedict Cumberbatch in dem BBC 4 Hörspiel „Rumpole and the Sleeping Partners“ (oder war’s im ersten Teil: „Rumpole and the Old Boy Net“?), zum einem weil er trotz seiner rasant zunehmenden Popularität über die Grenzen der BBC und Großbritanniens hinaus (er war an vier Oscar-nominierten Filmen beteiligt!), der BBC und dem Medium Hörspiel die Treue hält; zum anderen weil er es schaffte, allein mit seiner Stimme so ein Knistern, so eine erotische Spannung zwischen ihm (Rumpole) und seiner „Schülerin“ (Phillida Trant, gesprochen von Cathy Sara) zu erzeugen, dass mein „Erotikmessgerät“ (= ein Ziehen im Ring- und kleinen Finger der rechten Hand) angeschlagen hat. Wow!

 

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12 Antworten zu Media Monday #144

  1. Nummer Neun schreibt:

    Ich fand die Frau in schwarz eigentlich ganz gut und finde, dass der Soundtrack genauso zum Handwerk gehört

    • singendelehrerin schreibt:

      Natürlich gehört der Soundtrack dazu, aber ich mag’s halt nicht, wenn er ZU offensichtlich zum Erschrecken eingesetzt wird. Aber das ist eben Geschmacksache. Ich weiß, dass viele genau die klassischen Schreckmomente in „The Woman in Black“ mochten. Ich halt nicht.

  2. mwj schreibt:

    Seit ich einen Artikel über Ken Follet gelesen habe, in welchem stand, dass er nur Schwarzweiß-Malerei bei den Figuren duldet und total effektheischend schreibt, lasse ich die Finger von den Verfilmungen seiner Romane. Bei „Die Säulen der Erde“ habe ich den ersten Teil gesehen, bei „Die Tore der Welt“ hab ich nach 45 Minuten aufgegeben.

    • Singende Lehrerin schreibt:

      Die Verfilmungen hab ich gar nicht gesehen – reizen mich eigentlich auch nicht mehr so wirklich. „Effektheischend“ ist auf jeden Fall eine passende Beschreibung für seinen Stil!

  3. bullion schreibt:

    Bei „Bones“ stimme ich dir ja voll und ganz zu, doch bei „Castle“ finde ich die Chemie noch in nahezu jeder Szene spürbar! Ebenso liebe ich die Vater-Tochter-Szenen (vielleicht weil sie so idealtypisch sind und meine Tochter ja irgendwann auch dieses Alter erreichen wird). Nee, „Castle“ ist immer noch gut. Für mich zumindest. 🙂

    • Singende Lehrerin schreibt:

      In welcher Season bist du denn? Ich spreche von der aktuell in den USA laufenden Staffel, das ist die *bei-IMDb-nachguck* 6. Staffel. Bis inklusive Ende der 5 Staffel war ich absolut happy mit der Serie. Bei der aktuellen bin ich nach ein paar Folgen ausgestiegen, was zwar auch noch andere Gründe hat (meine „Bezugsquelle“ ist versiegt und ich habe keinen Bock auf Streaming o.ä.), aber irgendwie war für mich auch bissl die Luft raus.

      • bullion schreibt:

        Ich habe die 5. Staffel komplett gesehen und die ersten paar der 6. via Hulu-Streaming, doch ist das Internet bei uns am Lande so lahm, dass ich auch ausgestiegen bin und lieber auf die DVDs warte.

  4. Wortman schreibt:

    Also ich finde Castle irgendwie cool. Nicht nur wegen den ganzen Geplänkel zwischen den Detectives und ihn, sondern auch mit seiner Tochter und Mutter. Ich amüsiere mich jedesmal…

    • Singende Lehrerin schreibt:

      Siehe oben: Ich mochte „Castle“ bis Ende der 5. Staffel auch total gerne – war immer das erste, das ich angeschaut habe. Aber in der 6. Staffel (zumindest am Anfang; vielleicht hat es sich ja wieder gebessert) haben sie mich irgendwie verloren, sodass es mir nicht mehr Wert war, mich darum zu kümmern, dass ich weiter am Ball bleiben kann. Ich finde halt auch, dass Beckett immer mehr zum Model-Püppchen geworden ist; ich habe das Gefühl, sie ist immer dünner geworden und während sie anfänglich eine eher sportlichere Frisur hatte, ist sie inzwischen immer sowas von durchgestylt… Das hat sich schon länger so entwickelt, ja, aber irgendwie war ich dann an einem Punkt, wo ich es auch nicht mehr glaubwürdig fand, in welchen Schuhen sie Verbrechern hinterherjagt und dass sie sich als Detective für jeden Tag eine andere Jacke leisten kann…

      Und die Beziehung zwischen Castle und seiner Tochter wird halt in der 6. Season ziemlich klischeehaft. Vorher bin ich ganz deiner Meinung gewesen.

      • Wortman schreibt:

        Die 6. Staffel kenne ich noch gar nicht. Ich spare sie mir derzeit, weil ich von den Fünfen nicht mal alles kenne.
        Wenn es so ist, werde ich wahrscheinlich zu einem ähnlichen Ergebnis kommen wie du, wenn ich irgendwann die 6. Staffel vor mir habe…

  5. Singende Lehrerin schreibt:

    @Wortman: OK, wenn du erst in der 5. Season bist… Aber du musst dir eh dein eigenes Bild machen, ist ja alles subjektiv. Mir tut’s ja auch weh, da ich ja Nathan Fillion so überaus schätze.

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