Gladiator – Live to Projection: ein Probentagebuch #3

Nun sind schon wieder zwei Proben vergangen, sodass es Zeit wird, dass ich dazu mal wieder einen Tagebucheintrag schreibe.

Was sich nach wie vor nicht geändert hat, ist die geringe Anzahl der Sängerinnen und Sänger (ich glaube, nicht mal 40), was mir – ehrlich gesagt – schon große Sorgen bereitet. Solche eine bombastische Filmmusik ist für einen großen Chor von mindestens 80 Leuten geschrieben, erst dann ist es möglich, einen Klangteppich zu legen, so wie wir es häufig tun müssten. Mir machen tatsächlich weniger die Stellen Sorgen, bei der wir das Thema oder kurze Passagen mit schwereren Melodien/Rhythmen zu singen haben. Das wird auch rauskommen, wenn wir z. B. mit Chormikrofonen verstärkt werden. Aber dann gibt es lange Stellen, in denen wir durch lang ausgehaltene Töne eben einen Klangteppich legen sollen, was u. a. auch bedeutet, dass kein Absetzen zum Luftholen hörbar sein soll. Da muss der Chor „chorisch atmen“, was bedeutet, dass eben jeder an einer anderen Stelle atmet, sodass für den Zuhörer keine Lücke im Klang zu bemerken ist. Das geht wunderbar – ohne Absprechen – in einem großen Chor, wenn es aber etwa im Tenor 2 nur ZWEI Sänger gibt, ist das im Prinzip schon fast unmöglich. Sobald einer aufhört, klingt das ja gleich viel dünner. Im Sopran 2 sind wir auch nur zu viert; da ist die Gefahr auch groß, dass zwei gleichzeitig atmen und der Klang dadurch an Kraft verliert. Ich fürchte aber fast, dass es dabei bleiben wird, denn die Variante, noch einen zweiten Chor dazuzubekommen, der nicht zufällig an Ostern ohnehin in der Kirche eine Messe singt, oder ähnliches, scheint mir eher unwahrscheinlich.

Mit meiner persönlichen Performance bin ich soweit recht zufrieden, außer dass ich momentan nicht zum „hohen a“ (= zweigestrichenes a) komme. Ich bin zwar ohnehin kein hoher Sopran, sondern Mezzosopran, aber, selbst wenn es nicht mehr so schön klang, bisher kam ich doch zum a irgendwie noch hoch. Z. Zt. versagt mir die Stimme da einfach ihren Dienst. Allerdings finde ich auch, dass uns Prof. Dr. Loritz nicht besonders gut einsingt. Das hat Thomas Gropper immer viel besser, ausführlicher – und auch motivierender – gemacht. Schade, denn für mich ist das Einsingen sehr wichtig. Mit den etwas schwierigeren Stellen, insbesondere mit der 6/4-Stelle, von der ich das letzte Mal erzählt hatte, komme ich eigentlich ganz gut zurecht, auch wenn diese bewusste Stelle immer noch nicht jedes Mal klappt. Aber da bin ich mir sicher, dass ich das noch hinkriege.

Was ich ganz positiv finde, ist, dass man sich bei Loritz mehr traut, darum zu bitten, dass eine Stelle nochmal gemacht wird, oder die einzelnen Stimmen separat auch mal geprobt werden. Dies liegt sicher zum einen daran, dass das Pensum deutlich kleiner ist als bei Herr der Ringe, und wir deswegen nicht so durchhetzen müssen. Zum anderen lädt der kleinere Rahmen auch dazu ein.

Was ich jedoch etwas enttäuschend finde, das ist die Tatsache, dass Herr Loritz immer wieder Fehler macht, mal eine ganz Zeile übersieht, mal eine falsche Taktart angibt, und manchmal auf Fehler, die in einzelnen Stimmen gemacht werden, durch Sänger hingewiesen werden muss. So habe ich in den letzten zwei Proben wieder mindestens zweimal meine Mitsängerinnen im Sopran auf Fehler aufmerksam gemacht. Das waren zwar nur kleinere Sachen, die im Gesamtklang wenig auffallen würden, aber wenn’s der Zimmer so geschrieben hat, sollten wir’s halt auch so singen. Da hatte der Gropper schon das feinere Gespür (und Gehör) dafür. Und klar, irren ist menschlich, aber wenn MIR, einer kompletten Autodidaktin, was Singen und Chorleitung (ich leite unseren Schul“chor“) anbelangt, Fehler auffallen, und ich einem Professor für Musik oder Gesang da sozusagen Hilfestellung leisten muss, ist das zwar für mein Selbstbewusstsein gut, aber kein gutes Zeichen, was die Einstudierung anbelangt. Nicht dass ICH das besser könnte – Gott bewahre! -, und ich möchte auch Herr Prof. Loritz nicht schlechtmachen, aber es ist halt so, dass ich den Eindruck hatte, dass Herr Loritz frischen Wind reinbringen sollte, nachdem ja Ludwig Wicki letztes Jahr mit dem, was uns Thomas Gropper beigebracht hatte, so unzufrieden war. So im direkten Vergleich jedoch glaube ich, dass Gropper, zumindest für Filmmusik, da trotzdem der bessere Mann gewesen wäre. Irgendwie hat er uns auch mehr gefordert – Prof. Loritz ist schon SEHR geduldig mit uns. In Anbetracht der Wichtigkeit dieses Projektes allerdings, aus meiner Sicht, ZU geduldig.

Das klingt jetzt alles so, als wäre es besser, vielleicht lieber nicht zur Aufführung zu kommen… Das ist definitiv nicht der Fall. Erstens hat das Orchester bei Hans Zimmer eindeutig den gewichtigeren Anteil an der Filmmusik. Die Stimmen des Chores sind eigentlich nur weitere Instrumente. Zweitens weiß ich aus Erfahrung, dass es in den letzten zwei Wochen nochmal richtig bergauf geht. Es ist ja auch nicht so, dass wir das nicht hinkriegen. Die meisten Stellen funktionieren schon ganz gut, und wir sind alle hochmotiviert, das auch in der kleinen Besetzung zu stemmen. Die Feinheiten bekommt man im Publikum sowieso nicht mit, das sind nur Dinge, die dem Dirigenten und dem Chor selbst auffallen.

Advertisements

9 Gedanken zu “Gladiator – Live to Projection: ein Probentagebuch #3

  1. Hab ich auch gerade festgestellt. Ich hab sie 2012 und 2013 auf der Dead Can Dance-Tour live erleben dürfen. Ich beneide dich sehr. Ich kann zwar nicht singen, aber zusammen mit Lisa auf der Bühne zu stehen muss irgendwie traumhaft sein. 🙂

    1. Ich muss gestehen, dass ich gar nicht weiß, was Lisa Gerrard sonst so macht… *hüstl* Aber ich bin trotzdem sehr gespannt auf sie! Ich werde berichten, wie sie war! 🙂

    1. Die Aufführungen sind an Ostern (Ostersamstag und -sonntag) und wir haben noch eine reguläre Probe, einen kompletten Probentag mit dem Dirigenten Justin Freer, eine Probe mit dem Orchester (in Pilsen) und eine Generalprobe.

Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.