Gladiator – Live to Projection: ein Probentagebuch #2

Am Samstag haben wir – diesmal unter der Leitung von Julian, der sonst unser Korrepetitor ist – so gut wie alle Stellen des Soundtracks, in dem der Chor, oder Teile davon, eingesetzt ist, angesungen. Ich stelle fest: eigentlich gibt es für den Sopran nur eine einzige wirklich schwierige Stelle, und zwar nicht die Tonhöhe betreffend, sondern den Rhythmus betreffend. Diese Stelle im 6/4-Takt haben wir schon bei der ersten Probe nur GESPROCHEN (und dies auch noch nicht mal auf die richtigen Silben), um überhaupt ein Gefühl für diesen äußerst eigenartigen Rhythmus zu bekommen. Die Tatsache, dass das ganze im 6/4-Takt ist, ist nicht das Schwierige daran, sondern die unregelmäßige Abfolge von Noten und Pausen. Wenn ich mal die ersten drei Takte in Worten wiedergebe: Viertelpause – Achtelnote – Achtelpause – 6 Achtelnoten – Achtelpause – Achtelnote ¦ Achtelpause – 5 Achtelnoten – Viertelpause – Viertelnote – 2 Achtelnoten ¦ Achtelnote – Achtelpause – 4 Achtelnoten – Achtelpause – Achtelnote – Viertelpause – Achtelnote – Achtelpause. Dazu kommen dann auch noch die Nonsense-Silben: hei – ma-ma-ma-ma-ma-ma – hei ¦ hei-ma-ma-ma-ma – hei – ma-ma ¦ usw.

Da hab ich sogar die 15-minütige Pause genutzt, um das für mich nochmal zu üben. Da hilft echt nur stures Mitzählen – allerdings nicht nur an dieser rhythmisch herausfordernden Stelle, sondern auch bei den vielen Stellen, bei denen über viele Takte hinweg Töne ausgehalten werden müssen, sagen wir z. B. ein Ton muss über 5 Takte ausgehalten werden, dann muss ein Takt lang ein anderer gesungen werden und danach geht es dann wieder „normal“ weiter. Das kenne ich ja auch schon vom Herrn der Ringe, allerdings haben wir da dann doch oft noch mehr verschiedene Töne singen dürfen.

Was Hans Zimmer auch ganz gerne macht, wenn auch nicht ganz so exzessiv wie Howard Shore, sind Taktwechsel und Tempowechsel. Das ist sicher einfach auch der Tatsache geschuldet, dass die Musik ja immer dem Film angepasst sein muss, aber es erfordert ein genaues Mitzählen, was die Taktwechsel anbelangt, und einen Dirigenten, der diese Takt- und Tempowechsel sehr gut weitergeben kann, und zwar nicht nur an das Orchester, sondern auch an den Chor. Ich hoffe mal, dass Justin Freer das diesmal klarer rüberbringt als letztes Jahr bei den Konzerten in Stuttgart. Oder dass wir sein Dirigat einfach besser verstehen. Aber es ist vor den Proben mit dem Orchester ein ganzer Probentag mit ihm vorgesehen – ich hoffe, das hilft.


9 Gedanken zu “Gladiator – Live to Projection: ein Probentagebuch #2

    1. Diese Live-to-Projection-Aufführungen sind wirklich was Besonderes, weil du halt mal den GANZEN Score laut zu hören bekommst – und zwar zum Film. Da fällt einem erstmal auf, wie wenig Stellen im Film KEINE Musikuntermalung haben.
      Ich kann’s wirklich empfehlen, denn ich saß auch schon mal im Publikum, z.B. bei Herr der Ringe – Die Zwei Türme.

  1. „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ wird jetzt bald bei uns in Nürnberg aufgeführt. Würde mich schon reizen, aber das klappt zeitlich einfach nicht.

    Hatte ich schon bei mir gefragt: Wie funktioniert das mit Live to Projection? Gibt es dann nur die Score-Spur oder auch Dialoge?

    1. Der Film wird (in englischer OV mit dt. UT) ohne Musikspur auf der großen Leinwand gezeigt, und die Musik wird live dazugespielt. D.h. also, dass die Dialoge ganz normal mit dabei sind. Auf Englisch, denn so viel ich weiß, schmeißen die Deutschen dann bei der Synchro alles auf eine Spur, also kann man die Musik nicht mehr einfach wegnehmen.

      Tja, letztes Jahr stand ich auch in Nürnberg bei „HdR – Die Gefährten“ auf der Bühne. *schnief* HdR wäre mir schon lieber gewesen, auch wenn ich „Gladiator“ auch für einen großartigen Film halte. Aber die Musik von Howard Shore gibt einfach mehr her für den Chor. UND ich bin halt ein großer Fan vom HdR (Buch und Verfilmung); leider kann ich das für die Hobbit-Verfilmung nicht mehr uneingeschränkt behaupten…

      1. Wenn ich dein Blog vor einem Jahr schon gelesen hätte, dann wäre ich natürlich bestimmt zur „HdR – Die Gefährten“ Live-Vorstellung gekommen. Dann hätte ich sagen können ich „kenne“ da oben jemanden… 😉

        Ja, die „Der Hobbit“-Filme lassen leider die Klasse der Ringe-Trilogie vermissen. Echt schade!

  2. Ich gebe die Hoffnung ja nicht auf, dass wir nochmal etwas von Howard Shore singen dürfen… Notfalls singe ich auch beim „Hobbit“. Kann ja Howard Shore nix dafür, dass Peter Jackson das versaut hat. 😉 Leider war der Dirigent Ludwig Wicki letztes Jahr nicht wirklich zufrieden mit unserer Performance… man könnte auch sagen, er war sehr unzufrieden. Bei einer Vorstellung in München, bei der ich nicht dabei war, weil ich krank war, hat er am Schluss zum Applaus nicht mal den Chor aufstehen lassen. Tja, wäre ich dabei gewesen, wäre es sicher besser gelaufen… 😉 Man weiß es nicht genau, aber ich gehe mal davon aus, dass deswegen unser Projektchor nicht mehr den Zuschlag bekommen hat und dass wir deswegen für „Gladiator“ vorsingen mussten.

    1. Ist auf jeden Fall eine tolle Sache bei so etwas dabei zu sein. Stelle ich mir zumindest vor. Mit meinem „Gesangstalent“ würde das sowieso nicht funktionieren… 😉

      Auch interessant solche Hintergrundinformationen zu lesen! 🙂

      1. Wenn du mal viel Zeit hast *hüstl*, kann ich dir dann nur meine Tagebucheinträge zu den HdR-Proben ans Herz legen. Ich glaube, da wird auch deutlich, was das mir bedeutet hat, auf diese Weise quasi „ein Teil Mittelerdes“ zu sein. Wobei es am besten wirklich 2011 war, als ich das erste Mal dabei war und bei der „Rückkehr des Königs“ mitsingen durfte. Bei einer Stelle habe ich immer einen richtigen Adrenalin-Kick bekommen! Nach den Aufführungen damals bin ich in ein richtiges Loch gefallen, weil mich diese Musik Monate lang begleitet hat und ich auf die Auftritte hingefiebert habe – und dann war es plötzlich aus und vorbei… Hach ja…

        Ganz so emotional involviert bin ich halt bei „Gladiator“ nicht. Aber trotzdem bleibt es etwas Besonderes!

      2. Kann ich mir gut vorstellen! Werde mir die Artikel gerne mal durchlesen, wenn es die Zeit erlaubt… ja, immer die gleiche Leier… 😉

Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.