Gladiator – Live to Projection: ein Probentagebuch #1

Letztes Jahr habe ich meinen Blog mit meinen Berichten zu den Proben und Aufführungen von Herr der Ringe: Die Gefährten – Live to Projection begonnen (nachzulesen unter der Kategorie „Singen“) und gehofft, dass ich dies heuer mit Teil 2 fortsetzen kann. Leider aber wurde für Die Zwei Türme ein anderer Chor engagiert, nämlich der Münchner UniversitätsChor, sodass ich mich heuer stattdessen mit Gladiator und einem völlig anderen Komponisten „begnügen“ muss.

Hans Zimmer ist ja insbesondere für seine „bombastische“ Filmmusik bekannt. Das ging (für mich) mit The Rock – Fels der Entscheidung los, wurde in Gladiator fortgesetzt, und allerspätestens seit Pirates of the Carribean 2 (beim ersten hat sein Schüler Klaus Badelt die Musik geschrieben, aber ganz klar unter Zimmers Einfluss) ist er der „Go-to-guy“ für Musik, die martialisch und laut ist. Ich sage nur The Dark Knight oder Inception. Und so klingen die Zimmerschen Soundtracks zu den Actionfilmen oftmals etwas ähnlich. Der aufmerksame Kinogänger weiß auf jeden Fall vor dem Abspann, dass da entweder Zimmer oder sein Kumpane Badelt am Werk waren. Man tut ihm allerdings unrecht, ihn nur auf diese Art von Filmmusik festzulegen – er hat auch bei zahllosen anderen Filmen durchaus andere, weniger „holzhammerartige“ Musik geschrieben, z. B. für 12 Years a Slave oder Rush. 

Gladiator war in meiner Erinnerung eine Mischung aus dem eher bombastischen Actionklang und filigranerer Musik, beigesteuert auch durch die Sängerin Lisa Gerrard. Ich wusste, dass ich damals die Musik als absolut passend zum Film empfunden habe, als sehr unterstützend, wenn es darum ging, die Emotionen zu verstärken. Ich war nach dem ersten Mal Sehen im Jahr 2000 völlig fertig, so sehr hat der Film mich berührt. Zurecht hat er 2001 etliche Oscars eingeheimst, allerdings nicht den für die Beste Filmmusik (der ging an Tiger and Dragon), dafür wurde er als Bester Film ausgezeichnet.

Nun habe ich die letzten Tage ein bisschen in den Soundtrack reingehört – und fand, dass die Musik ohne Bilder bei mir nicht so gut „funktioniert“ wie die HdR-Musik von Howard Shore. Von daher war ich sehr gespannt auf den ersten Blick auf die Noten, zumal ich davon ausging, dass für die Live-to-Projection-Aufführung (was das eigentlich ist, ist hier nachzulesen) noch ein paar zusätzliche Stellen für den Chor eingebaut worden sind.

Heute war die erste Probe mit Prof. Dr. Martin Loritz, der mit uns den Gesang einstudieren wird. Es war für mich schon eine Umstellung, da bisher bei allen Projekten dieses Projektchores Thomas Gropper die Einstudierung übernommen hatte. Schwierig ist auch, dass wir uns für die deutsche Uraufführung vorbereiten, d.h. es gibt halt auch keine Erfahrungswerte, etwa zur Aussprache gewisser Silben. Da merkte man auch leichte Unsicherheiten bei Loritz, der sich mit der Aussprache von „ooh“ oder „Huh“ schwierig tat. Die „alten Hasen“, die schon englisch-notierte Filmmusik gesungen haben, wussten schon, dass „ooh“=“uuh“ und „Huh“=“Ha“, außerdem haben wir einen Amerikaner bei den Bässen, der das dann auch bestätigte.

Was ich prinzipiell etwas schade finde, ist, dass die Männer – mal wieder – mehr zu tun haben. Zwar – im Gegensatz zu HdR: Die Gefährten oder auch zu Carmina Burana – nicht unbedingt wahnsinnig spannende Stellen, aber halt einfach quantitativ mehr. Weil wir grad bei Quantität sind: ich war heute leicht schockiert, dass wir nur so wenige sind. Das waren vielleicht 40 Leute – ursprünglich sollten es wohl 80 sein (bei HdR und neulich auch bei der Carmina Burana waren wir an die 100 Sängerinnen und Sänger)! Wenn ich mir vorstelle, wie laut die Orchestermusik an manchen Stellen ist, können wir entweder nur mit Mikrofonen verstärkt „dagegen ankommen“ oder – die Option steht wohl auch noch offen – es muss noch ein zweiter Chor dazu.

Da wir heute noch nicht durch den gesamten Score durchgekommen sind, kann ich noch nicht so ganz beurteilen, wie ich das Ganze jetzt finde. Sehr schön (und auch angenehm einfach) ist das Hauptthema – das hat auch gleich gut geklungen. Ansonsten sind die Harmonien z. Tl. schwer zugänglich und manche Stellen sind rhythmisch und textlich recht anspruchsvoll. Da muss ich auf jeden Fall zu Hause etwas üben, mindestens den „Text“ (z. B. „oh oh oh ah oh ah ee“) auswendig lernen. Ich habe den Eindruck, dass hier der große Aha-Effekt tatsächlich erst kommt, wenn das Orchester dazukommt. Apropos: bei MünchenEvent steht ja, dass das Ganze von The Sound of Hollywood Symphony Orchestra & Chorus aufgeführt wird. Dahinter verstecken sich die Pilsener Philharmoniker – und wir. Noch eine Neuerung, denn bisher haben wir immer mit dem Münchnern Symphonikern gespielt.

Naja, schauen wir mal, wie es sich weiter entwickelt. In den Faschingsferien werde ich mir endlich den Film nochmal ansehen, dann bekomme ich sicher auch nochmal einen anderen Zugang zur Musik. Es ist ja immer toll, wenn man weiß, was gerade passiert, während man singt. Während der Aufführung sehen wir allerdings nichts, da die Leinwand über unseren Köpfen hängt.

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