12 Years a Slave (Steve McQueen, USA/UK 2013)

Tim Burton & Johnny Depp

Martin Scorsese & Leonardo DiCaprio

Steve McQueen & Michael Fassbender

Es gibt Regisseure, die immer wieder mit denselben Schauspielern zusammenarbeiten. Steve McQueen hat erst drei Spielfilme gedreht – Hunger (2008), Shame (2011), 12 Years a Slave (2013) – und in allen dreien spielt Fassbender mit; in den ersten beiden in der Hauptrolle, in dem neuesten Film über die wahre Geschichte von Solomon Northop (Chiwetel Ejiofor), einem freien Schwarzen, der 1841 von Washington D.C. aus in den Süden verschleppt wurde und fortan 12 Jahre als Sklave leben musste, spielt er einen im Grunde genommen „schwachen“ und feigen Sklavenbesitzer, der sich durch die Grausamkeit gegenüber seinen Sklaven als Mann zu beweisen versucht. Und schon wie in Hunger und Shame spielt Fassbender mit einer Intensität, die weh tut – McQueens Faible für ihn hat also seine Berechtigung.

Es ist für mich schwierig, zu einer Beurteilung zu kommen, die dem Film gerecht wird, da er auf einer rein intellektuellen Ebene sicherlich in vielerlei Hinsicht ein sehr guter Film ist, gefühlsmäßig in mir allerdings wenig ausgelöst hat.

Was spricht also vom verstandesmäßigen Standpunkt aus für den Film? Ich greife drei Aspekte heraus, sicher könnte man noch mehr nennen.

  • Das Thema: Die Sklaverei ist eines der dunkelsten Kapitel in der amerikanischen Geschichte und man sicherlich recht daran, an die Grausamkeit, die Schwarze in der Sklaverei erfahren haben, immer wieder zu erinnern. Dass dem Film die wahre Geschichte des Solomon Northop, von ihm 1853 aufgeschrieben und veröffentlicht, zugrunde liegt, verleiht dem Stoff zusätzliche Authentizität.
  • Die Besetzung: Angefangen mit den bereits erwähnten Darstellern Chiwetel Ejiofor (Solomon Northop) und Michael Fassbender (Epps), die beide – zurecht – für die Golden Globes nominiert sind, ist der Film bis in die kleinsten Rollen mit solchen brillianten Schauspielern wie Benedict Cumberbatch, Paul Dano, Paul Giamatti und Brad Pitt besetzt. Diese vier haben jeweils relativ wenig Screentime, dass sie (trotzdem) mitmachen, zeigt, welche Bedeutung diesem Filmprojekt beigemessen wurde. Eine der weiblichen Nebendarstellerinnen ist ebenso für die Golden Globes nominiert: Lupita Nyong’o für ihre Rolle als  Epps‘ „Lieblingssklavin“ Patsey.
  • Kamera: McQueen arbeitet ebenso zum dritten Mal mit dem Kameramann Sean Bobbitt zusammen – die Handschrift der beiden ist deutlich zu spüren, insbesondere in den langen Close-ups, die mir schon in Shame aufgefallen waren. Da sang Carey Mulligan ein Lied und die Kamera zeigte fast während der gesamten Dauer des Liedes nur ihr Gesicht in Großaufnahme. Ähnliche Einstellungen finden sich auch in diesem Film, etwa wenn bei der Beerdigung eines Sklaven ein Spiritual gesungen wird und Solomon erst gar nicht mitsingt, dann miteinsetzt und schließlich mit immer mehr Gefühl und Nachdruck singt. Das ist hohe Kamera- und Schauspielkunst. Außerdem gibt es auch hochinteressante Bildkompositionen, wie z. B. die Aufnahme der arbeitenden Schaufeln eines Schaufelraddampfers, und wunderschöne Landschaftsaufnahmen (gedreht wurde in Louisiana).

Diese soeben erwähnten langen Kameraeinstellungen mögen vom filmtechnischen Standpunkt aus hohe Kunst sein, emotional bewegt haben mich diese Close-ups nicht sehr. Überhaupt fand ich alle Einstellungen, die zu lang nur eine Sache zeigten, eher unangenehm. Nun mag natürlich das Ziel bei Szenen von Auspeitschungen sein, und auch hier war ich wieder etwas an die schmerzhaft realistischen Szenen von Shame erinnert, dass der Zuschauer das kaum erträgt und dadurch Empathie empfindet, aber für mich war das manchmal eben einen Tick zu viel. Ich habe dann gar nicht mehr hinsehen können – im Grunde genommen dann wieder eine Form der Distanzierung.

Trotz des exzellenten Casts fand ich auf der einen Seite manche Schauspieler „verschenkt“ – z. B. Benedict Cumberbatch, der hier nicht viel von seinem Talent zeigen kann – und auf der anderen Seite manche Dialoge und ihre Darbietung eher fürs Theater geeignet.

Letztendlich läuft es darauf hinaus: trotz der Tragik dieser Geschichte und der zweifellos künstlerischen Qualität des Filmes hat mich 12 Years a Slave emotional nicht „abgeholt“ – es gab nur eine Szene, bei der ich den Tränen nahe war, alles andere hat mich seltsam unberührt gelassen. Nicht kalt, denn dann wäre mir wohl alle Empathie und Menschlichkeit abhanden gekommen, aber – so blöd es klingt – ich hätte gerne noch mehr mitgelitten und mich am Ende auch mitgefreut. Dazu war ich aber zu distanziert. Vielleicht wollte der Film das auch gar nicht? Oder ich war einfach in einer Stimmung, die das nicht zugelassen hat? Woran es auch liegen mag, ich komme dadurch zu einer nicht ganz so positiven Bewertung wie fast alle Kritiker auf Metacritic (97 Punkte von 100!!!):

6-7 von 10 Punkten.

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2 Gedanken zu “12 Years a Slave (Steve McQueen, USA/UK 2013)

  1. Immerhin lief also weder „American Hustle“ noch „Dallas Buyers Club“. Hab ich wieder mal Glück gehabt. 😉

    1. 😉
      Wobei ich schon betonen möchte, dass viele diesen Film auch sehr gut fanden – vielleicht hätte er dir ja auch gefallen…
      Das Tollste war fast, dass es so leer war, dass vor uns (und neben uns) niemand saß – endlich mal ein Blick zur Leinwand ohne Köpfe! 🙂

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