Saving Mr. Banks (John Lee Hancock, USA/UK/AUS 2013)

Auch wenn an den Weihnachtsfeiertagen regelmäßig Stirb Langsam und Tödliche Weihnacht im Fernsehen gezeigt wird – wer würde bezweifeln, dass Disney-Filme eine passendere, familienfreundlichere Alternative für Weihnachten sind? Und so war der gestrig gezeigte Film auch eine passende Auswahl für die letzte Sneak Preview vor Weihnachten: ein Film von Walt Disney Pictures über den schwierigen Entstehungsprozess eines der bekanntesten und beliebtesten Disney-Filme: Mary Poppins.

Das Film-Musical Mary Poppins beruht auf dem ersten Buch der australisch-britischen Autorin P. L. Travers über das mit magischen Fähigkeiten ausgestatteten Kindermädchen Mary Poppins. Der Film Saving Mr. Banks zeigt, wie sich „Mrs. Travers“ (brilliant gespielt von Emma Thompson) zunächst mit Händen und Füßen dagegen sträubt, dass ihr Buch als Musical verfilmt wird. Immer wieder legen der Drehbuchautor (Bradley Whitford) und die Songwriter Richard und Robert Sherman (B. J. Novak und Jason Schwartzman) Travers ihre Ideen vor – und immer wieder ist sie entsetzt, was aus ihrem Material gemacht werden soll. Zum Beispiel kann sie gar nicht verstehen, dass die drei der Meinung sind, dass Mary Poppins kommt, um die Kinder zu retten. Als sie auch noch erfährt, dass – entgegen der Zusage durch Walt Disney (Tom Hanks), das Buch mit echten Schauspielern zu verfilmen – animierte tanzende Pinguine vorkommen sollen, weigert sie sich, die Rechte an Disney abzutreten. Nun, wir wissen alle, dass sie dann letztlich doch noch zugestimmt hat – im Film passiert dies, nachdem Walt Disney Travers nach London nachreist und ihr – sehr eindrucksvoll durch Hanks dargestellt – klar macht, dass diese Verfilmung auch für sie eine Art Abschluss ihrer schwierigen Kindheit sein kann. Er gibt ihr außerdem zu verstehen, dass er jetzt weiß, dass Mary Poppins nicht kommt, um die Kinder zu retten, sondern um den Vater zu retten (daher auch der Filmtitel).

Diese Kindheit in Australien wird im Laufe des Filmes immer wieder in Einschüben gezeigt: Travers – der Nachnahme, den sich die Autorin gegeben hat, war der Vorname ihres Vaters, Travers Goff, den die kleine Helen (Annie Rose Buckley) vergötterte, weil er mit ihr Phantasiewelten aufgebaut hat. Allerdings, so wird es zumindest im Film dargestellt, war ihr Vater Alkoholiker, was ihn wohl schon öfters seinen Job gekostet hat. Colin Farrell spielt diesen Vater mit all seinen Facetten: er geht äußerst liebevoll mit den Kindern um, ist ein Träumer mit viel Phantasie, aber man sieht auch die „Nebenwirkungen“ des Trinkens (auch seine neue Stelle als Bankmanager ist in Gefahr; es kommt zu öffentlich sichtbaren peinlichen Situationen). Schließlich wird er krank und stirbt, während Helen, von ihm Ginty genannt, unterwegs ist, um ihm Birnen zu holen. Die Schwester (Rachel Griffiths) der Mutter (Ruth Wilson) Gintys, die zu den Goffs kommt, als der Vater krank ist, war laut Saving Mr.Banks wohl die Vorlage für Mary Poppins, und Mr. Banks stand stellvertretend für Helens Vater. Die Übergänge zu den Rückblenden/Erinnerungen waren zwar immer recht nahtlos, aber irgendwie fand ich insgesamt diese ständige Vermischung nicht vollständig zufriedenstellend, weil es den Eindruck erweckte, als ob Travers wirklich unablässig an diese Kindheitstage zurückdachte (und dann auch noch in der richtigen chronologischen Reihenfolge).

Im Abspann werden Original-Tonaufnahmen eingespielt, so sind wohl die Diskussionen, die im Film zwischen Drehbuchautor, Songwritern, Disney und P. L. Travers gezeigt werden, relativ authentisch. Ich weiß aber nicht, wie viel – insbesondere was die Kindheit von P. L. Travers anbelangt – tatsächlich der Wahrheit entspricht; die Wikipedia-Artikel zu ihr erwähnen nichts von der Alkoholsucht des Vaters z. B., und während das Ende des Filmes recht versöhnlich ist und man den Eindruck gewinnt, dass Mrs. Travers nun doch, mit Abstrichen, mit dem Ergebnis zufrieden ist, scheint die tatsächliche Beziehung zwischen Disney und ihr doch noch schlechter gewesen zu sein, als hier dargestellt.

Aber all dies habe ich ja erst im Nachhinein recherchiert – während des Ansehens habe ich daran keinen Gedanken verschwendet. Er hat viele lustige, aber auch traurige Momente: Der Gegensatz der Welten – „very British author“ versus „very American Hollywood people“ – führt zu etlichen komischen Situationen; Travers‘ Erinnerungen an die Kindheit jedoch stimmen eher traurig. Getragen wird der Film hauptsächlich durch die wunderbare Performance von Emma Thompson. Aber auch alle anderen Rollen sind passend besetzt, so spielt sich z. B. Paul Giamatti als Chauffeur Ralph nicht nur in das Herz der Protagonistin, sondern auch in das der Zuschauer. Tom Hanks beeindruckt als sehr von sich und seiner Disney-Welt überzeugten Walt, der irgendwie trotzdem das Herz am richtigen Fleck hat.

Insgesamt ein Film, der sicherlich insbesondere Kinogängern gefallen wird, die den Film Mary Poppins gut kennen. Aber er ist auch unterhaltsam für solche Zuschauer, die nur vage Erinnerungen an den Film haben (so wie ich) oder ihn gar nicht kennen.

7 von 10 Punkten.

 

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