The Hobbit: The Desolation of Smaug (dt.: Smaugs Einöde; Peter Jackson, USA/Neuseeland 2013)

Ein Wort vorneweg: Diese Kritik enthält Spoiler, die ich in diesem Fall nicht einzeln als solche markieren werde. Wer den Film also noch sehen will und gerne überrascht werden möchte, sollte nach den nächsten zwei Absätzen nicht weiterlesen.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten: Peter Jackson, der es durch seine Herr-der-Ringe-Trilogie geschafft hatte, Mittelerde auf die Leinwand zu zaubern und meiner Vorstellung von Tolkiens Welt weitgehend zu entsprechen, hat mit seinem zweiten Teil der Verfilmung des Hobbit Mittelerde für mich entzaubert. Visuell war das zwar immer noch Mittelerde, was ich da vorgestern auf der Leinwand gesehen hatte, aber was Jackson und seine Mitautoren (Fran Walsh, Philippa Boyen und Guillermo del Toro) aus der Geschichte um Bilbo und die 13 Zwerge gemacht haben, ließ mich enttäuscht und auch ein bisschen verärgert aus dem Kino gehen.

Auch wenn mir der Hobbit als Buch nicht SO am Herzen liegt wie die HdR-Trilogie, und ich bisher fast alle Änderungen des Plots in Jacksons Verfilmungen von Tolkiens Werk einigermaßen nachvollziehen konnte, so etwa Arwens größere Rolle, ja, sogar die Änderungen an Faramirs Charakter – im Hobbit 2 ist das Fass zum Überlaufen gebracht worden!

Hier die Kritikpunkte im Einzelnen (SPOILER):

  •  Die ständige Verfolgung durch Azog (und später Bolg): Warum muss es auch im Hobbit – wie bei HdR – eine ständige Bedrohung durch Orks geben? Die Reise der Zwerge mit Bilbo und Gandalf hält meines Erachtens genügend Irrwege und Stolpersteine bereit, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Da müssen nicht zusätzlich im Düsterwald bei den Waldelben auch noch Orks auftauchen, noch bringt es die Story irgendwie weiter, wenn sie auch in Esgaroth ihr Unwesen treiben. Im ersten Teil schon fand ich die Figur des Azog, der ja im Buch tatsächlich von Thorin getötet worden war, lange bevor sich die Zwerge aufmachten, Smaug zu vertreiben, nicht schlüssig, konnte mich aber gerade noch so mit ihm arrangieren. In Teil 2 fand ich das nur noch ärgerlich, dass die überall mitmischen mussten.
  • Beorn: Eine der interessantesten Figuren im Buch – völlig verschenkt! Dann hätten sie ihn auch ganz gleich weglassen können (wie Tom Bombadil in HdR), wobei das natürlich schlecht geht, weil er nochmal auftauchen wird. Aber so bleibt er völlig blass.
  • Die Spinnen und Bilbo im Düsterwald: Ich habe gerade das Buch nicht zur Hand, aber rettet Bilbo nicht die Zwerge völlig im Alleingang vor den Spinnen? Warum traut Jackson ihm das nicht zu, sondern lässt erst noch die Zwerge und dann auch noch die Waldelben ihm zu Hilfe kommen? Ich liebe diese Stelle so im Buch, weil Bilbo da sein Heldenpotenzial komplett ausschöpfen kann. Wie enttäuschend die Umsetzung – auch wenn sie tricktechnisch durchaus gelungen ist.
  • „Love-Triangle“ Legolas, Tauriel und Kili. Meine schlimmsten Befürchtungen bzgl. der Neuschöpfung Tauriel und ihrer Rolle im Film sind wahr geworden. Ich hatte vorher so gut wie keine Informationen oder Vermutungen über diese Elbin gelesen und versucht, ihrer Figur einigermaßen vorurteilsfrei „gegenüberzutreten“, auch wenn ich schon sehr skeptisch war. Rein optisch finde ich sie auch durchaus überzeugend als Elbin, auch wenn sie mir etwas zu „hibbelig“ für eine Elbin ist. Aber der Nebenplot, der sich um sie, Legolas und Kili rankt, ist so unglaubwürdig und überflüssig! Zwerge und Elben sind ja nicht gerade befreundet zu der Zeit, in der der Hobbit spielt (und auch im HdR freunden sich ja Legolas und Gimli recht zögerlich an), und da soll sich eine Romanze zwischen einer Elbin und einem – zugegebenermaßen schnuckeligen – Zwerg innerhalb von wenigen Minuten anbahnen? You’ve got to be joking! Ach ja, und natürlich rettet sie Kili und der hat exakt dieselbe „Vision“ von ihr wie Frodo von Arwen?! Musste das wirklich sein? Und vorher, als sie noch bei Thranduil gefangen waren – Legolas beobachtet heimlich (und eifersüchtig), wie Tauriel mit Kili redet?! Gut, Éowyn war auch in gewisser Weise eifersüchtig auf Arwen (, die sie ja aber erst am Schluss trifft, als sie schon mit Faramir zusammen ist), aber das war alles nachvollziehbar und man konnte auch mitfühlen mit ihr. Die „Liebesgeschichte“ hier ist einfach nur lächerlich!
  • Apropos Legolas: Ich verstehe, dass man ihn als Bindeglied zu HdR einsetzen wollte, ist ja praktisch, weil er Thranduils Sohn ist, auch wenn er im Hobbit keine Rolle spielt. Aber leider finde ich auch das völlig misslungen. Man sieht ihm einfach an, dass er über zehn Jahre älter ist; ich sah in ihm kaum den Legolas, der mein Held aus den Gefährten war, auch wenn man ihm dieselben Attribute verpasst hat: schnell mit dem Bogen und mit einem Faible für Skateboarding. Sein Springen über den Fluß „mithilfe“ der Köpfe der Zwerge hat für mich den Stunt mit dem Olifanten an Lächerlichkeit noch übertroffen.
  • Die Trennung der Zwerge in Esgaroth: Warum??? Ach so, ja, ich weiß, damit Tauriel Kili retten kann…
  • Last but definitely not least: Der Kampf der Zwerge gegen Smaug in Erebor. WTF??? Sollte das irgendwie die Spannung erhöhen? Als da plötzlich – nach der wirklich schönen Szene zwischen Bilbo/Watson und Smaug/Sherlock – erst Thorin und dann noch der Rest der Zwerge auftauchten und dann die große Verfolgungsjagd mit dem „Höhepunkt“ der Schmelzung einer riesigen goldenen Statue begann, war bei mir der Ofen ganz aus. Ungläubig ließ ich das über mich ergehen – mit dem Gefühl: Das war’s dann also. The magic is gone. Mein Begleiter war regelrecht wütend – ich konnte es noch kaum fassen, dass Peter Jackson, den ich bisher für seine Vision von Tolkiens Welt verehrt hatte, das mit diesem Film so gründlich versaut hatte.

Gab es auch Gutes? Ja:

  • Weiterhin Martin Freeman als Bilbo – insbesondere in der Szene mit Smaug (auch die anderen Rollen sind übrigens rundum gut besetzt, aber ich liebe nun mal Bilbo am meisten)!
  • Smaug: Sowohl optisch als auch akustisch (Benedict Cumberbatch) ein absoluter Leckerbissen!
  • Landschaft, Settings und Ausstattung nach wie vor großartig – ich mochte insbesondere Esgaroth!
  • Bard: ein würdiger „Ersatz“ für das Fehlen eines Mannes wie Aragorn. Luke Evans schaut verdammt gut aus und überzeugte mich auch schauspielerisch.
  • Die Spinnen im Düsterwald sind sehr creepy geworden – gut so!
  • Dol Guldur: Optik grandios! Und ich fand tatsächlich auch die Szene zwischen Gandalf und dem Necromancer/Sauron (schon wieder Cumberbatch) spannend und visuell interessant umgesetzt, auch wenn das mit dem Auge am Schluss ein bisschen so nach dem Motto war: Damit es auch der Letzte kapiert: das ist Sauron!
  • Das Titellied I See Fire von Ed Sheeran

Insgesamt so enttäuschend, dass ich nicht mal weiß, ob ich bei einer Live-to-Projection-Aufführung im Chor singen wollen würde… 4 von 10 Punkten.


13 Gedanken zu “The Hobbit: The Desolation of Smaug (dt.: Smaugs Einöde; Peter Jackson, USA/Neuseeland 2013)

  1. Meine Gedanken waren ähnlich:
    – Scheiße, der Drachen ist genial!
    – Die beste Szene ist die mit Gandalf und dem Necromancer (woooah!!)
    – Legolas war überflüssig
    – Tauriel und Thranduil waren super
    – Martin Freeman ist so toll
    – Igitt Spinnen
    – „I see fire“ von Ed Sheeran ist ein schönes Lied
    – Bombur hat die beste Szene bei der Fässer-Fahrt
    – Immer wieder schön Stephen Fry zu sehen
    – Ich würde mir einen eigenen Film nur über Radagast anschauen!

    Und es stimmt, dieser Bolg hat genervt wie Sau

    1. Ja, Thranduil habe ich irgendwie vergessen zu erwähnen – Lee Pace macht sich schon sehr gut als eiskalter Elbenkönig.
      Aber Bombur in der Fässerfahrt fand ich persönlich „too much“ – auch wenn es da Szenenapplaus im Kino gab.
      Stephen Fry hätte ich fast nicht erkannt – ungewohnt, ihn in so einer Rolle zu sehen, aber hat gepasst, ja.

  2. Ich bin im grossen und ganzen auch deiner Meinung 🙂 Denn noch finde ich die Love-story süss ❤ Aber WARUM mussten sich die Zwerge bloss trennen?!? Konnte Tauriel die Finger einfach nicht von Kili lassen? Währe sie früher aufgetaucht, könnten sie Zwerge gemeinsam aufbrechen..
    Aber trotz allem liebe ich diesen Film 🙂

    1. Danke für deinen Kommentar! 🙂
      In jedem anderen Fantasy-Film hätte ich mich mit der Liebesgeschichte zwischen Kili und Tauriel vielleicht anfreunden können – in Tolkiens Welt passt sie meines Erachtens nicht und ist halt aus meiner Sicht auch völlig überflüssig – es gibt großartige Filme ohne jede Liebesgeschichte, z. B. – erst vorgestern gesehen – „Lawrence of Arabia“. Der Film kommt auch ohne Frauen aus und ist ein Meisterwerk. Nun, vielleicht haben sich die Sehgewohnheiten des Publikums geändert seitdem, aber manchmal finde ich, könnte man dem Publikum auch etwas mehr zutrauen. Ich glaube nicht, dass der Film ohne Tauriel weniger gut angekommen wäre.

      1. Danke für den Tipp wegen „Lawrence of Arabia“. Werde ich bestimmt mal schauen 😉
        Aber mir ist da noch etwas eingefallen: Legolas spielt jetzt auch im Hobbit eine Rolle, das heisst Legolas müsste in Herr der Ringe etwa 70 oder 80 Jahre älter sein! Ich weiss, Elben haben eine höhere Lebenserwartung 😉 Aber trotz dem ist es ein wenig verwirrend..

        Die Love-Story mit Aragorn und Arwen war aber irgend wie süss 🙂 Da war es aber auch ein wenig logischer. Arwen wurde auch im Buch erwähnt, nur beiläufig, dennoch wurde sie erwähnt! Tauriel wurde frei dazu erfunden. Arwen wurde ja zu einem Menschen weil das Elben aus irgendeinem, von mir unbekannten, Grund tun können. Aber Tauriel kann ja höchstens ein Mensch werden, aber noch lange nicht eine Zwergin.. Wie auch immer..
        Am besten stirbt Kili einfach in der letzten Schlacht (genau wie im Buch) und Tauriel bleibt für den rest ihres Lebens Single 😉

  3. Zu Legolas: Auch wenn Elben natürlich nicht so schnell altern und deswegen 60 oder 70 Jahre kaum ins Gewicht fallen, finde ich es trotzdem problematisch, weil halt nun mal Orlando Bloom im Hobbit älter aussieht als im Herr der Ringe. Er hatte halt damals noch „Babyspeck“ – heute ist sein Gesicht viel kantiger.
    Arwen und Aragorn waren auch im Buch ein Liebespaar, also hat das auch im Film gut gepasst, selbst wenn da auch manches noch dazugedichtet wurde (Arwen bringt Frodo nach Bruchtal etc.). Und auch Éowyn fühlte sich zu Aragorn hingezogen, sodass es auch so eine Art Love-Triangle gab. Stand auch alles in den Büchern.
    Zu Kili: Ich hoffe ja inständig, dass sie das Ende des Buchs nicht GANZ verhunzen und dann Kili leben lassen… Wobei ich das ja fast fürchte, wenn sie ihn jetzt schon einmal FAST haben sterben lassen. Wozu das Ganze, wenn er dann doch stirbt?
    Naja, wir werden es in weniger als einem Jahr wissen. Denn auch, wenn ich den zweiten Teil nicht mochte, werde ich mir sicher auch noch das Ende reinziehen…

  4. Das mit dem Love-Triangle fand ich auch ziemlich unnötig – das ist wieder so eine völlig vorhersehbare Sache, die nur drin ist, damit man noch ein paar mehr Zuschauer bekommt. Bei Smaug bin ich hin- und hergerissen, ob er mir gefallen hat; ich fand es ziemlich irritierend, dass er reden kann (aber ich hab das Buch auch nicht gelesen.)

    Wo ich dir mit 100% zustimmen kann, sind Luke Evans (der einfach fast genauso aussieht wie Orlando Bloom) und „I See Fire“ – könnte ich in Dauerschleife hören ❤

  5. Azog, Tauriel, Legolas und Radagst… wenn ich mich recht erinnere, kommen die im Buch überhaupt nicht vor. Azog starb schon weit vorher.
    Alle drei Teile taugen nichts. Wenn man das ganze blöde hin und her Gerenne weglässt, hat man einen guten Drei-Stunden-Film 🙂

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