NT Live: Macbeth (17.10.2013)

Das zweite Shakespeare-Stück in dieser Saison – naja, eigentlich wäre es das erste gewesen, denn diese Aufführung wurde bereits im Juli aufgezeichnet. Für Neulinge: Allgemeine Informationen zu National Theatre Live sind hier zu finden.

Als ich vor ca. einem halben Jahr die Ankündigung für Macbeth mit Kenneth Branagh sah, war mir klar: diese Aufführung darf ich nicht verpassen! Branagh ist ja schon eine Koryphäe, was Shakespeare anbelangt – es gibt zahllose Verfilmungen von und mit ihm, u. a. Henry V (1989), Viel Lärm um Nichts (1993) und Hamlet (1996). Und so war ich schon sehr gespannt, wie sein Macbeth sein würde. Immerhin mal ein Stück, das ich tatsächlich schon einmal gelesen habe, allerdings ist das ungefähr 20 Jahre her.

Obwohl die Aufzeichnung in der NT Live-Reihe gezeigt wurde: aufgeführt wurde das Stück nicht im National Theatre in London, sondern in einer Kirche (!) in Manchester. Die Zuschauer saßen rechts und links des Gangs, der zum Altar führt, mit Blick auf eben diesen Gang, der mit Erde aufgefüllt war. Dort spielte sich der größte Teil der Handlung ab. Am Anfang fühlte man sich fast wie im Film: da regnete es nämlich auf die kämpfenden Soldaten herab, die sich dann im Schlamm wälzten oder „tot“ dort liegen blieben. So etwas habe ich definitiv noch nicht in einem Theaterstück gesehen – tolle Idee!

Die gesamte Inszenierung und Besetzung (u. a. Alex Kingston als Lady Macbeth) war hervorragend – und doch hat mir Othello besser gefallen. Das mag aber schlicht an der Vorlage liegen, das Grundmuster von Othello ist irgendwie für mich auch leichter nachzuvollziehen. Ich habe jedoch anscheinend immer wieder Schwierigkeiten zu verstehen, warum Personen verrückt werden – ich konnte schon in der Zwischenprüfung im Englischstudium nicht beantworten, warum sich Ophelia (Hamlet) umbringt. Wobei das wohl auch daran lag, dass ich dachte, es würde als Vorbereitung auf die mündliche Prüfung genügen, wenn ich mir die Hamlet-Verfilmung von und mit Mel Gibson ansehe. Nun, dem Prof hatte es nicht gereicht… 😉

Und so mag ich es weder Kenneth Branagh und seinem Co-Regisseur Rob Ashford, noch den Schauspielern anlasten, dass ich nicht so begeistert aus dem Kino gekommen bin wie nach Othello. Ashford ist übrigens auch Choreograph, was man der Inszenierung deutlich angemerkt hat. Am beeindruckendsten diesbezüglich war die Szene mit dem „Wald“ gegen Ende des Stücks. Aber auch bei den drei „Weird Sisters“ und bei anderen Szenen wurde der Einfluss eines Choreographen deutlich. Die Weird Sisters haben mir ohnehin sehr gut gefallen, auch wenn sie nicht gerade gut zu verstehen waren. Aber sie hatten eine tolle Körperbeherrschung.

Kenneth Branagh selbst in der Titelrolle war natürlich superb, eine der besten Szenen war als er erfährt, dass Lady Macbeth tot ist – da war er in einer Minute noch ganz normal und dann heulte er so intensiv, dass ihm nicht nur Tränen runterliefen, sondern auch Spucke aus seinem Mund. Das klingt jetzt etwas eklig (war es auch), aber so ist es nun mal, wenn jemand trauert und heult – das ist nun mal keine saubere, hübsch anzusehende Geschichte. Alex Kingston, die ich hauptsächlich aus ER (Emergency Room) kenne, die aber in vielen Serien zu sehen ist und war, fand ich auch recht gut als Lady Macbeth.

Fazit: Innovative Inszenierung, tolle Schauspieler, aber – wohl aufgrund des Stoffes – nicht so beeindruckend wie Othello oder vor zwei Jahren King Lear.

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