The Fifth Estate (dt. Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt; Bill Condon, USA/Belgien 2013)

Schlechtes oder gutes Timing? Innerhalb eines Jahres kommen sowohl ein Dokumentarfilm als auch ein Spielfilm über WikiLeaks ins Kino – und beide laufen bei uns in der Sneak Preview. Ersterer (We Steal Secrets: The Story of WikiLeaks von Alex Gibney) legt einen Schwerpunkt auf den größten Leak, der Wikileaks von Bradley/Chelsea Manning zugeleitet wurde, während The Fifth Estate stärker Beginn und Ende der Partnerschaft zwischen Julian Assange (Benedict Cumberbatch) und Daniel (Domscheit-)Berg (Daniel Brühl) beleuchtet. Kein Wunder, denn der Film basiert zu einem Teil auf Domscheit-Bergs Buch Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt. Außerdem diente auch das Buch WikiLeaks: Inside Julian Assange’s War on Secrecy der britischen Journalisten David Leigh und Luke Harding als Vorlage. Beide Filme haben gemein, dass Julian Assange, der ja seit über einem Jahr in der Botschaft von Equador in London lebt, sie ablehnt. Er hatte sogar Benedict Cumberbatch in einer E-Mail darum gebeten, die Rolle nicht anzunehmen.

Im direkten Vergleich ist die Spielfilm-Version über WikiLeaks deutlich schwächer als die Doku. Beide Filme sind gleich lang, aber The Fifth Estate fühlte sich deutlich länger an, eine Straffung der Ereignisse hätte hier dem Film gut getan. Sicher, man wollte zeigen, wie sich erst Assange und Berg angefreundet haben und dann wieder entfremdet haben, das ist natürlich nur nachvollziehbar, wenn dazwischen einige Zeit verstreicht, aber so fehlt dem Film ein nicht-abbrechender Spannungsbogen.

Was mir außerdem – in der Originalversion, wie immer – aufgestoßen ist, ist der mangelnde Mut des Regisseurs, mit Untertiteln zu arbeiten. Es gab eine ganze Reihe von Szenen, in denen sich nur Deutsche unterhalten haben (z. B. Daniel Berg und der Hacker Marcus, sehr gut gespielt von Moritz Bleibtreu; Daniel Berg und Anke Domscheit, die Leute in der SPIEGEL-Redaktion) – warum haben die Englisch miteinander gesprochen? Ich weiß, für jemanden, der ohnehin die deutsch-synchronisierte Fassung ansieht, ist das kein Argument für oder gegen einen Film, aber ich fand das schon bei Der Vorleser bescheuert, dass beispielsweise Kate Winsley mit einer Art deutschen Akzent Englisch gesprochen hat, während im Hintergrund Deutsch zu hören war. So ähnlich war das hier auch manchmal, z. B. in der SPIEGEL-Redaktion. Da würde ich mir wünschen, dass man entweder den Zuschauern – auch in den USA – mehr zumutet und die Stellen auf Deutsch lässt (wie zuletzt bei Rush, zufälligerweise ja auch mit Daniel Brühl) und untertitelt, oder dann konsequent ALLE Englisch reden lässt – und nicht im Hintergrund deutsche Sprachfetzen hören zu lassen.

Schauspielerisch gibt es allerdings nichts auszusetzen: Daniel Brühl beweist schon ein zweites Mal in diesem Jahr, dass er auch in internationalen Produktionen eine gute Figur macht. Benedict Cumberbatch IST Julian Assange – in keinem Moment fühlt man sich an Sherlock oder irgendeine seiner anderen Rollen erinnert. Er ist einfach ein großartiger Schauspieler, was er erneut verbal und durch Körpersprache beweist. Auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt, so glänzen unter anderem die Briten David Thewlis als Guardian-Reporter Nick Davis und Downton Abbey-Beau Dan Stevens als sein Kollege Ian Katz, während die Amerikaner Laura Linney und Stanley Tucci  Mitarbeiter der amerikanischen Regierung spielen, die versuchen zu vermeiden, dass Informanten (hier: Dr. Tarek Haliseh, gespielt von Alexander „Dr. Julian Bashir“ Siddig) durch die enthüllten Dokumente zu Schaden kommt.

Trotzdem vermag der Film alles in allem nicht so recht zu überzeugen und ich gebe ihm 6 von 10 Punkten.

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